Eine kleine Einführung ins Stempelschnitzen und Stoffdrucken

Fangen wir doch gleich direkt mit dem Material an. Was braucht es? Stempelgummi, etwas zum schneiden und Farbe zum Drucken.

Stempelgummi: Da kann ich den Stempelgummi von Factis (factis artist carving block) empfehlen. Preis Leistung ist logischerweise beim grössten Block am besten und man kommt nicht so schnell in Materialnot, wenn man im Stempelfieber ist. Der Gummi ist auch gerade dick genug, dass man direkt damit drucken kann, ohne dass er auf einer Halterung montiert werden muss.

Nahezu identisch ist der pinke Speedycarve von Speedball, nur, soweit ich mitbekommen habe, ist der im deutschsprachigen Raum nicht so einfach zu bekommen.

Zufällig ein Sostrene Grene in der Nähe? Die haben auch Gummiplatten, allerdings etwas dünner und härter (ich mag’s härter), wie gut der Gummi langfristig halten wird, muss ich erst austesten.

Finger weg von „I am creative“ Gummi!

Aber wenn es einem unter den Fingern brennt sofort loszulegen… Irgendwo fliegt bestimmt ein einsamer Radiergummi herum, der nur darauf wartet in einem Stempel verwandelt zu werden. (Hauptsache er hat eine gerade Fläche ohne Prägung oder Wölbung)

Teppichmesser, japanisches Skalpell, Linowerkzeug mit Wechselklingen und das beste vom besten im Linoschnitt ein Pfeil Werkzeug

Schnittwerkzeug: vielleicht findet sich zufällig im Haushalt ein Linolschnittwerkzeug… Es sollte einfach scharfe Klingen haben, selbst bei einem weichen Gummi macht es mit stumpfen Klingen keinen Spass. Ansonsten lässt sich in den meisten Läden mit Künstlerbedarf ein Griff in Birnenform mit Wechselklingen kaufen. (Holzgriffe sind angenehmer als Plastik, und wenn mehr im Budget ist, nicht due von Essdee) Und von den Linoschnitt Sets im Bastelladen muss ich abraten (meist 5 Stück mit einem geraden Stab als Griff) die sind nicht gut und günstig, sondern einfach nur günstig und nicht gut.

Alternativ dazu lässt sich der Stempelgummi auch wunderbar mit einem Skalpell schneiden. Meine absolute Favouriten sind hier die japanischen Skalpelle. Sie sind nicht ganz günstig, aber grossartig zum Arbeiten und auch so angenehm leicht. Preiswerter ist natürlich ein normales Bastelskalpell, nur das grössere Gewicht, macht sich mit der Zeit doch stark bemerkbar und auch die Klingen sind weniger fein.

Und wenn gar nichts davon zuhaus rumfliegt, ein paar erste Stempel mit einfachen Formen lassen sich auch mit einem Teppichmesser schneiden.

Stempelkissen: für’s erste Ausprobieren der Stempel auf Papier ist jedes Stempelkissen gut, das man vielleicht noch so halbvetrocknet in einer Schublade findet.

Geht es dann ans richtige Projekt gibt es als erste Möglichkeit die Stempelkissen von:

Rangers Archival Ink. Es gibt 28 Farben und Refiller (nur Farben mit Refiller kaufen, ansonsten sammelt man langfristig leergestempelte Stempelkissen), die Farben sind nicht denkend. Die Farben sind wie es der Name schon sagt lichtecht, wasserfest und säurefrei und können einfach durch Bügeln auf Stoff fixiert werden.

Explizit nicht für Stoff, aber perfekt für nicht saugfähige Materialien- wie ein Regenschirm- sind die StazOn Stempelkissen von Tsukineko. Sie sind ebenfalls in vielen Farben verfügbar. (Unbedingt gleich den Stempelreiniger mitkaufen, da aufgrund der Lösungsmittelbasis der Tinte, auch mal eben der Tisch oder Boden bei leichter Tollpatschigkeit Farbe abbekommen kann)

VersaCraft ist eine weitere Möglichkeit und im Gegensatz zu den zwei anderen Stempelkissen, sind diese Farben opaque. Dafür sind die Stempelkissen mit weichem Schwamm, statt des harten Filzes der anderen beiden, ausgestattet. Du musst einfach sanfter beim Einfärben des Stempels sein.

Hier gibt’s einen genauen der Test von vier Stempelkissen auf verschiedenen Stoffen, vor und nach dem Waschen.

Allgemein gilt, wenn ein Stempelkissen gut gelagert wird und auch regelmässig bei Bedarf Reinker aufgefüllt wird, besteht auch keine Notwendigkeit brachial daraufzuhauen. (Es ist nicht das 95% trockene Büro-Stempelkissen!)

Und natürlich gibt es Blockprint Farben für Stoff, die machen erst Sinn wenn grössere Projekte geplant sind, da ist die Vorbereitung auch etwas aufwendiger.

Ach ja das Motiv lässt sich ganz einfach mit Pauspapier und Bleistift übertragen. Einfach abpausen, mit dem Graphit nach unten auf den Gummi und mit dem Fingernagel drüberrubbeln. Es kann auch direkt auf den Gummi gezeichnet werden, dass kann aber tückisch werden sollte Schrift im Design eingeplant sein. Auf dem Stempel muss alles gespiegelt sein, um dann gedruckt korrekt zu sein.

Und das schneiden des Gummis? Da Verweise ich jetzt einfach mal zu YouTube. Das Schneiden ist etwas, was im Text maximal kompliziert erklärt werden muss und im Video ganz logisch erscheint.

Leicht schräg durgeknallt japanisch, dieses Video zum schneiden mit einem Skalpell. Oder auch im Kanal ParadeMade.

Ganz klassisch mit dem Linolschnittwerkzeug gibt es hier eine kleine Einführung.

Und gilt es nur mehr loszulegen und alles vollzustempeln und festzustellen, dass da ein neues Hobby eingezogen ist.

Diverse KünstlerInnen zur Inspiration


12 Gedanken zu “Eine kleine Einführung ins Stempelschnitzen und Stoffdrucken

  1. Hust, hust: EIN(ig)E mM doch wichtige Zutat(en) hierbei vergessen zu erwaehnen?
    Geduld und Zeichner-Talent?!
    Deine ‚Apfel-/Birnbaum-Abstammungs-Segnung‘ kann ich (und auch Andere) wenigstens ein weeenig als ‚Copy-Cat-Style‘ nachahmen wenn man schon weniger ‚kuenstlerisch selbststaendisch-aktives Blut‘ besitzt als Du; aber die Geduld laesst mich schon oefter mal haengen (seufz).

    Ausserdem ‚fuerchte‘ ich diesen Deinen Satz zu einem gewissen Grade:
    „… gilt es nur mehr loszulegen und alles vollzustempeln und festzustellen, dass da ein neues Hobby eingezogen ist.“
    Pssst, wir spraechen dann naemlich fast von ca. „Hobby No. 1001“ ;-) ;-)

    LG,
    G
    (jedoch sehr pink-neidvoll Deine kuerzlich bei „Stoffspielereien“ gezeigten Werke bewundernd!)

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    1. Bezüglich zeichnen und entwerfen. Viel rumkritzeln, nicht gross nachdenken und einen Stempel schneiden. Es ist oft sehr spannend wie doch anders der fertige Stempel im Vergleich zur Skizze wirkt.

      Und gerade bei Motiven wie den Häschen, skizziere ich viele Häschen nach Fotos und die ersten sind oft sehr seltsame.

      Bezüglich des Hobbies Nr 1001, all das Zeug zum Stempeln (Gummi, Messer, Stempelkissen, Stempel, Papier) passt alles wunderbar in eine kleine Schachtel und wenn man nicht Stempelkissen sammeln anfängt, bleibt es auch sehr platzsparendes Hobby.

      LG Sabine

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      1. Lol: eindeutig 1:0 fuer Dich und Deine Argumentation!
        …. und es ist/war eine ‚andere‘ Frau (und nicht seine, aehem, ‚ausredentuechtige‘ Eigene!) welche DIEse Erklaerung ‚erfand/feststellte‘, wenn mein Mann sie einmal – verteidigungstechnisch – aehem, ‚weitergeleitet‘ bekommt.

        GlG und vorsichtshalber gleich schoene Weihnachten und ’nen guten Rutsch ins Neue Jahr fuer Dich, Familie und ‚wer-immer-sonst-noch-so-etwas-auch-mag‘
        G

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  2. Liebe Sabine, danke für diese knappe und kompakte Übersicht zum Stempelschnitzen! Vor allem der Vergleich der verschiedenen Farbkissen wird in nächster Zeit praktisch werden – große Stempelliebe auch hier! (Wenn auch derzeit nur im Geheimen ausgeübt und noch nicht verbloggt.) Kristina Schaper, die Multimediakünstlerin, die in Kopenhagen lebt, hat auf ihrer Webseite einen Videokurs zum Stempelschnitzen, den ich sehr gut finde (auf https://kristinaschaper.de/online-workshops). An Stempelgummis habe ich die dicken blauen von Factis für größere Motive, und für kleinere, detailliertere Stempel die festeren Softcut-Platten von EssDee. Damit ist wirklich Miniatur möglich! Ach, jetzt hätte ich gerade Lust, massenweise Stempelkissen zu bestellen! Aber eines nach dem anderen… Liebe Grüße, Gabi

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    1. Dabei ist es nur eine Übersicht der stofftauglichen Stempelkissen, es gibt noch so viele mehr interessante Stempelkissen für Papier. (Falls es dich mal im die Schweiz verschlägt, kannst du die gerne mal alle ausprobieren.) Ich hatte auch das Glück einen Kurs in Turgi zu besuchen zum Thema Stempelschnitzen mit dem Skalpell, dass hat mich echt weitergebracht schneidtechnisch.

      Ich schneide die feinen Details alle mit dem Skalpell, Linowerkzeug kommt nur zum Zug wenn es darum geht viel Hintergrund zu entfernen oder parallele Linien (da lohnt sich eine Investition in Pfeil, Schweizer Qualität halt)

      Die Essdee Softcut Platten habe ich am Anfang verwendet, nur perlt da manche Stempelfarbe ab und zum direkten Stempeln sind die in ihrer dünne nicht so praktisch. Und über die Kombination Softcut und Tiefsruckpresse mag ich gar nicht gross nachdenken, kurz gesagt keine gute Idee.

      LG Sabine

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  3. Danke für die Zusammenstellung und die links zum Video – jetzt habe ich endlich verstanden, dass ich immer viel zu flach geschnitten habe und da mutiger sein muss ….

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  4. Als Farbe/Stempelkissen kann ich die sehr ergiebigen VersaFine*Claire* auch von Tsukineko* empfehlen (keine Werbung)
    Eine Empfehlung einer ebenfalls schnitzenden und druckenden Freundin. Factis ist für Vieles zu empfehlen, wenn man aber sehr klein und fein schnitzen will, ist Softcut ab und an unumgänglich, weil es weniger nachgibt.
    Wenn man damit drückt ist halt „Fingerspitzengefühl“ nötig und es lohnt mit einem Löffel oder mit den Fingern sehr gründlich zu drücken.
    Eine Rolle wie beim klassischen Linoldrucke sorgt ab und an dafür, dass man leicht verrutscht. Ein Filzdrückdings* ist auch nicht verkehrt.
    Danke für verschiedene Quellen von kreativen Schnitzenden. Da werde ich noch Mal schauen.
    Eine frohe Weihnachtszeit und erholsame Tage sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. Ich habe mich im Blogbeitrag nur auf Material für zum Stoffdrucken bezogen, für Papier gibt es noch einiges mehr tolles zum Drucken.

      Versafine Clair ist eines meiner Lieblingsstempelkissen (so juicy 😍 bzw Tsukineko oder Rangers Produkte kann man kaufen, die sind gut) wenn ich so richtig saftige und kräftige Drucke auf Papier möchte (keine Ahnung ob sich das auch für Stoff eignet, kommt vermutlich auch darauf, ob gewaschen werden soll oder nicht).

      Und ich behaupte mal mit der richtigen Technik geht klein und fein auch mit weichem Material. Klar so fein detailliert wie ein Kupferstich wird dass ganze nicht, aber das möchte ich auch gar nicht.

      Das Dings ist eine Handreibe, ganz praktisch wenn es grösser vom Format wird. Im kleinen reichen die Finger oder Acrylblöcke mit Tackn Peel.

      Aber bei all dem entwickelt jeder so seine eigene Vorlieben und Techniken.

      Bei mir läuft ja alles das über passt auf Format A5 hinaus geht schrecklich gross und fühle mich am wohlsten bei 4-5 cm maximum Grösse.

      LG Sabine

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      1. Ich habe die Farbe auch für Stoff genutzt. Aber nach Möglichkeit nicht über 30°C.
        Und für Stoff ist soft Cut wirklich nicht so gut. (Auf Herrentaschentüchern geht das aber auch, ich habe daraus dann Bienenwachstücher gemacht)
        Ich vergesse den Namen meiner Handreibe ständig, genau, wie sie raussuchen. 😉
        Ich liebe es klein und fein zu schnitzen, aber wenn man sich Mal überwindet, werden große Sachen ganz wunderbar!!
        Noch Mal weihnachtliche Grüße
        Nina

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