Tischsets mit Motiven aus „200 gestickte Blumen“

*** Rezensionsexemplar vom Stiebner Verlag zur Verfügung gestellt ***

200 gestickte Blumen Christen Gula Stiebner

Fröhlich, bunt farbig, das ist so mein erster Eindruck gewesen. Was mir gleich gefallen hat: Die Autorin Kristen Gula hat nicht nur Sonnenblumen, Nelken oder Rosen als Stickmotiv gewählt sondern auch Exoten, Zimmerpflanzen, Sukkuleten, die Venusfliegenfalle und Morchel, Kornähre, Zierkohl oder Radieschen. Die Idee Blätter und Blüten von Zimmerpflanzen und tropischen Pflanzen zu sticken, hat es mir besonders angetan, es gibt ja so schöne vielfarbige und interessant geformte Blattformen unter ihnen. Was auch originell in diesem Buch ist: es wird nicht nur rein Sticktechnisches beschrieben sondern jede Pflanze wird kurz botanisch vorgestellt. Zum Beispiel erfährt man über die, von mir gestickte, Mähnengerste:

Die mehrjährige Mähnengerste (Hordenum jubatum) ist ein sehr pflegeleichtes Ziergras, das einen überhängenden ährigen Blütenstand mit Borsten entwickelt.

Die Mähnengerste ist mit diesem Buch erstmals in mein Leben getreten- und ich hoffe, dass ich ihr irgendwann mindestens im botanischen Garten in Natura begegnen werde. Man erhält eben nicht nur eine Stickvorlage, also eine auf pure Ästhetik und Optik reduzierte Pflanze, sondern erfährt wissenswertes über unsere Gesellschafter von Fensterbank und Garten …

In einem kurzen Einführungsteil wird nach der Einleitung, die Arbeit mit dem Buch, Material & Ausrüstung, Motivübertragung und Stichtechniken besprochen. Das nächste Kapitel ist ein Stichglossar in dem die im Stickbuch verwendeten Stiche erklärt werden: Rückstich, umwickelter Rückstich, versetzter Rückstich, Plattstich, Stielstich und Knötchenstich. Wie man an den angewandten Stichen bereits sieht, ist es ein Buch für Freunde der Nadelmalerei.

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Die nächsten 80 Seiten gehören den Blumen, unterteilt in Jahreszeiten (jeweils Frühlingsblumen und Frühlingsblätter usw.), „Wüstenpflanzen“ – hier finden sich einige der gelungensten Umsetzungen, „Tropische Pflanzen“, „Zimmerpflanzen“, „Obst&Gemüse“, „In der Natur“. Farblich sind die Kapitelseiten am Rand und Buchschnitt themenentsprechend mit einem Streifen gekennzeichnet: Rosa für den Frühling, Gelb für den Sommer … Das gibt einen guten Überblick und erleichtert das Auffinden. Auch gibt es ganz hinten ein Register mit den Bezeichnungen der Pflanzen. Zu jeder Pflanze gibt es eine Fotografie der fertigen Stickerei, die gezeichnete Vorlage (die sind alle etwas größer) mit Farbangaben und Stichen in Form eines Buchstabensystems (A-G), wieviele Fäden gebraucht wurden und den verwendeten Farben (mit Farbkästchen und Nummern, diese beziehen sich auf DMC). Am unteren Ende der Buchseiten befindet sich eine Leiste mit der Entschlüsselung der Buchstabenabkürzungen: A-Rückstich usw.

Die Umsetzung der Blüten (überwiegend sind es Blumenköpfe) und Blätter fällt recht unterschiedlich aus, manches ist sehr gelungen, für anderes hätte Kristen Gula vielleicht andere Stiche verwenden oder an der Form intensiver arbeiten müssen. Es ist nicht immer einsichtig ob es ein reines Abbild der Natur sein oder eine Stilisierung sein soll. Andererseits hat eine gewisse Naivität in der Darstellung durchaus Charme. Auch, das muss ich zugeben, irritiert mich wenn ein riesengroßes Blatt plötzlich genauso klein wie eine Hagebutte ist oder zumindest, wenn botanische Riesen neben Winzlingen auf einer Buchseite stehen. Aber vielleicht ist das Ansichtssache oder ich selber denke zu naturalistisch. Im Prinzip ist es logisch, dass ein Monsterablatt eben stärker verkleinert werden muss wie die Haselnuss. Ich habe mit meinem Mann „such aus was dir gefällt, ich sticke“ gespielt und er hat völlig andere Motive gewählt, sämtlich stärker abstrahiert und reduziert. Ich dagegen blieb mehr bei den naturstudienartigen Blümchen hängen. Naja, ab und zu waren wir uns einig. Es zeigt aber schön das Hin- und Herschwanken der Stickerin. Man könnte nicht sagen das Buch ist, was die sticktechnische Umsetzung betrifft, aus einem Guss. Aber es bietet 200 Vorlagen, die letzlich jede einzelne Stickerin individuell umsetzen wird, farblich genauso wie was die Stichauswahl betrifft. Damit ich hier nicht nur theoretisiere habe ich zwei Vorlagen gestickt und auf meine Art interpretiert, was dabei herausgekommen ist, zeige ich auf den folgenden Fotos.

Meine zwei Modelle aus dem Buch sind Gräser: Mähnengerste und Hasenschwanzgras. Zum Letzteren heißt es übrigens:

Diese Zierpflanze hat ihren Namen von den samtartigen, weichen Puscheln, die einem Hasenschwanz ähnlich sehen. Sie ist auch als Samtgras oder Moor-Wollgras bekannt. Da sie besonders anspruchslos ist und nicht täglich gegossen werden muss, eignet sie sich besonders für Gartenneulinge.

Ich habe je zwei Gräser versetzt aufgestickt und auf der gegenüberliegenden Seite zwei Reihen mit umwickelten Vorstichen gearbeitet. Das war sehr leicht und rasch getan. Außerdem gab es mir die Möglichkeit die Hauptfarbe nochmals aufzugreifen und einen zusätzlichen optischen Akzent zu setzen. Den Untergrund bildet naturfarbenes, feines Leinen, das wirkt immer sehr edel und zurückhaltend. Zugeschnitten hätte ich noch weitere Sets, aber es ging etwas durcheinander in letzter Zeit, da fehlte die Ruhe zum Sticken …

Die im Buch vorgestellten Projekte sind übrigens wirklich entzückend, absolut sehenswert und machen vieles wett. Aus den, manchmal ein bisschen zusammenhanglos, wirkenden Einzelmotiven entstehen reizende Zierelemente für einen Blusenkragen, Blumensträuße oder eine Minikakteenlandschaft…

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Die Autorin Kristen Gula ist Autdidaktin, aus ihrer Stickleidenschaft entwickelte sich erst ein Online-Shop, dann ein eigener Handarbeits-Laden, in dem sie auch Workshops abhält. Die Amerikanerin lebt mit ihrer Familie und ihren vier Hühnern in St.Louis, Missouri.


Fazit: Plattstich und so sind nicht mein Ding, aber die angewandten Beispiele haben mich sehr begeistert. Einfach ein Stickbuch für Blumen- und Gartenfreunde, die so im kalten Winter von ihren Lieblingen träumen können … Ich wollte ursprünglich für unseren Summer-Stitchalong die Espandrillos mit Sonnenblumen machen, daraus ist nichts geworden (vielleicht nächsten Sommer). Mit den vielen geköpften Blumen habe ich so meine Schwierigkeiten, genau das hat mich aber zu meinen Versuchen angestachelt: Kristen Gula hat so hübsche Beispiele geliefert, warum nicht auch ich?

Buch: 200 gestickte Blumen – Handstickereien und Projekte mit Blumen, Blüten und Blättern von Kristen Gula, erschienen 2019 im Stiebner Verlag, durchgehend Fotos und Illustrationen, 144 Seiten, Format 21,5cm x 23cm, Softcover, ISBN978-3-8307-2060-7


2 Gedanken zu “Tischsets mit Motiven aus „200 gestickte Blumen“

  1. Au ja, liebe Silvia, Deine Beispiele sind wirklich unglaublich hübsch geworden!! Das Leinen in Kombination mit den zurückhaltenden Farben und der Linie auf der anderen Seite – super! Vielleicht hast du über den Winter Zeit, die anderen, bereits zugeschnittenen Sets zu besticken. Das gibt einen wunderschön gedeckten Tisch! lg, Gabi

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