Stoffspielereien Fransen

Tasche Fransen Leder Stoff Handtaschen Yuko Koshizen

Fransen geben Kleidungsstücken etwas Beschwingtes, Lebendiges, jede Bewegung wird vielfach verstärkt. Das kann sehr reizvoll sein: am Saum, den Kanten… Besonders häufig gab es Fransenabschlüsse bei Abend- und Cocktailkleidern der zwanziger Jahre, luxuriös mit Perlen und Glitzer. In der Zeitung Lena’s Patchworktaschen 53/2016 sah ich allerdings eine andere Möglichkeit opulenten Fransenschmuck einzusetzen: eine Satteltasche von Nina Broja, inspiriert von den Lederarbeiten der Native Americans. Das gefiel mir sogleich. Diese vielen Fransen an ihrer Lederkleidung sind ein sehr beeindruckender Schmuck.

Ich war ein großer Karl May und damit Winnetou-Fan. Sonst war ich nämlich ein fauler Leser. Jedenfalls fühlte ich mich wieder sehr zurückversetzt in meine Kinderzeit, als ich so als verwundeter Winntou auf einem im Garten für den Sperrmüll abgestellten Sofa lag. Während die anderen ganz einfach essen gingen … Mit Pfeil und Bogen klappte das auch nie so ganz und das Gewehr, das mein Vater für mich aus Spanplatten sägte, konnte sich natürlich überhaupt nicht mit der wunderbaren Silberbüchse messen. Ich war noch ziemlich klein, bei meiner ersten Begegnung mit Winntou, das war, als wir eine Schachtel Winnetou-Comics in Großmamas Holzhütte entdeckten – leicht verunreinigt von den Hühnern. Vieles habe ich gar nicht verstanden. Später habe ich (fast) alle Karl May gelesen und mich von den Abenteuern mitreißen lassen. Und noch viel später lernte ich die wirkliche Geschicht und Kultur der Nativ Americans kennen. An all das dachte ich, während ich meine Lederstücke durchsuchte und überlegte wie ich die Tasche am besten umsetzen würde.

Die Satteltasche von Nina Broja ist aus Lederimitat und Kunstpelz genäht. Da ich weder das eine noch das andere besitze, habe ich nach Alternativen gesucht. Ich habe sogar schon eines meiner schönen Kaninchenfelle bereitgelegt, aber irgendwie war mir leid darum. Also würde ich die Tasche aus zwei verschiedenen Stoffen nähen, das Dekoelement und die Fransen aus echtem Leder. Erst einmal startete ich mit dem Lederkreis. Ich fand, das wäre eine wundervolle Gelegenheit diverse übriggebliebene Ösen zu verbrauchen. Mit dem Einschlagen hatte ich allerdings so meine Mühe. Dazu habe ich kupferfarbenen Glitzer (statt der vorgeschlagenen Nieten) aufgeklebt. Zwischendurch immer wieder ein Kreiselement auf das andere genäht, da waren mir die Ösen wieder sehr im Weg und die Nähmaschine war nicht begeistert- naja eigentlich der Transporter. Mein Dekoelement wirkt daher etwas archaisch. Danach ging es ans Fransenschneiden mit Messer, Lineal und Schneidematte. Wieder eine Gelegenheit über meine Kinderträume nachzudenken und die handwerklichen Fähigkeiten der Nativ Americans zu bewundern. Wie machten sie das ohne Lineal?

  • Tasche Fransen Leder Stoff Handtaschen Yuko Koshizen

Mein erster Taschenkörper war aus einem sehr derben, aber schönen, graugrünbraunen Wollkaro. Die Klappe nähte ich aus olivgrünen Cord. Dieser Prototyp hing über Nacht an meiner Kleiderpuppe und ich fand die Version am nächsten Morgen ganz besonders hässlich. Der Kontrast vom hellen Leder zur Taschenfarbe war zu groß, die hellen Fransen wirkten stilistisch deplatziert. Also ging ich wieder auf die Suche. Als Taschenklappe würde ein japanischer Stoffrest zum Einsatz kommen. Ansonsten besitze ich kein einziges hellbraunes Stück Stoff. Das habe ich festgestellt. Diese Farbe kommt in meinem Stoffschrank nicht vor. Also stöberte ich in der Restelade nach einem Musterstoff. Da wurde ich fündig. Das geometrische Muster passt sehr gut zur Kultur der Nativ Americans, die Farben eher nicht, aber das war nicht das Wichtigste: die Farbe passte vor allem zu den bereits geschnittenen Fransen. Dieser Musterstoff ist ein dünner Blusenstoff, daher musste ich ihn verstärken. Nach dieser ermüdenden Tätigkeit brauchte ich dringend einen Erholungsspaziergang mit unserem Hund Bruno. Ein paar Tage später habe ich alle Restteile zugeschnitten, verstärkt, zusammengenäht, sogar eine Innentasche gearbeitet, alles zusammengefügt und fertig war die Tasche. Sie hat eine unschöne Stelle an der oberen Kante (gut verborgen unter der Klappe), aber insgesamt ist sie funktionstüchtig und -jedenfalls- auffällig und originell…


Fazit: Eine Tasche für unsere Abenteuer in der Wildnis …

Inspiration: Satteltasche von Nina Broja aus Lena’s Patchworktaschen 53/2016

Schnitt: nach dem Buch Handtaschen von Yuka Koshizen, (Modell: gerundeter Boden mit Abnähern), erschienen im Stiebnerverlag

Stoffe: diverse Reste


Zu den Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Heute sind alle Beiträge zum Thema Fransen bei Made with Blümchen zu finden.

Und das nächste mal sind die Stoffspielerein bei uns am 30.05.2021 mit dem Thema „Exotisch“ bei Petersilie & Co

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Die nächsten Termine:

27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien

Sommerpause

26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust

31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt

28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche


22 Gedanken zu “Stoffspielereien Fransen

  1. Du hast Dir eine Fransentasche genäht, wie schön! (Karl May und Agatha Christie waren die ersten Buchreihen, die ich in der Volksschule fast komplett gelesen habe, von einer Tante geliehen.) Ich bewundere, was Du alles aus Deinen Vorräten zaubern kannst, auch wenn Du „gar keine hellbraunen Stoffe“ in deinem Stash hast :-) Dein Schmuckelement finde ich witzig umgesetzt mit den vielen Nieten. Insgesamt ein feiner Hingucker. Danke, dass Du uns in die Geschichte und Deine Gedanken hinter diesem Stück mitnimmst. Du berührst mich sehr und zauberst ein Bild von glücklich verbrachten Lesestunden als Kind. Danke fürs Mitmachen! Liebe Grüße, Gabi

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  2. Genau in den Kontext muss eine Fransentasche, da schaut das völlig authentisch und cool aus.
    Auch dein Concho ist da gut platziert und ein Gegengewicht zu den Fransen unten.
    Ich wünsch dir viel Freude mit der Tasche, möge sie dich auf langen Spaziergängen begleiten!

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  3. Eine wunderbare Tasche und das Dekoelement auf der Klappe ist so genial und ich finde es gerade gut, dass es so natürlich aussieht. Viel Spaß mit der Tasche, gefällt mir.
    LG Mirella

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  4. Wunderbar finde ich die Verbindung von Kindheitserinnerungen und der Umsetzung heute, auch wenn die Materialien nicht authentisch sind.
    Sehr gut finde ich die Beschreibung der Arbeitsschritte und die Such nach passendem Stoff – man wird doch immer wieder fündig ,
    Das Ergebnis sieht klasse aus, ich wünsche Dir viele schöne Spaziergänge damit.
    Liebee Grüße
    Tyche

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    1. danke, ich freue mich auch schon auf weitere Spaziergänge! Meine Lederreste waren alle zu klein, obwohl ich erst schon vorhatte mit Leder zu arbeiten, aber mit den Stoffen bin ich auch sehr zufrieden. Liebe Grüße, silvia

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    1. Den Musterstoff hatte ich nämlich schon total vergessen, darum war ich umso erfreuter als ich ihn sah. Und das mit den Fotos: Ich habe es genossen – sogar die Pferde waren so nett und haben Interesse an der Tasche gezeigt…Liebe Grüße, Silvia

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  5. Ich wünsche Dir, dass die Tasche Dir unterwegs Schwung und Power bringt. Mit den Fransen könnte das klappen so wie Du es selbst anschaulich beschreibst. Ich mag diese Moderichtung im Boho-stil sehr, sie erinnert mich an die sorglosen bunten 70er. Allerdings fühle ich mich selbst aus vielem davon altersmäßig herausgewachsen. Aber ich erfreue mich an diesem Design im Western-Revival.
    LG Ute

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    1. Nun ja, altersmäßig herausgewachsen bin ich ganz sicher aus. Immer denke ich , ich sollte mehr „auf Lady machen“, elegant und dezent und so- aber ich habe einfach Spass an Dekorativem, also was soll’s…Liebe Grüße, Silvia

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