Vintage, Afrika und Shweshwe

Ich liebe  kräftige Farben. Muster? Ja, aber dann große. Kein Wunder also, dass mir die Waxprints seit Anbeginn meiner Näh-Ära sehr gefallen haben.

Waxprint ist ja der afrikanische Stoff schlechthin oder einfach der Stoff, den wir sofort mit Afrika verbinden. Dabei ist seine Geschichte überraschend: Es waren Holländer, die im späten 16. Jahrhundert die javanesische Batik nach Europa brachten und um 1880 mit der Produktion von Waxstoffen begannen, die vor allem nach Westafrika verkauft wurden… Waxprints sind ein schönes Beispiel für globale Verflechtung.

Es handelt sich nicht nur um ein angeeignetes Kulturgut, sondern auch um eine kulturelle Rückaneignung. Schließlich zählten aus Afrika stammende Motive zu den wichtigsten Inspirationsquellen der europäischen Hersteller…Anne-Marie Bouttiaux, Wax -die Farben Afrikas

In den 1960er Jahren, als verschiedene afrikanische Länder die Unabhängigkeit erlangten, versuchten viele von ihnen eine eigene Textilindustrie aufzubauen- auch mit Waxprints. Praktisch steht die afrikanische Textilindustrie heute aber unter fremdem Einfluß.

Eine Besonderheit in der Geschichte des Waxprints ist aber, dass sie nie alsspezifisch westliche Mode galten. Waxprints haben sich in das kulturelle Leben Afrikas eingefügt, in den Ländern, die diese Stoffe exportierten stießen sie dagegen jahrelang auf Desinteresse.

So ist es jedenfalls kein Wunder, dass ich schon einiges an Waxprints zu Hause habe. Vernäht habe ich noch nicht so viele, denn erstens müssen die Farben stimmen (sonst sieht meine edle Leichenblässe gleich nur mehr nach Leiche aus, mit dunkler Haut lassen sich kräftige Farben einfach leichter tragen, ohne davon erschlagen zu werden) und andererseits sind große Muster durchaus eine Herausforderung zum Vernähen (große Kreise sind schnell ungünstig platziert).

Da mein aktuelles Projekt mit Shweshwe nur halb fertig ist und ich dann, wenn das Kleid fertig ist auch noch irgendwas zum Drüberschreiben brauche, gebe ich einfach einen kleinen Einblick in vergangene, aktuelle und zukünftige Projekte.

Gleich vorneweg alle meine Stoffe, über die ich hier schreibe, sind über Karlotta Pink bezogen. Bei ihr kann ich die Stoffe am einfachsten kaufen und auch tätscheln bzw abschätzen wie groß denn das Muster in der Realität tatsächlich ist. Bei Online-Shops abzuschätzen wie groß ein Muster ist, da tue ich mir echt schwer.

cof

Fertige Projekte

Vintagekleid aus Waxprint

Da gefiel mir einfach die Idee, ein vielleicht etwas verstaubt wirkendes Schnittmuster mal mit etwas frischen, bunt gemusterten Stoff in die heutige Zeit zu bringen. Und ich muss sagen, ich bin total zufrieden mit dem Kleid und trage es gerne. Passenderweise hat der Stoff als Print unter anderem auch Scheren darauf. Schwierig war es einen passenden Stoff für den Gürtel zu finden. Ich habe meinen ganzen Schrank auf den Kopf gestellt bei der Suche und am Ende war ein Rest Waxprint der perfekte Kombipartner.

Ein bisschen 60s und Shweshwe, dem kleinen Stinker

Zum Stoff Shweshwe: Auch diese Stoffart ist eine Mischung verschiedener Einflüsse. Die von mir verarbeiteten Shweshwe-Stoffe werden in Südafrika hergestellt.

Oh Mann, was mir bei dem Kleid noch so in Erinnerung geblieben ist, war der Geruch des Stoffes. Ein Überbleibsel des Druckprozesses. Was mir auch noch in Erinnerung geblieben ist, dass der Stoff so gar nicht knittert. Mein Kleid hatte ich einen Tag lang an und es gab keine unschönen Falten vom Sitzen. Leider habe ich das Kleid bisher auch nur einen Tag angehabt. Denn als ich das Kleid genäht habe, war ich in der Phase von „ich muss alles füttern“, ob es Sinn macht oder nicht. Und leider spannt das Futter etwas oberhalb der Brust, was dafür sorgt, dass ich das Kleid eben nicht trage. Und nun hängt das Kleid in Österreich im Schrank und wartet darauf, dass ich endlich was dagegen unternehme. Ich drück mir jedenfalls selbst die Daumen, dass ich es diesen Sommer schaffe das Futter rauszunehmen und die Armlöcher einfach mit Schrägband versäubere. Denn ein Futter braucht das Kleid ehrlicherweise überhaupt nicht. Und im Sommer ist mir Baumwolle auf der Haut eindeutig lieber als ein Futterstoff.

Work in progress

Ein Shweshwe Dirndl

Gerade in Arbeit habe ich ein Dirndl bzw Sommerkleid aus Shweshwe. Shweshwe verwende ich eher selten, einfach weil ich noch immer ein bisschen traumatisiert bin vom ersten Shweshwe, der ewig lange nach dem Wachs vom Druck gerochen hat. Allerdings hat mir Ines erzählt, dass sie einmal eine Charge hatte, die intensiver gerochen hat. Deswegen werden Shweshwes von ihr vorab in einer Wäscherei gereinigt. Ein bisschen riecht der Stoff dann noch immer, aber nicht mehr recht stark. Ich kenne ja einige die richtig „high werden“ vom Geruch, mir sagt er nicht so zu.

Die schmale Stoffbreite von 80 cm ist manchmal ein bisschen lästig, allerdings sind viele meiner Vintage Schnitte auf 80 cm aufgelegt, da früher 80cm Breite ein übliches Mass bei der Stoffweberei war. Doppelt breite Stoffe waren da schon etwas besonderes.

Ein Dirndl daraus zu nähen, war ein eher spontaner Einfall, aber ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung, kurz gesagt, es wird sehr hübsch. Hoffentlich ein neuer Liebling im Schrank. Durch den Reißverschluss seitlich, kann ich es auch problemlos ohne Schürze und auch ohne Bluse als normales Sommerkleid tragen.

mde

Meine mehr oder weniger fix verplanten Stoffe

Ein Rock

Schwarz, Rot, Gold, Grün und große Kreise, dass wird ein schlichter eingereihter Rock. Bei so einem Muster finde ich es extrem schade, das Muster mit einem kleinteiligen Schnitt zu zerschnipseln und andererseits sieht man die Schnittkonstruktion ohnehin fast nicht. Wenn Stoff überbleiben sollte will ich mir eine große Schleife nähen zum Aufstecken auf den Bund.

Noch ein Rock mit passenden Oberteil

Allerdings ist das Cover mehr Inspiration als exakte Vorgabe, denn ich bin kein Freund von Rollkrägen und Zwickel bei Stretchstoffen brauche ich erst recht nicht.

Was bei mir auffällig ist: große exzentrische Muster ja, aber nicht unbedingt beim Oberteil, wenn dann lieber beim Rock. Über eine wild gemusterte Hose denke ich übrigens schon ewig nach.

Ein Bubble Dress inspiriert von Great British Sewing Bee

In der Upcycling Episode der aktuellen Great British Sewing Bee Staffel nähte Mercedes (Aufgabe ein Kleid aus einem Vorhang, das einem echten Modell passen muss) ein Bubble Dress. Und es war um mich geschehen. Liefen Kleider und Röcke in diesen Stil bisher unter “ macht nur noch mehr Hüfte“ so war ihr Kleid einfach nur ein Traum. Zeitgleich hatte Karlotta Pink neue Waxprints erhalten und ich durfte einen Blick vorab darauf werfen, da war auch gleich klar der Diamanten Waxprint und ein Bubble Dress, das muss sein. Der Rock ist klar, nur beim Oberteil bin ich noch am hin und her überlegen wie ich das gestalte. Ich will mir nicht unbedingt einen Diamanten mittens auf die Brust klatschen. Wenn wer von euch eine gute Idee hat, nur her damit. Im Moment überlege ich noch, wie ich dieses Platzierungsproblem am besten löse.
Leider habe ich kein Foto von Mercedes Kleid gefunden, darum hier ein ähnliches auf Pinterest.

mde

Vielleicht eine Jacke

Bei diesem kleinen Reststück werde ich mir eventuell diese Jacke  nähen und nur für die Seitenpanels den Waxprint zu verwenden. Fix ist da noch nichts, da ich nicht ganz sicher bin, wie gut die Jacke in meine Gaderobe passen würde. Und Jacken nähe ich nicht so nebenbei. Allerdings finde ich den Stoff mit dem Hauch von „Burger“ toll.

mde

Planlos

Ich finde den Stoff sehr hübsch, nur befürchte ich, dass ich mich darin nicht so wohlfühlen würde. Da die Farbgebung des Stoffes mit dem viel Weiß, Pink und Blau sehr kühl ist und ich ein „warme Farben Mensch“ bin.

cof

Vergessene

Ganz vergessen habe ich einen leicht verwaschenen Waxprint im Schlafzimmer, der dient als Abdeckung für einen unbenutzten Rennmauskäfig- der wiederum als Kleiderablage dient.


18 Gedanken zu “Vintage, Afrika und Shweshwe

  1. Oh ja, das mit den falsch plazierten Kreisen kenne ich nur zu gut. „Hübsch“ sind auch durch Falten zerstückelte Paisleymuster; das ist mir leider passiert. Füttern tue ich inzwischen nur noch Röcke.

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    1. Muster sind oft tückischer als man glaubt. Ich füttere im Moment nur bei engen Kleidern, das Oberteil. Für Röcke will ich mir irgendwann mal einen Futterunterrock nähen.
      Lg Sabine

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  2. Ja, ja, diese Stoffe begeistern mich auch. Vielfältige, interessante Muster in rauschhaftem Farben. Ich habe mal in einer Zeitschrift Dirndl aus afrikanischen Stoffen gesehen (afrikanische Designerin in München, glaube ich), die ich ganz toll fand, obwohl ich mit klassischen Dirndln nichts anfangen kann.
    LG
    Siebensachen

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    1. Ja die Waxprint Dirndl kenne ich, da sind die Stoffe allerdings so dominant dass man Dirndl nicht mehr viel spürt. Da nähe ich mir lieber ein Kleid mit oben eng und unten weit, einfach ohne Schürze, die ohnehin nur im Muster untergehen würde.
      Lg Sabine

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  3. Danke für dieses viele SToffwissen und die gezeigten Schätze! Also auf das neue Dirndl bin ich sehr gespannt! LG. Susanne

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  4. Bei Röcken sind so großgemusterte Stoffe ja nicht so problematisch, gerade durch Falten wird das dann etwas gebrochen. Und bei dem blauen Stoff bist du eh auf der sicheren Seite. 🙂
    (Das Wachs ist doch in Afrika selbst ein gewünschter Nebeneffekt weil das den Stoff noch imprägniert ist und das Stück nicht so oft gewaschen werden muss, oder?)

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  5. Also ich finde den Pinken mitunter ja noch am schönsten :D ich tue mir mit Waxprints aber generell recht schwer. Den Diamanen würde ich mal versuchen einfach rechts/links über der Brust zu positionieren, dass es wie so ein Abzeichen liegt und dann schauen wie die anderen Diamanten dann liegen. Ansonsten könntest du den Effekt wie bei Streifenmustern versuchen. Da wird oft ja ne Mittelnaht hinzugefügt und die Streifen im 45Gradwinkel zueinander laufend angeordnet. Keine Ahnung ob das bei den Diamanten gut aussieht, aber es könnte einen miniversuch wert sein.
    Lg
    Marta

    Gefällt 1 Person

    1. Da merkt man wie unterschiedlich Geschmack sind, ich finde Stoffe dieser Farbgebung total schön. Habe da auch schon öfters was gekauft, aber dann doch nie was genäht, da ich befürchte mich nicht wohlzufühlen.
      Das mit den Diamanten werde ich vermutlich mal auf Herbst verschieben, bis ich überhaupt weiß was obenrum hinsoll.
      Lg Sabine

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  6. Liebe Sabine,
    ich habe gerade beim Kleid kommentiert, unbedingt musst Du es ändern, und tragen. Ich habe gekaufte Unterkleider aus Viskose-Webware, die ich unter ungefütterten Kaufkleidern trage, damit komme ich auch bei Hitze gut zurecht, im Winter trage ich ich sie, damit die Röcke oder auch Sweatkleider nicht an den Strickstrumpfhosen kleben bleiben. Die Unterkleider haben verstellbare Spagettiträger,
    Gerade gestern habe ich eine website gesehen, die hochpreisige Dirndl aus Waxprint anbieten, das habe ich vorher noch nie gesehen. Ich bin kein Dirndlfan, doch in diesen Mustern und Farben fand ich sie toll.
    viele Grüße Margot

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    1. Ich trage eigentlich nie Unterkleider im Sommer erst recht nie, da trage ich nur dünne Naturfaser. Für den Winter möchte ich mir ein bis zwei Unterröcke nähen, da die Röcke sonst ja immer an der Strumpfhose hochklettern.
      Die Dirndl aus Waxprint haben durchaus etwas, nur vom Dirndl bleibt da nichts über, darum finden sie dann wohl anklang bei all jenen die Dirndl sonst ablehnend gegenüber stehen.
      Lg Sabine

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  7. Ich hab gerade auch bei Deinen anderen beiden Waxprint Kleidern nachgelesen (das 60er-Jahre musst Du unbedingt ändern, damit du es trägst, das ist sooo hübsch!) und bin anschließend bei Kleidern auf Pinterest hängen geblieben… Coole Pläne, da wird es ja in nächster Zeit offensichtlich noch einige afrikanische Stoffe bei Dir zu bewundern geben. Du sitzt mit Karlottapink ja aber auch an der Quelle, du Beneidenswerte! lg, Gabi

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    1. Pläne habe ich viele, teilweise auch schon richtig richtig lange.
      Aber ich nehme diesen Post als Anstoß das 60er auf futterlos zu ändern. Und noch ein anderes mit unsinniges Futter.
      Lg Sabine

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  8. Die Stoffe sind wunderschön, ich bin schon auf die Ergebnisse gespannt! Den pinkfarbenen für den du noch keinen Plan hast finde ich sehr toll. Ich bin aber auch ein Typ für kühle Farben, bei mir wäre der super! Falls du ihn also los werden willst können wir gerne tauschen, falls du magst… ;)

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