Yubinuki

Yubinuki das ist ein japanischer Fingerhut, eigentlich ein Fingerring ist. Ganz typisch für Japan wird Form, Funktion und Ästhetik miteinander verbunden. Handwerkliches Können, Präzession, Schönheit vereinen sich, und trotzdem bleibt es wichtig die Funktion und Form nicht aus den Augen zu verlieren. Auch wenn es nur ein Fingerhut ist, ist dieser ein kleines Meisterwerk. Es wird auf kleinste Details geachtet.

Material:

  • Festes Papier, kein normales Kopierpapier (ich habe festes Karopapier verwendet, es macht das Zuschneiden entlang dem Karo einfacher, denn es werden 1 cm breite Papierstreifen benötigt)
  • Feines Schrägband (ich verwende fertiges Schrägband und habe einen Flügel abgeschnitten um die ideale Breite zu erhalten)
  • Nähseide/Knopflochseide oder feines Perlgarn für die „Stickerei“
  • festes Garn zum Umwickeln für die Wölbung des Ringes, oder feine Baumwoll oder Seidenwatte
  • mehrere Nadeln
  • Schere
  • Bleistift
  • Klebeband
  • rundes Teil als Basis zum umwickeln zB Labello, Batterie, Edding. Im Verlauf der Anleitung schreibe ich einfach nur von dem Stift.

Die Ring Basis

Für die Ring Basis braucht es das Papier, Klebeband, Schere, das Schrägband, Nähseide und Nadel.

  • Das Schrägband um den Stift wickeln. Das unten liegenden Ende 5 mm einschlagen, das oben liegenden mindesten 1 cm überlappen lassen (lieber ein bisschen mehr als zu wenig und es kann bei Bedarf weggeschnitten werden) Eher locker wickeln, durch das Zusammennähen zieht es den Stoff zusammen und es soll nicht auf einmal zu wenig Stoff vorhanden sein.
  • Papierstreifen nun stramm um den Stift wickeln, bis auf eine Dicke von 2-3 mm.
  • Schrägband nach oben übers Papier schlagen, (etwas fummelig) und mit dem Hexenstich zusammennähen und zusammenziehen. Je nach Breite des Schrägbandes, sodass dieses zusammentrifft oder sich überlappt. (Ich habe mein Schrägband eher breiter geschnitten, darum überlappt es sich bei mir teilweise). Nicht bei dem eingeschlagenen Schrägbandende anfangen. Immer schön anziehen beim Nähen und schauen, dass am Ende sich das Schrägband noch immer gut überlappt.
  • Und Voila die Basis für den Ring ist fertig. An der Ring Grösse ändert sich nichts mehr, also kann gleich mal getestet werden ob er passt und sonst eine Basis in der passenden Grösse herstellen. (Wer einen Goldschmied in seinem Umfeld hat, kann diesen wegen dem Stockmass fragen, um gleich mal die passenden Ringrösse zu finden)

Abstände markieren

Zum Abstand markieren nehme ich einen Papierstreifen und lege mir diesen um die Basis und markiere mir den Umfang. Dann teile ich den Ring in gleichmässige Abstände ein, wie viele Segmente hängen etwas vom Muster ab. Ein guter Anfang ist mit 8 oder 10 Segmenten. Bei einem der Ringe habe ich das Papier mit der Markierung unter der Wattierung belassen, bei dem anderen habe ich die Segmente an der Kante mit Bleistift markiert. Wichtig ist einfach, dass am Ende eine gleichmässige Segmentunterteilung vorhanden ist. Wenn die Einteilung nicht gleichmässig ist, wird das Muster nicht gleichmässig. Genauigkeit ist hier jedenfalls sehr wichtig.

Den Ring wattieren

Watte oder Garn um den Ring wickeln sodass dieser eine leichte Wölbung erhält, es sollten keine Beulen entstehen und das ganze fest wickeln.

Den Ring nähen/sticken

Beim Gestalten des Musters hat man extrem viele Möglichkeiten, nur durch die Farbwahl allein und auch wie viele Anker(Start)punkte man verwendet, werden alle Runden in die gleiche Richtung gewickelt, wie werden die Runden hintereinander gewickelt und wird noch verwoben oder nicht. Die Möglichkeiten sind gefühlt unendlich. Selbst wenn man immer mit der gleichen Anzahl an Ankern arbeitet, kann man nur schon so viele unterschiedliche Varianten durch die Farbwahl gestalteten. Und wenn es erst daran geht das ganze zu verweben (habe ich bisher noch nicht probiert)…

  • Zum Start von der Ringmitte an den Rand stechen, ein bisschen Faden stehen lassen (wird später abgeschnitten). Ersten Anker platzieren und dann die erste Runde machen.
  • Das Garn immer anziehen und dabei das Garn in die Richtung des zum Stich führenden Garn ziehen. Danach in Richtung des nächsten Stiches legen. Und den nächsten Stich machen.
  • Um einen Faden zu beenden zum Anfang der Runde stechen, dann in die Wattierung und dann Faden abschneiden.

Yubinuki Varianten

1 Anker

Die einfachste und schlichteste Version eines Yubinuki ist nur mit einem einzigen Anker/Startpunkt gearbeitet und dann wird so lange eine Runde nach der anderen gemacht bis der Ring vollständig umhüllt ist. Allerdings schreiben all jene, die da schon mehr Erfahrung haben, dass man da halt auch jeden Murks und Fehler sieht, weil nichts davon ablenkt.

Wie funktioniert nun die schlichteste aller Versionen:

  • 1 Anker
  • eine Richtung
  • so viele Runden wie nötig in eine Richtung um den Ring komplett zu besticken
  • Farben nach Lust und Laune, ich habe für meine Version ein feines Perlgarn mit Farbverlauf genommen, dadurch ist der Ring nicht total langweilig geworden. Es bietet sich allerdings auch sehr an mit mehreren Farben zu arbeiten

2 Anker

Bei zwei Ankern/Startpunkten gibt es gleich viel mehr Möglichkeiten des Gestaltung. Man kann viel variieren wie die Runden sich kreuzen und auch wie und wo welche Farben eingesetzt werden.

  • 2 Anker
  • eine Richtung
  • Variante A: Anker 1, 1 Runde Anker 2, 1 Runde Anker 1, 1 Runde Anker 2, 1 Runde etc
  • Variante B: Anker 1, 2 Runden Anker 2, 2 Runden Anker 1 , 2 Runden etc und so weiter
  • Und natürlich kann man sich bei den Farben austoben. Bei meiner blau pinken Version habe ich zuerst beide Anker mit Pink gemacht und so viele Runden, bis der Ring zur hälfte voll war. Danach habe ich bei beiden Ankern auf Blau gewechselt und dann zum Abschluss bei beiden Ankern noch eine Rune Pink. Bei dem mehrfarbigen Yubinuki habe ich zuerst bei beiden Ankern je zwei Runden dunklegrün gemacht, dann bei beiden Ankern je zwei Runden hellgrün, dann bei beiden Ankern je zwei Runden gelb usw
  • Die Farbe, mit der man beginnt, liegt zuunterst und ist man Ende am wenigsten sichtbar.

3, 4 oder mehr Anker

Trotz des augenscheinlich aufwendigen Musters sind Yubinuki mit 3 oder 4 Ankern ebenfalls sehr einfach zu machen. Wenn man zum Beispiel das sehr bekannte Dreieck Muster nacharbeiten möchte, muss man einfach jedem Anker eine andere Farbe zuweisen und dann immer eine Runde nach der anderen arbeiten. Zum Beispiel bei dem rot blau gelben Ring: Zuerst eine Runde gelb, dann ein Runde blau, dann eine Runde Rot und dann wieder eine Runde gelb …

Und natürlich kann man das Ganze noch auf die Spitze treiben mit noch mehr Ankern sodass das Muster immer kleiner wird. (da sollte man auch auf Nähseide umsteigen) Man hat dann einfach viele Fäden mit Nadeln am Yubinuki dran hängen. Und solange man nicht vergisst wo der Startpunkt ist, kann auch nichts schiefgehen.

Praktische Links

Die Stoffspielereien

Heute sammelt Siebensachen zum Selbermachen die Beiträge zum Thema „Textiler Schmuck“.

Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Bist du nächstes Mal auch dabei?

Die nächsten Termine:

Und bei Made with Blümchen habe ich auch einen Yubinuki gesehen.


30 Gedanken zu “Yubinuki

  1. Wie lustig, hast du dich mit Gabi abgestimmt? Da bist du ja gleich in Serie gegangen. Danke für die vielen Links, ich hatte von Yubinukis vorher noch nie gehört. Sie erinnern mich an deine schicken Posamentenknöpfe. Liebe Grüße Christiane

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    1. Reiner Zufall das wir das gleiche gemacht haben.
      Ja wenn man mal anfängt kann man nicht mehr aufhören, weil es einfach Spass macht und es noch so viele Möglichkeiten gibt.
      Ja viele die Posamentenknöpfe machen und machen auch Yubinuki.
      LG Sabine

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  2. Bin total begeistert von eueren Ringen. Der Artikel ist so toll bebildert und ihr habt das richtig gut erklärt, herzlichen Dank dafür.🤩 Das werde ich auch mal ausprobieren.
    LG Birgit

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  3. Also liebe Sabine, ich bin begeistert! Gleich bei dir und bei Gabi sehe ich solche bezaubernden Ringe, und ich finde sie hervorragend und danke dir für die feine Erklärung. Ob ich jemals mit meiner begrenzten GEduld dazu kommen werde, weiß ich nicht, aber gerade diesen orangenen oder die ganz grünen würde ich sofort nehmen! Was für ein schickes Teilchen! Wir können uns ja bei der Nadelweltausstellung alle an unseren Ringen wiedererkennen :-) LG. SUsanne

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    1. Dankeschön.
      Wenn du für andere Sachen Geduld hast, warum nicht auch für die Herstellung eines solchen Ringes. Und so lange dauert es gar nicht, ich habe einen Ring an einem komplett gefertigt.
      Und sollte es mit der Geduld doch nicht reichen, dann kann ich dir ja einen machen.
      Ich bin überhaupt kein Ringträger und meine Yubinukis sind von der Grösse tatsächlich aufs tragen als Fingerhut ausgelegt.
      Und ich werde fix zur Nadelwelt kommen, entweder in Begleitung von Maria von Fadenwechsel, mal schauen, hat ja noch ein bisschen Zeit.
      LG Sabine

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  4. Boah, toll! So einen ausführlichen Artikel hast du geschrieben und so toll erklärt. Ich fürchte, auch ich muss mit Yubinuki in Serie gehen… Liebe Grüße, Gabi

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  5. Für mich war das gestern die Entdeckung des Tages – von Yubinuki hatte ich noch nie etwas gehört, und dann der Beitrag von Gabi und deiner… Vielen Dank für die Inspiration! Deine Ringe sind wunderschön. So ein Bild, auf dem alle zusammen zu sehen sind, mit den verschiedenen Mustern und Farben, möchte ich mir am liebsten ins Arbeitszimmer hängen, damit ich nicht vergesse, diese Technik auch bald auszuprobieren.

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    1. Merci vielmals.

      Wenn du möchtest kann ich dir gerne ein Bild, dass dir besonders gut gefällt in der Originalauflösung zuschicken.
      Und unbedingt probieren, macht echt Spass und richtig süchtig machend.
      LG Sabine

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  6. Wie cool, dass Du und Gabi auch die gleiche Idee gekommen sind, während die meisten anderen von uns davon noch nie etwas gehört haben :)

    Am besten gefällt mir der dunkelblau/rote Ring – das entstandene Muster mag ich sehr!

    Liebe Grüße, Anne

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    1. Herzlichen Dank.
      Ich habe im Sommer in einem Kawai Bastel/Nähbuch die Yubinukis gesehen und wollte es unbedingt mal ausprobieren.

      Der dunkelblau pinke ist übrigens ein bisschen von Pfauenfedern inspiriert, so ein kleines bisschen.
      LG Sabine

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  7. Danke für diesen tollen Beitrag zu der Technik. Erst gestern bin ich drauf gestoßen und war gleich vollkommen fasziniert.

    LG

    Sylvia

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  8. Was für ein toller informativer Beitrag! Auch ich habe noch nie von dieser Technik gehört, sie sieht aber sehr faszinierend aus. Leider trage ich kaum Ringe (und wenn, nur ganz schlichte, die nicht stören…) – aber lässt sich sicher auch anders draus mache.
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Ich bin ja auch überhaupt kein Ringträger bzw überhaupt kein Schmuckträger.

      Meine Yubinuki sind von der Grösse auch so ausgelegt, dass sie als Fingerhut zum Nähen/Sticken getragen werden.

      Eine alternative Möglichkeit wäre das ganze als Armreif zu fertigen oder noch kleiner mehr als Grosse Schmuckperle als Anhänger, Ohrringe, Serviettenringe oder auch bei Kordeln als Kordelende aufgefädelt.
      Es muss als nicht unbedingt ein Ring sein.

      LG Sabine

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  9. Fantastisch! Ich hatte ja diese Ringe/Fingerhüte zuvor bei Gabi gesehen und war schon begeistert. Ich kenne eine ähnlich Technik, bei der Kugeln bestickt werden, aber speziell diese Ringe waren mir neu. Du hast dir auch so viel Mühe gegeben mit den Erklärungen und Fotos – vielen Dank dafür.
    LG
    Siebensachen

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  10. Diese Ringe sehen großartig aus! Toll! Wenn ich es richtig sehe, stichst Du zum Besticken auch nur von kurz unter der Kante bis zur Kante ein und nicht durch den Ring? Und wenn Du schreibst, dass Du diese Ringe tatsächlich als Finger“hut“ benutzt, magst Du vielleicht mal ein Foto vom Ring im Einsatz zeigen? Das würde mich sehr interessieren, wo sitzt der Ring auf Deinem Finger und wie schiebst Du damit die Nadel? Liebe Grüße!

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    1. Ich steche nicht durchs Papier, dass ist mit 3 mm, dafür zu dick. Ich durchstehe nur den Stoff von Kante zu Kante.
      Und der Ring sitzt auf dem Mittelfinger in der Mitte. Und wird da dann abgestützt beim Nähen. Hier in dem Video wird das gut erklärt wie es funktioniert.

      LG Sabine

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      1. Danke! Das Video zeigt sehr anschaulich die Verwendung des japanischen Fingerhutes. Toll, dass man auch gleich noch sieht, dass bei der japanischen Nähtechnik der Stoff über die Nadel geführt wird und nicht die Nadel durch den Stoff gestochen wird. Super!

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        1. Ich fand es auch sehr spannend zu sehen wie anders doch die Nähtechnik ist. Und wieso es üblich ist und funktioniert dass Kimonos nur mit dem Vorstich zusammengenäht werden und vor dem waschen auch immer aufgetrennt werden und danach wieder neu zusammen genäht werden.

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      2. Ich bin grad völlig fasziniert, wie man fast 6 Minuten das Halten einer Nadel und das Nähen damit erklären kann. Ich verstehe natürlich kein Wort, aber man sieht wirklich gut, was er meint. Spannend!

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  11. Witzig. Bis Sonntag hatte ich noch nie von dieseer Technik gehört und dann kommt es gleich zweimal. Aber die Wirkung ist wunderschön. Danke für’s ausführliche Zeigen und Erklären.
    Liebe Grüße
    Ute

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