Kleiderschrank 2.0: Das kleine (Winter-)Schwarze

Vor kurzem bin ich über einen Beitrag von Elke (Elle Puls) gestolpert über ihren Stilfindungsprozess und was sich alles auf ihrem Blog (und Kleiderschrank) in den letzten Jahren getan hat. U.a. hat sie ja unzählige Onlineseminare zum Thema Stil, Farben und vielem mehr besucht. Diese Herangehensweise ist für mich nichts, da ich viele Dinge gerne für mich selbst bearbeite bzw. wenn schon dann mit vertrauten Personen bespreche, aber ich habe das Thema wieder verstärkt im Hinterkopf behalten.

Retroliebe Nähkind kleines Winterschwarze Kleid nähen

Und bei einem weiteren Internetspaziergang bin ich auf das Buch „The curated closet“ von Anuschka Rees (auf deutsch „Das Kleiderschrank-Projekt“ – ich lese es in Englisch) gestolpert. Nachdem ich ihren Blog sehr ansprechend fand, habe ich das gute Stück einfach mal auf meinen eReader geladen und bin nach nicht einmal ganz zwei Kapitel schon ziemlich begeistert.

Nicht das ich jede Aufgabe eins zu eins umgesetzt habe, aber damit beschäftigt habe ich mich doch. Die Erste davon: zwei Wochen fotografieren was man so täglich anzieht. Wo gefällt man sich drinnen? Wo nicht? Was trägt man meist? Ich hab natürlich nicht fotografiert. Ich mag Selfies nicht. Aber damit auseinandergesetzt. Ganz neue Dinge sind bei mir nicht rausgekommen, aber manche Empfindungen habe ich konkreten Aussagen zuordnen können.

  • Ich mag meine engen Hosen – übrigens nur in dunklen Farben, wie ich mit einer Kollegin zufällig entdeckt habe. Weißes und ähnlich helles wird einfach zu schnell schmutzig.
  • Knallenge Oberteile sind ein Überbleibsel meiner Teenager-Zeit und müssen wirklich nicht mehr sein. Man sieht doch jedes Röllchen (auch wenn es nur eingebildet ist). Ärmellos ist ok, aber mit besser.
  • Einen Oversize-Pulli, der mir im Urlaub die Tage versüßt hat (die Atlantikküste kann Abends kühl werden), fand ich im Alltag unmöglich – die Ärmel sind mir immer und überall runtergerutscht. Total unpraktisch. Das gleiche gilt für Armkettchen und Co. Trage ich nie.
  • Meine einzigen Stoffhosen – die ich dank einer schnellen Schrankaufräum-Aktion doch wieder gefunden habe – hatten am ersten Tag bereits ausgebeulte Knie. Im Gespräch am elterlichen Abendtisch bin ich dann belehrt worden, dass ich dabei selber schuld bin – warum zupfen auch Anzugträger ihre Hosen immer vorm Niedersitzen nach oben? Tja …

Wie werde ich diese (nicht) neuen Erkenntnisse umsetzten? Vor allem in meinen Nähplänen. Denn ich neige dazu schöne Kleidung zu nähen, die aber nicht immer ganz zu mir passen. Ich lege viele davon als Lernerfahrung ab und nehme mir nun vor, Schnitt und Stoffe mehr nach meinem bisherigem Kleiderschrank auszulegen. Vom Stil als auch von der Farbgebung. Nach dem Motto: Es muss zumindest zu 5 anderen Teilen im Schrank passen. Ich bin gespannt ob (und wie es wirkt).

Sehr ansprechend fand ich übrigens die Einleitung, in der sie von den eigenen Erfahrungen mit den verschiedensten Stylingratgebern, Tests und dergleichen kurz berichtet, mit der Endaussage, dass es immer auf einen selbst zu geschnitten sein muss. Listen mit den häufig zitierten „Must haves“: Du musst mindestens ein weißes Shirt, einen Bleistiftrock, einen Trenchcoat, und natürlich ein kleines Schwarzes im Schrank haben, gibt es nicht. Wenn diese Dinge in meinen Lebensstil nicht passen, wieso dann haben?

Nähkind Retroliebe nähen Kleid schwarzes Winterkleid

Apropos kleines Schwarzes: Darf ich mein kleines Winterschwarzes vorstellen? Es ist eine Retroliebe von Nähkind und mein Lieblingsschnitt was Kleider betrifft. Keine Reißverschlüsse, etwas lockerer geschnitten, aber mit Gürtel auf Taille gebracht. Dieser ist einer meiner ersten Secondhand-Käufe um 1€. Genial oder? Gerade bei Accessoires funktioniert das wunderbar. Und das wichtigste: Es wird das Kleid (als auch der Gürtel) werden eindeutig im Kleiderschrank seinen Platz finden.

Verlinkt zu MMM, AWS.


Fazit: Neue Winterliebe. Auch Wiederholungsgefahr.

Größe: XS, bei BU 84 cm

Modifikationen: Rockteil hinten, gleich dem vorderen. Ärmel verlängert, hätte jedoch nicht sein müssen, aber sicher ist sicher.

Stoff: ca. 2 m schwarzer Sommersweat aus dem Stofflager

Schnitt: Retroliebe für dehnbare Stoffe  von Nähkind mit dem langen Ärmel (aus der Newsletter-Anmeldung)

nähen Kleid Retroliebe Nähkind schwarzes Nähkind


14 Gedanken zu “Kleiderschrank 2.0: Das kleine (Winter-)Schwarze

  1. Wieder ein sehr interessanter Text, ich lese eure Beiträge wirklich gerne! Und das Kleid ist wie gesagt ein schlichter Klassiker , total gut! Mit deinen Accessoires siehst du richtig schick aus , und man sieht wieder wie wandelbar du trotzdem bist… lg Sarah

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    1. Dankeschön! Ich glaube fast jede Näherin stellt sich irgendwann die Frage. Leider sprechen einen ja nicht immer die für einen „richtigen“ Schnitte und Stoffe an.
      Falls Du das lesen solltest: Guck doch mal in deinen Mails nach.
      LG, Anna

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  2. Dein Kleid finde ich toll und deinen Beitrag habe ich gern gelesen. Das Buch habe ich auch, aber es ist irgendwie untergegangen, gut, dass du darauf aufmerksam machst. Stilfindung ist, glaube ich, eine Sache, mt der man sich immer wieder auseinandersetzen kann und die auch nie abgeschlossen ist.
    LG
    Susanne

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    1. Danke für das Kompliment. Ich habe mich ehrlich gesagt vor dem Nähen, nie näher mit der Stilfindung auseinander gesetzt. Bei Kaufkleidung probiert man Dinge an, und wenn sie „irgendwie“ nicht passen, bleiben sie im Geschäft. Nur das warum genau zu definieren, dazu kam ich nie.
      Toll, dass du das Buch bereits hast, ich bin gespannt was deine Schlussfolgerungen aus der (wiederholten?) Lektüre sind.
      VG, Anna

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  3. Ein lesenswerter Post. An einigen Stellen musste ich schmunzeln und habe mich wiedererkannt – mag keine Selfies, keine Must have Listen, was gern genäht und getragen wird, ist zweierlei … Ich freue mich auf die Fortsetzung Deines Experiments. Ein schönes stimmiges Outfit, was Du da trägst. Liebe Grüße, Manuela

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