{Nadelbrief} Mensch ärgere dich nicht & das Buch Nadel und Faden

Mensch ärgere dich nicht - nadelbrief stickerei

Nun, zuerst dachte ich sofort einmal an das Spiel „Mensch ärgere dich nicht“, das Frau Nahtlust so schön in einen Nadelbrief umgesetzt hat. Dann sah ich beim Durchblättern meiner Bücher dieses Regenwölkchen und dachte das wird mein Nadelbrief zum Thema. Am leichtesten und häufigsten sprechen wir wohl über das Wetter, und ärgern tun wir uns auch oft darüber. Entweder ist der Urlaub verregnet, oder kein Schnee zum Skifahren da, oder es ist zu kalt und wir haben nicht die richtige Kleidung dabei, der April ist zu warm, der Mai zu nass und kalt, im Juli verdörrt das Gemüse im Garten, während die Anderen das Planschen im Pool genießen oder … Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir darauf keinen Einfluss haben, wer mag das schon?

Gestickt habe ich auf naturfarbenem, groben Leinen – die Regentropfen sind jeweils über drei Fäden mit drei Fäden Zwischenraum gestickt. Die Wolke besteht aus weißem Filz auf den ich 1cm dickes Vlies aufgestickt habe. Das war ein sehr unaufwendiger Nadelbrief und darum schreibe ich noch ein bisschen über die Inspirationsquelle: Nadel und Faden – Das Handbuch der Stiche und Nadelarbeiten von Sarah Whittle. Die deutsche Ausgabe ist 2013 im Haupt-Verlag erschienen und ich besitze es, nun, weil es so eine Art Nachschlagwerk in deutscher Sprache ist, es mir von Sabine empfohlen wurde bzw. ich in dem ihren schmökern durfte und wir es gerne einmal vorstellen möchten.

Das Buch umfasst 240 Seiten und gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden beliebte Techniken wie Freies Sticken, Kreuzstickerei, Gobelinstickerei, aber auch weniger bekannte Techniken wie Sashiko-Quilten und Gerstenkornstickerei vorgestellt. Illustriert wird dieser Teil mit Abbildungen zeitgenössischer Stickkünstler. Da finden sich neben Werken der Autorin auch Stickereien von Liz Bookley, Katie Pirson, Kajsa Wikman, Diem Chau oder Yuki Sugashima um nur einige zu nennen. Sämtliche Stickkünstler und Fotografen werden hinten in einem Register genannt (mit ihren Homepage). Leider weiß ich nicht von wem mein Wölkchen stammt, es ist eines der wenigen Bilder, die nicht beschrieben sind.

Nadel und Faden Sarah Whittle Hauptverlag6

Aber zurück zu den Techniken. Auf jeweils einer Einzel- oder Doppelseite wird eine Technik vorgestellt. Dann erfahren wir einiges über mögliche Entstehungszeit und Entwicklung, Verbreitung, Anwendungen. Kurz wird dann noch die Charakteristik umrissen (bei der Schwarzstickerei zum Beispiel: geometrische Muster, ursprünglich nur Fadengebunden…) Das alles in gemütlich großer Schrift. Links unten gibt es ein graublaues Feld mit Seitenverweisen auf eingesetzte Stickstiche in alphabetischer Reihenfolge. Daneben gibt es sorgfältige Hinweise, das berühmte (wichtige) Kleingedruckte, in wesentlich kleinerer Schrift. Dadurch ist die Buchseite aber angenehm gegliedert. Wir erhalten wesentliche Informationen zum Stoff und seinen Eigenschaften (Zählbarkeit, Feinheit, die am Häufigsten eingesetzten Stoffqualitäten). Rechts ein oder mehrere Foto von Stickbeispielen, darunter wissenswertes zu Garnen, Nadeln, Zubehör und Verwendung bzw. Einsatzmöglichkeit. Bei manchen Techniken gibt es ein „kleines Notitzblatt mit Büroklammer“ rechts oben mit einer speziellen, Zusatzinformation.

Teil zwei startet auf Seite 90 mit einem Inhaltsverzeichnis über die Stiche, gegliedert in 10 Kapitel: Zuerst die wichtigsten Grundstiche (mir gefällt der Vergleich mit den Grundfarben in der Malerei), dann folgen Reihenstiche, Kreuzstiche, Einzelstiche, Geradstiche, Schlingstiche, Kettenstiche, Durchbruchstiche, Gobelinstiche, jeweils mit vielen Varianten. Es gibt zum Beispiel 12 Kettenstichvarianten im Buch. Das letzte Kapitel umfasst Weitere Stiche (Klosterstich, Legetechnik …), also all jene, die man nicht direkt zuordnen kann. Jeder Stich wird in gezeichneten Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklärt und im Text beschrieben, allerdings ohne Foto. Dann werden mögliche Stoffuntergründe aufgezählt, darunter verweist der Pfeil im rosa Punkt auf Techniken, bei denen der Stich eingesetzt werden kann, der Pfeil im blauen Punkt weist auf Grundstiche oder Varianten dazu, erfreulicherweise immer mit Seitenangabe. Das sollte ich einmal wirklich nützen: Ich verwende nämlich immer die gleichen Stiche, wo es so schöne Varianten gäbe!

Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel über die Vorbereitung des Stoffes, das Glossar der Fachbegriffe (was bedeutet denn das Wort „Klosterblock“ oder „Aida“?), die oben erwähnte Auflistung der Stickkünstler und Fotografen, zuletzt das Register zum schnellen Nachschauen (Wo finde ich…?).


Fazit: Zum Nadelbrief: Eine kleine Stickerei mit Charme, auch für Ungeduldige geeignet

Buch: Nadel und Faden – Das Handbuch der Stiche und Nadelarbeiten von Sarah Whittle, Hauptverlag 2013, 240 Seiten Format 26cm x  20cm, gebunden, durchgehend Fotos und Illustrationen, ISBN 978 3 258 60072 7

Ein übersichtliches Buch, klar strukturiert und praktisch, es bietet alles was man von einem richtigen Handbuch erwartet. Es ist nicht Ziel des Buches Stickvorlagen anzubieten, es zeigt aber eine Fülle anregender Stickereien und Ideen, die man sehr wohl umsetzen kann.

Mitnähaktion: Nadelbriefjahr von Frau Nahtlust – alle anderen Nadelbriefe sind unter dem Schlagwort „Nadelbrief“ zu finden.


4 Gedanken zu “{Nadelbrief} Mensch ärgere dich nicht & das Buch Nadel und Faden

  1. Wunderschön und so brillant, denn das Wetter ist tatsächlich immer ein Anstoß des Ärgernisses – nie kann es einem etwas recht machen. Insofern: minimalistisch und fein umgesetzt. Sehr treffend! Danke für die Verlinkung und LG. Susanne

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  2. Mal eine ganz andere Umsetzung und das Wetter ist ja tatsächlich immer ein Thema. Mir gefällt die sehr Reduzierte Umsetzung. Sehr schön. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Monika

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