Stoffspielereien: Taschen

Taschen sind eigentlich ganz simpel und gleichzeitig so kompliziert. Gibt es Taschen am Kleidungsstück und sie haben eine vernünftige Grösse, sind sie ein wunderschöner Akzent, eine Bereicherung des Designs. Ihre praktische Funktion zeigen sie besonders, wenn sie unsichtbar in der Seitennaht verarbeitet sind. Oder sind sie deplaziert, betonen Körperpartien unpassend oder sind schlecht gestaltet und zerstören das Design und Proportionen eines Kleidungsstücks. Gibt es lästigerweise gar keine Taschen so ist eine vom Kleidungsstück getrennte Tasche notwendig.

Für mich persönlich gilt, Taschen sind ein Muss, ich verwende zwar mehrheitlich nur Taschen von Jacken und vereinzelt mal Hosentaschen. Aber trotzdem ist es immer gut, ob ich sie brauche oder nicht, Taschen zu haben. Bei Handtaschen darf es gerne ein Statement sein, aber irgendwie doch auch praktisch, Geldbörse, Schlüssel, Handy und eReader müssen reinpassen. Bonus Punkte gibt es, wenn eine Wasserflasche, ein Taschebuch oder ein A4 Mappe reinpassen.

Hier die Umsetzung des Themas von euch

  • Bei Tyche’s Touch findet sich ein bezaubernder Geobag.
  • Elvira von Zwischendurch hat eine höchst langweilige Ukulelentasche durch ein tolles Einzelstück ersetzt.
  • Thea von Quod Erat Reparandum hat sich mit beidseitig zugänglichen Taschen in Kleidungsstücken beschäftigt.
  • Gabi von Made with Blümchen hat sich von historischen Beuteln inspirieren lassen.
  • Gabriele von Langer Faden hat das Thema zum Anlass genommen einen vergrabenen Taschenschnitt zu nähen.
  • Regula Babajeza zeigt herrlich kreative Jeans Taschen in Monsterform.
  • Siebensachen-zum-Selbermachen gestaltet mit Webmusterstücken einen Beutel.
  • Heike von 3he fecit setzt sich mit dem Thema Taschenunterschiede beim Geschlecht und Gestaltung auseinander.
  • Stoffnotizen erforscht sich auffächernde Taschen.
  • 123-Nadelei präsentiert eine innen wie aussen aufwendig gestaltete Tasche.
  • Merle Colibri kombiniert genähtes mit gehäkelten.
  • Feuerwerk by KaZe zeigt den Prozess ihrer Statement Puffertasche.
  • Maria von Mary’s Kitchen stellt sich der Herausforderung den für sie perfekten Rucksack zu nähen.

Ich zeige euch heute meine zweite, je gehäkelte Tasche. Die erste entstand als Teenie aus Kobaltblauer Wolle und Mama hatte sie mit Henkel und Futter versehen, sodass sie tatsächlich verwendbar war. Diese neue Häkeltasche entstand schon letzten Frühling, aber bis gerade eben war sozusagen noch ein Embargo drauf. Die Tasche ist entstanden nach dem Muster Tote-ally Tiled Tote aus dem neuen Buch Interlocking Crochet von Ana-Maria Babanica, dass im Mai erscheint.

Interlock war für mich zu dem Zeitpunkt eine neue Technik. Bis dahin hatte ich schon viel ausprobiert. Da ich aber gerne mein Häkelwissen ausbaue, dachte ich mir, als die Designerin Tester suchte, wunderbar, ich brauche eine Pause von der Häkeldecke und eine neue Technik.

Wie der Name schon verrät, es wird was ineinander verankert. Genauer gesagt, es gibt zwei Farben, die getrennt voneinander in Abwechselnden Reihen gearbeitet werden, und nur dadurch dass die Stäbchen je nach Muster hintenrum oder vor der anders farbigen Reihe platziert werden, verbinden sich die zwei Elemente.

Schrecklich kompliziert erklärt. Vielleicht eher wie Filethäkeln mit zwei Farben und zwei Panels, die ineinander gearbeitet werden. Vorder und Rückseite haben fast immer unterschiedliche Designs. Einige Designer spielen damit, wie zum Beispiel Svetlana Rogatykh.

Kurz gesagt, hört sich komplex an, dauert einen Moment bis es klick macht und dann geht es in einem Flutsch dahin und das Ergebnis sieht von beiden Seiten gut aus und ist wunderbar weich mit Volumen. Hier ein Video wie das ganze funktioniert.

Die Tasche ist für Sockenwollstärke konzipiert und ich hatte eine Vision für einen Strang bunt melierter handgefärbter Wolle. Zu meiner Überraschung, war der Strang deutlich kühler in der Farbgebung. Im Strang dominierte das Gelb und Pink, abgewickelt war flieder, türkis und die kühlen Akzente vorherrschend. Meine Vision einer poppigen Tasche für den Sommer war ruiniert.

Darauf folgte ein kleiner Meltdown (es war sehr warm) und ein auf den Kopf stellen des ganzen Wollvorats. Schlussendlich entschied ich mich für eine bewährte Kombination weiss /orange, das funktioniert und gefällt. (Andere Testerinnen habe wunderbar bunte Taschen gehäkelt.)

Maschenprobe, Abwägen, was wird Kontrastfarbe, was wird die Hautfarbe. Muster auswählen, es stand zwar der ganze Muster Katalog zur Auswahl, aber nicht jedes war vom Musterrapport geeignet und manche sind einfach hübscher. 13 Quadrate häkeln, das perfekte Layout finden, Quadrate verbinden. Henkel häkeln, Henkel ribbeln, weil Luftmaschen verdreht (im Schatten schmelzen, die Tasche immer schön nebenbei halten beim Häkeln)…

Die Tasche ist fertig, geblockt und grosse Überraschung, ist sehr dehnbar. Nun nicht unbedingt eine Überraschung, es ist nichts neues das Häkel- und Stricktaschen ungefüttert grosszügig bei der Benützung wachsen.

Also Stoffschrank auf, knatschorangen Handloom auswählen, grob zuschneiden, Taschen mit Reissverschluss und Futter nähen. Futter zusammennähen, leichte Symmetrieprobleme hinbiegen. In der Hitze schmelzen, mit der Hand Futter und beim Henkel Verstärkung einnähen. Foto machen und das gute Stück einmotten, bis das Embargo fällt.

Ich bin, nachdem die Tasche offiziell gezeigt werden kann und für mich persönlich auch zum Einsatz kommen kann, gespannt wie praktisch ich sie finde. Bezüglich Taschen oder Rucksäcke ist zwar die Optik nicht egal, aber praktisch muss so eine Tasche unbedingt sein. Und idealerweiser sollte sie nicht ausleiern (mit Futter also), nicht zu schwer sein und auch ausreichend Platz bieten.

Auf meiner „vielleicht mal“ Häkelliste finden sich einige Ideen und Pläne für weitere Taschen. Mit einer Schlange anstelle eines klassischen Riemens, Mosaik, Granny Squares oder einfach Freeform crochet


ZU DEN STOFFSPIELEREIEN

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche’s Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with BlümchenTyche

Dezember: Winterpause


37 Gedanken zu “Stoffspielereien: Taschen

  1. Liebe Sabine, diese vorgestellte Tasche ist ein wunderschönes Sommeraccessoire, sie wird Dich überall dekorativ begleiten. Mit Futter und extra Seitentasche funktionstüchtig und sie bietet auch noch einen gewissen Schutz vor Langfingern. Die Häkeltechnik kenne ich noch aus den 70er Jahren, die Beschreibung der Technik klingt wirklich schwieriger als die Häkelei selbst dann in der Ausführung ist. Dein Modell ist sehr schön und sommerlich geworden, meine Tasche sieht strenger aus :

    https://tychestouch.blogspot.com

    Herzlichen Dank an Dich, liebe Grüße von Tyche

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    1. Morgen kommt die Tasche zu ihrem ersten Einsatz/Testlauf, mal gucken wie viel reinpasst.
      Ja, die Technik ist einmal verstanden, aber etwas erklären ist oft eine Herausforderung.
      Liebe Grüsse Sabine

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    1. Ach, es war zwar schade so lange keine Fotos zeigen zu können, aber umso erfreulicher dass gerade rechtzeitig zu diesen Termin alle Projekte zu dem Buch gezeigt werden dürfen.
      Liebe Grüsse Sabine

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  2. Die Häkeltechnik klingt wahnsinnig spannend, ist das sowas ähnliches wie Mosaikhäkeln? Ist denn die Tasche aus deiner Kindheit noch in Benutzung?
    Ich habe als Teenie auch wahnsinnig gern und viel gehäkelt, darunter auch einige Taschen. Diesen Monat habe ich mich aber mit beidseitig zugänglichen Taschen in Kleidungsstücken beschäftigt, hier wäre mein Post dazu:
    https://reparandum.wordpress.com/2026/03/29/stoffspielerei-taschen/

    Liebe Grüße

    Thea

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    1. Ähnlich, bis zu einem gewissen Grad, vereinzelt gibt es Designerinnen, die für ein Design das Häkelmuster für beide Techniken erstellen, es scheint sich ähnlich genug zu sein, dass es kein allzu grosser Aufwand ist.

      Ich persönlich finde die Techniken doch ziemlich unterschiedlich vom Prinzip, aber kommt mit einer der beiden Techniken zurecht ist die zweite auch kein Problem.

      Ob die Tasche noch vorhanden ist, müsste ich bei meinen Eltern nachfragen. Ich habe die Tasche gehäkelt und dann kaum oder nicht verwendet. Es ging mir einfach um den Spass beim Häkeln.
      Liebe Grüsse Sabine

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    1. Ich glaube wenn man nicht aktiv häkelt achtet man nicht wirklich aktiv drauf. Erst seit ich häkle sehe ich andere Menschen mit Gehäkelten rumlaufen oder denke mir dieses Stoffdesign ist fix von einem Granny Square inspiriert.
      Liebe Grüsse Sabine

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  3. freue mich die tasche-parade heute bei dir zu entdecken und deine suesse bunte häkeltasche ist ein grosses kunstwerk das kann dank des matérials sich an jedem inhalt anpassen ! schönes fotos zeigst du ! für mein beitrag : https://merlecolibri.blogspot.com/2026/03/jeu-textile-mars-sac-douillet-images.html * habe genaeht und gehäkelt für ein kleines projekt (bin auf einer ausstellung diese woche) *

    schöner sonntag und liebe grüsse

    mo

    merlecolibri

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  4. Also mich sprichst du ja mit deiner Farbwahl direkt an, ich finde es nicht schade dass es der kühle Farbverlauf nicht geworden ist ;-) Eine interessante Technik außerdem, die einzelnen Patches sind sehr gefällig. Und ja, Häkeltaschen sollte man füttern. Und vor allem Träger verstärken. Habe ich auch mühsam gelernt.

    Ich habe nicht gehäkelt, und auch nicht gestrickt (was ja eher meins ist), sondern wie üblich genäht. Eine spezielle Tasche nach historischem Vorbild und eine moderne Interpretation. Und dabei ein bisschen über die Machtspielchen im Bezug auf Taschen sinniert. Hier mein Beitrag:

    https://3hefecit.eu/stoffspielereien-mit-taschen/

    Danke fürs Hosten dieses breitgefächerten Themas,

    liebe Grüße, heike

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    1. Irgendwie hatte ich gehofft, dass ich drumherum kommen würde, nach einer kleinen Krise wars auch nicht mehr so schlimm. Eigentlich hätte die Tasche ja wendbar sein sollen und das ist dann mit dem Futter ja hinfällig gewesen und mir war zu dem Zeitpunkt auch keine gute Idee eingefallen, dass Futter so zu montieren, dass die Tasche trotzdem von beiden Seiten verwendet werden könnte.
      Liebe Grüsse Sabine

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  5. Ich finde Röcke und Kleider ohne Taschen doof und achte tatsächlich inzwischen beim Kleider-und Röcke kaufen auf Taschen in den Klamotten.
    Deine gehäkelte Tasche ist toll geworden.
    Ein richtiges Schmuckstück sozusagen.

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    1. Das beste ist, wenn man bei einem Kleidungsstück zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Taschen findet. Passiert zwar fast nur bei Jacken, aber immer eine schöne Überraschung.
      Liebe Grüsse Sabine

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    1. Mmh, habe ich vielleicht meinen Satz falsch formuliert. Mit Futter ist die Tasche nicht dehnbar, das Gehäkelte ist jetzt eine rein Dekorative Umhüllung.
      Liebe Grüsse Sabine

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  6. (So, jetzt noch ein ordentliches Kommentar, nachträglich.) Bisher habe ich gehäkelte Taschen eher „mäh“ gefunden, aber die grafischen Muster, die du hier verwendest, gefallen mir außerordentlich gut! Vor allem deine bewährte Farbkombi. Und dass du sie gefüttert hast, macht in vielerlei Hinsicht Sinn. Danke für den Link zum Video (damit ist die Technik super nachvollziehbar!), und auch für die Links zu deinen weiteren Projekten. So ein Schlangen-Henkel ist ja mal was GANZ Neues! Faszinierend, wie Leute immer wieder auf neue Ideen kommen!! Und wie schön, dass du die feine Tasche jetzt rechtzeitig zur neuen Sommersaison zeigen und auch tragen darfst! Liebe Grüße, Gabi

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    1. Es freut mich zeigen zu können das Häkeltaschen mehr sein können, als einfach naja. Mal gucken welche der anderen Tasche entsteht, ich entdecke ständig neue Projekte die danach schreien gehäkelt zu werden. Soviel Ablenkung und such Potenzial für neue „Meisterstücke“.
      Liebe Grüsse Sabine

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