Eine Hommage an Audrey Hepburn – Klassisch im Vintage-Karo

(read in English)

Hin und wieder braucht man zwischendurch ganz unkomplizierte und einfache Nähprojekte. Bisher entpuppten sich meine “schnell-zwischendurch-zum Entspannen“ Nähprojekte eher als das Gegenteil. In diesem Fall war das Kleid, in welches ich mich ganz spontan verliebte, wirklich ganz ohne schwerwiegende Zwischenfälle zu nähen. Obwohl es Karostoff ist. Dies liegt aber vermutlich daran, dass der Schnitt ganz schlicht ist. Ein Oberteil mit Abnäher, ganz leicht angeschnittenen Ärmeln und ein Faltenrock.

Das Kleid

Da der Karostoff durch einen geringen Kunstfaseranteil querelastisch ist, habe ich das Oberteil mit dem demselben Stoff gefüttert. Denn diese leichte Dehnbahrkeit wollte ich auf keinen Fall verlieren. Was nicht ganz überraschend kam war, dass die Abnäher sowie die Seitennähte angepasst werden mussten. Abnäher von Vintage Kleidern haben bei mir bisher noch nie gepasst, das liegt vor allem an der speziellen Form der damaligen Unterwäsche. Entweder sind die Abnäher deutlich zu hoch oder viel zu weit unten. Das ließ  sich aber leicht beheben. Auch nichts neues bei diesen Kleidern ist, dass ich die Taillie um ca. 2 cm anheben musste, dafür konnte ich bisher immer die Original Saumlänge verwenden.

Beyer Mode 2 1959 A2

Ein bisschen mehr Herausforderung war der Rock: Wie sollten die Falten gelegt werden, sodass sie am Ende ganz gleichmässig sind? Mit Vielem hin und her habe ich schlussendlich die richtige Faltentiefe gefunden. Nun konnte ich mich beim Heften austoben, andernfalls wurden die Falten einfach nicht schön bzw nicht meinen Anspruchen genügend gleichmäßig. Und ich muss ehrlich sagen, ich habe noch nie in meinen Leben so viel an einem Kleidungsstück geheftet. Denn die Seitennähte des Rockes wurden mit einfachen zusammennähen auch nicht so rasend schön. Also gab’s mit Untermalung von diversen Kabarettisten (Hans Liberg, Gerry Seidl, Josef Hader) eine „Heftorgie“.

Als dann endlich alles geheftet war, ging es an das Zusammennähen. Da musste ich bei den Seitennähten noch etwas tricksen, sodass die Karos bei Ober- und Unterteilen doch einigermaßen gerade aneinander stießen. Der verdeckte Reißverschluss war schnell genäht. Da bin ich schon ganz routiniert.

Die Jacke

Während ich noch am Kleid nähte, begann ich auch an der Jacke zu arbeiten. Diese ist nach dem gleichen Schnitt wie das Frühlingsensemble. Ich musste nämlich feststellen, dass ich kaum passende Jacken für meine Vintage Kleider habe, und es hin und wieder ja dann doch mal kühler ist und eine passende Jacke nicht übel wäre. Abgesehen vom Zuschneiden und Kleben der Einlagen, hatte ich die Jacke an einen Nachmittag fertiggenäht. Nur das Futter musste ich später noch verstürzen. Damit die Jacke auch zu anderen Outfits passt, ist sie außen ganz schlicht schwarz und nur wenn man den Beleg ausklappt, sieht man das zum Kleid passende Karo. Da Knopflöcher nicht so mein Fall sind gab es wieder einen Druckknopf und Dekoknöpfe wenn auch auf einer anderen Position.

Die Gürtel

Mein Highlight des ganzen Looks sind allerdings die Gürtel – die ich beinahe vergessen hätte zu nähen. Ich hatte nämlich den Fotografen, mit denen ich zusammenarbeite groß verkündet, dass das Kleid fast fertig sei und Ende der Woche zum Fotografieren bereit sei. Nur fehlte zu diesen Zeitpunkt dem Kleid noch der Saum, das Futter musste im Kleid festgenäht werden und die Jacke fertig verstürzt werden. Die Gürtel waren noch gar nicht angefangen. So nähte ich dann bis spät in die Nacht hinein am Vortag des Fotoshootings.

Nun aber zu den Gürteln. Ursprünglich dachte ich, dies sei einfach ein langes mehrfach um die Taille gebundenes Band. Bis ich dann verstanden hatte, es ist ein im schrägen Fadenlauf geschnittenes Band, das drapiert wird. Wie genau das geschehen sollte war in der Anleitung nicht vermerkt. (Typisch für die Zeit war die Anleitung für das ganze Modell sehr knapp) Drum gibt’s es hier ein Tutorial mit meiner Methode, falls ihr inspiriert seid und diese Art von Gürtel auch so toll findet. Ich bin jedenfalls begeistert.

Und die tollen leicht Audrey Hepburn inspirierten Fotos sind wieder von Dani von Fotospuren und Marco von Mr-Foto vom Fototeam Luzern. Das Fotoshooting hat richtig Spaß gemacht (ein paar Touristen waren auch gleich inspiriert zum Knipsen). Und es war echt schwer eine Auswahl zu treffen. Leider habe ich nicht mehr Text sonst hätte ich noch das eine oder andere Foto reinschmummeln können.

Verlinkt ist das Kleid zum MeMadeMittwoch der aus der Sommerpause zurück ist (große Freude). Wie gewohnt von mir passt das Kleid nicht zum Motto mein schönstes Ferienerlebnis, aber ich bin sicher die eine oder andere Nähbloggerin hat da was passendes auf Lager oder zeigt einfach was tolles Selbstgenähtes/Gestricktes.


Fazit: Einfacher Schnitt, hübscher Stoff und zwei fabelhafte Gürtel und ein passendes Jäckchen. Passt.

Schnitt: Kleid Beyer Mode 2/1959, Jacke Neuer Schnitt 11/1962 schon mal beim Frühlingsensemble verwendet

Änderungen: Oberteil mehr Taillenweite und dafür in der Länge 2 cm weg

Zeit: so im gesamten 2 Wochen und eine Woche davon intensiv immer am Abend.

Material: Kleid: Karostoff von myTex, Jacke: matter schwarzer Baumwollstain, silbernes Venetia Futter

Beyer Mode 2 1959 B12


42 Gedanken zu “Eine Hommage an Audrey Hepburn – Klassisch im Vintage-Karo

  1. Super schön: Das Kleid, die tollen Fotos, die perfekt passende Jacke… Toll auch, dass du alles so detailliert beschreibst und am Ende noch mal aufzählst welche Schnitte und Stoffe du verwendet hast und vor allem auch wie lange du dran genäht hast. Ich hätte übrigens auf dem Foto oben nicht gedacht, dass dem Kleid noch etwas fehlt. Ich fand es super toll. Aber dann zeigst du das Kleid mit dem Gürtel und das ist dann noch mal ein richtiger Wow-Effekt 🙂
    Viele Grüße, Melanie

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    1. Dankeschön.
      Ich lese selber gerne lange Texte und finde es immer schade wenn da nur steht habe ich genäht mit dem Schnitt und Stoff und fertig. Es sind eben die Einblicke in den Enstehungsprozess die das ganze erst interessant machen. Und so ein kleines Fazit finde ich selber sehr angenehm, dann muss man nicht den ganzen Text durchsuchen, sondern hat alle wichtigen Informationen komapkt an einer Stelle

      Freut mich das ich nicht die einzige bin die findet das die Gürtel das Tüpfelchen auf dem i sind.
      lg Sabine

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  2. Was für ein Hingucker!
    Das Kleid passt wie angegossen. Auch Stoff und Schnitt sind füreinander geschaffen.
    Ein wirklich tolles Teil(e).
    und wie immer traumhafte Fotos!
    LG Uta

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  3. Was ein tolles Ensemble. Ich liebe, dass das Futter der Jacke der Kleidstoff ist und das so nett hervorblitzt! Einfach toll 🙂 Der Stoff vom Kleid gefällt mir sowieso sehr, sehr passend zu dem Schnitt. Und sitzen tut das ja alles wie angegossen. Die Fotos sind auch total schön, was ein rundum gelungener Blogpost, ich hatte viel Spaß beim Lesen und Gucken 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

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    1. Dankeschön.
      Freut mich sehr das du Freude am Blopost hattest.
      Ich finde es immer sehr schick wenn das Jackenfutter zum Kleid passt. Ich hab leider das Foto vom Original vergessen aber das ist eben auch aus Karo.
      Lg Sabine

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  4. Liebe Sabine, ich kann wieder nur WOW sagen. Mega Kleid, steht dir hammermäßig und die Fotos könnte man nicht besser machen. Ich bin mein eigener Fotograf und deshalb leider nicht wirklich mutig genug, mich mit Stativ und Selbstauslöser an belebte Orte zu begeben. Aber es macht die Kleidung so viel lebendiger…

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    1. Merci.

      Ganz ehrlich ganz am Anfang habe ich es schrecklich gefunden, wenn nur irgendwo in der Nähe war, wenn wir fotografiert haben. Aber mittlerweile habe ich da eine gewisse Übung und wir sind meist frühmorgens am Wochenende unterwegs da ist das Licht am besten und weniger los.

      Aber ich denke so ganz alleine mit Stativ und Selbstauslöser würde ich mich auch nicht in die Menschenmenge stellen.
      Lg Sabine

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  5. Ich liebe solche Texte wie Deiner es ist. Das ist für mich immer wieder ein Highlight, wenn jemand genau und auch lustig beschreibt, was es alles um diesen Schnitt herum gibt. Toll. Also vom Kleid, Jäckchen und den Gürteln bin ich ja schwer begeistert. Dein Fototeam stellt Dich richtig in Szene. Ganz große Kino!!
    Liebe Grüße Epilele

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    1. Ich freue mich dafür sehr wenn jemand den ganzen Text liest und nicht nur Bildchen guckt. Und sich auch gut unterhalten fühlt. Nur, ich hab es genäht zu schreiben, ist ja nicht sooo spannend.
      Ja das mit den Fotografen war ein richtiger Glückstreffer.
      Lg Sabine

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  6. Also Kleid Style und Bilder sind einfach wieder mega, du siehst so cool aus ! Hammer ich habe jetzt auch meinen ersten Karostoff hier liegen mal schauen was das wird… dir ist das Kleid einfach richtig gut gelungen Glückwunsch liebe Grüße Sarah

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  7. Wahnsinnig tolle Fotos, ein wunderschönes Outfit und ein toller Text – ich bin sehr begeistert! 🙂 Deine Liebe zum Detail ist überall so sehr zu spüren. Wie toll, dass du für das Jackenfutter den Kleidstoff verwendet und dadurch ein schönes Ensemble geschaffen hast. Spannend, was du zu den Gürteln schreibst. Und wie unterschiedlich die Outfits durch die Wahl des Gürtels wirken.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Hach Dankeschön.
      Es ist ja immer spannend wieviel vom Text wirklich gelesen wird.
      Tja wie soll ich sagen, wenn ich schon nähe dann richtig. Und besonders das aufgreifen des Kleid/Blusenstoffes ist mir bei einem anderen Vintage Schnitt aufgefallen und das hat mir sehr gefallen. Je nachdem wie spektakulär das Outfit sein soll kann ich das Kleid ohne Gürtel, mit dem grauen oder mit schwarzen Gürtel tragen.
      Lg Sabine

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  8. Das ist ja wirklich ein tolles Kleid! Und wenn Du das als einfaches Projekt bezeichnest, möchte ich lieber nicht wissen, was für Dich kompliziert ist…ich finde die ganze Kombination von Kleid, Jäckchen und natürlich Gürtel einfach gelungen und stimmig! Und das Foto-Shooting war sicher lustig–vermutlich haben alle Touristen gedacht, daß da irgendeine berühmte Schauspielerin Bilder für ihren nächsten Film machen läßt!
    LG Barbara

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    1. Ja das läuft eindeutig unter einfach. Die Jacke habe ich schon einmal genäht, also keine Anpassungen notwendig, nur zusammennähen. Und der Schnitt vom Kleid ist ganz einfach, Oberteil, Rock und Reißverschluss. Keine Paspelknopflöcher, komplizierte Abnäher oder Anpassungen notwendig.
      Mit den Touristen wars gar nicht so schlimm war noch zu früh, da waren die meisten noch am Frühstücksbuffet.
      Lg Sabine

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  9. Spektakuläre Fotos,tolles Kleid und sehr informativer Text! Die Vintage Modelle stehen Dir sehr sehr gut. Was mich noch mehr freut: Dein Tuto für die tollen Gürtel. Sieht nach rel. viel Arbeit aus, aber dieses Acessoire wertet selbst das schlichteste Kleid ungeheuer auf. Werde ich unbedingt ausprobieren.
    LG Dodo

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    1. Dankeschön, so viele Komplimente für den Text heute, dass freut mich.
      Der Gürtel ist ein ideales Projekt für einen Nachmittag und behaupte ich mal nicht so kompliziert. Vermutlich liest es sich komplizierter, als es ist. Aber ich bin dann gespannt, wie dein Gürtel wird und es dir mit der Anleitung geht.
      Lg Sabine

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  10. Na, wenn das Kleid und du in dem Kleid mal keine Touristenattraktion für sich ist! Ich finde es ja toll, dass du dich professionell photographieren lässt, das Kleid hat es jedenfalls verdient und muss sich nicht verstecken. Ich lasse mich ab und an von meinem Mann irgendwo ablichten und bin da schon scheu. Aber mit Profi und ganz in Schale dachten wahrscheinlich alle es wäre für dein Lookbook, was irgendwie auch stimmt… 🙂

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    1. Herzlichen Dank. Ja es hat schon Vorteile wenn der Fotograf es gerne macht und sich nicht halt erbarmt damit es irgendwelche Fotos. Und wenn man sein Outfit anzieht und sich herrichtet, da kommt man auch so richtig in Fotostimmung.
      Lg Sabine

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  11. Außergewöhnliches Kleid und wundervolle Bilder! Ich schaue in Zukunft öfter vorbei. Und die Jacke werde ich mir auch gleich genauer anschauen. Ich mag solche Kleider mit Taille und weitem Rock, mir fehlt aber auch immer etwas zum drüber ziehen. Danke für den Hinweis.
    Liebe Grüße
    Stacia

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    1. Dankeschön und freue mich dich öfters hier zu sehen. Ich denke das mit dem fehlenden passenden Jäckchen ist ein allgemeines Problem. Kleider nähen macht mehr Spaß und ist nicht so aufwendig wie eine Jacke zu nähen. Strickjacken wären natürlich auch eine Möglichkeit, aber ich kann nicht stricken und eine passende zum kaufen finden, stell ich mir schwer vor.
      Lg Sabine

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