
Ich habe mich diesen Sommer (fast) durchs ganze Haus gearbeitet, um all den liegengebliebenen, unnützen Dingen auf die Spur zu kommen. Sie auszusortieren, zu verschenken, wegzuwerfen oder dorthin zurückzubringen, wo sie hergekommen sind. Und natürlich versuchte ich auch herumstreunenden Dingen einen festen Platz zu geben. Ich habe eine große Holztruhe aus meinem Arbeitszimmer verbannt, entschieden sie auf den nächsten Flohmarkt zu geben und da musste sie natürlich ausgeräumt werden. Es war nicht allzuviel drin. Es war meine „Wolltruhe“. Ich arbeite nur gelegentlich mit Wolle, trotzdem gabe es viel zu entscheiden. Was bleibt? Was geht? Und wo bringe ich die Dinge unter, die ich aufbewahren möchte? Ich sortiere dann einfach solange herum und aus, bis alles einen Platz findet. Die Gelegenheit war günstig: In einer Nachbargemeinde war die Kirche wundervoll renoviert worden und um einen Teil der Kosten zu decken, gab es einen großen Flohmarkt. Da erhalten viele Dinge und Materialien eine zweite Chance mit neuen Besitzern, die Freude daran haben werden (und auch an dem Umstand etwas besonders günstig zu erhalten) und ich freue mich, weil es eine sinnvolle Art ist Dinge weiterzugeben.
Jedenfalls steckte unter all den aussortierten Dingen bereits ein Bastelset zum Nadelfilzen, die Kosmos Filzwerkstatt. Ich hatte es irgendwann, zu irgendeinem mir jetzt unbekannten Zweck erworben. (Sabine hatte es sich 2020 das gleiche Set bestellt, nie probiert und verschenkt) Da Aussortieren echte Arbeit ist, braucht es abends natürlich ein schönes Buch zum Entspannen und um der Fantasie wieder etwas auf die Sprünge zu helfen. Dabei begegnete mir eine sehr interessante Möglichkeit Nadelfilzen beim Upcycling bzw. Visible Mending einzusetzen. Also dachte ich mir: Ich weiß nicht, ob ich Nadelfilzen überhaupt mag, aber ich sollte es versuchen BEVOR die Dinge abgeholt werden. Den ersten Tag habe ich nur so ein wenig herumgestochert auf einem leinenartigen Stoff, einfach um zu sehen, wie das Ganze funktioniert. Sabine hat sich anregen lassen, ihre Häkelarbeit zur Seite gelegt und ebenfalls herumprobiert. Dann dachten wir, das ist eigentlich lustig. Sabine hat recherchiert, tolle Sachen entdeckt, sofort Filzbücher bestellt und weitere Nadeln samt Unterlage organisiert…


Es gibt recht unterschiedliche Möglichkeiten Nadelfilzen einzusetzen. Ich hatte, wie erwähnt, schöne Beispiele für das Stopfen von Mottenlöchern bei Wollpullovern gesehen. Dann kann man damit malerische Flächen oder Motive auf Stoff arbeiten und ganze Bilder zaubern. Man kann Nadelfilzen sehr gut mit Sticken kombinieren oder eben Skulpturen schaffen. Gearbeitet wird mit Wollvlies, das Material ist weich und sich in Tierdarstellungen zu versuchen ist naheliegend.
Eines, der von Sabine bestellten Bücher, befasst sich ausschließlich mit dem dreidimensionalen Gestalten. Genau dieses Buch stand auch schon einige Jahre in Sabines Bücherregal, sie wusste sie hat ein Buch zum Thema Nadelfilzen aber nicht mehr welches. Needle Felting for Beginners lautet der Titel des Buchs. Der Untertitel heisst: How to Sculpt with Wool. Die britischen Autorinnen Roz Dace und Judy Balchin schöpfen aus ihrer langjährigen Erfahrung und zeigen eine Fülle reizender Arbeiten. Sorgsam vermitteln sie Grundlagen, geben Tipps für Notfälle, zeigen wie man Figuren aufbaut und fertigstellt. In Szene gesetzt, hat die liebenswerten und auch originellen Projekte der Fotograf Mark Davison. Mit jedem der 12 Projekte wird eine spezielle Technik näher erläutert. Zum Beispiel das Arbeiten mit Draht oder einer Styroporgrundlage, Realitätsnähe bei Tierdarstellungen, spezielle Filznadeltechniken oder wie man Gesichtern Charakter gibt, Figuren kleiden kann und damit Geschichten erzählt. Ein durch und durch stimmiges Buch mit sehr guten Schritt für Schritt Fotoanleitungen.

Während ich noch immer auf Stoff herumgefilzt habe, hat sich Sabine mit dem Buch näher beschäftigt, vorerst mit dem Ziel einmal eine Kugel zu filzen. Dann kam eine ovale Form dazu. Und schon begann sie nach Anleitung der Autorinnen die Teile eines kleinen Teddys zu filzen. Das wollte ich natürlich auch probieren. Manches geht erstaunlich leicht, anderes nicht so leicht, wie gedacht. Wir hatten viel Spass mit dem Gestalten unserer Teddys. Überraschend schnell hatten wir zwei Teddys mit beweglichen Beinchen und Armen. Der meine, der grüne Teddy kommt etwas breitbeinig daher, mit recht großen Ohren und sein Bommelschwänzchen ist irgendwo gelandet…





Fazit: Ein wunderbares Vergnügen… wenig Material, wenig Platz und soviel zum Lachen! Es gibt noch eine Menge zu lernen, aber mit dieser Technik und ihren Möglichkeiten werden wir uns beide noch weiter beschäftigen.
Material: Wollvlies, Filznadeln
Buch: Needlefeltig for Beginners/ How to sculpt with Wool von Roz Dace und Judy Balchin, erschienen 2020 im Verlag Search Press, Softcover 128 Seiten, durchgehend farbige Fotos, Format 20,5cm x 26cm, ISBN 978 1 78221 734 3





