Stoffspielereien: Taschen

Taschen sind eigentlich ganz simpel und gleichzeitig so kompliziert. Gibt es Taschen am Kleidungsstück und sie haben eine vernünftige Grösse, sind sie ein wunderschöner Akzent, eine Bereicherung des Designs. Ihre praktische Funktion zeigen sie besonders, wenn sie unsichtbar in der Seitennaht verarbeitet sind. Oder sind sie deplaziert, betonen Körperpartien unpassend oder sind schlecht gestaltet und zerstören das Design und Proportionen eines Kleidungsstücks. Gibt es lästigerweise gar keine Taschen so ist eine vom Kleidungsstück getrennte Tasche notwendig.

Für mich persönlich gilt, Taschen sind ein Muss, ich verwende zwar mehrheitlich nur Taschen von Jacken und vereinzelt mal Hosentaschen. Aber trotzdem ist es immer gut, ob ich sie brauche oder nicht, Taschen zu haben. Bei Handtaschen darf es gerne ein Statement sein, aber irgendwie doch auch praktisch, Geldbörse, Schlüssel, Handy und eReader müssen reinpassen. Bonus Punkte gibt es, wenn eine Wasserflasche, ein Taschebuch oder ein A4 Mappe reinpassen.

Hier die Umsetzung des Themas von euch

  • Bei Tyche’s Touch findet sich ein bezaubernder Geobag.
  • Elvira von Zwischendurch hat eine höchst langweilige Ukulelentasche durch ein tolles Einzelstück ersetzt.

Ich zeige euch heute meine zweite, je gehäkelte Tasche. Die erste entstand als Teenie aus Kobaltblauer Wolle und Mama hatte sie mit Henkel und Futter versehen, sodass sie tatsächlich verwendbar war. Diese neue Häkeltasche entstand schon letzten Frühling, aber bis gerade eben war sozusagen noch ein Embargo drauf. Die Tasche ist entstanden nach dem Muster Tote-ally Tiled Tote aus dem neuen Buch Interlocking Crochet von Ana-Maria Babanica, dass im Mai erscheint.

Interlock war für mich zu dem Zeitpunkt eine neue Technik. Bis dahin hatte ich schon viel ausprobiert. Da ich aber gerne mein Häkelwissen ausbaue, dachte ich mir, als die Designerin Tester suchte, wunderbar, ich brauche eine Pause von der Häkeldecke und eine neue Technik.

Wie der Name schon verrät, es wird was ineinander verankert. Genauer gesagt, es gibt zwei Farben, die getrennt voneinander in Abwechselnden Reihen gearbeitet werden, und nur dadurch dass die Stäbchen je nach Muster hintenrum oder vor der anders farbigen Reihe platziert werden, verbinden sich die zwei Elemente.

Schrecklich kompliziert erklärt. Vielleicht eher wie Filethäkeln mit zwei Farben und zwei Panels, die ineinander gearbeitet werden. Vorder und Rückseite haben fast immer unterschiedliche Designs. Einige Designer spielen damit, wie zum Beispiel Svetlana Rogatykh.

Kurz gesagt, hört sich komplex an, dauert einen Moment bis es klick macht und dann geht es in einem Flutsch dahin und das Ergebnis sieht von beiden Seiten gut aus und ist wunderbar weich mit Volumen. Hier ein Video wie das ganze funktioniert.

Die Tasche ist für Sockenwollstärke konzipiert und ich hatte eine Vision für einen Strang bunt melierter handgefärbter Wolle. Zu meiner Überraschung, war der Strang deutlich kühler in der Farbgebung. Im Strang dominierte das Gelb und Pink, abgewickelt war flieder, türkis und die kühlen Akzente vorherrschend. Meine Vision einer poppigen Tasche für den Sommer war ruiniert.

Darauf folgte ein kleiner Meltdown (es war sehr warm) und ein auf den Kopf stellen des ganzen Wollvorats. Schlussendlich entschied ich mich für eine bewährte Kombination weiss /orange, das funktioniert und gefällt. (Andere Testerinnen habe wunderbar bunte Taschen gehäkelt.)

Maschenprobe, Abwägen, was wird Kontrastfarbe, was wird die Hautfarbe. Muster auswählen, es stand zwar der ganze Muster Katalog zur Auswahl, aber nicht jedes war vom Musterrapport geeignet und manche sind einfach hübscher. 13 Quadrate häkeln, das perfekte Layout finden, Quadrate verbinden. Henkel häkeln, Henkel ribbeln, weil Luftmaschen verdreht (im Schatten schmelzen, die Tasche immer schön nebenbei halten beim Häkeln)…

Die Tasche ist fertig, geblockt und grosse Überraschung, ist sehr dehnbar. Nun nicht unbedingt eine Überraschung, es ist nichts neues das Häkel- und Stricktaschen ungefüttert grosszügig bei der Benützung wachsen.

Also Stoffschrank auf, knatschorangen Handloom auswählen, grob zuschneiden, Taschen mit Reissverschluss und Futter nähen. Futter zusammennähen, leichte Symmetrieprobleme hinbiegen. In der Hitze schmelzen, mit der Hand Futter und beim Henkel Verstärkung einnähen. Foto machen und das gute Stück einmotten, bis das Embargo fällt.

Ich bin, nachdem die Tasche offiziell gezeigt werden kann und für mich persönlich auch zum Einsatz kommen kann, gespannt wie praktisch ich sie finde. Bezüglich Taschen oder Rucksäcke ist zwar die Optik nicht egal, aber praktisch muss so eine Tasche unbedingt sein. Und idealerweiser sollte sie nicht ausleiern (mit Futter also), nicht zu schwer sein und auch ausreichend Platz bieten.

Auf meiner „vielleicht mal“ Häkelliste finden sich einige Ideen und Pläne für weitere Taschen. Mit einer Schlange anstelle eines klassischen Riemens, Mosaik, Granny Squares oder einfach Freeform crochet


ZU DEN STOFFSPIELEREIEN

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

26.04.2026: „Altes in Neuem“ bei feuerwerk by KaZe

31.05.2026: „Englisch Paper Piecing“ bei 123-Nadelei

28.06.2026: „Tierisches“ bei zwisch-en-durch

Juli und August: Sommerpause

27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche’s Touch

25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen

29.11.2026: „Teppiche“ bei made with BlümchenTyche

Dezember: Winterpause


4 Gedanken zu “Stoffspielereien: Taschen

  1. Liebe Sabine, diese vorgestellte Tasche ist ein wunderschönes Sommeraccessoire, sie wird Dich überall dekorativ begleiten. Mit Futter und extra Seitentasche funktionstüchtig und sie bietet auch noch einen gewissen Schutz vor Langfingern. Die Häkeltechnik kenne ich noch aus den 70er Jahren, die Beschreibung der Technik klingt wirklich schwieriger als die Häkelei selbst dann in der Ausführung ist. Dein Modell ist sehr schön und sommerlich geworden, meine Tasche sieht strenger aus :

    https://tychestouch.blogspot.com

    Herzlichen Dank an Dich, liebe Grüße von Tyche

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    1. Morgen kommt die Tasche zu ihrem ersten Einsatz/Testlauf, mal gucken wie viel reinpasst.
      Ja, die Technik ist einmal verstanden, aber etwas erklären ist oft eine Herausforderung.
      Liebe Grüsse Sabine

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    1. Ach, es war zwar schade so lange keine Fotos zeigen zu können, aber umso erfreulicher dass gerade rechtzeitig zu diesen Termin alle Projekte zu dem Buch gezeigt werden dürfen.
      Liebe Grüsse Sabine

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