Stoffspielereien: Visible Mending – Work in Progress

Zuerst lag sie einmal ein paar Wochen halb aufgetrennt in einer Lade, meine Lieblingsjeans. Eine Hose, die ich schon Second-Hand erhielt, ein No-Name Produnkt, ganz einfach geschnitten und genäht: Keine Taschen, keine besonderen Nähte, Gummibund … aber der Stoff, sooo kuschelig weich, einfach die perfekte Alltagshose. Irgendwann ging sie dann doch kaputt: Im Schritt. Hosen zerreißen üblicherweise nicht dekorativ irgendwo am Oberschenkel, sie zerreißen an unpassenden Stellen. Ich hatte wirklich vorgehabt sie zu reparieren, aber schließlich entschied ich, aufgrund der schwierigen Stellen und der Brüchigkeit des Materials, sie komplett auseinander zu nehmen und was neues daraus zu machen: Eine Jacke (hier aus einem tollen Stoff fertig zu sehen).

Also habe ich die Hose ganz aufgetrennt, um möglichst viel Stoff zu erhalten. Auftrennen geht am besten, wenn mein Mann Tennis guckt oder Schirennen im Fernsehen laufen, das finde ich jetzt nicht so spannend, da genügt ein Ohr. Irgendwelche Nachrichten tun es natürlich auch oder eben eine interessante Radiosendung … Zuerst dachte ich nämlich: „Da werde ich nie fertig!“. Da war ich schon sehr versucht die Schere zu nehmen und die Nähte einfach abzuschneiden, habe ich schon oft gemacht. Aber gerade die Nähte wollte ich sichtbar erhalten, da führt kein Weg vorbei am Auftrennen.

Während dieser Arbeit entwickelte sich im Kopf so langsam die Idee zu meinem Projekt. Als Ergänzung zum Jeansstoff würde ich einen blaugemusterten Shweshwe-Stoff nehmen. Das ist keine rein ästhetische Entscheidung. In Afrika werden viele Jeans genäht, für sehr bekannte Marken, bei nicht ganz astreinen Arbeitsverhältnissen. Darüber möchte ich demnächst mehr erzählen.

Zuerst: Aktion planlos. Bei weißen Nähten sollte man sich im klaren sein was man macht.

Ich dachte bei meinem Flickwerk zuerst an weiße Nähte, wie bei Sashiko üblich, aber das hat gar nicht gut ausgesehen. Es wäre zuviel gewesen. Daher habe ich die vorbereiteten Flicken auf einem Schnittmuster aus Leinen (alte Bettwäsche) mit Hand festgenäht. Mit der Maschine hätte ich es ebenfalls versucht, aber das hat sich zu sehr verzogen. Bei Handnähten kann man sehr gut laufend korrigieren.

Es fehlen noch ein paar Teile, die werde ich bei der nächsten langweiligen Sendung fertigstellen. Mittlerweile bekomme ich schon ein gutes Gefühl dafür wo ich Akzente setzen könnte und wie!

Update: Die Jacke ist mittlerweile fertig und fotografiert!


Fazit: Ich mag sowas, wenn es knapp wird oder wenn es um Dekoration geht, eben Stoffspielereien …

Verlinkt bei 123-Nadelei zu den Visible Mending Stoffspielereien.

Das nächste Mal laden wir zum Thema Blumen ein! Nicht nur wie immer am letzten Sonntag des Monats. sondern auch am letzten Tag im Mai – extra viel Zeit also um mit Blumen zu spielen.

Die nächsten Termine:
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Sommerpause
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien


14 Gedanken zu “Stoffspielereien: Visible Mending – Work in Progress

  1. Ein gutes Projekt für die langen, hellen Abende. Da habe ich auch meine ersten Stopfstiche gemacht. An’s Aufttennen hatte ich garnicht gedacht, obwohl ich auch vieles recycle. Die Jacke wird toll und du hast lange etwas davon.
    Zum Maithema ‚Blumen‘ rattert schon meine Suchmaschine. Wenn ich rechtzeitig anfange, wird’s vielleicht was Größeres.
    Schöne Sonntagsgrüße, Elvira

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    1. Freut uns, wenn du schon etwas zum Thema Blumen überlegst! Das mit dem Auftrennen war teilweise mühsam, aber mit entsprechendem Hintergrundprogramm oder in Gesellschaft geht doch was weiter. Liebe Grüße, Silvia

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    1. Im „richtigen“ Patchwork bin ich eher ein Stümper: Ich habe große Scchwierigkeiten bei dieser passgenauen Arbeit, wiewohl ich sie sehr bewundere. Diese gezeigte Art von Patchwork dagegen mag ich sehr. Schön, wenn es dir auch gefällt! Liebe Grüße, Silvia

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  2. Spanned! Ich freue mich schon, die fertige Jacke zu sehen. Wie großartig, wenn man einem Lieblingskleiderstück so ein zweites Leben schenken kann.

    Herzliche Grüße!

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  3. Schade, dass es gerade kein Tennis oder Schirennen im Fernsehen gibt. Aber etwas anderes Langweiliges zu finden sollte ja kein Problem sein. Und dann kann deine Jacke schön weiterwachsen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf das Ergebnis! Liebe Grüße Christiane

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  4. Ein spannendes Projekt. Die Zusammenstellung von Farben und Mustern gefällt mir, das kann ich mir gut als Jacke vorstellen.
    Vielleicht würde ein konzentriertes Stärkelauge-Bad Verziehen verhindern. Ziernähte und Absteppungen ändern die Struktur und Haptik fester Jeansstoffe, Starre verschwindet etwas.
    Ich bin gespannt auf Deine neue Jacke. Aber das hat ja Zeit. Irgendwie ist ja auch der Weg das Ziel.
    LG Ute

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    1. Das mit dem Stärkelaugebad ist ganz was neues für mich,. es gab da ein zwei Stellen, die sich etwas verzogen, aber mit dem Handsteppen konnte ich zumeist ausgleichen. Ich werde mir den Tipp vormerken…Liebe Grüße , Silvia

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  5. Was für ein Aufwand ! Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt, das wird so edel aussehen wie eine feine, noble, seltene Antiquität.
    Zum Thema „Blumen“ habe ich schon mehrere Ideen bzw. Projekte in Arbeit,
    Liebe Grüße bis dahin

    Tyche

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