Münchner Dirndl – Effizient zum Ziel

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Ich darf präsentieren: mein allerneustes Dirndl, frisch von der Nähmaschine. Schließlich kann man ja nie genug Dirndl im Schrank haben und das Nähen macht echt Spaß. Dieses Dirndl habe ich allerdings nicht in Eigenregie genäht, sondern den Dirndl-Nähkurs von Andrea (Mei Dirndl) besucht. Warum ich einen besucht habe, obwohl ich ja schon drei Dirndl genäht hatte und eigentlich wissen sollte wie es geht? Ich wollte einfach wissen wie der Profi heutzutage in Bayern das Dirndl näht, und ob es noch ein paar Tricks und Geheimnisse des Dirndlnähen gibt, die ich nicht kenne. Der Kurs überschnitt sich wunderbar mit meinen Weihnachtsferien und ich hatte Glück noch den letzten Platz zu ergattern.

Wie der Kurs werden würde, wusste ich nicht, aber selbst wenn der Kurs nicht meins gewesen wäre – was nicht der Fall war -, so hätte ich immerhin einen Maßschnitt der perfekt passt. Also ja, ich war doch sehr gespannt wie es wird, schließlich habe ich ja gemütliche Zeit daheim in Österreich dafür „geopfert“.

Also Zubehör und Stoff gekauft (und weiteren Stoff für noch ungefähr 3 Dirndl), das Nähzubehör meiner Schwester geplündert, und ich war bereit für das Abenteuer. Dank Zugverpätung kam ich gleich mal als letzte an und so ging es gleich nach meiner Ankunft los. Und zack waren wir alle schon am Zuschneiden, für mich sehr ungewohnt mit Rollschneider und Gewichten. Alles notwendige zum Nähen (Nähmaschine, Rollschneider, Kreidestift, etc.) wurden von Andrea zur Verfügung gestellt. Kaum war alles zugeschnitten und vorbereitet, ging es an die Nähmaschinen (Berninas netterweise, mit diesen bin ich ja sehr gut vertraut). Beim Paspelnähen habe ich den Paspelfuss kennengelernt und brauche den nun auch unbedingt (Biesenfuss mit 3 Rillen #30). Und ebenfalls ungewohnt: Wir haben kaum mit Stecknadeln gearbeitet. „Einfach“ nähen war angesagt, ein paar Kleinigkeiten beachten und es hat gepasst. Nun weiß ich, es lassen sich Wiener Nähte ohne einer einzigen Stecknadel nähen. Eigentlich haben wir den ganzen ersten Tag keine einzige(!) Stecknadel verwendet.

Mittags gab es dann die nette Überraschung (oder ich hab das einfach nur verpeilt), dass der Herr des Hauses für uns gekocht hat und wir gleich vorort versorgt wurden. Anschließend ging es noch ans Vorbereiten des Rockes und der Schürze, Futter zusammennähen und schon war die Anprobe und das endgültige Festlegen des Ausschnitts dran. Bis auf minimale Änderung passte der Schnitt perfekt. Damit war auch schon Tag eins vorbei. Bevor Schluss war durften wir uns noch eine Stickerei für unser Dirndl aussuchen.

Am Tag zwei ging es gleich weiter: Futter verstürzen, Rock vorbereiten und in Falten legen, Kittelsack einnähen, zwischendurch erneut ein leckeres Mittagessen genießen. Die Knopflöcher nähte uns Andrea übernacht mit einer Industrienähmaschine, der ist egal wieviele Stofflagen und Paspeln unter dem Füsschen sind. Tag zwei war schon intensiver als Tag eins und am letzen und dritten Tag, war jeder schwer beschäftigt.

Der letzte Tag war ausgefüllt mit dem Annähen des Rockes an das Oberteil, säumen, Knöpfe annähen, bügeln, Schürze nähen usw. Da muss ich eine kleine Anekdote zur Schürze berichten: der breite Saum der Schürze eignet sich wunderbar um Geldscheine einzunähen, sollte man also bei einem Fest ohne Geld dastehen, gibt es noch geheime Reserven! Es war richtig intensiv, trotzdem war die Stimmung in der Gruppe ausgezeichnet. Es war spannend zu sehen wie die Dirndl nach und nach Form annahmen und auch wunderbar zu ihren Trägerinnen passen.

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Beim Nähen der Schürze zeigte uns Andrea den Ruffler, mit dem man schnell und einfach kleine, exakte Fältchen nähen kann und natürlich brauche ich jetzt auch so einen Fuß. Ich habe auch das erste mal den Blindstich richtig eingesetzt. Nur ist mit der Maschine, mit der ich genäht habe, der Stich nicht ganz so unsichtbar geworden wie gewünscht. Allerdings weiß ich jetzt wie dieser Fuß richtig funktioniert und ich kann an meiner Maschine die perfekte Einstellung suchen.

Und ziemlich Punkt vier zum Kursende hatte ich den letzten von 12 Knöpfen angenäht und alle Fädchen abgeschnitten. Schnell ins Dirndl schlüpfen, Foto machen, Gruppenbild mit den anderen in ihren Dirndl und schon musste ich los, raus ins Schneegestöber auf meinen Zug heimwerts. Und ich muss sagen, es war eine wunderbare, intensive Zeit, schade, dass sie vorbei ist.

Andrea ist ausgebildtete Schneiderin und näht seit Kindesbeinen und weiß einfach wie man schnell aber ordentlich ein Dirndl näht – ich sage nur 6 bis 7 Stunden! (Meine Schwester war übrigens der Meinung, dass ein Dirndl in drei Tage zu nähen unmöglich ist.) Ist es aber nicht, wie man sieht. Was macht diese Effizienz aus?

  • Perfekt sitzender Maßschnitt, bei dem kaum Anpassungen nötig sind.
  • Kein Heften, kein Stecken – das geht!
  • Den Rock in Falten legen, statt ziehen – das ist nämlich eine stundenlange Handarbeit.
  • Technisch alle Möglichkeiten der verschiedenen Maschinen ausnützen.

Ob ich zukünftig mit dem Rollschneider zuschneiden werde, da bin ich mir nicht so sicher, ich werde mich aber auf die Suche machen, wo denn der Rollschneider vergraben ist und die stumpfe Klinge ausstauschen. Aber die nächsten Dirndloberteile werde ich fix auf Müncher Art nähen.


Fazit: Toller Kurs, absolut weiter zu empfehlen, wenn es sich zeitlich ergibt, möchte ich gerne den Vier Tages Kurs für Spenzer Rock und Schürze besuchen oder den fürs Schneewittchen Dirndl – ein schöner Reverskragen hat auch was. Und ich muss unbedingt wie Susi, meine Sitznachberin, ein grünes Dirndl nähen. Und Jasmin ich freue mich auf unser Dirndl Date.

Der Kurs ist übrigens auch für Nähanfänger geeignet, da Andrea jeden Schritt detailiert erklärt und auch sicher stellt, dasss niemand auf der Strecke bleibt, sondern jeder am Ende des Kurses sein fertiges Dirndl hat. Ihr ist es ein Anliegen, sollte man Lust auf weitere Dirndl haben, dass man am Ende des Kurses nicht nur ein genähtes Dirndl im Schrank hat, sondern den ganzen Prozess nochmal von vorne selbst ohne Probleme wiederholen kann. Ihre Töchte haben übrigens alle an die 30 Dirndl im Schrank. Da kann ich also für mich noch ein paar mehr nähen.

Schnitt: Maßschnitt von Andrea (Mei Dirndl) für den Kurs erstellt

Material: Stoffe und Knöpfe gekauft bei myTex

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16 Gedanken zu “Münchner Dirndl – Effizient zum Ziel

  1. Boah, Sabine! Das ist wieder so toll geworden! Mega! Ich bin zwar selbst überhaupt kein Dirndl-Typ, aber erfreue mich sehr daran, wenn es anderen so gut steht wie dir! Sensationell, möchte ich sagen! Und Hut ab: Drei Tage? Das hätte ich auch nie und nimmer für möglich gehalten! Dann mal auf zu den nächsten 27 Dirndln (….oder so) :-)
    LG aus der schneefreien Zone Heidelberg. Susanne

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  2. Wunderschönes Dirndl in wunderschöner Kulisse! Danke für die ausführliche Beschreibung des Kurses, das macht richtig Lust drauf. Ich träume ja von einer Tracht der hiesigen Gegend – da könnte das doch noch irgendwann was werden.
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Eine traditionelle Tracht zu nähen ist sicher eine spannende Herausforderung. In meiner Heimat gibt es gar keine explizit zugeordnete Tracht, abgesehen von den Goldhauben, das aber von der Bekleidung wenig interressant ist (nur selber eine Gold oder Perlhaube zu besticken wäre mal spannend) und das OÖ Dirndl.
      Lg Sabine

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  3. Ein Traum ich möchte so gerne ein Dirndl unter Anleitung nähen / im Ruhrgebiet gibts da leider nix 😕 also wäre klasse dies mit ein paar Tagen Urlaub verbinden zu können / eine Ferienwohnung anmieten … vielleicht gibts ja noch mehr die das gerne tun möchten😊 gibt es einen Zeitplan wann welche Kurse stattfinden?
    Adresse?
    Danke für deine Inspiration
    Gruß Bettina aus Hagen

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    1. Hallo Bettina wenn du den Link zu Mei Dirndl folgst, kommst du auf ihre Seite und in der Rubrik Nähkurse sind alle Details und die nächsten Kurse aufgeführt. Du wärst jedenfalls nicht die einzige und erste die von etwas weiter weg anreist und das Ganze mit ein bisschen Urlaub verbindet.
      Lg Sabine

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  4. Himmel, was stehen dir die Farben gut! Du bist so ein Schneewittchentyp, da passen kräftiges blau und rot mit weiß ganz besonders.
    Schön, der Schnee. Hier imRheinland haben wir ja eher Schneematsch,wenn es denn überhaupt schneit, und sehr selten mal „richtig“ Schnee und Eis und dann jammern direkt alle und faseln von „Katastrophen“ und „Schneehölle“ 🙄
    Ganz herzliche Grüße aus Düsseldorf,
    Susanne

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    1. Oh Dankeschön 😊
      Ich liebe Schnee und finde es schrecklich wenn es im Winter nicht schneit.
      Aber in Gegenden in denen wenig Schnee fällt, drehen dann alle durch. Als wäre Schnee so was aussergewöhnliches im Winter.
      Halber Meter Schnee im Mühlviertel kein Ding, 5 cm Schnee in Wien oder München nichts funktioniert mehr…
      Lg Sabine

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  5. Faszinierend, dass mit bzw. Nähen ohne Stecknadeln. Falls Du noch nach einer Idee für einen Technik-Post suchst, mindestens eine aufmerksame Leserin hättest Du schon…
    Das scheint ein sehr lehreicher Kurs gewesen zu sein, wenn für jede Teilnehmerin sogar ein Maßschnitt dabei herauskommt. Schönes Kleid in schöner Winterkulisse! Ich hoffe, Euch geht es in dem Schneegestöber gut!?
    LG Manuela

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    1. Hust Hust, wenn ich wieder ein Dirndl nach dieser Technik nähe, kann ich da ja auf die Feinheiten dieser Technik eingehen.
      War echt ein toller Kurs und ein Massschnitt den man zukünftig so oft verwenden und variieren kann wie man will, was will man mehr.
      Schneegestöber gibts in Österreich, Tessin (nur mehr über Italien zu erreichen), in den Schweizer Alpen zB Davos von der Welt abgeschnitten, in Luzern regnet es…
      Lg Sabine

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