So! viele Möglichkeiten – Erkundungen rund um den Blusenschnitt Ella

*** Kooperation mit SO! Pattern und Karlotta Pink ***
Ella so pattern karlotta pink11

Pattern-Hacking – weißt du überhaupt was das ist?“, fragten meine Töchter besorgt, als ich mich zu diesem Projekt meldete. Nun ja, ich gebe zu, diesen Begriff gibt es für mich erst seit dem Blog, aber was damit gemeint ist, gab es wohl schon seit Menschen Kleider nähen: Aus einem vorhandenen, passenden Schnitt etwas Neues, vielleicht mit interessanten Veränderungen, zu nähen.  Das ist ja gerade was mir am meisten Spaß macht, diese Überlegungen was könnte man noch machen, abgesehen von Muster und Farbe, die einem Kleidungsstück schon einen deutlich anderen Charakter geben können. Wer kennt das nicht, in Weiß findet man die Bluse gräßlich, aber die Schwarze, die ist doch wirklich edel …

Ein Schnittmuster als Ausgangsbasis zu verwenden und daraus, nun sagen wir, Abwandlungen zu nähen, ist übrigens auch äußerst Budget schonend und für die, denen das Schnitte herausnehmen nicht so viel Spaß macht (wie mir zum Beispiel), ist es energiesparend. Nach längerem hin und her entschied ich mich für die Bluse Ella. Sie hat eingesetzte Ärmel, eine Rückennaht, keinen Verschluss, eine Art Ministehkragen bei einem U-Boot-Ausschnitt und interessante Seitenteile. Also jede Menge Ansatzmöglichkeiten für Veränderungen: andere Ärmel oder gar keine, ein Schlitz oder Verschluss am Rücken, ein neuer Kragen oder eine Ausschnittvariante (V-Auschnitt) … Anna deutete mir an, gleichsam als Hilfestellung für meine „Ich weiß noch nicht“ Haltung, Statement-Ärmel wären angesagt. Ich musste nämlich irgendeine ungefähre Idee zwecks Stoffbestellung mitteilen (Am liebsten nehme ich Schnitt und Stoff und, na, wir werden schon sehen!). Also sollte es eine neue Ärmelvariante werden und wurde es auch.

 

Wenn man einen Schnitt verändern möchte, sollte man natürlich erst das Original kennen. Das war dann gleich wieder ein schwerer Entschluss, nicht weil ich es nicht nähen wollte, sondern weil ich mich schon wieder nicht entscheiden konnte, wie mein Ella-Original aussehen sollte. Nachdem ich fünf Stoffkandidaten gewaschen hatte, wählte ich ein rot-weißes Bettzeugkaro, das schon lange gewaschen auf den Einsatz wartet. Es juckte mich einfach, diese von Sabine als „Oh Gott, oh Gott, Trachtenkitsch“ eingestufte Stoffart zu nähen. Ehrlich, es ist eine sehr hübsche Bluse geworden, das Tüpfelchen auf dem I ist für mich die Ratte/Maus am Rücken.(Auch wenn man das Patternmatching bei der Rückennaht besser machen könnte!)

 

Der Schnitt ist gut, alles passt perfekt zusammen, die Größe stimmt. Also los geht’s! Nach der ersten erfolgreichen Variante dachte ich natürlich, jetzt geht alles ganz schnell. Irrtum! So viel aufgetrennt habe ich schon lange nicht mehr. Die Seitenteile habe ich gleich einmal verkehrt angenäht, die vordere Seitenteilnaht war plötzlich hinten,  da hieß es wieder auftrennen. Danach habe ich die vordere Seitenteilnaht richtig ans Vorderteil angenäht. Das könnte man prinzipiell so machen, erwies sich im weiteren Arbeitsverlauf aber als hinderlich, weil es nicht der vorgegeben Reihenfolge entspricht. Ich bin mir wie ein Kandidat von British Sewing Bee vorgekommen, der plötzlich alles verkehrt näht. Mein Ärmel war schon geteilt, nur kam die Teilung plötzlich nicht genau exakt zur Schulternaht. Es dauerte bis ich auf den Fehler kam, ich musste noch einmal die Anleitung durchgehen. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man ein Seitenteil vorne oder hinten drannäht. Zumindest wenn man den Ärmel, so wie in der Anleitung erklärt, einsetzen will, bevor Arm- und Seitennaht geschlossen sind.

 

Zum Ärmel: Idee und Überlegungen: ein von der oberen Mitte an geteilter Ärmel, also von der Schulternaht an offen.  Ursprünglich war mein Ärmel oben eingereiht (ich hatte ihn zuerst um ca. 8cm breiter zugeschnitten). Und er sollte eine Manschette oder ein Bindeband als Abschluss erhalten, das wirkte allerdings nicht sehr überzeugend. Lange habe ich auch an einem Dreiviertelärmel überlegt, letztlich blieb ich bei der langen Variante, die im unteren Bereich völlig offen ist, das hat sowas Hippie-mäßiges.

Die Ausführung: Der Ärmel hat die originale Weite. Den Ärmelschnitt habe ich vom Schulterpunkt (der Markierung ganz oben an der Armkugel) parallel zum Fadenlauf aufgeschnitten. Beim Zuschnitt ist darauf zu achten eine Nahtzugabe (2-3cm, zum bequem zweimal einschlagen und absteppen) für die Teilung einzuplanen. Auf den Fotos erkennt man die beiden ungleichen Teile: Beim hinteren Ärmel ist die Seitenteil-Mehrweite einberechnet, daher mein Anfangsproblem beim Einsetzen! Um dem Ärmel etwas Halt zu geben habe ich ca 1cm breite Riegel genäht und damit die beiden Hälften fixiert. Die Riegel sind einfach untergesteppt an den fertigen Kanten. Oben ist der Riegel etwas schmäler, der Spalt zwischen den Ärmelteilen verbreitert sich allmählich.

 

Zum Schnitt möchte ich sagen, er wirkt sehr klar, sachlich und architektonisch (darum haben Puffärmel auch so gar nicht gepasst). Die im Schnitt angegebene Stoffmenge ist für meine Blusenvariante ausreichend.

Der Auschnitt: Vorne entspricht die Auschnittlinie dem Original. Die Rückennaht habe ich zu einem V-Auschnitt geöffnet und mit verspielten Bindebändern versehen. Der Ausschnitt ist mit Belegen versäubert, eine Alternative wäre eine Schrägbandeinfassung.


Fazit: Eine sehr schöne, leichte Bluse für den Sommer. Die offenen Ärmel sind nicht unbedingt alltagstauglich oder praktisch, aber eben hübsch und etwas besonderes.  Zum Pattern-Hacking der Bluse Ella ist mir noch viel eingefallen (auf einer langen Zugfahrt in die Schweiz), die eine oder andere Idee möchte ich demnächst umsetzen. (Eine Variante ist bereits zugeschnitten.)

Stoff: Indischer Blockprint von Karlotta Pink, unentgeltlich für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Karostoff aus meinem Schrank

Schnitt: Bluse Ella von SO! Pattern

 

 

 


8 Gedanken zu “So! viele Möglichkeiten – Erkundungen rund um den Blusenschnitt Ella

  1. Ich bin total begeistert, WOW die Ella steht dir super und ich möchte am liebsten gleich an die Nähmaschine *lach*. Wirklich ganz toll und danke für diesen wunderschönen Beitrag. Hab einen feinen Tag.
    Liebe Grüße
    Annette

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