Maßtabelle, Kaufgröße & Co – Alles zur richtigen Größenwahl

größenwahl

„Frau Holler ist Größe 40.“ Wer den Aenne Burda Film gesehen hat, weiß was ich meine. Für alle anderen: Für gelungenes Schneidern ist eine wichtige Vorraussetzung, dass Schnittmuster nach Standard-Maßen gezeichnet sind und mit der Maßtabelle übereinstimmen. Die folgenden Tipps, sind eine Sammlung unserer Erfahrungen rund um das Thema Größenwahl.

Tipp #01 Richtig vermessen

Richtig vermessen ist nicht leicht. Alleine kann man auf jeden Fall den Brust-, Taillen- und Hüftumfang messen. Für alle anderen Maße braucht man unbedingt eine zweite Person. Wenn dies ein Laie – Freundin oder Partner – macht, so sollte sich an einer Anleitung zum Maßnehmen orientieren. Diese findet man in vielen Passform- oder Grundschnittbüchern (z.B. „Der große Fotoguide für die perfekte Passform“ vom Stiebner Verlag oder „Patternmaking in Fashion“ von Lucia Mors de Castro) oder auch in guten Nähzeitschriften (z.B. Burda style).

  • Brustumfang an der breitesten Stelle inkl. dem normalerweise getragenen BH!
  • Taille an der schmalsten Stelle – mit den Hüften wackeln bis es in der natürlichen Taille sitzt
  • Hüftumfang an der breitesten Stelle

Maßnehmen

Vermessen muss man in der Unterwäsche – bei Überkleidung muss man natürlich die Mehrweite berücksichtigen (sollte im Schnitt eigentlich bereits beinhaltet sein) – und das Maßband soll (ungedehnt) locker am Körper liegen – im besten Fall kann man es noch um den Körper bewegen. Wichtig ist auch immer wieder nachzumessen. Der (weibliche) Körper verändert sich laufend und genähte Kleidung soll ja sitzen!

„Es sieht immer unvorteilhaft aus, wenn man sich in zu enge Kleidung zwängt. Die korrekte Größe hingegen sitzt (je nach Schnitt) glatt oder locker auf kleinen Polstern und wirkt schmeichelhafter“, Guido Maria Kretschmer, „Das große Nähbuch“

Tipp #02 Die Kaufgröße

Die Kaufgröße wird von vielen gerne als Entscheidungsgrundlage für Schnittmustergrößen herangezogen. Die Kaufgröße ist jedoch je nach Kleidungsmarke genauso unterschiedlich wie die Größen und zugehörigen Maßtabellen bei Schnittmustererstellern. Auch das Herkunftsland spielt eine Rolle, denn die Maße entsprechend den üblichen Normen und Figuren des Landes – japanische und spanische Schnitte sind für zartere Figuren ausgelegt. Richte dich immer nach der Maßtabelle und nicht nach der Kaufgröße. Im Endeffekt ist es nur eine Zahl, die nie im Kleidungsstück stehen wird – man sieht jedoch ob das Kleidungsstück sitzt! Ziehe sie maximal als groben Richtwert heran! Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass selbst ich schlucken musste als ich einmal eine 40 nähen musste.

Tipp #03 Schnittdesign

Schnittdesigner haben eine Vorstellung wie eng bzw. locker ihr designter Schnitt am Körper sitzen soll und entsprechend fällt der Schnitt (normalerweise) aus. Ein erster Hinweis gibt die technischen Zeichnung, Beschreibung als auch genähte Beispiele. Bei manchen Schnitterstellern sind auch Fertigmaße angegeben. Damit meint man die Bequemlichkeitszugabe, die im Schnitt bereits enthalten ist. Für nicht dehnbare Stoffe muss mehr Zugabe eingerechnet werden, als für leicht oder strechtige Stoffe. Bei dehnbaren Stoffen können die Fertigmaße auf kleiner als die tatsächlichen Körpermaße sein. Die Big 4 (Butterick, McCall, Kwik, Vogue Pattern) sind z.B. berühmt dafür, dass sie sehr viel Zugabe geben.

Tipp #04 Ist meine Größe vorhanden?

Die Größen als auch die Größenbandbreite sind bei Schnittherstellern sehr unterschiedlich! Gerade im Bereich L und größer bzw. XS und kleiner sollte man unbedingt nachlesen, ob die eigene Größe (in der Maßtabelle) vorhanden ist, da man ansonsten nachher enttäuscht ist. Aufgradieren auf eine andere Größe ist je nach Schnittmuster mal leichter, mal schwieriger, bis schlichtweg unmöglich.

Tipp #05 Unterschiedliche Schnittersteller, unterschiedliche Basiskörperformen

Schnittersteller legen ihren Basisschnitten die verschiedensten Figuren zu grunde. Viele Schnittersteller nehmen die eigene Figur als Grundlage für seinen Basisschnitt her – was leider nicht immer ideal ist, wenn diese in irgendeinem Maß eine vom Durchschnitt abweichende Figur ist – mehr dazu nachzulesen bei Nahtzugabe. Manche Schnittersteller konstruieren explizit für spezielle Körperformen, für welche die erstellten Schnitte schneller passen und leichter anpassbar sind – Sewaholic für birnenförmige Figure, Cashmerette für Plus Size oder Elle Puls für große Frauen. Wenn man regelmäßig die gleichen Schnittersteller verwendet, weiß man bald wie diese ausfallen und was man für einen selbst verändern muss.

Tipp #06 Maßtabelle lesen & Schnitt ausmessen

Die Maßtabelle in jedem Fall lesen und auch ernst nehmen! Von Schnitten komplett ohne Maßtabelle (z.B. bei Jojolino gesehen) besser die Finger lassen.

Im besten Fall auch den Schnitt ausmessen: An den entsprechenden Maßstellen die Breite der Schnitteile ausmessen. Achtung, wenn die Nahtzugabe inkludiert ist, muss diese natürlich entfernt werden.

Erfahrungswerte wie z.B. dass oversizige Burdaschnitte meist wirklich extrem oversizig ausfallen, können als weiterer Parameter bei der Auswahl herangezogen werden.

Tipp #07 Vergleichen!

Vergleiche dein neues Schnittmuster mit einem gut sitzenden, ähnlichen Kleidungsstück oder mit einem gut passenden Schnittmuster. Dies gibt einen ersten groben Hinweis ob die Passform den Vorstellungen entspricht und ob es richtig sitzen wird.

Tipp #08 Gradieren, wenn notwendig

Markiere dir in der Maßtabell welche Größe Du für Oberweite, Taille und Hüftumfang benötigst. Ein Blick in die Fertigmaßtabelle (wenn vorhanden) oder die Maße vom Ausmessen zeigt, an welchen Stellen das Schnittmuster enger bzw. lockerer sitzt und ob es nötig ist zwischen Größen zu wechseln. Die Notwendigkeit ist je nach Kleidungsstück unterschiedlich:

  • Oberteile und ausgestellte Kleider ausgehend von der Oberweite
  • Hosen und Röcke nach der Hüfte
  • Bei locker geschnittenen Kleidungsstücken reicht es auch oft ein Mittelmaß auszuwählen.

Tipp #09 Probemodelle

Unter „tissue fitting“ versteht man, dass der Papierschnitt zusammengesteckt wird um ihn anzuziehen, eine Kontrolle der Passform durchzuführen sowie erste Korrekturen einzuarbeiten. Eine gute Anleitung dazu gibt es auf YouTube von Melissa Watson.

Probemodelle bei aufwendigen Schnitten sind essentiell um die perfekte Passform zu gewährleisten. Auch wenn sehr teure Materialien vernäht werden oder bei einem komplett neuem Schnittersteller lohnt sich ein Probemodell. Wichtig dabei ist einen ähnlicher Stoff wie das zukünftige Original bezüglich der Stoffeigenschaften zu verwenden.

Tipp #10 Material berücksichtigen

Stoff hat Einfluss auf die Passform. Stoffempfehlung der Schnittersteller sollten beachtet werden! Dies gilt besonders bei engen, figurbetonten Kleidungsstücken. Vorsicht ist außerdem geboten bei Schnitten die für Jersey und Webware ausgelegt sind (ohne Anpassung). Der Schnitt wird wahrscheinlich nur für eine Stoffart gut funktionieren bzw. für keine optimal sein.

Tipp #11 Apps, die helfen können

Der neueste Schrei ist gerade der „Zozosuit“, ein enganliegender Jerseyanzug mit Messpunkten der bei der Firma ZOZO kostenfrei bestellt werden kann. Die Firma stellt maßgeschneiderte Kleidung her, die Maße können aber natürlich auch für Hobbyschneider herangezogen werden.

Die App „mybodymodel“ zeichnet entsprechend der eigene Maße ein Croquis um zeichnerisch Schitte an seinem Körper austesten zu können. Es hilft für die Figure komplett ungeeignete Schnitt frühzeitig aufzudecken und bietet eine tolle Möglichkeit zukünftige Modelle grafisch darzustellen.

Einen Vergleich dazu hat erschöpftes Quota geschrieben. Lesenswert!

Und damit hoffen wir, dass ab sofort die Größenwahl besser gelingt!
Viel Erfolg wünschen die PeterSilien =)

 

 

 

 


4 Gedanken zu “Maßtabelle, Kaufgröße & Co – Alles zur richtigen Größenwahl

  1. Ich finde es manchmal schwer die richtige Größe auszumessen, oft sitzt es bei mir dann doch nicht wie ich dachte. Ich brauche wohl einfach noch ein bisschen Übung :D Wenn ich vom Hotel Eppan zurück bin, setz ich mich mal an mein nächstes Projekt :)

    Liebe Grüße

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    1. Absolut! Manchmal geht es einfach schief, aus den verschiedensten Faktoren. Darum unbedingt bevor man einen Lieblingsstoff anschneidet, unbedingt ein Probemodell machen. Hilft leider alles nichts.
      Viele Grüße, Anna

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