Eva Moden 1952 – Vintagecover nachgestellt

Gelber Leinenrock mit Stickerei 4

Selten habe ich das Bedürfnis ein Modell genau so nachzunähen, wie es in einem Nähmagazin zu sehen ist. Oft ist es ja auch wegen dem verwendeten Stoff gar nicht möglich. Meist kann man nur ein ähnliches Material oder Muster nehmen, um eine optische Annäherung zu erreichen.

Bei diesem Rock war ich aber sofort begeistert, er gefiel mir so wie er war, obwohl er Gelb ist. Gelb ist eine Farbe, die sich so gar nicht in meinem Kleiderschrank findet. Fast von jeder Farbe habe ich etwas in meinen Schrank, doch Gelb ist die große Ausnahme.  Ich hätte nie gedacht, dass sich das ändern könnte.

Gelber Leinenrock mit Stickerei 7

Die Vorbereitungen

Das gelbe Leinen habe ich bei buttinette bestellt, ich hatte auf einen möglichst ähnlichen Stoff wie bei meinem kiwigrünen Rock gehofft (auch von buttinette). Er hatte das gleiche Stoffgewicht, allerdings diesmal reines Leinen, leicht durchscheinend und Knubbel im Stoff. Hier muss ich gestehen, vor der Baumwoll-Leinen Mischung vom grünen Rock, hatte ich noch nie so wirklich was mit Leinen zu tun und keine Ahnung, dass Leinen so aussehen kann. Ich ließ aber nun nicht alles stehen und liegen um mit dem Rock anzufangen. Ich begann eher deswegen, weil ich ihn noch vor der Sommerpause des Nähkurses genäht haben wollte. Ich bevorzuge es einfach einen Rock vom Profi angepasst zu bekommen und wenn jemand anders den Saum steckt ist auch einfacher.

 

 

Dass Leinen der Stoff schlechthin zum Sticken ist, habe ich erst viel später gelesen, wesentlich war mir eigentlich nur der Farbton und das der Stoff sich nicht dehnt. Im Original wäre es Dupionseide gewesen.

Genäht und angepasst war der Rock schnell, nur das komplette Versäubern mit der Hand an allen Nähten dauerte etwas. Aber ich finde es lohnt sich und so rein gefühlsmäßig sind dadurch die Säume bzw. Nähte weicher.

Achja, beim Vorwaschen habe ich mich an diese Anleitung gehalten, möglicherweise etwas übertrieben, aber jetzt sollte das Leinen bei so vielen Temperaturschocks auf keinen Fall mehr eingehen.

 

 

Das Muster

Nachdem der Rock fertig war, ging es darum das Originalmuster des Rockes zu kopieren. Dass ich handsticke, war für mich von vornherein klar und, dass ich auch keine Perfektion anstreben würde. Wie ich das Muster verteilen könnte, habe ich zuerst mit aufgesteckten Papierkreisen probiert, dann eine Seite genau markiert und die andere Seite entsprechend gestaltet. Um die richtige Grösse der einzelnen Musterelemente zu erhalten habe ich auf der Fotografie ein Muster gemessen, mir im Gesicht des Models eine gleich lange Vergleichsstrecke gesucht (Höhe Mundwinkel Augen) und dann diese Strecke bei mir ausgemessen. Das Ergebnis war 6 cm. Da ich keine Perfektion und Symmetrie wollte (und ich auch wusste, dass es unsinnig wäre, es zu versuchen) habe ich den äußersten Kreis auf 6 cm gezeichnet und dann die inneren Kreise immer so gezeichnet, dass sie optisch ausgeglichen wirkten. Aufgezeichnet habe ich die Musterelemente mit einem Zirkel und einem Frixion Stift.

 

 

Die Stickerei

Die genau Positionierung der einzelne Elemente war vor dem Nähen noch fix. Die Rockbahnen wären auch zu gross für meinen Luneville-Stickrahmen. (Ich bekam den Rock gerade so aus 2 Metern heraus und musste in der hinteren Mitte eine Naht machen). Also musste ich das ganze mit einem kleinem normalen Stickrahmen machen. Zur Sicherheit, dass ich den Stoff nicht dauerhaft verziehen würde, habe ich mich bei Franziska von Brennesselein erkundigt, die ein Kleid aus dem sehr filigranen Handloom mit Stickerei verziert hatte.

 

 

Ein erster Test zeigte dann, es funktioniert auch mit einem Stickrahmen, man muss nur immer den Stoff schön auf die Seite schieben. Da mein Plan vorsah die roten Kreise mit der Luneville Stickerei auszuführen, musste ich den Stoff stärker als bei der klassischen Stickerei spannen (bei der es ja hilfreich ist, wenn der Stoff etwas lockerer gespannt ist und nachgibt). Da ich unbedingt beide Hände frei brauchte, habe ich den Rahmen mit einer Schraubzwinge am Tisch montiert. Es ist angenehmer, wenn man den Stickrahmen nicht halten muss. Mein erstes Testmotiv stickte ich noch in den originalfarben Schwarz und rot (auch eine Möglichkeit wieder in das Gefühl der Luneville Stickerei reinzukommen), nach einer Beratung mit Sandra von SandraArt und Ines von Karlotta Pink wurden die Farben für doch etwas hart empfunden und ich schwenkte auf Rot mit Honiggelb um.

 

 

Den Stoff ist jeweils um ein Musterelement gespannt. Zuerst die roten Linien mit der Luneville Technik im Kettstich gestickt, dann den Faden zur Seite gespannt. (Im Gegensatz zu klassischen Stickerei wird der Faden erst am Ende der Arbeit abgeschnitten, der Faden leidet auch weniger, da er nicht als ganzes durch den Stoff gezogen wird, nur gerade die Menge Faden, die benötigt ist, um einen einzelnen Kettstich zu machen). Danach habe ich mit gelben Faden (Spannstich) die Mitte gefüllt und darüber eine kleine rote Schlaufe. Je nachdem, ob ich im oder gegen den Uhrzeiger Sinn gestartet bin, dreht sich die Schlaufe nach links oder rechts.

Nachdem ein Element fertig war, habe ich es vernäht und sofort den Stoff ausgespannt, damit möglichst keine Abdrücke bleiben. Mit etwas Routine ist man mit der Luneville Stickerei sehr schnell. So habe ich ganz entspannt und ohne Stress innerhalb eines halben Monats den Rock fertig bestickt.

 

 

Geplant wäre noch eine helle passende Bluse dazu, aber die ist auf später verschoben. Im Sommer habe ich immer mein Nähloch, in dem ich dann lieber sticke, häkle oder etwas Neues ausprobieren.

Da ich bei der Challenge #MyVintageCover mitmachen wollte und der Rock ja passenderweise eine sehr genaue Replik ist, gab es als Leihgabe von Mama eine schwarze Bluse dazu. Sie gefiel uns so gut mit dem Rock, dass ich vermutlich eine schwarze Bluse nähen werde. (Und einen Unterrock, da die schwarze Bluse ganz leicht durchschimmerte.)

 

 

Das Original vs Meine Replik

Posentechnisch ist noch etwas Luft nach oben – ich bin halt detailversessen. Es wäre vermutlich von Vorteil gewesen, nicht nur ein Bild auf dem Handy zu haben und ein Kameradisplay der nicht so kaputt ist und dementsprechend fast nichts mehr anzeigt.


Fazit: Wer hätte das gedacht, aber nun habe ich mein erstes besticktes Kleidungsstück in meinem Schrank, noch dazu in gelb. Die nächsten Modelle mit Stickerei sind in Planung.

Schnitt: Eva Moden 08/1952

Stoff: Leinen von buttinette

Verlinkt zu Creadienstag, HoT, Dienstagsdinge, AWS, DDD, SewLaLaCreateInAustria.

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23 Gedanken zu “Eva Moden 1952 – Vintagecover nachgestellt

  1. Irre wie schnell du deine neuen Stickkünste umgesetzt hast und rot war definitiv die richtige Farbauswahlt, leider kommt das Honiggelb aus der Ferne als Kontrast nicht ganz so gut zur Geltung.
    Die Leinenvorbereitung finde ich sehr interessant. Bei Vieböck habe ich gelernt (oder besser gesagt eine Kundschaft, die mir das erzählt hat), dass Leinen vor dem ersten waschen 24 Stunden in kaltes Wasser eingeweicht gehört. Dann wird es in seiner Strucktur weicher und bleibt dann auch so. Danach ganz normal waschen – also wie man leinen eben so wäscht. Keine volle Trommel, nicht schleudern und am besten mit dem Walde Feinwaschmittel (davon wird das Leinen im Griff angenehmer und weniger kratzig)

    Wie gut dir Vintage steht ist sowieso der Wahnsinn und die beiden Coverbilder ein Knaller. Der Schnitte sind sehr feminin und in diesem Fall durch die hohe Taille auch sehr figurbetontend.

    Einfach fesch
    Liebe Grüße Birgit

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    1. Ach der Stickkurs ist inzwischen auch schon wieder zwei Jahre her.

      So wie du es beschreibst, bereitet meine Mama auch immer ihr Leinen her. Ob da jetzt am Ende der Stoff unterschiedlich von der Struktur ist, könnte man ja mal mit einem Stoffstückchen probieren (wird aber vermutlich nicht passieren, ausser mir wäre mal extrem langweilig).

      Ich denke Vintage steht sehr vielen Frauen, weil die Schnitte alle doch eher klassisch von Linie sind, feminim und mit der Taillierung da wo sie natürlich auch ist.
      Lg Sabine

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  2. Hi, das ist wirklich beeindruckend … und der gelbe Rock mit der schwarzen Bluse, sehr schön kombiniert. Applaus! Und na klar: die Stickerei. Ja, durch Dich habe ich ein paar Probesticheleien gemacht, früher habe ich schon mal irgendwo eine Ecke oder einen Aufschlag bestichelt, ist aber schon echt lang her. Aber jetzt habe ich wieder Ideen, danke für die immer schönen Eindrücke, ein Gruss von Doris in die schöne Schweiz

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    1. Das freut mich, dass ich dich dazu inspirieren konnte, wieder ein bisschen mit Nadel und Faden rumzuspielen.
      Stickerei ist einfach schön und da ich keinen Bedarf für bestickte Tischwäsche oder Klimbim hab, veredle ich lieber meine Kleidung.
      Lg Sabine

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  3. Ein ganz wunderschöner Rock und die Geschichte dazu ist großartig! Die Stickerei ist klasse – da fügt sich alles Gute so wunderbar perfekt zusammen – ganz große Klasse! ich bewundere Deine Geduld und Beharrlichkeit so ein Projekt mit dieser Detailtreue umzusetzen! LG Kuestensocke

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  4. Sehr elegant! Ich finde ja ohnehin, schwarz und gelb ist eine tolle Farbkombination. Schön die Luneville Stickerei nun auch an einem Kleidungsstück, sozusagen in der „Praxis“ zu sehen. Das abstrakte Motiv ist wirklich schön! Also falls ich demnächst mit Sticken anfange … LG Manuela

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  5. Schönes Projekt mit tollem Ergebnis! Wenn man den Stoff schonen will, kann man ihn zum Sticken auch einnähen. Ein Tuch mit einem Ausschnitt, der ungefähr der Arbeitsfläche im Stickrahmen entspricht, wird auf den Stoff genäht und nur dieses dann eingespannt. Das habe ich bei meiner Crewelstickerei schon probiert und kann sagen, dass es gut funktioniert, zumal ich sonst schon bestickte Flächen ruiniert hätte. Regina

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    1. Merci für den Tipp. Ich bevorzuge es ja eigentlich vorher den Stoff zu besticken. Aber wenn ich wieder in der gleichen Situation bin werde ich es ausprobieren, es wäre sehr schade sich durch Unachtsamkeit die Arbeit zu ruinieren.
      Lg Sabine

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  6. Ich bin schwer begeistert von Deinem Rock mit der Luneville-Stickerei. Bekleidung besticken kenne ich aus den siebziger Jahren. Da hat meine Mutsch sich und uns Kindern mal unten am Saum die Schlaghosen bestickt mit Plattstich, glaube ich. Seitdem bin ich bei bestickter Kleidung immer eher skeptisch. Doch Dein Rock mit dem abstrakten Muster schaut wunderschön aus. Und ich bin von dem gelben Leinenstoff begeistert – der Fall ist perfekt. Ich drücke die Daumen für die Challenge.
    Liebe Grüße von Ina

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    1. Herzlichen Dank.
      Die Challenge ist zum reinen Vergnügen, ganz ohne gewinner und Verlierer.
      Nun die bestickten Schlaghosen sind eindeutig vor meiner Zeit.
      Schön, dass ich dafür bestickter Kleidung einen frischen Wind verpassen konnte.
      Lg Sabine

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