Stoffspielereien Weben: Schals mit Karo …

umwickelt

Wenn man Wolle mag und nicht gut stricken kann, ist Weben eine wunderschöne Möglichkeit in all den verschiedenen Wollvarianten zu schwelgen und damit zu spielen. Als Werkstück zum Experimentieren bietet sich der Schal geradezu perfekt an: Er ist nicht zu groß, aber groß genug, verbraucht nicht allzuviel Material, und darf auch mal bunt oder extravagant sein. So war – und ist – das auch bei mir und mit der Zeit sind viele Varianten entstanden. Schalweben ist so etwas worauf man richtig süchtig werden kann, kaum ist eine Variante fertig, hat man schon die Idee für den Nächsten … Darum stelle ich euch in den heutigen Stoffspielereien einige Karoschals meiner „Webschal Kollektion“ vor. Die haben tatsächlich (fast) alle Namen und besitzen niedliche, von Sabine handgeschriebene Schilder. Es war nicht wichtig, aber einfach schön passende Namen zu finden.

namensschilder

Norway Impression: Also der Erste, genannt Norway Impression nach einem Musikstück für Blasorchester, ist in Blauschattierungen. Im Schuss hat dieser Schal 52 Fäden, mit blauer und vier Streifen weißer Wolle, dazwischen sind zweimal Kettfäden aus haarigerm Effektgarn. Beim Arbeiten muss man auf jeden Fall berücksichtigen, dass man nocheinmal dieselbe Menge an Wolle für den Schuss wie für die Kette benötigt. Der Schuss ist zweifädig, da kommt man etwas schneller voran und kann das Material etwas „strecken“. Dieser Schal hat einfache Webmusterquerstreifen, die sich schön reliefartig absetzen, er ist 190 cm lang und 24 cm breit.


Sommertag ist ein völlig unpassender Name für einen Winterschal, oder aber ein Schal der Sommerwärme hinüberrettet in die kalte Jahreszeit. In diesem Schal kommen sehr unterschiedliche Materialen (Mohair, Effektgarn, Sockenwolle, diverse Reste) und Stärken zum Ensatz. Die dünnen Wollen verwendete ich zwei- und dreifach. Der Schal lebt von seinem Ton in Ton Karo und erhält durch die Mohairwolle einen sehr kuscheligen Flauscheffekt. Mohair in der Kette ist übrigens sehr schwierig, weil sie sich schell verfilzt. Daher ist es günstiger nur wenige oder einzelne Fäden zu verwenden.

Details: 48 Kettfäden, 22 cm x 190 cm


In Irland soll es ja sehr schön grün sein, darum der Name. Die grüne Wolle ist durch Zufall an mich gekommen, vor allem eine relativ große Menge an Bouclewolle. Einiges davon habe ich hier eingesetzt. Bouclewolle ist super zum Weben, durch die Schlaufen erhält man eine Struktur, die an das Fell junger Lämmer erinnert! Die Kettfäden sind an den Enden zu Zöpfchen geflochten.

Details: 47 Kettfäden, 22 cm x 180 cm


Perlmutt besteht aus einer Kette aus unterschiedlichen Wollen, die sanfte Streifen bilden,  und wurde fast durchgehend zweifädig aus Babywolle bzw. Mohair und Babywolle gewebt. Mohair im Schuß lässt sich gut verarbeiten. Alle diese Schals werden übrigens nur ganz sanft angeschlagen.

Details: 48 Kettfäden, 23 cm x 180 cm


Highlands ist ein wunderschöner Karoschal aus Schurwolle, Bouclewolle, Mohair und billiger schwarzer Wolle. Dieser Schal gehört meinem Mann. Dieses Karo ist regelmäßig gewebt: also 9 schwarze Schussfäden, 4 Beige, 11 Melierte, 4 Beige, 9 Schwarze usw. Es gibt zwei sehr ähnliche Varianten, auf dem letzten Foto ist der Hellere, unten um den Baum gebunden, zu sehen. Die Fransen sind geflochten.

Details: 50 Kettfäden, 23 cm x 21cm

Die Fotos waren übrigens eine kleine Herausforderung: Mal war der Untergrund so „haarig“, dass am liebsten die Schals kleben geblieben wären, mal wollte das Licht die Farben nicht so richtig zum Leuchten bringen.

Und damit geht’s zum heuten Stoffspielereien-Termin bei Schnitt für Schnitt. Ich freue mich auf eure Werke, es ist immer wieder sehr inspirierend.

Die nächsten Termine:
24.11.2019: „Nähen auf Papier“ bei Nähzimmerplaudereien
Weihnachtspause

26.01.2020: „Textiler Schmuck“ bei Siebensachen
23.02.2020: „XXL“ bei bimbambuki
29.03.2020: „Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: „Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen
Sommerpause
27.09.2020: „Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: (Thema noch offen) bei Nähzimmerplaudereien

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du bei Siebensachen zum Selbermachen.


28 Gedanken zu “Stoffspielereien Weben: Schals mit Karo …

  1. Schön, dass das bei dieser Gelegenheit, deine tollen Schals einmal alle zeigst. Einer ist schöner als der andere und sie dienen mir als willkommene Inspiration für meine zukünftigen eigenen Versuche.
    LG
    Siebensachen

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  2. Faszinierend! Die Farbvielfalt und die Muster sind wunderschön. Auf welchem Webrahmen /-stuhl webst Du? Das sieht nämlich schon sehr professionell aus!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Es ist ein Ashford Webrahmen, wirklich gut , ich werde demnächst vielleicht mal über verschiedene Rahmen (ich habe auch kleine Schulwebrahmen) berichten. Tatsache ist, dass meine Töchter, wenn sie mal weben wollten, auch den Großen bevorzugten. Liebe Grüße Silvia

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  3. Das ist ja eine beachtliche Anzahl von Schals, die Du uns heute präsentieren kann. Es sieht so aus, als wäre da ein Profi am Werk gewesen. Ich bin begeistert.
    LG Mirella

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  4. Wow, da erstarre ich in Erfurcht, so viele tolle Mustervarianten und so gleichmäßig, da kann ich mich nicht entscheiden, was ich schöner finde. LG Ingrid

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  5. Da bin ich auch gleich sehr neugierig, womit du diese schönen Schals gewebt hast. Das sanfte Anschlagen stelle ich mir ganz schön schwierig vor, also, vor allem den Anschlag über 180 cm gleichmäßig sanft zu halten.
    Toll, deine schönen Schals zu sehen, da hast du ja die unterschiedlichsten Wollarten verwendet, scheint gut zu klappen. Wenn ich mal wieder meinen Webrahmen hervorholen werde, werde ich dich bestimmt Löcher in den Bauch fragen.
    Danke fürs Zeigen! Liebe Grüße Christiane

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    1. Ich webe auf einem Ashford -Webrahmen , auf dem man bis zu 80cm breit weben kann. Es ist prinzipiell ein ganz normaler Rahmen, aber technisch gut ausgereift, ich kann ihn nur empfehlen. Verschiedene Wollarten lassen sich wirklich gut miteinander verarbeiten, aufpassen muss man nur, wenn einige fast nicht andere sehr stark dehnbar sind. 180cm sind doch eine gute Länge um das passende Gefühl für den Anschlag zu entwickeln, nein, Spass beiseite, solange dauert es nicht- Liebe Grüße Silvia

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  6. Die sind alle total schön! Stark strukturierte Wolle kommt verwebt oft viel besser zur Geltung, als gestrickt und ich schätze es auch sehr, dass man verschiedene Qualitäten gemeinsam verarbeiten kann. Der Aufwand für das Foto hat sich sehr gelohnt.
    Viele Grüße,
    Malou

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    1. So wie du sagst, beim Weben kommt strukturierte Wolle wunderbar zur Geltung! Und die Fotos, ich hab es schon einmal versucht mit den Schals, die Dinger sind gar nicht so leicht gut zu fotografieren. Darum habe ich diesmal sehr viel herumprobiert. Liebe Grüße Silvia

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  7. Liebe Silvia, das ist wirklich eine tolle und beachtliche Schal-Ansammlung. Hut ab vor dieser feinen Weberei und diesen Schönheiten! Richtig klasse. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie lange du an den einzelnen Teilen gesessen haben musst! Sehr, sehr schön! LG. susanne

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    1. Ansammlung trifft die Sache gut. Es ist eine schöne Wollspielerei, da vergeht die Zeit schnell. Aber ich habe auch schon einmal ein echtes Problem mit dem Rückgrat gehabt, weil ich unbedingt ein Stück fertigweben wollte- ohne Pause… Liebe Grüße, Silvia

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  8. Die Frage nach dem Rahmen wurde jetzt ja schon öfter gestellt und auch beantwortet. (Ist das der Webrahmen, der bei Dir im Wohnzimmer hinter der Tür steht? Nein, das war ja ein Stickrahmen.) Ich finde einen schöner als den anderen! Ich bin ein großer Tücher-Fan und wenn du schreibst, auf dem Rahmen kann man bis zu 80 cm breit weben, dann spitze ich die Ohren. Man sieht auch, dass Du Dir mit den Fotos eine große Mühe gemacht hast, die sind sooooo schön geworden! lg, Gabi

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    1. Der Rahmen hinter der Tür ist ein Rahmen zum Bildweben, der jetzt schon ziemlich lange auf seinen Einsatz wartet und zwischenzeitlich als Türhalter und Abstellfläche für die Stickrahmen dient. Eine Schande, ich weiß, aber ich habe gleich einmal das falsche Material als kette aufgezogen und das auch noch falsch und naja- vielleicht kommt doch noch ein Winter… Liebe Grüße Silvia

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  9. Hallo Silvia,
    Deine Schals sind wunderschön und ich bin ganz neidisch. Vor allem „Irland“ ist ja absolut göttlich.

    Ich bin ja ganz unkreativ und stricke seit vielen Jahren nur vorm Fernseher im Kreis (echt jetzt). Leider hab ich mir einen heftigen Tennisarm zugezogen und kann folglich die aktuellen Stulpen derzeit nicht fertigstellen. Also hab ich mir einen schon sehr lange gehegten Traum erfüllt und einen günstigen Schulwebrahmen besorgt. Und wie erhofft, macht das Weben richtig Spaß und die Arbeit damit dem Ellbogen keine Probleme und so wollte ich gleich versuchen einen hübschen Karo-Schal nach Brigitte-Anleitung zu weben.

    Leider mußte ich schon nach ein paar Zentimetern feststellen, daß bei mir die ganz hellen Kettfäden ziemlich komplett unter den Schußfäden verschwinden und das Ergebnis ist ein langweiliges Streifenmuster. Was mache ich falsch? Liegts am billigen Schulwebrahmen? Oder der Wolle? Hab extra drauf geachtet, daß die hellsten Fäden die dicksten sind. Würde es helfen, sie doppelt zu nehmen, damit sie dicker auftragen?

    Oder haben die bei Brigitte am Ende für das Beispiel doch gar keinen einfachen Schulwebrahmen benutzt?

    Ich hoffe, das ist jetzt nicht unverschämt, mit so einer dummen Anfängerfrage zu kommen, aber ich webe gerade ganz frustriert rückwärts.

    Liebe Grüße,
    green

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    1. Wahrscheinlich hast du die Schussfäden zu viel fest angeschlagen, du brauchst die Fäden nur ganz sanft anzufügen, richtig weich und leicht. Probier das einmal aus, da kann sogar ein halber Zentimeter Luft bleiben, nimmt man das Gewebe ab, zieht es sich zusammen. Natürlich macht auch die Wollstärke etwas aus, ist ein Garn sehr dünn, dann kann man es zwei- oder dreifach nehmen. Ich habe bei den Schals oft Bouclewolle verwendet, die wirkt sehr effektvoll. Bei Mohair nimmt man am besten gleich die Finger zum Anschlagen, das verwurschtelt sich sonst so. Mein Webrahmen ist auch ganz einfach (er ist nur breiter) genau wie ein Schulrahmen (habe ich auch, auf dem mach ich auch öfter was, weil er etwas kleiner ist und praktisch. Also nicht aufgeben sondern eher mit dem Anschlagen herumprobieren, viel Spass weiterhin, Weben ist sehr schön- und belastet die Gelenke nicht. Außerdem ist das Karoweben einfach herrlich, es gibt soviele Möglichkeiten…Liebe Grüße Silvia

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      1. Hallo Silvia, das ist super lieb von Dir, daß Du Dir jetzt die Zeit genommen hast, mir so ausführlich zu antworten. Jetzt bin ich echt beruhigt. Ich denke, ich hab wirklich zu fest angeschlagen. Das Ergebnis erinnert mich an die brettharten Webstücke, die ich im Kindergarten fabrizierte.

        Beim Stricken war ich nie ein Fan von Boucle-Wolle, aber gewebt sieht sie (vor allem bei Dir) genial aus und ich kann mir richtig vorstellen, wie weich und kuschelig das Gewebe ist.

        Du hast mir jetzt wirklich Mut gemacht, dranzubleiben. Ich liebe Schals und kann nie genug davon haben und sie selber weben zu können, wäre so toll. Die Anleitung für Karo-Weben las sich ja gar nicht kompliziert, deshalb hat mich das gleich so angesprochen.

        Also vielen lieben Dank für Deine Zeit und Mühe und für die Ermutigung!

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        1. Wenn du schon weich und zart arbeitest werden die Gewebe superweich, du wirst es sehen. Wenn du auch ein Schalfan bist, so wie ich, ist Weberei perfekt dafür, viel freude noch, liebe Grüße Silvia

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  10. Ja, bin ich definitiv. Trage schon seit vielen Jahren Sommer wie Winter immer Schals. Deswegen finde ich das ja gerade so interessant und nicht einfach nur, weil ein Schal nach einem einfachen Projekt klingt. Gestrickte Schals tragen immer gleich so viel auf, deswegen mag ich die gar nicht mehr. Ich hab einfach im Sommer schmalere und im Winter breitere, meist gar nicht mal dickere Schals.

    Vielen lieben Dank für die guten Ratschläge!

    Liebe Grüße,
    green

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    1. So wie du sagst, gestrickt oder gehäkelt wird die wolle oder das Garn vielfach verschlungen, beim Weben bleibt es flach, darum kann man auch mit Noppen- oder Effektgarnen schöne Texturen erzielen, Liebe Grüße Silvia

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