
Ich habe wieder einmal ein paar Stoffe aus dem Schrank meiner Mutter mitgenommen. Natürlich besteht immer ein gewisses Risiko, dass sich zwischenzeitlich eine oder mehrere Generationen Motten an diesen lange liegengelassenen Stoffen in stillen Schrankwinkeln erfreut haben. Oberflächlich betrachtet sahen die Stoffe sehr gut aus. Trotzdem habe ich sie vorsichtshalber alle einmal gewaschen. Darunter befand sich auch ein sehr schöner Strickstoff mit schmalen grün/blauen Streifen. Diesen habe ich mit den anderen fröhlich in die Maschine gesteckt-bei 40Grad- und gleich einmal verwaschen. Er kam gewissermaßen als eleganter Walk heraus. Na schön, dachte ich, jetzt brauche ich die Kanten nicht versäubern. Genau angeguckt habe ich ihn wieder nicht. Dann habe ich Tage später spontan beschlossen zuzuschneiden. Es sollte ein Probemodell für den Schnitt 112 aus Burda 3/2025 sein. Dafür sind solche „Stofferbschaften“ ideal, man tut sich leichter bei Versuchen, zumindest bei mir ist das so. Jedenfalls habe ich erst nach dem Zuschnitt bemerkt, dass der Stoff leichte Mottenfraßspuren und zu allem Überfluss ein richtiges Loch am unteren Rückenteil hat. Das mit den Fraßspuren ist nicht so schlimm nach dem unfreiwilligen Walken, jetzt sieht man es nur, wenn man es weiß. Aber das Loch! Ich hätte garantiert anders auflegen können, wenn, ja wenn ich es vorher gesehen hätte. Zuerst habe ich überlegt, ob ich alles wegschmeißen soll. Dann dachte ich, na zusammennähen kannst du ja zum Testen. Später fand ich, das wäre ein idealer Fall für kreatives Flicken und Sticken…


Zum Beispiel könnte man darüber applizieren oder ganz avantgardistisch noch mehr Löcher dazu machen? Ich könnte aus den Reststücken dreidimensional Elemente aufnähen und Perlen oder Stickgarn verwenden. Geometrische Formen schaffen oder doch vielleicht vegetative Blatt- und Blumenformen? Jetzt erschien mir das Modell plötzlich sehr wertvoll, weil es so viele Möglichkeiten der Ausgestaltung gab… Letztlich entschied ich mich für Stickerei mit feinem Wollgarn, Blumen und Punkte, alles Ton in Ton, also fast nicht wahrnehmbar. Einmal habe ich im Herbst die Jacke getragen. Wir hatten sogar schon Fotos gemacht, aber trotzdem war ich mit der Gesamtwirkung des Schnitts nicht ganz zufrieden. Durch den doch relativ stark stehenden Stoff wirken die angeschnittenen Schößchen irgendwie seltsam. Zudem hatte ich der Jacke noch Knöpfe verpasst, die eher für einen Mantel taugen würden (farblich sehr gut passend, aber recht altmodisch wirkend) und ziemlich plumpe Schlaufen aus Stoffstreifen dazu genäht. Das war nicht überzeugend. Daher erhielt das Stück erst einmal eine Pause- im Schrank, passenderweise hing die Jacke zwischen fertigen und unfertigen Modellen.








Bei der kritischer Durchsicht meiner Jacken- für die eine oder andere hege ich Umarbeitungspläne um sie alltagstauglicher zu machen, kam die Jacke wieder zum Vorschein. Am meisten störte mich mein Verschluss. Also schnitt ich die Knöpfe und Schlaufen ab. Ich wusste eine Knopfleiste würde dem Schnitt eher entsprechen und entschied mich tapfer für Knopflöcher- handgenäht. Das habe ich seit ewigen Zeiten nicht gemacht. Sie sind jetzt nicht über drüber, in der Gesamtwirkung fügen sie sich aber gut ein. Es gibt der Jacke einen rustikaleren Look. Die Knöpfe tauschte ich ebenfalls, es sind trachtig angehauchte Metallknöpfe in olivgrün mit ockerfarbener Schrift (“ Manufaktur Habsburg“ mit Adler).Kleine, dazugehörige Pseudolederknöpfe nähte ich an die Ärmel, diese erhielten eine gelegte Falte. Dadurch bekam die Jacke eher das Aussehen eines Trachtenjankers. Außerdem wollte ich diese Farben der Knöpfe in der Stickerei wieder aufgreifen. Also stickte ich zu der vorhandenen Stickerei neue, etwas anders gestaltete Ranken mit feiner Wolle. Das Ganze wirkt jetzt sehr apart.
Fazit: Schön warm, mittlerweile ist daraus- nicht ganz freiwillig mit Umwegen- eine tragbare und hübsche Version für mich geworden. Das Original ist aus Waffelstrick, also aus einem viel weicherem Material. Außerdem habe ich eine zu große Größe genommen, bei mir hat noch ein Pulli drunter platz, was aber in unserer Gegend ein Vorteil ist. Aber mit meiner Stickerei bin ich sehr zufrieden und jetzt wurde eben ein trachtiger Janker draus…
Schnitt: Burda 3/2025 Modell 112
Stoff: irrtümlich verwaschener Strickstoff, wirkt wie gewalkt. Im Original Waffelstrick
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Motten sind so fiese kleine Dinger! Ich habe auch schon einen Mantelstoff teilweise an sie verloren, konnte aber durch gutes Stückeln die Mottenlöcher in den Verschnitt und in den vorderen Beleg verbannen. Das letzte Loch habe ich dann ebenfalls überstickt, aber Ton in Ton mit der Nähmaschine. Deine Jacke ist wirklich wunderschön gerettet und die Farbe steht Dir ganz hervorragend. Mir gefällt die Kombination mit der Mütze bsonders gut.
Viele Grüße, Stefanie
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Ein Glücksfall, tatsächlich ist die Mütze auch aus einem Stoff einer Mutter genäht, sie liebt Grün. Liebe Grüße, Silvia
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Ein schönes Stück mit besonderer Geschichte. Die neuen Knöpfe finde ich ganz zauberhaft und auch die Stickerei. LG Kuestensocke
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Ich war anfangs etwas in Sorge wegen der völlig anderen Grüntönung, aber sie sind viel stimmiger als die ursprünglich geplanten Knöpfe und durch die Stickerei gut integriert. Liebe Grüße, Silvia
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Was für eine Geschichte hinter dieser wundervollen Jacke! *lach*
Mir gefällt die Stickerei sehr gut und der feine Streifen, echt schick!
LG
Elke
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Wow! Wie unfassbar schön diese Jacke geworden ist und ich finde durch die Stickerei ist sie richtig veredelt worden. Sie steht dir ganz ausgezeichnet und deine Optimierungen haben das Gesamtbild wirklich perfektioniert. Deine Arbeit hat sich wirklich gelohnt.
LG Miriam
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Danke, ich finde auch, dass ihr die Stickerei gut tut. Liebe Grüße, Silvia
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Mit dem passenden Hut wirkt das Ensemble auf mich gar nicht so trachtig, sondern eher vintage-elegant. Als würdest du gleich aufs Pferd steigen und zur Fuchsjagd aufbrechen!
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Hat was von ner Reiterjacke, da geb ich dir recht. Kleidung ist eben auch ein schönes Spiel, um die Rollen zu tauschen…liebe Grüße, Silvia
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“ … kreatives Flicken und Sticken… “ ?
Faellt bei mir eher unter „Value-Adding“ (= Veredelung/’Verwertvollerung‘).
Gratulation an Dich!
LG, G
PS:
Erstmals, dass ich die Frass-Ergebnisse der kleinen Biester (= Motten) als positiv empfinde ;-) :-D
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Die „Motten waren dran“- Erkenntnis war erst schon mal ein richtiger Tiefschlag. Aber sie (die Motten) haben mich dazu gebracht Neues zu versuchen. Liebe Grüße, Silvia
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