„Ich habe Größe M genäht“ – Über Schnittrezensionen und welche Informationen wichtig sind

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Ich habe es sicher schon das eine oder andere Mal kurz angesprochen: Wie schade es ist, wenn jemand über ein genähtes Kleidungsstück bloggt, aber keine Information zur Größe relativ zum eigenem Körper gibt. Ich schreibe gerne „Größe lt. Maßtabelle gewählt“.

Auf Instagram gibt es seit kurzer Zeit eine Initiative die eigenen Körpermaße zu posten. Zu finden u.a. unter den Hashtags #measurementmovement und #sewmysize. Rachel von minimalistmachinist hat dazu einen guten Übersichtspost gepostet. Beispiele für Nähblogger mit Größeninfos sind z.B. handmadephd, macsmakerspace, heatherandthepugs, popofneutral oder auch s.is.for.sew. Die Größe ist eine der wichtigsten, aber nicht die einzige relevante Information.

Nach was sucht man nun eigentlich, wenn man nach einem Schnittmuster „googelt“? Klar, einerseits nach genähten Beispielen, einfach zur Inspiration, aber eben auch Informationen zur Passform, der Schnittkonstruktion, möglichen Fallstricken und anderen kleinen Details, die das eigene Nähen bereichern könnten. Aber auch die Abänderungen. Was würde ich gerne wissen, wenn ich einen Bericht über ein Schnittmuster lese?

Das Schnittmuster: Name und Schnittersteller. Eine Verlinkung erleichert nicht nur dem Leser weitere Recherche, sondern macht auch das Einbinden von fremden Bilder wie technische Zeichnung, etc. unnötig. Kurze Beschreibung, wenn überhaupt. Meist ist durch das genähte Werk klar, worum es geht. Ein Kopieren der Schnittbeschreibung ist wiederum Copyright-mäßig fragwürdig und klingt für mich immer komplett nach Werbung.

Die Größenwahl: „Ich habe Gr. 38 genäht“! Ja, das sagt mir viel – über die Größensache habe wir hier schon einmal geschrieben. Kaufgröße ist nicht gleich andere Kaufgröße ist nicht gleich eine meist willkürlich gewählte Größe einer Schnittmusterfirma. Die Größe ist immer nur MIT den Körpermaßen zusammen eine relevante Information! Dass man diese natürlich nicht immer so gerne öffentlich publiziert, verstehe ich komplett. Eine Information ob die Schnitte „true-to-size“, also größengerecht, ausfallen reicht komplett. Also eben z.b. das bereits genannte: „Größe lt. Maßtabelle gewählt“. Gerne noch dazu, wenn man von einer Größe ausgegangen ist, und eine andere ignoriert hat – bei locker geschnittenen Oberteilen z.B. nicht ab der Taille auf die nächstgrößere Größe gradiert.

Abweichen vom Design: Erste Frage: Sieht es so aus wie auf der Zeichnung/am Designbeispiel? Zweitens: Es soll oversize sitzen, aber man mag es lieber etwas enger? Oder genau in der umgekehrten Folge? Toll, wenn das Schnittmuster so variabel verwendet werden kann! Einfach dazuschreiben. Schnittmusterersteller haben eine Vorstellung im Kopf, ein gewisses Designideal und es ist gut zu wissen, wenn man gröber davon abgewichen ist.

Fehler im Schnitt: Leider kommt es hin und wieder vor, dass ein Schnitt fehlerhaft ist. Klar macht man auch selber Fehler beim Zuschnitt oder Nähen, doch wenn eine Distanz falsch ist, Nahtzugabe fehlt, wenn der Schnitt sonst Nahtzugabe enthält, die Armkugel einfach nur seltsam ist, dann liegt der Fehler eindeutig nicht bei einem selber. Und alle die den Schnitt auch nähen möchten, sind froh wenn sie vorab gewarnt sind und können gleich vorab den Schnitt korrigieren. Ein recht berühmtes Beispiel fragwürdiger Konstruktion und grundsätzlicher Passform ist das Rue Dress. Auch Gertie’s Bücher sind durchaus bekannt dafür, dass die Schnitte nicht fehlerlos sind. Und hier findet sich ein sehr umfangreicher Blogbeitrag über den Sapporo Coat und all der Unstimmigkeiten die aufgetaucht sind, bei der Kontrolle des Schnittes. Interessanterweise liest man mehr von solchen Problemen bei den Indie Pattern.

Stoffwahl: An dieser Auswahl bin ich schon öfters gescheitert. Nicht, weil der Stoff so unmöglich war, aber dann doch nicht so ganz die gewollten Eigenschaften hatte. Ein bisschen mehr oder weniger Steifigkeit ist durchaus relevant … Spannend finde ich auch immer Werke, die in nicht empfohlenen Stoffen genäht wurden. Aber auch dazu schreiben was es war (oder eben so genau wie möglich) – in Bezug auf die Eigenschaften! Kunststoff ist zwar umwelttechnisch weniger toll, anziehen muss es aber jeder selbst …

Die Anleitung: Für manche komplett unrelevant, für andere weniger. Wie detailliert ist die Anleitung? Führt sie Schritt-für-Schritt durch den Nähprozess, ist sie auch für Anfänger geeignet oder beschränkt sie sich auf einige Punkte und setzt viel Wissen und Erfahrung voraus. Kleine Extras, wenn noch Lust dazu ist oder zum Beispiel, wenn irgendetwas nicht sehr gut zu Verstehen war, über eigene Problemlösungen berichten.

Aufbereitung des Schnittmusters: Gibts PDF oder Papierschnitt? Nette Information. A0-Plots sind dabei? Cool zu wissen. Wenn mich aber ein Schnitt sehr anspricht, ist es mir auch egal. Bzw. wenn ich sowieso keine Indie-Schnittmuster nähe (aus welchen Gründen auh immer) ist es auch nicht relevant.

Und zum Schluss: Es ist super praktisch wenn die relevanten Informationen am Schluss zusammen gefasst sind. Ich gehe natürlich auch mal im Fließtext nach dem Schnittmuster jagen, freue mich aber über „benutzerfreundliche“ Textboxen oder ähnliches.

So, das ist das was mir zum Thema eingefallen ist. Was sind für euch relevante Informationen?!

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7 Gedanken zu “„Ich habe Größe M genäht“ – Über Schnittrezensionen und welche Informationen wichtig sind

  1. Ich lese das gerne, die Details zu dem Schnitt. Oft wähle ich Schnitte von Labels, die mir gut passen. Ich lese aber auch gerne Rezensionen, wo es hakt. Schaue bei Bloggern, die eine mir ähnliche Figur haben. Ich finde das toll und ja gerade oversize ist wirklich Geschmackssache und dann spielt auch eine Sache, welche Länge steht mir grundsätzlich. Ich schätze es sehr, wenn ich nähere Angaben finde. Vielen Dank dafür.

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  2. Hmm, ich sehe das mit der Größe anders. „Größe laut Tabelle“ ist für mich nichtssagend. Wenn man laut Tabelle 38 gebraucht hätte, man aber tatsächlich Gr. 34 oder 42 hätte nähen müssen, wird man das schon irgendwo erwähnen, allein schon, um den Frust loszuwerden ;)
    Für mich ist viel wichtiger, in welcher Größe der Schnitt tatsächlich genäht wurde, damit ich sehe, wie Größe Soundso denn ausfällt und wirkt. Wenn jemand sagt, er habe Gr. 40 genäht und die Person ist deutlich dicker oder schlanker als ich, weiß ich eh Bescheid – und manche Schnittmuster sehen in bestimmten Größenbereichen am besten aus, dann finde ich es gut zu wissen, was ich denn da vor mir sehe. Um das einschätzen zu können.
    Und: Meine Oberweite passt laut Tabelle super in Gr. 38 – das ist aber nur das Rundmaß; ich habe ein G-Körbchen und einen superschmalen Rücken. Manchmal passe ich zufällig trotzdem genau in einen Schnitt, aber Frauen mit C-Körbchen und normaler Rückenbreite hilft das dann gar nichts, wenn ich schreibe, dass mir der Schnitt laut Tabelle in der Größe gut passt, weil das bei ihnen ganz anders aussähe. Da fände ich es hilfreicher, eine Blogseite zu erstellen und darauf die eigene durchschnittliche Kleidergröße und Figurbesonderheiten zu beschreiben – und bei der Schnittreview auf diese Seite zu verweisen.
    (Fände ich sowieso toll – ich bin schon diverse Male auf Schnittmuster „reingefallen“, die an Birnentypen fantastisch und an mir als Sanduhr/Apfel schrecklich aussehen …)

    In Gr. 38 sind die meisten Tabellen aber gleich und i.d.R. passt mir das auch halbwegs (die tausend Änderungen, die ich als sehr kleine Frau mit diversen Figurabweichungen machen muss, mal außen vor gelassen); wenn die Tabelle tatsächlich mal murksig war, schreibe ich das aber dazu. Das „Größe laut Tabelle“ kann man sich also bei mir getrost dazudenken, wenn ich nichts anderes schreibe.
    Sinnvoll finde ich die Angabe, welcher Stoff vorgesehen war vom Hersteller und welchen man verwendet hat. Gerade hab ich in einer Facebookgruppe ein Mädel gesehen, das sich über den viel zu weiten Sitz einer Tunnelzughose beschwert hat – die Hose war für Webstoff vorgesehen und sie hat sie aus Jersey genäht. Diese Information ist wichtig!

    Eine Übersicht am Ende des Beitrags gefällt mir auch sehr. In manchen Blogs muss man mit der Lupe suchen, welcher Schnitt und Stoff denn da verwendet wurde, das ist lästig. Manchmal wird auch nur der Schnittname geschrieben; wenn man nach „Hose Anna“ sucht, kann es schonmal dauern, wenn man den Hersteller nicht weiß … (gerade bei diesen Vornamen-Schnittmustern gibt es ja teilweise auch Dopplungen, weil eben der nächste Hersteller auf die gleiche Benennungsidee gekommen ist).

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  3. Ich finde deinen Post sehr gut und es wäre toll, wenn jeder sich die Mühe machen würde, aber es ist eben mehr Arbeit in einem Post. Ich persönlich orientiere mich im Wesentlichen am Design eines Modells, ich habe noch nie, nie, nie ohne Anpassungen gearbeitet. Lange Arme, Hohlkreuz, leichter Buckel, Bauch, tiefer sitzende Brust, lange Beine, insofern nutze ich Schnittmuster zur Inspiration. Bei einfachen Schnitten konstruiere ich gleich selbst. Das mit den Hinweisen zur Anleitung hingegen fände ich sehr gut, aber auch das ist subjektiv. Ich nähe nicht so gut und bin schon mit angeblich „tollen“ Anleitungen gescheitert, komme hingegen mit klaren Schritt-für-Schritt Angaben a la Burda zurecht. Stoffe kaufe ich nicht mehr online, sondern fasse lieber an. Auch da braucht es Erfahrung. Gut finde ich in Stoffshops die Gewichtsangabe, aber mir fehlt das Vorstellungsvermögen dazu. Beim Anfassen kann ich Fall, Farbe, Dichte usw. viel besser beurteilen. LG Anja

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  4. Danke für den Beitrag! :) Zu dem Punkt „Schnittmuster“ habe ich gleich eine Frage: Ich hatte in letzter Zeit darauf verzichtet, Schnittmuster zu verlinken. Natürlich ist eine Verlinkung für die Leser bequemer, aber setzt man sich durch die Verlinkung durch die DSGVO-Änderungen evtl. in die Nesseln, weil das als Werbung interpretiert werden könnte?
    LG Maria

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    1. Puh. Eine rechtsgültige Antwort wird Dir nur ein Anwalt geben können. Unsere Meinung dazu haben wir unter „Werbung“ kundgetan (findet man im Footer unten rechts). Die Auslegung hat natürlich ein Risiko, aber wir sind immer noch ein Hobbyblog. (Und es gibt größere Fische …)
      VG, Anna

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  5. Danke für deinen Beitrag. Ich bin auch schon hier und da auf die Suche gegangen nach Informationen zu Schnittmustern. Auf Facebook-Blogs und Insta geht es immer nur um das zeigen toller Fotos. Informationen zum Entstehungsprozess sucht man dort vergeblich. Leider findet man dort aber am schnellsten Beispiele. Oder gibt es eine Möglichkeit viele Blogs auf einmal zu durchforsten?
    Wie Nria schon sagte, wäre die bloße Erwähnung der genähten Größe schon hilfreich. Ich persönlich will auch nicht meine ganzen Körpermaße im Internet veröffentlichen!

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    1. Abgesehen von Google, kann man auf Bloglovin suchen, das setzt aber voraus, dass Blogger ihre Blogs registriert haben.
      Ich persönlich kann z.B. mit der genähten Größe nichts anfange, da ich sehr schlecht darin bin, bei anderen die Größe abzuschätzen.
      VG, Anna

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