Versuche mit Stoffstreifen • Flechten und weben

Kartonweberei

Als mir Sabine vom Thema Streifen von Stoffspielereien erzählte (mit dem Hinweis: „Das wär‘ doch was für dich!„) dachte ich erst mal: „Ich hab‘ ja keine gestreiften Stoffe!“ Dann: „Doch, da gibt es doch diesen blauweißen Baumwollstoff – ein Polster mit interessanten Streifenkombis?“ (Polster geht bei mir immer und sofort, ich weiß, nicht sehr einfallsreich, aber ich bin ein richtiger Polstertyp) „Vielleicht nähe ich endlich etwas mit den weißen Leinenstreifen, die mir meine Mutter geschenkt hat, eine tollen Rock, das will ich ja schon den ganzen Sommer“ … „Vielleicht versuche ich doch die Umsetzung des Blaumeisenpullis“ usw. Schließlich fielen mir meine Versuche mit den Jeansstreifen ein und naja, ich habe noch ein bisschen weiter experimentiert … Wobei ich mich nicht ausschließlich auf Jeans, als Material, festgelegt habe. Es geht einfach um Stoffstreifen, die nicht durch Nähte verbunden werden um eine Fläche zu erhalten. Alle meine Beispiele sind über einen Karton gewebt bzw. geflochten. Wobei sie allerdings zuletzt manchmal mit Klebeinlage und immer mit einer Randnaht fixiert werden müssen.

Jeans und Chipstüte verwebt

Dieses kleine Stück ist auf einem Kartonstück beidseitig gewebt. Die Kette ist ein glitzerndes, feines Häkelgarn. In einer Webzeitschrift sah ich einmal Tischsets aus Garn und schmal geschnittenen Streifen von Kaffeepackungen, daher die Streifen aus der silbernen Innenseite der Chipspackung. Ich mag es wenn es glitzert. Grundsätzlich wollte ich daraus so ein kleines Abendtäschen nähen, habe aber bei der Ausführung versagt. Inzwischen ist meine Taschenidee größer geworden.

Aber zurück zum Beginn: Eine Schachtel mit Jeansresten war am Anfang. Ich habe einen eher weichen Rest gesucht und mit dem Messer in 1cm breite Streifen geschnitten. Diese Streifen waren relativ kurz, da es sich um zerschnittene Hosen handelte. Der Vorteil von Jeans: Durch die Webart (Köperbindung) lösen sie sich nicht auf, ein Kantenversäubern ist nicht nötig. Diese Art Weberei ist eher ein Durchfädeln, etwas Geduld ist gefragt und das Ganze ist ein bisschen labil: zur Fixierung ist es ratsam die Kanten mit Klebeband zu sichern. Nach der Fertigstellung habe ich die Rückseite mit einer Klebeinlage gesichert. So erhält man ein individuell gefertigtes, dekoratives Stück Stoff, das als Taschenklappe oder dergleichen gut aussieht. Das fertiggestellte Webstück habe ich heiß gebügelt – mit Tuch darüber – dem Plastik wird es dabei ein wenig zu warm und es wird weich, so fügt es sich gut in die Weberei. Das kann man sehr geschickt ausnützen, dieses leichte Anschmelzen von Plastitüten oder Bändern meine ich.

Japanisches Flechtwerk – Jeansstreifen

Also, ohne Sabine wäre ich wohl nicht bis ans Ende gekommen. Das ist definitiv nicht meines. Es gefällt mir sehr gut, aber ich gestehe, ich bin mit dem drunter, drüber nicht zurechtgekommen. Diese Anleitung habe ich aus einem Patchworkheft herausgerissen (es ist leider nur der letzte Teil eines Lehrgangs ) und naja … Zuerst muss man sich einen Raster zeichnen (auf Karton) gerade und im Winkel von 60° – das erklärt ja schon, warum das nicht meine Technik ist: viel zu präzise und, wie soll ich sagen, es ist eine Flechtart für Freunde der Mathematik und Logik! Die Arbeit ist sehr dicht und stabil verwoben und nur mit einer Randnaht gesichert, man kann sie beidseitig verwenden.

Streifen gerissen – Satin und Samtband

Auf diesem japanischen Quilt, von dem auch das obige Beispiel stammt und der mir als Anregung diente, findet sich auch ein Block aus zweierlei Streifen, die durch ihren Kett- und Schusseintrag folgendes Muster ergeben:

Drei gemusterte Satinstreifen, drei Einfarbige, drei Gemusterte folgen als Kette, also von oben nach unten, das gleiche als Schuß quer. In der Mitte erhält man dadurch ein einfarbiges Quadrat, an den vier Ecken ein Gemustertes bestehend aus jeweils neun kleinen Quadraten deselben Stoffes. Erfreulicherweise ist dieser Block sehr simpel gerade gewebt ohne irgenwelche Diagonalen und daher leicht über einen Karton als Grundlage (und gewissermaßen Webrahmen) herzustellen. Meine Streifen sind gerissen, wobei sich der gemusterte Stoff nach außen, der Einfarbige nach innen wölbte, bügeln musste ich beide.

Treppen oder Zickzack – Jeansstreifen

Stecken und oder kleben , ich weiß es nicht, Hauptsache es rutscht nichts. In einem hübschen tschechischen Flechtbuch (für Körbe) habe ich die folgenden drei Möglichkeiten gefunden und – juhu – es funktionierte (fast alles).

Diagonal in Rot und Jeans

Wer genau hinschaut erkennt die Köperbindung, diesmal war es schon richtig lustig:

Satin und Samt – Meine Niederlage

Bemerkenswerter Weise habe ich von diesem Versuch besonders viele Foto gemacht – ich war so euphorisch! Diese Flechtart findet man auch bei Stuhlgeflechten und Bambuskörben. Stoff ist eben doch was anderes. Oder: Ich war zu schlampig und ungenau.

Japanischer Miniquilt

Ebenfalls von diesem vielzitierten japanischen Quilt inspiriert: Vom Hellen ins Dunkle sollten die Farbstreifen führen. Das Ergebnis ist so stimmig geworden, dass ich tatsächlich über eine genähte große Version nachdenke. Möglicherweise könnte man dieses Verfahren zum Abstimmen und Entwerfen von Patchworkarbeiten tatsächlich einsetzen.


Material: Stoffstreifen, geschnitten und gerissen, Woll- oder Garnreste, Plastikstreifen, Karton als Webrahmen, Stecknadeln, Klebeband zum Fixieren, Klebeinlage zur Sicherung rückwärts

Bücher: Wer sich noch näher mit den Möglichleiten der Kartonweberei auseinandersetzen will, findet in folgenden Büchern gute Anregungen und Anleitungen. Die Bücher beziehen sich aber überwiegend auf die klassischen Webmaterialien Garn und Wolle, anderes Material kommt nur am Rande vor:

  • Einfach Weben“ von Anne Miller 2009 Haupt Verlag – für diese Technik mein Favourit
  • Kreativ Weben“ von Sarah Howard 2008 Haupt Verlag – dieses Buch gibt eine schöne Einführung in einfache Webarten mit einfachen Webgeräten und Webrahmen
  • Modern Weben“ von Maryanne Moodie 2016 Leopold Stocker Verlag – diese Autorin geht mehr in die Gestaltung freier Objekte
  • Weben auf Karton“ von Harumi Kageyama 2015 Knaur – dieses Buch ist ähnlich aufgebaut wie „Einfach Weben“
  • für Flechtarbeiten: „Pleteni kosiku“ Gabriela Markowa 2006

Kleine Galerie …

Was daraus werden könnte …

Angeregt von der Aktion Stoffspielereien im September zu Gast bei 123-Nadelei. Verlinkt zu Hot, DienstagsDinge, Creadienstag und CreateInAustria.


27 Gedanken zu “Versuche mit Stoffstreifen • Flechten und weben

  1. Wow! Spontan denke ich, das würde ich gerne nachmachen, aber ich befürchte dazu fehlt mir echt der Nerv… Aber sieht echt großartig aus und eigentlich bräuchte ich eine neue Tasche… hmmm, hmmm…

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  2. Hut ab! Deine Experimente machen Lust, es selber zu probieren. Vor allem die japanischen Jeans- und die Satinstreifen-Flechtereien gefallen mir. Und es weckt den Resteverwerter in mir, haha. Ist jedenfalls abgespeichert für lange ungemütliche Herbstabende. Danke und liebe Grüße von Ina

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  3. Große Klasse! Die Variante mit dem Sternenflechtmuster ist richtig richtig toll und auch Jeans+rot gefällt mir sehr gut. Ich bin für solche Experimente nicht geschaffen, lieber etwas „richtiges“ Nähen ;-) Prima, dass Du uns Deine Ergebnisse vorgestellt hast. LG Kuestensocke

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    1. Das Sternenmuster ist wirklich sehr schön, aber wie ich erzählt habe, ohne Sabine wäre ich gescheitert. Im Augenblick nähe ich auch grad was „Richtiges“, aber das Experimentieren macht mir sehr, sehr großen Spaß. Liebe Grüße Silvia

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  4. Deine Stoffspielereien sind ja der Wahnsinn! Bin grade sehr begeistert und bin versucht, das eine oder andere noch bis Sonntag auszuprobieren. Auch wenn ich eigentlich was anderes vorhatte. Mal sehen. Jedenfalls: Grandios! lg, Gabi

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    1. Das freut mich aber sehr, ich möchte selber auch noch das eine oder andere ausprobieren. Verschiedene Farbschattierungen zum Beispiel, oder eventuell doch noch ein diagonal Geflochtenes … naja, es wird sich zeigen. Liebe Grüße silvia.

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  5. Gestreifte Polster finde ich auch spannend.
    Deine Experimente sind vielfältig und spannend, besonders durch die von Dir verwendeten Materialien. Besonders gefällt mir das Meshwork-Flechtwerk mit Jeansstreifen. Sicher wird es mit der Zeit altern wenn die Ränder etwas ausplüschen. Faszinierend ist auch, dass es 2 Schauseiten hat.
    Danke für’s mitspielen bei den Stoffspielereien
    Ute

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    1. Abnutzungserscheinungen können (zumindest bei manchen Materialien ) auch einem gewissen Charme haben. Sehr strapazierfähig sind diese Flechtereien natürlich nicht, aber es muß nicht alles für die Ewigkeit gemacht sein, das eine oder andere war tatsächlich nur ein Test. Liebe Grüße silvia

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  6. Wow, du hast ja eine richtige Versuchsreihe gestartet und hast so schöne Ergebnisse erzielt, dass ich gar nicht sagen kann, welches mir am besten gefällt. Definitiv eine Technik, die ich auch gerne mal ausprobieren möchte.
    Liebe Grüße
    Ute

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  7. Auch mir gefallen die sternförmig verflochtenen Jeansstreifen richtig, richtig gut!
    Vielen Dank für das Vorstellen deiner anregenden Spielereien. Manchmal ist es ja auch gut, in kleinem Massstab festzustellen, dass man das sicher nicht in großem Massstab machen möchte…
    LG, Bele

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  8. Tolle Ansätze, und auch das offenkantige Arbeiten ist nicht so fragil wie man meinen mag. Gerade die Jeanssachen machen richtig was her.
    (Ich habe vor Jahren auch bei irgendwelchen Stoffspielereien Streifen so verflochten als Tischsets genäht- die sind immer noch fast täglich in Gebrauch und absolut alltagstauglich. Passt!)

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  9. So etwas wollte ich auch einmal ausprobieren. Im Internet sieht man so viel schöne Sachen. Vielen Dank für Deine Musterreihe. Besonders schön finde ich das Sternengeflecht, aber das ist wohl auch das schwierigste.
    Liebe Grüße
    Annelies

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  10. Wunderbare Vielfalt zu einem Thema, ganz toller Beitrag! Von Jeansvarianten bin ich total hin und weg. Was man mit stoffen flchtmäßig hinbekommt ist einfach super. Als Tischset probiere ich das bestimmt aus.
    Begeisterte Grüße von karen

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  11. Das ist richtig klasse! So vielfältig und auch die verschiedenen Flechtmuster sehen faszinierend aus. Ich hätte auch nie gedacht, dass sich Chipstüten verweben lassen! Hoffenltich landen Deine Stücke nicht in der Kiste und Dir fällt noch eine gute Verwendung ein,
    Liebe Grüße
    Ines

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  12. Das Sternenmuster mag ich auch sehr. Ich kenne das mit drei verschiedenen Streifen verwoben, dann bekommt man ein 3D-Kästchenmuster. Ich habe das im Urlaub mit Papierstreifen ausprobiert und bin schier wahnsinnig geworden, wobei ich das Exakte eigentlich mag und mir das auch liegt.
    Und die Chipstüten einzuweben und einzubügeln – tolle Idee, macht sich richtig gut!
    Danke fürs Zeigen! LG Christian

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    1. Gefallen tut mir das Sternenmuster gut, aber für mich war es schon sehr kompliziert- vielleicht habe ich auch nicht den richtigen Kopf dafür und dann erst mit drei Farben -…. Liebe Grüße Silvia

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  13. Toll! In das japanische Flechtwerk bin ich verliebt, das werde ich, trotz Schwierigkeitsgrad, auf jeden Fall ausprobieren. Ich hab auch mal Flechtwerk mit Jeans ausprobiert, aber die Jeansstreifen haben so furchtbar gefranst, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass da etwas langfristig Stabiles bei rauskommt ohne alles fest zu steppen. Aber offenbar reicht es wenn die Ränder abgesteppt werden?

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    1. Das sind zerschnittene alte Jeans, so richtig feste klassische. Ich habe beim Schneiden keinen Fadenlauf berücksichtigt oder sowas, es ging mir nur drum : Wie krieg ich die meisten Streifen heraus. Es franselt ein wenig, aber es löst sich nicht auf. Liebe Grüße Silvia

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