Die Kimonojacke von The Assembly Line

Kimono Jacket The Assembly Line grau grey Linen Leinen Jacke

Ich weiß nicht so genau, wie viel von meinem beruflichen Leben hier am Blog ab und an mal durchblitzt? Ich versuche beides eigentlich immer zu trennen. Aber um zu beschreiben, wieso mich dieses Schnittmuster so angesprochen hat, muss ich auch ein bisschen auf mein berufliches Ich zu sprechen kommen.

Ganz grob gesagt: Was ich momentan Tag ein und Tag aus tue, ist aus abstrakten Messwerten andere Zahlen, die man besser interpretieren kann, abzuleiten. Jeder der bereits einmal mit einem Maßband hantiert hat weiß, dass beim Nachmessen nicht immer das gleiche Ergebnis herauskommt. Was macht man? Die Methoden der Statistik verwenden und einen Mittelwert errechnen? Genau dieses Problem habe ich in sehr viel komplexerer Art in meinem Beruf. Nach einem Optimierungsschritt – a la Schnittmusterteile möglichst stoffsparend auf dem Stoff platzieren, dann rüttelt sich alles im besten Fall gut zusammen und man hat ein Ergebnis. Was ich damit eigentlich sagen will ist, dass es nichts besseres gibt, als wenn sich scheinbar „Nichtpassendes“ auf einmal zusammenfügt, obwohl man sich vorher nur denkt, dass es nie etwas wird. Ich kann mir vorstellen, dass das in anderen Fachgebieten, – bei einer Bauplanung z.B. – auch so ist: Dieses Glücksgefühl, dass sich auf einmal alles ausgeht.

Das Schnitttmuster Kimonojacket von The Assembly Line ist genauso. Das Schnittmuster kommt in einem großen A4 Umschlag vollgestopft mit einem A0-Plot und einer Anleitungen voller Winkel und anderer genauen Angaben. Es ist gefühlt jede Linie eingezeichnet: Nahtzugaben, Markierungen für aufgesetzte Schnittteile hoch drei und vieles mehr. Irgendwie erinnert mich das Schnittmuster eher an einen technischen Plan, als an ein Kleidungsstück, das man am Schluss tatsächlich anziehen kann.

Schritt für Schritt folgt man nun der sehr genauen Anleitung: Vlieseline wird auf bestimmte Flächen gebügelt, kleine Nähte gesetzt und umgebügelt. Wenn man sich an die Anleitung hält, und die Nahtzugabe entsprechend nimmt, wird die Jacke Stückchen für Stückchen fertig. Und die 5 Millimeter Nahtzugabe treffen genau mit der aufgebügelten Vlieseinlage zusammen. Die versäuberten Kanten in der Ecke treffen sich, und es stimmt einfach alles – vielleicht nicht auf den Mikromillimeter, aber fast.

Dieses supergenaue Nähen hat natürlich auch deshalb so gut geklappt, weil der verwendete Stoff ein Leinen-Baumwollgemisch mit Stand war, da rutscht wenig herum. Der Stoff ist von der Farbe her natürlich nicht spektakulär. Er ist „nur“ einfärbig graumeliert, aber das liefert auch die Möglichkeit vieler Kombinationsmöglichkeiten mit meinem Kleiderschrank. Einziger Nachteil: die weiten Ärmel erlauben keine Jacke darüber. Sollte übrigens jemand von euch einen guten Mantelschnitt für weite Ärmel kennen, nur her damit. Oder könnt ihr mir vielleicht Tipps geben für eine Mantelform, die gut mit weiter geschnittenen Teilen kombinierbar ist.


Fazit: Ich hoffe darauf, dass es noch ein gutkombinierbarer Klassiker in meinem Kleiderschrank wird – statt den 0815-Blazern.

Schnittmuster: Kimono Jacket von The Assembly Line, als Papierschnittmuster bei Tillabox gekauft – ein bisschen teuer (inkl. Porto ca. 20€)

Stoff: Leinen-Baumwollmischung von Robert Kaufman, gekauft bei Sew Nice am Attersee

Kimonojaket3
Einmal im Ganzen!

Verlinkt beim Me Made Mittwoch.


27 Gedanken zu “Die Kimonojacke von The Assembly Line

  1. Eine hübsche Jacke und gerade das Grau finde ich sehr charmant, weil so unaufgeregt und fein zu kombinieren.

    Ich würde die Jacke eher so tragen und nicht noch einen Mantel drübersetzen. Zum einen Knubbelt das vermutlich auch wenn der Mantel weitgeschnitten ist und zum anderen zieht der ein kalter Winterwind eh immer im weiten Ärmel rein.

    Liebe Grüße, Anne

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  2. Schön! Das Schnittmuster klingt richtig verlockend, so wie du es beschrieben hast. Ich nähe gerne Mal was Herausforderndes, wo man sehr genau sein muss, und deine Beschreibung klingt gerade so! Ich finde der Stoff passt super. Lässt sich gut kombinierend und bringt die Besonderheiten des Schnitts hervor.
    LG, Bettina

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  3. Schön!
    Deine Schnittmusterbeschreibung macht mir Lust meinem Plan damit endlich in die Tat umzusetzen. Wir werden sehen.
    Ich stimme Anne zu, die Jacke unter einem Mantel, das kann ungemütlich werden, besser ein warmes Teil drunter.
    Schöner Gruß Mema

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  4. Ich finde das Grau zum geradlinigen Schnitt sehr gelungen. Der Kimono besticht ja vor allem durch diese Zurückhaltung. So bleibt Raum für farbige Partner.
    LG Malou

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  5. Gerade die unaufgeregte Farbe lässt die Kimomojacke richtig schön elegant wirken und es macht einfach Spass, nach einem sorgfältig erstellten Schnittmuster ein tolles Ergebnis zu erhalten.
    LG von Susanne

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  6. Huhu, dein Blazer steht dir ausgezeichnet. Ich mag die Melierung des Grau und die geraden Kanten sehr.
    Ich habe mir vor einiger Zeit die Jacke Eve von Schnittchen patterns genäht. Hab mir allerdings ein Futter rein gebastelt. Die hat recht weite Ärmel und ist auch so Oversize geschnitten.
    LG Nadine

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  7. Wunderbar, ganz wundebar! Deine Akuratesse beim NÄhen hat sich sehr ausgezahlt. Die Jacke schaut umwerfend aus und man sieht die viele Mühe, die darin steckt. Ein tolles Teil mit vielseitiger Verwendung. Bei Kimomojacken sind die Ärmel weit – zieht es nicht rein? Diese Frage gestelle ich mir immer und habe daher noch nie eine Kimono-Jacke in die engere Wahl genommen. LG Kuestensocke

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  8. sehr schön, klassisch, clean, sicher auch schick zu Schwarz mit auffälligen Assesories… Hut ab vor der akkuraten Ausführung und dem Hantieren mit Zahlen… Das wäre mein Untergang! ;-) LG Sarah

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  9. Klare Form, akkurate Verarbeitung, kombinierbare Farbe – was will frau mehr! Ich finde diesen cleanen Kimono großartig an Dir, obwohl ich solchen Schnitten bisher eher skeptisch gegenüberstand.
    LG Ina

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    1. Dankeschön. Einmal ausprobieren zumindest?! Solche Experimente gehen natürlich ab und an schief, daher am besten Nähtreffen oder „Shoppingausflüge“ für so etwas nutzen.
      Viele Grüße, Anna

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  10. Der Schnitt steht Dir und ist sicher ganz vielfältig zu kombinieren. Ich kann mir den gut in der Übergangszeit als Stück drüber mit etwas Wärmenden drunter vorstellen. Liebe Grüße, Gabi

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    1. Ja, ich glaube auch, dass man öfters mal die wärmenden Schichten nach unten verlagern könnte. Gerade für die Übergangszeit. Ich muss noch ein bisschen experimetieren. Momentan ist es mir aber zu kalt.
      VG, Anna

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  11. Als Bewunderer reihe ich mich gernest in die Reihe vorheriger Kommentierer!!!

    Bzgl. Deiner „Mantel-Frage“:
    1.) Fuer „ein-wenig-Saison-Verlaengerungs-Eignung“ der Jacke:
    a) ein ‚Cape-Tuch‘ ? Mit Chic-Schraeg-Knoepfung entlang eines Aermels?
    b) mM auf alle Faelle ‚Strick-Einsaetze‘: als chicer, knoepfbarer (= wegen Deiner Langhaar-Frisur!) ‚chunky Rollkragen cum Schal‘ und sog. ‚Nur-Aermel‘ (bis zu den Ellbogen innerhalb der Jacke hoch) ?
    Ich habe als ‚Katastrophen-Menopausal-One‘ ohnehin mit Begeisterung meist duenne, nur ‚elegant-Socken-starke‘,
    aehem, „Arm-Knie-Struempfe“ als kleines handliches Pack in der Handtasche mit fuer ‚DEN Bedarf‘. Meist ist es aber umgekehrt: ich starte zwar mit den langen „Arm-Struempfen/Aermelwaermern aka Haxenwaermern“ und diese verschwinden wegen ihrer Schlankheit aber dann meist bald in einer kleinen Tuete in der Handtasche. Das Tuetchen dafuer finde ich wegen der ’neutralen, chicen Fussel-Farbe‘; genannt „Schwarz“ und leider gar viiiieler anderer f(r)eindlichen Bewohner meiner Handtasche als seeehr angenehm, aehem, arbeits-reduzierend ;-) :-D :-D !!!

    2.) Tulpen/Bomberaermel an einem Wintermantel ?
    Du weisst schon: so ungefaehr von entweder kurz unter oder ueberm Ellbogen startende „Toennchen-Ansaetze“ von Aermeln. Solltest Du zuuuufaellig ‚reich‘ sein und schon div. andere Wintermaentel besitzen, wuerde ich glatt evtl. wegen schnellerer Verfuegbarkeit (Winter bald vor Deiner Haustuere ^^?) ein vorhandenes, passendes aelteres Mantel-Model block-kontrast-farbig mit einem anderen huebschen Winterstoff „modernisieren“ ?
    Du kennst das ja: evtl. zum „Das-IST-so/das-SOLL-bzw.-MUSS-als-‚anderer Modestil‘-so-sein“, woanders auch ein wenig desselben Stoffes verwenden (= Saumverlaengerung; rustikale Taschenklappen; verdoppelter Kragen) ist evtl. besser als ein hoffnungsvolles Ufo, von welchem man traeumt; es angefangen hat; es NOCH dingender auch gebrauchen koennte …. aber der Zeitmangel (= beachte Weihnachtszeit; trotzdem kalt !) einem alle moeglichen andere Arbeiten aber saisonbedingt in den Vordergrund stellt.
    Wenn Du ein altes Bettlaken o.ae. hast, koenntest Du ja zumindest mal ‚testen‘, ob Dir so eine Optik von Mantel ueberhaupt gefaellt. Manche haben ja schon den geringsten Horror gegen alles was auch nur iiiiirgendwie nach ‚Fleckerlwerk‘ aussieht; selbst wenn’s an einer Klamotte als ‚halb-halb‘ wirklich um groooosse und mM chice ‚Fleckerl‘ geht!

    LG, Gerlinde

    PS: vorsichtshalber gleich mal herzliche Weihnachtsgruesse an Dich, Familie(n) und evtl. auch an derlei Gruessen interessierten Blogleser von Dir.

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  12. PPS:
    Guck‘ Dir doch bitte mal die Maentel-Versionen des Labels „Max Mara“ an; vor allem deren dort gezeigten Camelhaar-Mantel (in entsprechend ‚blond‘), welcher wohl als Duo von Cape/Kurz Jacke zusammen mit aermelloser Lang-Weste gemeinsam dann wohl zum ‚eigentlichen Mantel‘ wird.
    Du erkennst ihn vermutlich auch ihn Eurer Website-Version mit Euren Preisangaben sofort am vermutlich auch entsprechendem Preis.
    Weiters sah ich dort auch andere Maentel mit fast aehnlichem Schnitt wie Deine Jacke und es draengt sich mir jetzt die Frage einer moeglichen Kombination beider Kleidungsstuecke auf (gruebelgruebel!)
    Das Hauptproblem eines Mantels zu Deiner Jacke wird – nach genauerem Betrachten und Nachdenken – ja wohl nicht nur in der Aermelweite in Handnaehe sein, sondern schon im Aermel-LOCH/SCHULTER-Bereich, oder?

    … und: Iiiiiija, ich kann nerven mit meinen Vorschlaegen; man BRAUCHT sie aber NICHT befolgen! Bedenke: per Computer bin ich gaaaanz leicht abzuschalten; hat man viiiiiel laenger Zeit fuer eine Verteidigungs-Antwort usw. usw.
    Ich bin aber eben leider etwas von der Sorte ‚Praktisch‘ …. und Du hast eine (evtl. ehrlich zu loesende?!) Frage in den Raum gestellt. Sorry: MEIN ‚Senf‘ hierzu \../

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