Auf der Suche nach dem Ornament

Als wir das Thema ORNAMENT für die Stoffspielereien auswählten, hatte ich gerade ein nettes Buch gelesen, in dem es hauptsächlich um die Möglichkeiten der Gestaltung von Ornamenten mit Filz ging. Besonders gut gefallen hat mir die Idee mithilfe von Scherenschnitten Ornamente zu gestalten. Recht erfolgreich war ich darin nicht, einfach weil das nicht das ideale Medium für mich war. Nun ja, vielleicht hatte ich mir zuwenig Zeit genommen. Danach fand ich zufällig eine Aufzeichnung eines Vortrags über das Ornament. Das hat mich erst recht in Verlegenheit gebracht, da der Vortragende vor allem von seiner eigenen Geschichte und seinen Arbeiten erzählte… Die Zeit drängte, unser Stoffspielerei-Termin zum Thema Ornament rückte immer näher und ich hatte selber noch keine Ideen, weder für einen guten Beitragstext noch für eine Arbeit. Also gab es rege Diskussionen zuhause mit Sabine und meinem Mann. (Immer wenn ich eine -die Kunst betreffende- Definition suche, bitte ich meinen Mann (Künstler/Grafiker) um seine Auslegung zum Thema. Nicht, dass wir uns da immer einig sind, aber es hilft meinen Gedanken auf die Sprünge.) Das zweite, das ich unternahm, war mich mit der Kamera auf die Suche nach Ornamenten zu begeben, zuhause, in meiner unmittelbaren Umgebung und in meinem Fotoarchiv hielt ich nach Arbeiten Ausschau, die zum Thema passen würden. Dabei beschäftigten mich viele Fragen:

Was ist eigentlich ein Ornament? Ein schmückendes Element auf irgendeinem Gegenstand? Zierde? Dekoration? Das, wo man sonst nicht so genau weiß, wie man es bezeichnen soll? Das, was außenrum oder obendrauf ist? Das, womit man einem Gegenstand/einer Fläche ein bißchen Lieblichkeit, Bedeutung oder auch Pracht verleiht?

Wer die Bilder unten ansieht erkennt schnell, dass die Ornamente auf den Gegenständen nicht notwendig sind,wohl aber den Gegenstand schmücken und ihm eine weitere zusätzliche Bedeutung verleihen.

Das Wort Ornament stammt vom lateinischen Wort ornare, es bedeutet: verzieren, zieren, ordnen, rüsten.

Ein Ornament kann die Form des Gegenstandes, dessen Schmuck es bildet, gliedern und betonen, sich aber auch neutral dazu verhalten oder die Form überwuchern.

Jedes Ornament ist formal deutlich vom Hintergrund abgegrenzt, häufig farbig oder durch Erhebung.

Die erzählerische Funktion des Ornaments tritt gegenüber der Schmückenden zurück.

Das Ornament bleibt auf die Fläche beschränkt.

Ornamente können einzeln verwendet werden, als verschnörkelter Buchstabe, in einem Wappen oder als Logo.

Typisch für das Ornament ist auch Wiederholung, Ordnung und Regelmäßigkeit. Ornamente können aneinandergereiht oder gedreht werden, um ein Band zu bilden oder eine Bordüre. Ornamente umrahmen ein zentrales Motiv, bei einem Teppich beispielsweise. Oder man kann sie spiegeln um eine symmetrische Schmuckform zu erhalten.

Aus aneinandergereihten Ornamenten kann man ein Muster bilden. Aber ein Muster muss nicht unbedingt ein Ornament sein. Keinem Menschen würde es spontan einfallen Polka Dots oder Streifen als Ornament zu bezeichnen. Trotzdem könnte ein Ornament mit Punkten und Streifen gestaltet sein. Das Ornament ist also eine „größere Sache“, ein stilisiertes Blatt, ein Sonnen/Blütensymbol, ein aus mehreren Teilen zusammengesetztes Motiv, eine Kreisform oder andere geometrische oder abstrakte Form…

Bei einem Spaziergang habe ich Ahornsamen mitgenommen. Am Boden liegen sie oft einzeln verstreut, wie auf meinem zweiten Bild. Daraus könnte man aber einen Kreis formen, ein Sinnbild für eine Sonne oder eine Blüte. Aneinandergefügt könnte man aus dem einzelnen Ornament eine Bordüre bilden. Ich glaube, die Freude, die wir an solchen geordneten Anordnungen haben ist einfach Teil unseres Menschseins. Jedes Kind gestaltet solche Ornamente mit Blättern, Steinen, Samen oder Blüten.

Sabine hat einen natürlich Hang zum Ornament, schon in der Schule entstand aus einer Tierdarstellung ein Ornament. Heute ist das Teil ihres Berufs, sie ist Graveurin und sozusagen professionelle Spezialistin in Sachen Ornament und Schnörkel. Darum beginnen meine kreisförmigen Ornamente mit ihrem gestickten, mit Ornamenten umrahmten, Buchstaben. Das Sonnensymbol gehört neben Blatt und Blütenformen zu den häufigsten und ältesten Ornamenten. Sehr schön fand ich die aus dem Quadrat und/oder Kreis gestalteten Ornamente auf den Seitenaltären unserer Kirche und dem von Anna bemalten Deckel einer Spanschachtel. Auf der Suche nach Ornamenten war die Schmiedeeisenarbeit mit der Dornenkrone, die das Kreuz umschlingt, eine besondere Entdeckung.

Ein anderes sehr bekanntes Ornament ist das Boteh oder Paisley genannte Motiv. Es findet sich auf sehr vielen Textilien wieder, hier auf den beiden Schals, der blaugelben Krawatte, der Stickerei, der Borte und dem hübschen Stoff von Sabines Kleid. Boteh kommt aus dem persischen und bedeutet „blühender Baum“. Das Ornament stellt den keimenden Samen des Dattelbaums dar, ein Fruchtbarkeitssymbol. Auf dem roten Schal ist das Motiv als großes Einzelornament zu sehen. Auf dem zweiten Schal ist mit Drehen und Spiegeln ein prachtvolles Musterornament entstanden. Auf der Krawatte ist das Paisley zwischen anderen Ornamenten versteckt. Während auf dem hübschen, gelben Stoff von Sabines Kleid die rosafarbenen Paisleys deutlich sichtbar bleiben und mit den sie verbindenden Ranken den Stoff „überwuchern“.

Es ist gewiss kein Zufall, dass sich Ornamente besonders gut zum textilen Gestalten eignen. Weil sie auf die Fläche beschränkt bleiben, eignen sie sich ideal als Vorlage zum Sticken, Drucken, Applizieren, Patchwork. Es gibt wunderschöne Strickmuster und Häkelmotive (Filethäkelei, irische Häkelei, Granny Squares) und Stoffe mit herrlichen Ornamenten.Wir sind schon sehr gespannt auf deine Ideen zum Thema und freuen uns auf ein Wiedersehen hier bei uns am Sonntag 27.November2022 mit den Stofspielereien zum Thema Ornament.

ZU DEN STOFFSPIELEREIEN

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Weitere Inspiration zum Thema findet ihr bei mehreren Künstlerinnen aus dem Bereich Blockprint/Linoldruck (auch ein Medium das sich geradezu Anbietet auch als Stoffdruck anzuwenden)


9 Gedanken zu “Auf der Suche nach dem Ornament

  1. „Ornament“: eines der Woerter/Bezeichnungen, welche seeehr weit zu interpretieren sind?
    So sass ich schon sinnierend beim Wort „Posament(en)“ und dessen grosser Interpretation da.
    Eines steht zumindest fest: die Arbeiten/Ergebnisse, welche unter beiden Begriffen entstehen/entstanden, sind – mM – nicht nur Dekoration.
    So wurden mit ‚Posamenten‘-(Baendchens) frueher schon Roecke verlaengert, Flickstellen abgedeckt, nicht-ganz-farblich-passende Stoffe (Vorhaenge, Tischdecken usw.?) doch passend zu schon Vorhandenem getrickst usw.
    Posament(e) sind aber wohl wirklich auf ‚Weich-Materialien‘ beschraenkt, oder?
    Ornamente sind dagegen doch eher entweder aus festerem Material oder eben Flach-Deko?
    In der Architektur sind ‚Ornamente‘ oefter doch auch als Struktur-Verstaerkung/-Sicherung angewendet; eben aber zuggleich mit der Absicht von gleichzeitiger Verschoenerung (uiii schoen zu gar Vielem hiervon!)
    Beinahe unter den Tisch gelacht habe ich mich vor Jaaahren, als ich dann mal (endlich!) lernte, dass gar manche unserer ‚historischen Mauer-Tuerme/-Boegen’* ANsammlungen (! = wirklich „Haeufung/Mehrere“ ) wohl oefter erst per ‚mit der Zeit/bei Bedarf/Notwendigkeit‘ entstanden um ein Auseinanderdruecken/-Ruecken,-Fallen von schon vorhandenem Mauerwerk zu vermeiden. D.h.: zu bremsen und oder zu stuetzen.

    Sehr persoenliche Meinung: wenn’s so etwas nicht schon gaebe, muesste es wirklich schnellstens erfunden werden. Interessant sind eben die Sammel-Namen/-Bezeichnungen, womit man ein gewisses Sortier-System zur Hand hat (vermeintlich?) ?

    Btw., „Irishe Haekelei“ (o.ae.; denn sog. „Granny-Squares“ ‚funktionieren schliesslich genau so?) ist der ideale ‚Reisebegleiter‘ als sog. eher einfache ‚Minitaetigkeit‘, welche dann erst zusammengesetzt/’gepuzzled‘ ein wirklich imponierendes Gesamtwerk ergibt, bei gleichzeitig nicht festgelegter oder festZUlegender, aehem, Ausdauer des Kuenstlers oder Reichweite des Materials = Ober-Bingo!

    Liebe Gruesse,
    G

    * sind dies wirklich Mehrere bzw. ‚untergeordnet Kleinere‘ (?) so zaehlt dies – landlaeufig – aber wohl auch als „ornamentalisch angereichertes Gebaeude“.
    O.k, o.k, kannst Deinen Kuenstler-(Fach)-Ehemann beruhigen: wir werden deswegen keinen Krieg bekommen – nur evtl. ‚gut gekratzte Koepfe‘, welche die entsprechende Kratz-Taetigkeit uns zur denktechnischen Unterstuetzung u/Klabueser-Arbeitsversuches schaffen koennte ;-) ;-) ;-)

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    1. Viele Möglichkeiten, nicht wahr. Jedenfalls eine auch Gelegenheit Notwendiges als zusätzliche Bereicherung zu gestalten, weg vom „Oh, wehe geflickt“ hin zum „schau, wie schön…“ liebe Grüße Silvia

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      1. Kicher: ich habe (gar!) nichts gegen ‚Unvermoegen/Unwillen‘ vieler Menschen bzgl. „zu Flickendem/Geflicktes“, denn DIES bescheert mir sehr oft dann billigst sehr gute Sachen, welche eben durch Deine wie meine Feststellung bzw. Koennen zu „… schau wie schoen“ werden.
        … koennte mir dadurch jederzeit woanders ein „Ah-wunderschoenes-Ding-aber-horrender-Preis“ leisten.
        Jedoch: Gut, dass es uns allen insgesamt (doch/noch immer!) „sehr gut“ geht und seltenst wirklich ein Zwang dahintersteckt sondern eher mehr Hobby und/oder Ergeiz ist.
        Jedoch derzeitiges ‚Anti-Gelaechter‘ hierzulande bzgl. hoher Futter-Preise: wenn das Gemuese dann kurz vor der Kochtopf-Entscheidung mal ‚passend schnell‘ wachsen soll.
        … und von selbst und fertig geputzt (= wie gewohnt?) in den Topf springen soll = zu spaet geplant/gelernt?
        Der einstige, sattes Lachen ausloesende Satz einer Freundin bzgl. „Dummheit“ von „Gut, dass es nicht weh tut!“ wird jedoch langsam doch leicht schmerzhaft ^^.
        Was tun die Aermsten erst, wenn dann evtl. sogar einmal das Internet ausfaellt/entfaellt?

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  2. Liebe Silviafranziska, Deine Anregungen zum Thema Ornament sind sehr weitreichend und vielfältig, Ornamente finden wir überall in der Kunst und Architektur. Je nach Zeitgeschmack mal üppiger, mal spärlicher. Mein Beitrag zur Stoffspielerei morgen ist eher von der bescheidenen Sorte:

    https://tychestouch.blogspot.com

    Ein herzliches Dankeschön an Dich als Inspirations – und Gastgeberin
    Liebe Grüße
    Tyche

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