{Kursbesuch} Shibori – Färben auf Japanisch

Bei mir stehen gerade japansische Techniken auf dem Tagesplan, denn an der Migros Klubschule Luzern steht der März ganz im Zeichen von Japan und ich habe mich für alle Kurse rund um textile Techniken angemeldet: Shibori, Yubinuki (findet leider nicht statt) und Sashiko.

Und so ging es Sonntag Vormittag nach Luzern. Es war ein Traumwetter und so schön leer – das hat mich daran erinnert, dass ich öfters am Wochenende früher aufstehen und rausgehen sollte. Ich war mir ehrlich noch unsicher ob ich die Technik mag. Aber das bin ich meist wenn es um nasses Zeug, Farbe und „rumgatschen“ geht.

Der Kurs startete mit einer Einführung in die Technik, welche Abbindetechnik welches Muster ergibt und was für Schritte nacheinander gemacht werden. Während die verschiedenen Muster gezeigt wurden, war für mich schnell klar, ich muss das Muster machen, das ein bisschen was von Zebra oder Wasseroberfläche hat.

Dieses Muster entsteht, wenn man Stoff fest im schrägen Fadenlauf um ein Abflussrohr wickelt, dann zusammen schiebt und anschließend noch fest mit Garn umwickelt. Fast identisch, aber doch anders wird das Muster, wenn man zuerst das Garn um den Stoff wickelt und dann den Stoff zusammenschiebt. (Die Stoffe müssen übrigens unbedingt vorgewaschen sein, je mehr gewaschen desto besser.)

Sind jedenfalls die Stoffe fertig gefaltet und geschnürt, geht’s zum nächsten Schritt: Das Wasserbad, dass dazu dient, dass sich die Fasern komplett mit Wasser vollsaugen. Wenn der Stoff trocken in die Farbe kommen würde, bliebe vom Weiß trotz dem Abbinden nicht viel übrig. Die Stoffpäckchen müssen so in etwa 15 Minuten im Wasserbad bleiben, ein bisschen länger wenn es ein besonderes kompaktes Paket ist.

Zum Färben haben wir kein Indigo – zu kompliziert und aufwendig – verwendet sondern , sondern ganz handelsübliche Farbe zum Färben. Wir haben also die Farbe nach Anleitung vorbereitet und schon konnten die ersten Stoffpäckchen in die Farbe für 15 Minuten baden gehen. In der Zwischenzeit konnte man sich schon dem nächsten Stoffstück widmen.

Beim zweiten Versuch habe ich den Stoff in Zieharmonikafalten gelegt und dann noch zweimal zusammengelegt und zwischen zwei Holzstühle geklemmt. Diese Färbetechnik nennt sich dann Itajime Shibori.

Inzwischen war der erste Stoff auf dem Abflussrohr fertig und konnte ausgewaschen werden, bis das Wasser klar wirkt. Nun wurde es spannend, denn nach dem Schnur Aufschneiden und dem Abwickeln der Schnur war erst einmal alles blau. Beim langsam Abwickeln tauchte dann langsam das Muster auf. Und dann nochmals ordentlich auswaschen und fertig war mein erster Shibori-Versuch.

Da mir das Muster (übrigens Arashi Shibori, das bedeutet Sturm) so gut gefallen hat, habe ich es gleich ein zweites mal Stoffstück auf die Art gewickelt. Dadurch das wir eine Gruppe von acht Personen waren, haben wir uns gegenseitig inspiriert. So war ich anfänglich die einzige die sich an dem Abflussrohr/Arashi Shibori versucht hat, habe aber dann noch andere dazu inspiriert. Und auch bei den anderen Teilnehmerinnen sind die unterschiedlichsten (und großartige) Shibori entstanden.

Zum Abschluss habe ich noch eine Variante des Arashi Shibori probiert, ein Stoffstück gerade um einen Holzstab, ein bisschen zusammen geschoben und mit Garn umwickelt. Das hatte einem Farbverlauf zur Folge.

Und bevor alle ihre Stoffstücke eingepackt haben, haben wir die Vorgehensweise bei besonders interessanten Mustern, sodass man weiss wie man diesen oder jenen Effekt beim nächsten mal erreichen könnte. Das fand ich super zum Abluss.

Viermal Arashi Shibori, ganz unterschiedlich

Fazit: Ich muss sagen, es hat extrem Spaß gemacht und ich glaube ich werde wieder Arashi Shibori machen.

Außerdem habe ich Nui Shibori noch nicht probiert, da es etwas aufwendiger ist. Und auf dem Webermarkt habe ich unglaublicen Kimonostoff mit Kanoko Shibori (Kreise) gesehen – Inspiration ohne Ende überall.

Und was mache ich mit den Stoffen? Meine zwei Arashi Shibori Stoffstücke kann ich mir bei einem Kleid als Oberteil gut vorstellen (vielleicht der Schnitt den ich beim Shweshwe-Dirndl verwendet habe?!) und unten dazu einfärbig dunkelblauen Rock und wenn möglich aus den Resten noch eine Bordüre für den Rock rausquetschen.

  • Arashi Shibori, Nähblog, Stoff färben Tutorial Indigo Blog nähen

Die zwei anderen Shibori Stücke gehen an meine Mama. Ich hatte ja ehrlich schon sorge, dass ich nur ausprobiere, Shibori doof finde und alle Stücke weiterwandern.

Achja, ich wurde noch aufgeklärt: Batik ist nicht Shibori. Beim Batik deckt man den Stoff mit Wachs ab, während man beim Shibori abbindet und dann färbt.


4 Gedanken zu “{Kursbesuch} Shibori – Färben auf Japanisch

  1. Rummatschen ist eigentlich auch nicht meins, obwohl ich den Look von Shibori sehr gern mag. Vielleicht sollte ich mich Mal überwinden… Ich bin gespannt, wie die Stoffe vernäht aussehen werden. Wie groß sind die Stücke ungefähr? Tolle Kurse, die Du da gerade machst. Danke für den Einblick! Liebe Grüße Manuela

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    1. Vom Aufwand war es total human und die Sauerei auch bei weitem weniger schlimm als erwartet.
      Der nasseste Part ist eigentlich das auswaschen nach dem färben.
      Die zwei grossen Arashi Shibori Stoffstück sind ca 70×70 cm und die kleinen 30×70 cm gross.

      Also ich würde wenn sich mal die Möglichkeit ergibt ausprobieren, ist jedenfalls im Vergleich zu Siebdruck eindeutig weniger rummatschen.
      LG Sabine

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  2. Wahnsinn, die Wellen-Wasser-Muster (Arashi Shibori?) gefallen mir total gut! Abflussrohre habe ich von der letzten Zaun-Strickerei übrig, das könnte ich also sofort ausprobieren! Ob das wohl mit Jersey ähnlich gut geht? Weil DANN würde es sich ja total anbieten, Stoffe für Shirts zu färben. Oder auch Blusen, warum nicht auch blusen. Sehr nett fein auch, dass Ihr Teilnehmerinnen Euch mit den Färb-Ergebnissen gegenseitig inspiriert habt, Weiteres auszuprobieren. Voll schön. Macht Lust, auch bald wieder mal Shibori zu färben! Liebe Grüße, Gabi

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    1. Ja Arashi Shibori.
      Ich denke wenn du schön wickelst und stramm den Stoff zusammenschiebst sollte es was werden. Ich würde die Stoffe allerdings gleich auf die später benötigte Stoffstückgrösse zuschneiden.

      Hier hat sich schon jemand daran versucht.
      https://www.zebraspider.de/2018/09/03/zebra-shibori-experiment/

      Den Stoff den wir verwendet haben war jedenfalls so ganz normale Baumwolle.
      Und es war total inspirierend die anderen zu sehen und dann eben auch Lust zu haben, das gleiche zu probieren.
      LG Sabine

      Und viel Spass beim färben.

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