Nadelbriefe & Märchen

dav

Ich muss gestehen, ich liebe Märchen. Nicht jedes und nicht unbedingt die Originalfassungen. Aber ich las und lese total gerne Märchen Neu- und Nacherzählungen, und ab dem Zeitpunkt an dem wir einen DVD-Player hatten schaute ich gerne Märchenfilme, nicht die Disney Filme sondern vor allem die tschechischen Märchenfilme. Die besten davon sind die „Die Schöne und das Biest“ und  unvergleichlich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Später sah ich mir auch neuere Verfilmungen fürs deutsche Fernsehen an z.B. „Allerleihrauh“ oder auch alte Verfilmungen wie „König Drosselbart“ von 1984. Die Handlung und das Ende ist ja bekannt, da muss der Film etwas mehr bieten, damit er interessant und eben auch bis zum Ende spannend bleibt. So habe ich festgestellt, dass ich Filme mag, bei denen die Figuren eine wirkliche Entwicklung machen, also nicht geradeaus ins Happy End reiten.

Die ganzen Disney Filme habe ich mir erst viel später angeschaut, so mit 20 und ich muss sagen, viel verpasst habe ich meines Erachtens nicht. Hauptbestandteile dieser Filme sind niedliche Tierchen und singende und tanzenden junge Frauen, die trotz ihres meist nicht so prickelnden Lebens, stets gütig und freundlich sind. Dann darf noch schnell mal das Endziel „der Prinz“ durchs Bild huschen, vielleicht ein Liedchen trällern oder sonst einfach nur adrett royal aussehen. In Cinderella ist der Prinz der reine Statist …

Erst mit den neueren Filmen erhalten die Hauptfiguren auch mehr Charakter. Fabelhaft: „Rapunzel neu verföhnt“. Für mich dagegen unverständlicherweise für Begeisterung sorgend: „Frozen“ – der Trailer ist das beste am ganzen Film. Bei den Realverfilmungen habe ich nur „Cinderella“ gesehen und fand den Film okay, aber nicht überragend, da gibt es bessere Umsetzungen des Themas. Der Vollständigkeitshalber, es gibt auch noch „SnowWhite and the Huntsman“ oder „Auf immer und ewig“, oder auch weniger geglückte Verfilmungen wie die französische Version von „Die Schöne und das Biest“ (hübsche Bilder, aber mehr nicht).

Die Märchen der Nadelbriefe sind allerdings die kleine Meerjungfrau, Schneewittchen, Rapunzel und das tapfere Schneiderlein. Eingefallen ist mir eigentlich nur bei Schneewittchen sofort etwas. Also bucht unbedingt Märchen bei den ich gleich begeistert war.

Die kleine Meerjungfrau

Eine Idee dazu hatte ich mal sehr, sehr lange nicht. Bis ich dann irgendwann auf Pinterest auf ein Meerjunfrauenflossen Stickerei stieß. Der Link führte mich zu einer kostenlosen Vorlage und Anleitung. Ich wollte die Vorlage so wie sie ist ohne Änderungen nacharbeiten. Allerdings hatte ich nicht Garn in den passenden Farben daheim um einen schönen Verlauf zu erzielen. Darum schwenkte ich dann auch auf Blau, Violett, Pink und Kupfer um (für mich Meeres-Sonnernuntergang Farben). Dann versuchte ich mich an den Schuppen und der Stich sah einfach nur scheußlich aus. Also schwenkte ich auf Spannstich um, tüftelte ein wenig herum und Voila die beiden Nadelbriefe entstanden.

Die Flossen sind Freihand gezeichnet drum ist von der ersten Version der Schwung etwas plump geworden. Zur Verfeinerung der Technik habe ich zwei Nadelbriefe gemacht. Ein echt dummer und leicht vermeidbarer Fehler war, dass ich auf einem relativ schmalen Stoffstück gearbeitet habe und sich der schlecht gespannte  Stoff durch die Stickerei verzogen hat. (Also nicht am Stoff sparen oder wenn der Stoff einfach knapp ist, Stoff annähen.)

Verwendete Stiche: Spannstich, Stielstich

Vorlage: Mermaid Embroidery von Cutesy Crafts

Garn: Sechfädiger Sticktwist, Metallic Garn Kupfer von DMC

Schneewittchen

Schneewittchen, der erste Gedanke geht da bei mir zu der Szene, an welcher der Jäger der Königin Leber und Lunge zum Verzehr bringt. Da Leber oder Lunge jetzt nicht so prägnant sind und irgendwie rein optisch eher langweilig sind, habe ich mir die Freiheit genommen, ein Herz darzustellen. Ein Herz auf schwarzem Grund und in der Innenseite des Nadelbriefes weiße Akzente. Das zusammen charakterisiert gleichzeitig die berühmteste Aussage des Märchens: Weiß wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz. Meine Mama dachte zuerst, dass ich ein normales Herz machen würde und war dann doch überrascht als es ein anatomisches Herz werden würde.

Work in Progress

Die Übertragung auf den schwarzen Stoff habe ich mit weißem Kopierpapier gemacht und das hat überraschend gut funktioniert. Danach ging es eigentlich nur mehr darum alle Linien mit roten Garn nachzusticken, denn ich wollte das Herz rein linear haben. Nachdem ich zuerst nur die Adern umwickelt hatte, habe ich mich dann dazu entschieden alle Stiche zu umwickeln. Dadurch sind die Linien reliefartig und sehr stark vom Stoff abgesetzt.

Innen wollte ich die berühmte Aussage der Mutter als Text einsticken, entschied mich aber dagegen. Dafür habe ich horizontal über den Filz den Zwiefelstrickstich eingesetzt. Diesen habe ich aus dem schon einmal erwähnten fabelhaften alten Stickbuch vom Haupt Verlag. In dem einen oder anderen englischen Stickbuch ist mir der Stich mittlerweile ebenfalls untergekommen und wenn man den Stich einmal verstanden hat, ist dieser super einfach umzusetzen und ein richtiger Hingucker.

Verwendete Stiche: Umwickelter Stielstich

Vorlage: Anatomisches Herz

Garn: Sticktwist in Rot und Weiß

Zwiefelstricksticken
Ich liebe den Zwiefelstrickstich, einmal verstanden ist der Stich auch super einfach

Rapunzel

Rapunzel, ich habe mir den Kopf zerbrochen und viel darüber nachgedacht, aber mir ist und ist einfach nichts eingefallen.

Das tapfere Schneiderlein

Mag ich das Märchen? Nö. Aber man kann und muss ja nicht alles mögen und wenn ich mir die anderen Nadelbriefe zum tapferen Schneiderlein anschaue, scheint das Märchen allgemein nicht sonderlich beliebt zu sein bzw. schaut es so aus, als ob das Schneiderlein nicht wirklich ein Symptathieträger ist. Eigentlich ist der Schneider ja sogar so eine Art Antiheld.

Mir war schnell klar, dass ich die sieben erschlagenen Fliegen darstellen wollte. Durch meine Arbeit habe ich mich schon einmal sehr intensiv mit Fliegen auseinandergesetzt. Klar sind Fliegen im Sommer sehr lästig, aber es gibt Insekten, die eindeutig mehr in meiner Missgunst stehen (Motten). Unter dem Mikroskop betrachtet sieht man die Facetten Augen der Fliege, den schimmernden Chitin Panzer mit seinen Härchen und die filigranen Flügel, die sechs Beinchen, zauberhaft.

Mein Konzept waren sieben eindeutig tote, in verschiedenen Positionen liegende Fliegen, relativ naturalistisch dargestellt, schwarzes Garn und ein bisschen Organza. Nach ein paar Fliegenfotos habe ich mir diese Freihand aufgezeichnet, mir kleine Organza Stückchen abgeschnitten und darüber gestickt. Angefangen habe ich bei der Fliege immer beim untersten Element. Und danach immer das als nächstes darüberliegende gestickt. Das einzige was mich dabei etwas nervte, war, dass ein Teil des Aufgezeichneten schon überstickt wurde und ich aus dem Gedächtnis weiter sticken musste. Aber es gibt Schlimmeres. Nachdem ich die Linien bzw Härchen zu meiner Zufriedenheit aufgestickt hatte, habe ich den Organza zurückgeschnitten oder- beim Fliegenkörper- etwas ausgefranst. (Wenn es ein Stück wäre das viel in Gebrauch ist, würde es Sinn machen die Kanten von vornherein mit Hitze zu versiegeln, sodass sich der Organza nicht immer weiter auflösen kann.) Die Augen habe ich zuletzt mit dem Knötchenstich gestickt.

Verwendete Stiche: Vorstich und Rückstich, Knötchenstich

Vorlage: Fotos aus dem Internet

Garn: Feines Perlgarn & Organza


Mitnähaktion: Das große nahtlust Nadelbrief-Jahr 2019, Thema „Märchen“ – unsere gesammelten Werke kannst Du unter dem Schlagwort „Nadelbrief“ finden.

Und verlinkt zur handgestickt Sammlung von made with Blümchen.

Nadelbriefe


15 Gedanken zu “Nadelbriefe & Märchen

  1. Wow, liebe Sabine, so viel Schönheiten in einem Post! Da hätten ja gut und gerne drei daraus werden können! Richtig schön und edel sind deine Nadelbriefe geworden und mich begeistern alle drei, wobei mein Herz für das Herz höher schlägt (kicher) sowie natürlich für die sieben toten Fliegen, die einfach nur genial sind! Grandios, und wie schön, dass du die Märchen so gut umgesetzt hast! Danke dir sehr und freue mich auf die Verlinkung! LG. Susanne

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    1. Da gäbe es dann böse Blicke meiner Schwester, wenn wir den Blog mit Nadelbriefen fluten wurden.
      Aber ganz ehrlich wenn ich die Nadelbriefe einzeln präsentiert hätte, wären die Posts vermutlich etwas kümmerlich geworden.
      Ja das Herz passt auch perfekt zum Märchen, den das ist ja so alles andere als Lieblich, aber das sind Märchen allgemein nicht.
      Lg Sabine

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  2. Oha! Die sind ja alle Mega geworden! Als wirklich, alle drei sind sooo schön geworden. Aber diese Fliegen. *__* Bringst du mir die bei bei deinem Besuch? Ich hätte da schon eine Idee, wo ich so eine haben will ☺️

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  3. Die Flosse ist cool! Das Herz ein Hammer – und eigentlich auch schon eine Vorausschau aufs Thema „Anatomie“ bei den Nadelbriefchen, nicht wahr? Ich mag Deine reduzierte weiß-rot-schwarze Version supergerne! „Zwiefelstrickstich“ – was für ein Wort!
    Und beim Schneiderlein hatten wir dieselbe Idee mit den Fliegen, nur anders: Ich finde aber Deine naturalistische Version den Hammer!!! Und der Organza schimmert so schön, toll.
    Der Aufwand, den Du für diese Briefchen betrieben hast: Der Wahnsinn! Begeisterte Grüße, Gabi

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    1. Ahja, und ich kann gut verstehen, dass Deine Schwester sich beschweren würde, wenn nur noch Nadelbriefchen… Ich habe das „Problem“ ebenfalls, dass es bei mir am Blog gerade fast nur mehr um die Nadelbriefe geht – und da bin ich allein, bei mir am Blog! Aber wenn die wöchentliche Herausforderun auch so Spaß macht…

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