Burda Easy in Blaudruck oder Wie kommt das weiße Muster auf den Stoff?

Blaudruck impression6

Im Winter habe ich mir die Zeitschrift Burda Easy H/W 2018 gekauft. Ich hatte da ein paar sehr schlichte Modelle gesehen, die viele Möglichkeiten offen lassen, das mag ich. Aber es blieb beim Durchblättern und Überlegen. Vor kurzem habe ich an einem müßigen Abend alle Schnitte ausgeschnitten, das war so eine herrlich entspannende Tätigkeit: Man muss nicht nachdenken, kann ein wenig Radio hören, einfach gemütlich. Zudem könnte man, wenn man plötzlich Lust hätte, sofort mit dem Nähen eines Modells beginnen. Ich habe an diesem Abend sogar alle Schnitte mit ihren Einzelteilen sorgfältig in Klarsichthüllen verpackt und in eine Ringmappe gehängt. Nach ein paar Tagen fiel mir ein, dass der Mai immer näher rückt und damit der Färbermarkt in Gutau. In meinem Bericht darüber erzähle ich auch einiges über die Entwicklung des Blaufärbens in Mitteleuropa. Der Färbermarkt ist jedenfalls die Gelegenheit wieder schöne Blaudrucke zu erwerben, aber vielleicht auch die Gelegenheit Blaudruck zu vernähen und neue Modelle auszuführen! Und möglicherweise die Gelegenheit die vorbereiteten Burda Easy Schnitte zu testen.

Blaudruckstoffe, Baumwolle, Leinen
Blaudruckstoffe aus Tschechien, der Slowakei, Österreich, Deutschland,Ungarn, Indien. Der Stoff meiner Großmutter ist der Zweite in der zweiten Reihe rechte Bildhälfte, neben den Fischen.

Ich finde Blaudruck sehr schön und habe schon eine ziemliche Sammlung an unterschiedlichen Blaudrucken. Das ist mir erst so richtig aufgefallen, nachdem ich alle aus dem Kasten geräumt hatte. Der Älteste war ein Geschenk von meiner Großmutter für ein Leinendirndl vor gut 35 Jahren. Nachdem Blaudruck, als handwerklich hochwertiges Material, zu den Stoffen zählt, in die man halt nicht so leicht reinschneidet, habe ich noch nicht viel damit genäht – z.b. hier bei den blauen Blusen und bei diesem Top, sowie dem Krakenläufer.

Blaudruck wird mit Holzmodeln gedruckt. Diese Modeln werden und wurden ja eigentlich über Generationen weiter gegeben und viele Muster haben eine lange Tradition. So kommt es auch, dass einzelne Modeln 170 Jahre alt sind und immer noch – auf Wunsch – eingesetzt werden. Manche erinnern an barocken Brokat oder Biedermeier Blümchen. Aber wie kommen die feinen Muster auf den Stoff? Blaudruck ist ein Reserveverfahren ähnlich wie die Batik, das heisst: Zuerst wird der weiße oder naturfarbene Stoff bedruckt und dann erst gefärbt. Wie bei der Batik wurden auch beim primitiven Blaudruck Substanzen wie Wachs, Kleister oder Harze verwendet. Das änderte sich jedoch durch verbesserte chemische Kenntnisse im Lauf des 18. Jahrhunderts. Die Drucker gingen in Europa dazu über verschiedene Substanzen zu kombinieren, die dank ihrer chemischen Zusammensetzung die Färbung unmittelbar beeinflussen. Zunächst wurden vor allem Kupfersalze und Bleisalze als Oxydationsmittel hinzugefügt, später auch Zink-, Alluminium- und Quecksilbersalze. Das „Papp“ oder „Schutzpapp“ genannte Gemisch enthielt stets auch Zusätze von Verdickungs- und anderen Bindemitteln wie Gummi, Kaolin, Bleisulfat,Schmieröl und auch Schweinefett. Jeder Blaudrucker entwickelt seine individuellen Rezepte. Nach dem manuellen Aufdruck (schwere Arbeit, überwiegend Männerarbeit, die eingefärbten Modeln müssen vielfach „geschlagen“ werden), wird der bedruckte Stoff ca 2 Wochen getrocknet (man sagt dazu „versteinern“) und dann gefärbt.

Druckmodel für Blaudruck und das gedruckte Muster dahinter
Druckmodel und das fertige Muster dahinter, fotografiert am Färbermarkt in Gutau

Was mich, speziell bei mitteleuropäischen Blaudruckmustern, beschäftigt ist: Wie könnte man diese Muster abseits von Trachtig-Traditionellem verarbeiten? Die kleine Anna erhielt, als vielleicht Zweijährige, eine entzückende Blaudruck-Leinenhose mit angeknöpften Trägern von Oma. An die muss ich oft denken. Zugegeben: An einem Kleinkind wirkt natürlich jedes Streublümchenmuster niedlich. Sowas ähnliches nur für Große? Oder bewusst moderne Schnitte? Vielleicht gleich ein wenig avantgardistisch? Nicht, dass mir nicht auch ein Blaudruckdirndl gefallen würde, aber was geht sonst noch … Viele der Stoffe sind eher steif, zumindest werden sie bei uns auf festere Baumwolle gedruckt, und das Leinen ist noch viel bockiger. Interessant sind auch die vielen Blaunuancen. Alles Indigo und doch so verschieden. Einige Muster sind sogar sehr modern, dazu gibt es schon konkrete Pläne bei mir und zwar schon lange. Aber die schönen Blümchen? In letzter Zeit habe ich jedenfalls Wind und schönes Wetter genutzt und alle gewaschen, bis auf einen, der mir entgangen ist und auch nicht auf dem Foto oben zu sehen ist.

Die erste Bluse, die ich vorstellen möchte, ist das Modell 4b aus Burda Easy H/W 2018. Gearbeitet ist sie aus hauchzartem indischen Baumwoll-Blaudruck (von Karlotta Pink). Wer genau hinsieht, wird merken, dass das Muster nicht symetrisch platziert ist, ich habe schlicht darauf vergessen. Das Original besitzt Manschetten, die bei meinem Stoffmustermodell nicht überzeugten.

Die Zweite Bluse nach dem Schnitt Burda Style 2/2016 (Modell 102) ist aus einem Stoff mit Bordüre. Diesen Blaudruck habe ich in Gutau erworben – und eigentlich nur, weil der Blaudrucker so gar nicht verstehen wollte, dass ich keinen Stoff mit Bordüre auswähle. Es war eigentlich zuwenig Stoff für den Schnitt, deshalb ist ein Ärmel gestückelt und besitzt eine senkrecht verlaufende Bordüre.

Die Jacke mit Kordeldurchzug ist ebenfalls ein Burda Easy Schnitt, nämlich Modell 5b. Sie ist sehr hübsch geworden, und ich probiere gerade wozu und wie sie sich am besten kombinieren lässt. Man kann die Jacke leicht raffen oder ganz gerade tragen. Sie ist nicht gefüttert.


Fazit: Ich bin eigentlich ein richtiger Blautyp, das sieht man allerdings in unserem Blog nicht. Was man mit meinen Blaudrucken noch anstellen kann, wird mich wohl noch länger beschäftigen. Die gezeigten Schnitte sind alle drei hervorragend und praxistauglich, und die Stoffe, reine Baumwolle, wunderbar zu tragen und, nun ja, Blau ist einfach sehr schmeichelhaft zur Hautfarbe. Außerdem freue ich mich riesig auf den nächsten Färbermarkt!

Stoffe: indischer Blaudruck Karlotta Pink, die anderen beiden Blaudrucke habe ich auf dem Färbermarkt erworben – dieser findet immer am ersten Sonntag im Mai statt!

Schnitt: Burda Easy H/W 2018, Modell 4 und 5, und Burda Style 2/2016 Modell 102

Und damit gehts auf zum MeMadeMittwoch!

 


26 Gedanken zu “Burda Easy in Blaudruck oder Wie kommt das weiße Muster auf den Stoff?

  1. Liebe Silvia, hm, ich kann garnicht sagen, welches Blaudruck-Kleidungsstück mir am besten gefällt. Jedes Teil ist für sich wunderschön und ich kann nur bestätigen, du bist auch ein „Blau-Typ“! Blaudrucke faszinieren immer wieder und wenn ich einmal im Urlaub mit Blaudrucken konfrontiert werde, kauf ich glaube ich den Laden leer. Toll!!!
    Liebe Grüße Epilele

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    1. Ich bin jetzt vor allem neugierig , welches Kleidungsstück zum Lieblingsstück wird oder zum Bestkombinierbaren. Das dauert bei mir auch immer, bis sich neues gut integriert in meinem Kleidungsschrank. Und, ja, Blau war schon immer mein favourite. Liebe Grüße Silvia

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  2. Superschön, vor allem die erste Bluse! Und die Stoffsammlung!
    Ich finde Blaudruck auch schon lange sehr attraktiv, allerdings kannte ich ihn bisher nur auf sehr festen Baumwoll- und Leinenstoffen, für Tisch- und Bettwäsche, aber nicht für Kleidung geeignet. Da werde ich jetzt mal die Augen offen halten!
    Liebe Grüße! Frau Buttonbox

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      1. Was für eine umfangreiche Sammlung an schönen Blaudruckstoffen! Alle Modelle stehen Dir sehr gut, mein Favorit ist das Jäckchen!
        Liebe Grüße, SaSa

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  3. Du zeigst in deiner Minikollektion doch ganz wunderbar, was mit den Blaudrucken alles abseits der Trachtenmode genäht werden kann! Alle Modelle stehen dir! Das Blau sieht zu deinem hellen Haar prima aus. Du fragst, was sonst noch genäht werden kann aus Blaudrucken. Mir fallen folgende Dinge ein: Eine luftige Hose mit weiten Beinen für die heiße Jahreszeit, so, wie du sie auch gerne trägst…:) Da ginge auch ein bockiger Leinenstoff. Eine Hemdbluse, eventuell mit blusigem Ärmel, bei der man an der Knopfleiste und den Manschetten Bordüren platziert, dazu Jeans oder Bleistiftrock. Eigentlich alle Modelle, die einen Stoff mit mittelschwerer Qualität und leichtem Stand benötigen. LG ellisscneiderfee

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    1. Danke für die Nähideen, ich seh das eine oder andere direkt schon vor mir… Bei Musterstoffen brauch ich besonders lang wenn sie an meiner unteren Körperhälfte landen sollen, aber ich muss da definitiv noch was versuchen. Liebe Grüße Silvia

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  4. Liebe Silvia, passt auch ganz wunderbar zur Jean. Kann man also sehr wohl auch modern verwenden, auch wenn auch ich bisher eher an Trachtenmode gedacht habe. Die Farbe steht dir sehr gut.
    Liebe Grüße Elke

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  5. Wahnsinn Silvia, die drei entsandenen Oberteile sind ja mega toll!!! Die sind mir in der Zeitschrift überhaupt nicht ins Auge gesprungen. Besonders die Jacke finde ich total spannend! hmmm… Die Stoffe sind herrlich, da hätte ich auch zugeschlagen, vielen Dank für die Hintergrundinformationen! LG Sarah

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  6. Danke für den interessanten Beitrag. Ich hatte mich, als ich zu Nähen anfing, für japanische Blaudrucke interessiert, und wusste gar nicht, dass es auch eine mitteleuropäische Tradition der Blaufärberei gibt. Vielleicht würde ich deshalb japanische Schnitte empfehlen, wenn Du nach etwas suchst, dass die Streublümchen bricht. Die Schuppenbluse ist der totale Hingucker. LG Manuela

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  7. Wie immer auf eurem Blog ein so schöner und ausführlicher Post. Danke dafür.
    Bisher hab ich den Blaudruck immer mit der Lausitz verbunden und ja, irgendwie schwebt auch gerade Bürgel-Keramik vor meinem geistigen Auge.
    Auf jeden Fall finde ich alle deine genähten Sachen so schön, schlicht und zeitlos. Ich denke, daß Du viele Jahre Freude daran hast.
    Liebe Grüße
    Susan

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