Jackenbausatz im gestreiften Ethno

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Darf ich vorstellen? Mein bisher aufwendigstes (und nervenaufreibenstes) Nähprojekt. Diese Jacke hat einige Dinge in sich vereint, die ich das erste Mal gemacht habe: Geteilte Ärmel, die „richtig“ eingesetzt werden müssen – und die man nicht solala über die Seitennaht schließen kann. Aber dafür sitzen sie auch echt gut. Alles mit Futter verstürzen, was meine Schwester Sabine immer als so supersimpel beschreibt … Und vor allem den Stress einen Stoff zu vernähen „der nicht mir gehört“ und von daher alles einfach klappen muss. Schon bei der Projektzusage war bei mir daher ganz schnell klar: Ich brauche Heimaturlaub, um alles mit Anleitung und dem Motivationsfaktor Mama zu nähen.

Den Jackenschnitt bzw. eigentlich Jackenbausatz habe ich schon länger in der Zeitschrift fashionstyle 03/2017 bewundert. Die Jacke ist aus einem ziemlich ähnlichen Material mit Streifen genäht und ist dadurch ein richtiger Hingucker. Einige kleine Änderungen waren bereits zu Beginn des Nähprozesses offensichtlich. Ich finde 3/4 Ärmel irgendwie unpraktisch. Gerade wenn es kühler wird, möchte ich dann immer die Ärmel länger zupfen. Anderes hat sich erst während des Nähens ergeben – z.B. ist der Stoff für normale Maschinen-Knopflöcher (gerade die allerallerersten) eher ungeeignet ist.

Aber die erste Überraschung kam bereits beim Stoffausbreiten. Ich bin einfach mal davon ausgegangen, dass die Streifen im rechten Winkel zum Fadenlauf sind – so kenne ich es zumindest vom Weben. Im Endeffekt hat es natürlich nicht groß gestört – ich habe die Webkanten einfach gleich positiv eingesetzt – aber es war gleich einmal das erste Aha-Erlebnis. Das Anschneiden war der nächste große Schritt. Da es sich um einen handgewebten Stoff handelt, hatte ich eindeutig Visionen (oder eher Albträume) von sich auflösenden Stoffteilen. Ganz so schlimm war es im Endeffekt nicht, aber der markante Streifen mit dem schwarz/weißem Muster hat aufgrund der Webung mehr gefranst als mir lieb war.

Da ich ein grobes Probemodell angefertigt hatte, gingen die ersten Arbeitsschritte locker von der Hand. Bei den Ärmeln hat wie so oft einer perfekt gepasst und der andere weniger – gerade auch hier waren die Streifen ein durchaus wichtiger Faktor. Und als der Besatz angenäht war, konnte ich endlich einmal richtig durchatmen.

Für das Futter habe ich ein olivfarbenes Viskosefutter verwendet – von dem ich geschlagene 60 Meter zuhause habe. (Bei Interesse an solchen Dimension an Stoff (ersteigert um etwa 30 €)  empfehle ich auf ebay die Verkäufer stoffmix und stoffarten.) Die Bewegungsfalte ist zwar etwas kleiner als erwünscht geworden, aber nach vielem Fluchen ist auch das Futter mit vielen, kleinen Handstichen – insgesamt nur zwei oder drei sichtbare – an seinen Platz gerutscht.

Wie bereits angesprochen, sind nach reiflicher Überlegung keine Knopflöcher entstanden und auch die aufgesetzten Taschenklappen habe ich weggelassen. Meine Idee war den Stoff – es ist übrigens ein handgewebter Stoff aus Nepal, habe ich das bereits  erwähnt? – so modern wie möglich einzusetzen. Gewissermaßen Ethno trifft modernen Stadtmenschen.

Und einen weiteren Vorsatz habe ich auch nicht ganz vergessen. Vor einiger Zeit haben wir über ein Nähbuch mit japanischen Schnitten gesprochen, in dem die Autorin empfiehlt nur Modelle zu nähen, die zumindest zu drei (ich hatte fünf im Kopf behalten) Kleidungsstücken im Schrank passen. Wie man an den Fotos erkennt, haben wir die Jacke verschieden gestylt: Street Casual mit Jeans und Kopfhörern, Modern Chic mit Ledermini und Landhausstil mit grauem Tellerrock und Fuchs.

Ich werde die Jacke wahrscheinlich meist mit Jeans anziehen. Der kurze Lederrock hat in der Fantasie irgendwie besser gewirkt. Der graue Lodenrock war eine Last-Minute Idee, aber es hat etwas. Und eine Version mit roter Jeans haben wir nicht mehr fotografiert – hat aber auch wunderbar funktioniert. Kombinierbarkeit ist ja das Ah und Oh eines guten Kleidungsstückes. Welchen Style findet ihr am besten?

Verlinkt zu RUMS, Freutag und Montagsfreuden.


Fazit: In meinem aufgeräumten Kleiderschrank macht sich die Jacke wunderbar – nur der richtige Verschluss fehlt immer noch. Vorschläge werden gerne entgegen genommen. Einziger kleiner Wermutstropfen: Beim offenen Tragen kippt die Jacke gerne nach hinten.

Stoff: Nepalstoff von Karlotta Pink – im Rahmen der Kooperation kostenlos zur Verfügung gestellt, olivfarbenes Futter aus dem Stoffvorrat, Knöpfe von mytex.

Schnitt: Jackenbausatz Fashionstyle 03/2017, ähnlich Modell 15 (diese Ausgabe kann man nicht beim OZ Verlag nachbestellen, da gab es mal ein Problem mit einer Auslieferung ohne Schnittmuster)

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5 Gedanken zu “Jackenbausatz im gestreiften Ethno

  1. hallo,
    die jacke sieht toll aus. mir gefällt der schnitt und der stoff und es ist super, dass du sie so vielseitig einsetzen kannst. mir gefällt übrigens die kombination mit dem ledermini besonders gut.
    vielleicht kannst du als verschluss schlaufen annähen, durch die die knöpfe gefedelt werden..
    alles liebe, nata astri

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    1. Hallo, dankeschön. Stimmt, Schlaufen wären auch eine gute Idee. Ehrlich gesagt: Ich weiß es einfach noch nicht. Momentan hängt sie nun mal im Schrank und ich denk einfach noch ein bisschen drüber nach 😉
      VG, Anna

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  2. Wow, die verschiedenen Stylings finde ich großartig. Toll das eine Jacke aus solchem Muster auch so modern und cool rüber kommen kann. Echt klasse gemacht.
    Und lese ich richtig, du hast 60 Meter Futterstoff auf dem Ballen gekauft, die Du nun nach und nach vernähst? Wahnsinn.
    LG Kuestensocke

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    1. Jaaa, ich habe (wie ich wieder mit dem Nähen begonnen habe) unbedingt einen Stoffvorrat aufbauen wollen und bin dabei über diese 60 Meter Futter gestolpert. Ich habe zwar bereits einige Meter weitergegeben/vernäht, ab der Rolle merkt man es noch kaum …
      VG, Anna

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      1. Ja echt Wahnsinn. Grundsätzlich kann ich so einen Futtervorrat gut verstehen, aber 60 Meter sind echt eine Menge. Seit zwei Jahren halte ich Stoffdiät, weil ich einfach soviel Stoffe angehäuft hatte, dass ich den Überblick verlor, wenig Platz hatte und es mich gedanklich belastet hat. Wenn der Zielbestand erreicht ist, kann ich gezielt wieder einige Posten aufbauen, 10 Meter Futterstoff gehört dann auch dazu. Verschiedene Farben und Qualitäten.
        Also ich wünsche gutes Nähkarma, damit der Bestand vernäht wird 😉 Die Jacke ist jedenfalls großes Kino! LG Kuestensocke

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