{Nadelbrief} Anatomie

Anatomie

Back in the game oder so.

Nach einer sehr langen Pause gibt es nun wieder einen Nadelbrief von mir. Donnerstag abend dachte ich mir, es wäre wieder mal Zeit dafür: Notizbuch gezückt und nachgeschlagen, welche Themen hatte ich ursprünglich herausgeschrieben und wo gab es schon konkrete Pläne.

Bei Anatomie, das Thema ist übrigens auf meinem Mist gewachsen, hatte ich die Idee eines Glasfrosches oder einer Froschautopsie vermerkt. Sprach mich gerade nicht so an, aber ich hatte vor ein paar Jahren eine Anatomie Zeichenkurs besucht. Davon gab es noch ein, zwei Zeichnungen, unter anderem von einem menschlichen Schädel, die sich wunderbar für das Thema eigneten.

Anatomie Schädel Seite

Der Zeichenkurs war nur bedingt das, was ich mir vorgestellt hatte. Hauptsächlich saßen wir verteilt rund um menschliches Gebein, zeichneten die Knochen ab, während der Professor (pensionierter älterer Uniprofessor) vorne an der Tafel stand und  irgendwas über die Fussknöcheln erklärte. Unter den Teilnehmern wurde ganz dezent um die besten Knochen und den besten Platz gerangelt. Wer, wie ich, spät dran war, durfte sich an ein Tischeck gnädiger Weise gerade halt so dazusetzen. Konkurrenz unter „Künstlern“ … Ich hatte mir irgendwie mehr oder etwas anderes erwartet. Klar habe ich jetzt hübsche Zeichnungen von Gebeinen, aber ich hätte halt gerne auch etwas von den Muskeln über den Knochen erfahren. Gehört ja ebenfalls dazu, was bringt mir da ein einzelner Knochen? Sogar ein ganz grandioses Beckenknochenmodell durfte gebastelt werden, das habe ich dann allerdings gleich weggeschmissen oder nur verschlampt? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls war es jetzt nicht so überragend. Ach ja, und wer echte Menschenknochen möchte, muss eigentlich nur die Leute vom Friedhof gut kennen, dann bekommt man auch welche.

Anatomie Schädel

Für den Nadelbrief habe ich mir eine der beiden Ansichten des Kopfes ausgewählt und freihand um zirka die Hälfte kleiner gezeichnet, damit der Kopf gut auf mein übliches Format von 10×20 cm passt.

Die ungebleichte Baumwolle (aktuell mein Lieblingsstickgrund) habe ich vorab mit Vlieseline verstärkt und das Motiv durchgepaust. Die Schattierungen sind in einem 45 Grad Winkel angelegt und wie bei einer Tuschezeichnung in Linien gearbeitet. Angefangen habe ich mit zwei Fäden um die großen und gröberen Details zu sticken. Die feineren Linien habe ich einfädig gestickt. Ein paar Details im Auge sah man während der Arbeit aus einem bestimmten Winkel sehr gut, jetzt nimmt man hauptsächlich eine schwarze Fläche war. Auch sind die lange Stiche vereinzelt einen Ticken zu lange, vor allem beim Schatten sind ein paar Linien ziemlich wellig. Aber im Gesamten bin ich sehr zufrieden mit der Wirkung. Verbesserungspotenzial findet man doch immer oder?

Anatomie Detail

Tja, und weil ich so inspiriert war, habe ich den Nadelbrief gleich in einem Rutsch an einem Abend gestickt (passend dazu liefen im Hintergrund Krimiserien, allerdings nicht Bones). Die chaotische Rückseite gefiel mir extrem gut. Deshalb fütterte ich die Innenseite mit Chiffon, sodass der Blick ins Innere weiterhin gewährt ist. Passt auch wieder zum Thema: Anatomie – der Blick aufs Innenleben des Nadelbriefes. Dazu kam noch schwarzer Filz und fertig. Meine Ausfertigung des Nadelbriefs blieb, wie üblich, schlicht: Nichts soll von der Stickerei ablenken.


Fazit: Sticken im Stil einer Tuschezeichnung, das macht Spaß. Das werde ich vielleicht noch ein weiteres mal machen, eventuell mit Nähseide als Stickgarn, da kann man feiner arbeiten.

Mitnähaktion: Nadelbriefjahr von Frau Nahtlust – alle anderen Nadelbriefe sind unter dem Schlagwort „Nadelbrief“ zu finden.

Anatomie 2


12 Gedanken zu “{Nadelbrief} Anatomie

  1. Wow, cool geworden, definitiv mal was anderes! Beim Thema Sticken sind im Internet oder in Büchern gefühlt ja 99% Blumen und Ranken, da ist das, was du dir (ihr euch) immer einfallen lasst, viel abwechslungsreicher. Was hatte der Schädel denn im Original noch im Auge hängen?
    Liebe Grüße Christiane

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    1. Ja Stickmotive sind sehr sehr oft sehr lieblich und floral oder Blümchen mit Fluchwörtern versehen. Dabei gibt es viel mehr Möglichkeiten und ich muss gestehen ich liebe schwarz weiss. Ich habe zwar Unmengen an Farbstiften, bleibe aber meist bei der Bleistiftzeichnung.
      Ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, dann war es ein Lederbändel, dass da durchgefädelt war. Ich habe mir zwar überlegt, das Band auch zu Sticken in Kontrast Rot, aber das war mir dann ein bisschen zuviel des Klischees.
      LG Sabine

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  2. GENIAL! Sabine, das ist dir supergut gelungen, ich bin fasziniert! Ich habe schon ein paar mal solche „Zeichenstickerei“ gesehen, aber gerade gepaart mit dem etwas Makabren finde ich es hervorragend. Wow! Bitte mehr davon – und von deinen Zeichnungen, die sind ja absolut traumhaft! LG und danke für die Verlinkung. Susanne

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    1. Bitte mehr davon, ich denke dieser Wunsch wird sich erfüllen. Es hat nämlich echt Spass gemacht so zu Sticken, dass ich gerade schwer am studieren bin, welches Thema ich noch mit dieser Technik umsetzen kann.
      LG Sabine

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  3. Ein toller Nadelbrief ist das geworden. Austellungsreif! So spannend, wie unterschiedlich man da rangehen kann. ‚Meine Anatomie‘ hängt auch noch in der Pipeline, da freue ich mich, dass du das nun fertig hast. Das gibt Antrieb.
    Liebe Grüße, Elvira

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    1. Ich glaube alle finden es beruhigen, wenn die anderen auch hinten dran hängen und Themen auslassen oder verspätet abliefern. Viel Spass noch beim vollenden deiner Anatomie.
      LG Sabine

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  4. Das sieht toll aus.
    Ich mag es sowiso wissenschaftliche Themen in Handarbeit umgesetzt zu sehen. Ob nun ein Anatomie-Modell (Ratte, Frosch) geflizt oder das Periodensystem der Elemente als Decke gestrickt/gehäkelt oder Moleküle als 3D Strick/Häkelfiguren.
    Ich hatte auch schon einmal Blackwork im Internet gefunden, wo ein Schädel und anderes wie in einer wissenschaftlichen Zeichnung dargestellt wurde. Wunderschön mit verschiedenen Blackwork-mustern, aber so dass alles einen unglaublich tollen 3D Eindruck verliehen hat. Leider habe ich den Link nicht mehr.
    Könnte ich selber so gut Zeichnen, hätte ich da bestimmt auch schon etwas gemacht, aber selbst mit üben bekomme ich es einfach nicht hin. Zum Glück gibts andere, deren Werke ich dann bewundern kann :)

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  5. „Um die besten Knochen und den besten Platz gerangelt“ – da spielt’s bei mir Kopfkino, köstlich! Cooles Detailfoto, da sieht man richtig gut, wie du den Kopf „schraffiert“ hast. Ich bewundere Deine Zeichenkünste. Eine Totenkopf-Skizze würde bei mir ganz anders aussehen… Und auch den Blick auf die Rückseite der Stickerei finde ich super, eine tolle Idee. „Anatomie“ habe ich bisher ausgelassen. Ich habe eine konkrete aber sehr aufwändige Idee, die gehört abgespeckt. (Haha! Abgespeckt! Was für ein Wortwitz beim Thema Knochen…) lg, Gabi

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    1. Man gönnt sich nichts und ist sich alles neidisch. Geprügelt wird nicht, aber alles was dezent unterschwellig gemacht werden kann, wird gemacht. Okay kommt auch immer ein bisschen auf die Gruppe an, hier waren es eher wir sind ja do elitär „Künstler“.
      Du machst mich gerade sehr neugierig was du für Pläne hast für deinen Nadelbrief Anatomie. Mmh mir fehlt da jetzt gerade kein passendes nicht total plattes Wortspiel ein.
      LG Sabine

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  6. Deine Zeichnungen sind ja super und welch eine tolle Idee, diese mit Stickerei umzusetzen.
    Absolut genial. Ein ganz wunderbares Nadelbriefchen.
    Liebe Grüße
    Monika

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