Heimatfilm ich komme – Ein traditionelles Dirndl

Inzwischen wurde ja, glaube ich, schon mehrmals  erwähnt, dass ich Sommer 2019 in München war, einerseits um wieder einen Dirndlnähkurs bei mei Dirndl zu machen und andererseits um coBRANDa zu besuchen (und theoretisch auch meine Schwester, wenn sie nicht auch auf Urlaub und weg gewesen wäre).

Am Tag der Abreise, sofort nach dem Dirndlnähkurs, bin ich also nochmals nach München rein und mit der UBahn zu coBRANDa. Das Geschäft liegt gleich bei der UBahn Haltestelle Milbertshofen und wenn man mal die richtige Strasse erwischt hat, kann man den Laden nicht mehr verfehlen.

Also rein in den Laden, mal etwas überfordert sein, Koffer abstellen (ich bin danach direkt weiter und hatte schon mein ganzes Gepäck dabei).

Am Anfang hatte ich echt mal eine gewisse Aufwärmphase von planlos durchgucken zu „oh mmh, das könnte was sein“ gehabt. Ich weiss ja nicht, wie es euch so geht, aber wenn es ums Stöbern und Second Hand geht, da braucht es bei mir immer ein bisschen bis ich Fahrt komme (und zu zweit würde es auch viel mehr Spass machen).

Das hier gezeigte Dirndl war ein Fall von „probieren wir halt mal“. Und dann kam die Überraschung als ich es angezogen hatte, es sah super aus. Zwar etwas weit, aber der schwarz rot gewebte Stoff vom Leib machte „echt was her“. Es war eine rot/schwarz karierte Schürze dabei, die habe ich jetzt zu einem anderen Dirndl (blau mit gezogenem Burstfleck) gegeben, das ich ebenfalls von coBRANDa habe. Bei diesem musste ich nur die abgenähten Seitennähte wieder auftrennen, den wild hochgenähten Saum herauslassen, schon war es wieder perfekt tragbar. (Nichts zu nähen und auszubessern und darum auch kein Grund es zu fotografieren und zu zeigen!).

Zuhause in Österreich musste ich dann natürlich meinen Eltern meine neu erworbenen Schätze zeigen. Das Blaue, etwas enge und kurze Dirndl, bei dem ich noch am gleichen Abend den Originalzustand wieder hergestellt hatte, wonach es perfekt passte. Das kurze schwarze Dirndl mit Stickerei, hier gezeigt, und den Glückstreffer, das schwarze Tostmann Dirndl mit Schnurstepperei.

Und natürlich das Dirndl, um das es gerade geht. Da hat meine Mutter gleich erkannt, dass ist nicht nur irgendein Modedirndl, nein, das hat tatsächlich ein bisschen Background: Denn es ist eine Pustertaler Werktagstracht, zwar mit einer falschen Schürze, aber der Rest stimmt.

Da mir die sehr klassische Kombination von Schwarz, Rot und Dunkelblau sehr gefällt, entschied ich mich die Pustertaler Werktagstracht wieder mit einer passenden Schürze zu komplettieren. Bis es dazu kam dauerte es aber ein bisschen länger.

Irgendwann, ich glaube im Herbst, habe ich das Dirndl angepasst, also etwas enger genäht, sowie wieder alle Knöpfe angenäht. Es waren zwar noch alle da, aber ein, zwei Knöpfe hingen schon an einem verdächtig dünnen Faden. Deshalb habe ich mich entschieden, alle Knöpfe wieder neu anzunähen. An einer Stelle musste ich den Saum festnähen. Dann fehlte eigentlich nur mehr die Schürze.

Bis ich endlich eine passende Schürze nähte, brauchte es Corona, Social Distancing und viele gemeinsame Video Nähabende mit Freundinnen.

Die Schürze ist aus einem dunkelblauen, längsgestreiften Stoff. Den wollte ich in Falten legen. So schön gestiftelte Schürzen sind, bei einem Streifenstoff ergibt es manchmal sehr seltsame Muster. Darum war eigentlich klar, es wird eine Schürze mit abgesteppten Falten. Nur wie die Falten legen? Ich glaube, ich habe einen ganzen Abend damit verbracht auszutesten, wie ich die Falten lege und wie ich die Schürzenbänder zuschneide. Irgendwann waren alle Entscheidungen gefällt und die Falten gesteckt. Danach war noch die Frage quer oder längs absteppen? Hier fiel die Entscheidung auf „jede Falte einzeln längs absteppen“ in einem perfekt abgestimmten Farbton. In der Mitte sind die Falten 6cm abgesteppt und auf der Seite werden sie bis auf 3,5 cm kürzer abgesteppt. Und nicht zu vergessen auffächern, dass kann man nicht oft genug wiederholen. Der Rest war nur mehr zusammennähen und schon war meine Pustertaler Wektagstracht wieder komplett. Vielleicht nähe ich noch eine andere Schürze dazu, aber ich bin sehr zufrieden mit der Kombination. Es gibt ja einen Grund, warum diese Farbkombintaion so eine Beliebte ist. Zum Beispiel hat das Oberösterreicher Dirndl auch einen schwarzen Wollrock, einen roten Leib mit schwarzen Verzierungen und dazu eine Blaudruckschürze.


Fazit: Puristisch und ganz klassisch hat auch was zwischendurch…

Stoff: Schürze: Dirndlstoff von myTEX

Dirndl: Second Hand gekauft bei coBRANDa in München oder online

Ein herzlicher Dank geht an Dani von Fotospuren und Marco von Mr-Foto vom Fototeam Luzern für das fabelhafte Fotoshooting und die tollen Fotos.


3 Gedanken zu “Heimatfilm ich komme – Ein traditionelles Dirndl

  1. Ich lese hier jetzt schon eine ganze Weile still mit und ich glaube dieses Dirndl gefällt mir mit am besten. Die Farbkombination ist tatsächlich traumhaft, vorallem das rot-schwarz-changierende.
    Dazu eure tollen Fotos mit grandioser Landschaft, da werd ich schon manchmal neidisch 😀
    Bitte weiter so!
    Liebe Grüße, Katrin

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  2. Einfach klassisch schön. In dieser Farbkombi habe ich geheiratet, in einem „Pinzgauer Dirndl“, das ich von meiner Mutter übernommen habe, mit einer blauen Seidenschürze ergänzt. Finde ich schon spannend, dass die Farbkombi so weit verbreitet ist und wäre mal interessant herauszufinden, wie die Unterschiede zwischen „Pustertaler“ und „Pinzgauer“ und sonstigen regionalen Aneignungen konstruiert wurden. Damals, als regionale Trachten aus politischen Gründen festgeschrieben wurden… Liebe Grüße, Gabi

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