Geheimnisse des Dirndlnähen 1: Stoff & Schnitt

dirndl(1)

Hallo liebe DirndlnäherInnen, Dirndlenthusiasten und potentielle, noch nicht überzeugte NäherInnen,

nachdem ich nun schon diverse Dirndl genäht habe, möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen! Denn einerseits ist es ein ganz „einfaches Kleidungsstück, dass aber auch richtig schiefgehen kann – u.a. mit den falschen Zutaten! Da meine Tipps & Tricks doch etwas länger geworden sind, haben wir beschlossen den Blogpost zu teilen, und fangen heute mal mit dem Stoff & Schnitt an.

Dirndlstoffe
Verschiedene Dirndlstoffe

Stoff

Stoff: Allgemein ist empfehlenswert qualitätvolle Stoffe zu verwenden, vor allem Naturfasern. Das Dirndl sollte einen lange begleiten und viele Wäschen überstehen.

Sommerdirndl: Ganz klassisch für die warme Jahreszeit ist Baumwolle oder Leinen. Von den Mustern wäre Blaudruck sehr typisch, aber es gibt viele andere Prints: z.B. Streublümchen, Streifen oder Webmuster wie Karo oder Streifen. Einfarbige Stoffe wirken immer sehr elegant.

Winterdirndl: Samt, Cord, Seide und Wollstoffe, die Farbigkeit ist der Jahreszeit entsprechend etwas zurückhaltender und gedämpfter.

Futter: fürs Futter wird oft und gerne ein altes Herrenhemd verwendet, das ist üblicherweise aus einem gutem Material und so oft gewaschen das es wunderbar weich auf Haut zu tragen ist. Natürlich kann auch einfach ein leichter Baumwollstoff gekauft werden.

Schnitt

Dirndschnitte altern nicht, weil das Grundprinzip „enger Leib – weiter Rock“ gleich bleibt. Derselbe Schnitt in einer anderen Farb- oder Musterkombination hat sofort eine völlig neue Wirkung. Die auf dem Foto zuunterst liegende Trachtenmappe wurde z.B. 1960 herausgegeben und mit den richtigen Stoffen können Schnitte aus dieser Zeit ohne Probleme auch heute noch verwendet werde.

Allgemein zu empfehlen ist ein schlichter Dirndlleib der perfekt passt und dann immer entsprechend den Vorstellungen abgeändert wird. So wird ganz einfach aus hochgeschlossen ein Münchner Ausschnitt, aus Wiener Nähten Teilungsnähten. In einigen alten Dirndl Büchern gibt es nur einen schlichten Grundschnitt und Zeichnungen was geändert werden muss, um einen bestimmten Schnitt zu erhalten.

Was einen nicht überraschen darf ist, dass bei den meisten Dirndlschnitten nur der Leibschnitt enthalten ist und für Schürze und Rock nur Massangaben sind, es sind schließlich nur Rechtecke. Eine kleine Übersicht an Dirndlschnittmustern findet sich bei Dirndlschleifchen.

Der Stoffbedarf

ist natürlich immer ein bisschen von der Kleidergröße abhängig, aber nach folgenden Werten kann man sich ganz gut orientieren:

Leib: ca. 60 cm bei einer Breite von 1,50 m
Für Ärmel dreiviertel bis lang kommen 40-60 cm dazu!

Rock: Bei 1,50 m Stoffbreite 2 – 3x die Rocklänge plus Nahtzugabe
Bei einer Stoffbreite von 90 cm 3 – 5x die Rocklänge plus Nahtzugabe.

Je nach Stoff und Verarbeitung kann mehr oder weniger Material verwendet/gebraucht werden. Wird der Rock in Falten gelegt reicht üblicherweise 2x die Rocklänge.

Wird ein Kittelblech gemacht reicht pro Länge 3 cm an Zugabe für die Nahtzugabe. Ohne Kittelblech 15-20 cm zusätzlich pro Länge.

Kittelblech: Anzahl der Rockbahnen mal 20 cm, leichterer Stoff als beim Rock verwenden.

zB 3 Rockbahnen, da braucht es pro Rockbahn 20 cm, also 60 cm gesamt.

Schürze: Der Stoff sollte leichter sein als vom Rock

90 cm Stoffbreite: Die klassische Rechnung für eine hinten gebundene Schürze: 2x die Länge (fertige Länge 3-4 cm kürzer als der Rock, Einschlag von ca 10 cm einrechnen). Der Zuschnitt erfolgt folgendermaßen: die Bänder und der Bund werden seitlich als zweimal 10 cm breite Streifen abgeschnitten. Der restliche Stoff wird in zwei gleich große Teile (Schürzenblätter ) geschnitten. Ein Teil ergibt den Schürzenmittelteil, das zweite Teil wird nochmals in die beiden Schürzenseitenteile geteilt. Es kommt natürlich auch sehr auf die Musterung: Karo, Streifen usw. und Vorlieben fürs Binden (vorne, hinten, seitlich oder mit Schnalle) an.

Bei 1,50 m Stoffbreite reichen ca. 1,10 m. Die Bänder entweder quer oder parallel oder quer zur Webkante geschnitten, Abhängig von Taille und Muster

Futter & Klebeeinlage: 60 cm bei 1,50 m

Paspel: Stoff für die Paspel ca. 40 cm, Paspelschnur ca. 4 m

Verschluss: Je nach Verschluss, ca. 10 – 16 Knöpfe (ideale größe ca 1 cm), Häkchen oder ein normaler Reißverschluss

Dies ist nur mal eine grobe Übersicht, ins Detail geht es dann in den nachfolgenden Artikel.

Zuschnitt

Beim Dirndlleib gibt es ganz klassische Nahtzugaben, die üblicherweise verwendet werden:

Seitennaht: 5 cm, damit später das Dirndl leicht enger oder weiter gemacht werden kann, diese Zugaben werden auch nicht zurückgeschnitten.

Ausschnitt, Wienernähte, Schulternähte, Abnäher: 1 cm, da wird üblicherweise ja nichts mehr verändert.

Taillennaht: 3 cm, wird dann später, wenn das Dirndl sitzt, zurückgeschnitten. Es sei denn bei Kinderdirndln, die sollen mitwachsen.

Ein Schnitt zwei ganz unterschiedliche Dirndl, linkes Dirndl ganz Ton in Ton aus Violetter Baumwolle mit Negativprint, Rechtes Dirndl indischer Handloom, Jaquard und Taft und zusätzlich noch üppige Rüschen als Zier.


11 Gedanken zu “Geheimnisse des Dirndlnähen 1: Stoff & Schnitt

  1. Das merke ich mir direkt mal für nächstes Jahr vor. Dieses Jahr schaffe ich es nicht mehr, bis zum Oktoberfest ein Dirndl zu nähen, aber ich kann ja schonmal anfangen und es nächstes Jahr tragen – danke dafür :-)

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  2. Danke für den ersten Überblick! Kannst du erklären bzw. vielleicht auch (auf einem Foto) zeigen, was ein Kittelblech ist? So ganz habe ich das noch nicht verstanden. Ist das ein falscher Saum? Wieso brauche ich dafür „Anzahl der Rockbahnen mal 20“, das habe ich nicht verstanden. Uiui, es juckt mich immer mehr, ein Dirndl zu nähen. Obwohl ich gar keines „brauche“! lg, Gabi

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    1. Das Kittelblech ist ein falscher Saum.
      Und wenn der Rock aus zwei vollen Stoffbreiten besteht, braucht man ebenfalls zwei volle Stoffbreiten mit je 20 cm, also gesamt 40 cm. Bei drei Bahnen 60 cm. Man kann natürlich auch nur 15 cm Breite fürs Kittelblech hernehmen.
      Ins Detail zu den einzelnen Teilen des Dirndl geht es in den folgenden Artikeln. Und nähe dir eins 😁
      Lg Sabine

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        1. Voll Bling bling, vielleicht als spenzer mit separatem Rock Version. Ein schlichter Rock, ein Blinker Spenzer, ein dezenter dazu und dann Blinker Schürze und eine schlichte oder so
          Lg Sabine

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  3. Oh, Deine Dirndl sind so schön! Ich würde so gerne mal eins nähen, aber hier in Westfalen würde ich es eh nicht tragen können, und dann wär es ganz schön viel Stoff und Arbeit gewesen…. so erfreu ich mich an Euren Bilden!

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    1. Wenn du eines mit seitlichen Verschluss oder durchgeknöpft nähst, kannst du ganz einfach die Schürze weglassen. Und das wäre es nicht so offensichtlich ein Dirndl und auch so zu tragen ohne das gleich alle gucken.
      Lg Sabine

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  4. Ich habe ja auch einmal ein Dirndl für meine Tochter genäht. Ich musste dafür natürlich keine Brustanpassung vornehmen, dadurch habe ich als recht einfach in Erinnerung. Oder ist mein Eindruck nur durch den zeitlichen Abstand so verklärt? Deine Dirndl sind natürlich durch all die wunderschönen Verzierungen sehr aufwendig und unglaublich schön.
    Magst nicht deine Dirndl Serie und auch dein Rüschentutorial im Ideenreich verlinken, damit mehr Näherinnen darauf stoßen?
    Herzliche Grüße
    Birgit

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    1. Ich sage mal, wer Dirndl kennt und weiss worauf zu achten ist, damit es kein Biertrinkkostüm wird, der braucht das hier natürlich nicht. Aber all jenen die noch ein Dirndl genäht oder live gesehen haben, soll diese Reihe als Leitfaden dienen.
      Und kann Dirndl natürlich mehr oder auch weniger aufwendiger verarbeiten.
      Und die Verlinkungen habe ich soeben gemacht.
      LG Sabine

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