Gar nicht mein Fall – Simplicity 8529

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In der Nähbloggerszene wird selten Genähtes gezeigt, das nicht gelungen ist. Ich verstehe das grundsätzlich sehr gut, denn oft genug gebe ich ein Projekt frühzeitig auf, wenn es auf die schiefe Bahn gerät, sei es durch die falsche Stoffwahl, eine falsche Größe oder einfach einen Schnitt, der nicht sitzt. Wobei man als nähender Amateur zugeben muss, dass die Ursache einer Reihe von Problemen nicht der Schnitt, sondern das verwendete Material (denn Jersey ist eben nicht gleich Jersey!), Missverständnisse im Arbeitsverlauf, einfach technische Überforderung oder auch mangelndes Wissen sein kann. (Meine Mama ließt zum Beispiel fast nie Anleitungen, das kann schon mal ins Auge gehen…) Manchmal ist es auch (um bei der Wahrheit zu bleiben) Unlust oder ein komplett falscher Kleidungsstil/-farbe für mich. Dazu kommt noch der sehr schwerwiegende Punkt der individuellen Figur, jeder Schnitt arbeitet mit standardisierten Maßen. Aber es kann natürlich tatsächlich auch am Schnitt liegen. Wie in jedem technischen Beruf kann eine Umsetzung besser oder schlechter sein. (Das vielgeliebte Design ist oft von der praxistauglichen Realität entfernt: Wir hatten einmal Suppenteller zuhause, die man mit Suppe gefüllt nicht tragen konnte, sie waren zu seicht, der Rand zu gerade, es schwappte alles über!) Direkte Kritik an Schnittmustererstellern gibt es, wenn überhaupt, am ehensten zu großen Herstellern wie Burda, Butterick oder Simplicity. An Schnittmustern von kleinen Schnittlabeln wird hingegen kaum etwas bemängelt, das liegt wahrscheinlich daran, dass hier meist kleine EinzelunternehmerInnen betroffen wären.

Bei diesem Pullover ist beim Nähen wenig (eigentlich gar nichts) schiefgegangen. Darum ist er auch fertig geworden. Das Problem ist eher ein vermutlich etwas zu steifer Stoff – wobei ich mir nicht sicher bin, ob ein weicherer die Sache verbessert hätte. Der zweite Punkt ist die Größe: ich hätte wahrscheinlich mindestens(!) 1 Größe größer als angegeben nähen müssen, um ein einigermaßen passendes Kleidungsstück zu erhalten.

 

 

Der Simplicity Schnitt Nr. 8529 ist von Sew House Seven erstellt. Man kann die Ähnlichkeit zum Toaster Sweater klar erkennen. Und da ich momentan auf der Suche nach kuscheligen, aber schicken Pullover-Schnittmustern fürs Büro bin, habe ich mir gedacht, dass bei einem etwas oversizigem Schnitt wenig schiefgehen kann. Denkt man. Naja. Die Probleme sind weniger die Anleitung oder ähnliches, sondern klar erkennbar: Der Pullover ist sehr kurz und sieht, für mich jedenfalls, wie eingegangen aus und – vor allem – die Ausschnittsform und ihre Umsetzung führt zu dieser Zugfalte am Hals. Ähnliche Zugfalten habe ich mittlerweile bei anderen Pullovern mit diesem angeschnittenen Rollkragen gesehen – also Vorsicht!

Ist das nun eine absolute Warnung vor dem Schnitt? Jein. Ich werde ihn nicht mehr nähen, denn, um ihn für mich anziehbar zu machen, müsste ich ziemlich viel umändern, da die Grundform so gar nicht passend für mich ist. Andere scheinen damit weniger Problem gehabt zu haben. Möglicherweise haben die nähenden Kolleginnen automatisch gut korrigiert oder gewusst „wo der Hund begraben“ liegt …

Übrigens habe ich ziemlich viel Zeit ins Nähen bei den Details investiert, mehr zu Tischtuchecken wie meiner findet sich hier.

Simplicity 8529
Tischtuchecken

Fazit: Der Stoff ist mittlerweile bereits anderweitig (besser) vernäht. Vorder- und Rückenteil waren groß genug um Platz für einen Raglanärmel zu haben.

Schnitt: Simplicity 8529 – keine Empfehlung von mir

Stoff: Strickstoff vor über einem Jahr bei Nähkind gekauft (leider bereits ausverkauft)

PeterSilieUndCo_Simplicity8529_05
Nicht glücklich.

 


24 Gedanken zu “Gar nicht mein Fall – Simplicity 8529

  1. Schade, dass der Pulli ein Flop war, die Details sind wirklich schön geworden! Ja, die richtige Stoffwahl für einen Schnitt kann eine Herausforderung sein (die Probleme dürften teilweise am Stoff und teilweise am Körperbau liegen; schlechte Konstruktion würde ich bei Simplicity nicht erwarten und die Zugfalte tritt nicht bei jedem auf).
    Ich finde es toll, dass du ihn trotzdem zeigst, das tun (noch?) viel zu wenige. Ich habe in meinem Blog inzwischen extra eine Flop-Kategorie hinzugefügt, auch, um mich zu motivieren, selbst meine Flops zu zeigen.
    Dass oft wenig kritisiert wird, ist mir auch aufgefallen. Teilweise lieben die Hobbyschneiderinnen die Label zu sehr, um kritisch draufzusehen (da entstehen ja richtige Hypes), oft sind es auch Probenäher, die sowieso nicht kritisieren und sehr, sehr viele Leute sind einfach Anfänger, die noch kein Auge für Fehler haben (leider wollen viele auch gar nichts von Fehlern hören, das macht ja die schöne Heititei-Nähwelt kaputt). Und wehe, jemand schreibt etwas anderes als pure Lobhudelei über den Lieblignshersteller … aber ich habe auch den Eindruck, dass inzwischen öfter über Flops gebloggt wird.
    Schön, dass du den Stoff noch anderweitig verwenden konntest! :)

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    1. Ich glaube auch, dass ich selbst bis zu einem gewissen Grad selbst Schuld dran bin. Scheinbar habe ich etwas breite Schultern (die mir bis jetzt keine Probleme bereitet haben). Und da man ja auch selbst viel aus seinen Fehlern lernt, wollte ich zumindest dieses eine schiefgegangene Werk zeigen. Denn fast jeder sucht nach Erfahrungsberichen, aus denen er etwas zum Schnittmuster mitnehmen kann. Schön, dass auch Du eine „Flop“-Kategorie eingeführt hast! Ich werde gleich mal stöbern gehen.
      Viele Grüße, Anna

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  2. Hi Anna, ich hatte genau dasselbe Problem beim Toaster – ich bin unter 1,60m, hab den Pulli nicht gekürzt und trotzdem eine fast bauchfreie Variante inkl. Halsausschnitt-Zugfalten-Problem 😊! Ich trag ihn trotzdem gerne, aber hätte auch gerne vorher ein paar Flop-Infos gelesen. Wobei ich finde, dass deine Symplicity Variante gar nicht schlecht aussieht! Liebe Grüße Melanie

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    1. Die „Flop“-Information wird leider nicht so gerne herausgerückt. Die verzückte „ich bin so verliebt“-Beschreibung findet man hingegegen relativ oft. Naja, schön, dass deine Version anziehbar ist. Ich hab ihn schon zerschnitten. Ich hab mich nicht wohl gefüht darin.
      Viele Grüße, Anna

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  3. Interessanter Beitrag, ich finde Flops auch interessant, oder welche Anpassungen man vorgenommen hat. Das hilft mir, wenn ich selbst den Schnitt zur Hand nehme. Das dies nicht geschrieben wird, ist vor allem bei Facebook-Blogs so, wo nur positives geschrieben wird.
    Wenn ich bei Simplicity auf die Seite schaue, haben die Beispiele jedoch auch eine Falte am Hals, nicht so ausgeprägt wie deine, aber da….Liebe Grüße, Ina

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  4. Wie schade, der Stoff hat so ein tolles Muster, ist aber für diesen Schnitt wohl wirklich zu fest und unelastisch. Aus leichtem Strick wird sich sowohl die Weite als auch die nicht vermeidbare Falte am Hals als unkritisch herausstellen. Ungeachtet dessen, stimme ich dir unbedingt zu: angeschnittener Rollkragen kann nicht ohne Falte funktionieren. Muss man mögen. LG Kuestensocke

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    1. Oh ja, der Stoff ist toll! Er ließ sich auch gut vernähen. Nur war er für den Schnitt nicht optimal. Tja, draus gelernt. Hoffentlich. Auch den angeschnittenen Rollkragen werde ich sein lassen, ist nicht mein Fall (selbst getragen). Viele Grüße, Anna

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  5. Hallo Anna,

    ich glaube, diese Falten am Hals entstehen fast automatisch bei angeschnittenen Polo-Krägen. Zumindest habe ich das bei einem anderen Schnitt auch immer wieder. Tatsächlich aber etwas weniger ausgeprägt, deshalb stört es mich nicht so sehr.
    Aber du hast total Recht – es fällt mir oft schwer, das Schnittmuster eines Indie-Designers zu kritisieren, weil ich dann an die Menschen hinter dem Schnittmuster denke und diesen keine schlechte Publicity bescheren will. Ähnlich ist es glaube ich mit Kommentaren in sozialen Medien. Da stellen Menschen ihre Nähwerke an sich zur Schau und oft denke ich mir „Phuu, schwierig“ oder gar „Geht gar nicht“. Dann schreibe ich auch lieber gar keinen Kommentar, als einen negativen – eben um den Menschen hinter dem Foto nicht zu nahe zu treten. Dabei kann wohlgemeinte und nett formulierte Kritik, sei es bei Schnittmustern oder Outfits so hilfreich sein. Hmm, jetzt hast du mich zum Grübeln gebracht :D
    Ach: deine Briefecken sind auf jeden Fall extrem gut geworden!
    Liebste Grüße,
    Steffi

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    1. Wie viel Kritik und ob überhaupt ist für mich auch immer schwierig, denn man will ja keine Streiterei vom Zaun brechen. Wenn man jedoch weniger gelungene Nähwerke vorstellt, hat man oftmals selbst einen Fehler eingebaut, aus dem andere lernen können. (Und man hat auf einmal viel mehr Projekte zum verbloggen 😜). Viele Grüße, Anna

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  6. Auch ich habe nach dem Lesen Deines Berichts darüber nachgedacht, dass ich eigentlich kaum über Flops schreibe, aber bei anderen interessiert darüber lese. Eine ehrliche Kritik ist oft sehr hilfreich. Für Dich ist es natürlich schade um den schönen Stoff, wobei Du ja noch einen Teil verwenden konntest. Ich finde das Design nämlich ganz zauberhaft. Liebe Grüße von Ina

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    1. Der Stoff ist richtig toll, nur leider der falsche für den Schnitt. Und ja, ich bin manchmal fast verzweifelt auf der Suche nach Informationen ob SM größengerecht ausfallen. Der Hinweis Gr. XY wurde vernäht, ist ja leider nur in Verbindung mit den Körpermaßen aussagekräftig…
      Viele Grüße, Anna

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  7. Hallo Annafranziska,
    vielleicht nicht 1 nr.grösser, sondern an der hüfte breiter würde es schon reichen.
    diese falte,was dich stört, wie du schon zurecht gemerkt hast, gehört zu dieser art konstruktion dazu.
    wenn du sie nicht haben willst, muss eine anddere kosntruktion her. das würde bedeiten- entweder abgewandelter kehlchkragen als angesetztes teil oder angeschnitten. wobei dem der zwieten ausführung wirst du durch VM eine naht haben.
    ich finde im grossen und ganzen das teil gut,aber es nützt ja nichts,wen du dich drin nicht wohl fühlst.

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    1. Ja genau, man müsste einiges ändern und dafür hat mich der Stil nicht genug überzeugt. Aber ich hab ja noch einen anderen Rollkragenschnitt im Lager, der hoffentlich besser wird. VG, Anna

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  8. Die Falte am Hals würde mich gar nicht stören, ist bei den angeschnittenen Krägen halt so. Schade das er ein wenig zu klein ist… von oversize keine Spur :-) Schön das du deinen ‚Flop‘ zeigst.
    LG
    Christine

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  9. Hallo Anna!
    Das ist aber ein hübscher Flop! 😉
    Ich finde es gut, das du darüber berichtest, was dir an dem Schnittmuster bzw. bei der Umsetzung nicht gefallen oder gelungen ist. Das empfinde ich auch nicht als schlimm, denn erstens sind Geschmäcker ja sowieso verschieden. Und außerdem heißt das ja auch nicht, dass dies bei anderen auch nicht funktioniert, da eben auch Menschen (sprich: Körpermaße) unterschiedlich sind.
    Ich selbst habe bisher auch noch nicht so wirklich über Flops berichtet, zumindest nicht beim Nähen. Aber ich habe auch noch nicht soo viel genäht. Und es stimmt: als Anfängerin ist für mich oft nicht ersichtlich, ob ich selbst was verkehrt gemacht habe, das Schnittmuster einen Konstruktionsfehler enthält oder die Stoffwahl einfach nicht richtig war.
    Schön jedenfalls, dass du zumindest noch einen Teil des Stoffs wiederverwenden konntest. 😊
    Liebe Grüße, Annelen

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    1. Ja, von Flops ließt man nicht sehr oft. Ich versuche mich gerade zu bessern. =)
      Es war ein ganz eigenartiges Gefühl, den Pullover wieder zu zerschneiden, aber ich hätte nicht einmal gewusst, an wen ich ihn weitergeben könnte. Und eigentlich wollte ich auch etwas für mich aus dem Stoff nähen, denn ich finde ihn richtig toll!
      Viele Grüße, Anna

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  10. Liebe Anna
    Auf den ersten Blick schaut der Pullover super aus, gerade auch mit dem wunderschönen Stoff! Aber nach dem Lesen deines Beitrags weiss ich genau was Du meinst. Die Falte am Hals schaut ziemlich steiff und wuchtig aus, die würde mich auch stören. Und bei der Länge bzw nicht-Länge des Pullovers würde ich mich auch nicht wohlfühlen.
    Mir ist es in letzter Zeit (mit nur wenigen Ausnahmen) auch so ergangen.. Ich habe das Gefühl, eine richtige Flop-Welle erwischt zu haben und habe teilweise deshalb schon fast unter starken Selbstzweifeln gelitten. Vor allem was Oberteile für mich angeht. Irgendwie war immer etwas nicht passend: die Stoffwahl, die gewählte Grösse, die technische Genauigkeit oder wegen eines sonstigen, für mich unerklärlichen Grundes.
    Dein Beitrag motiviert mich jetzt eigentlich, trotzdem darüber zu schreiben. Weil Fotos hätte ich… und ‚Kritik‘ kann auch konstruktiv und hilfreich sein. Mal schauen. :-)
    Liebe Grüsse,
    Franzisca

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    1. Liebe Franziska,
      Fotos können viel vortäuschen, nicht wahr? (Also mein Gesichtsausdruck schaut ab und an nicht so glücklich aus, aber so allgemein …) Ich bin auch gerade eher in einer Flop-Phase. Gerade beim letzten Nähwochenende habe ich zwei grandiose Fails produziert, bei dem ich beim einen immer noch um den Stoff trauere. Sollte dich mein Beitrag motivieren, auch einmal einen Flop vorzustellen, würde mich das sehr freuen!! Denn mit dem richtigen Stoff ist mein verunglückter Schnitt sicher ganz etwas anderes (ev. würde auch das Styling mit High-Waist-Hose – die ich nicht habe – helfen), und wenn nur eine Person nicht in die Falle tappt, bin ich schon wieder etwas mehr mit der Welt versöhnt. ;-)
      Viele Grüße und auf besseres Nähwetter hoffend,
      Anna

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  11. Ich finde es total klasse, dass Du hier auch mal einen „Misserfolg“ zeigst – das kommt, wie Du auch schreibst, in der Nähbloggerwelt viel zu selten vor. Da hat doch sehr vieles eine dicke Schicht Zuckerguss…. Wie schön, dass der Stoff eine andere Verwendung gefunden hat, der steht Dir nämlich super! Liebe Grüße! Karin

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  12. Ich finde es super, dass du dich traust auch etwas zu zeigen, was nicht gelungen ist. Viel zu oft finde ich wird suggeriert, dass alles zu gelingen scheint. Dabei lernt man doch am meisten von den Fehlern! Zudem gibt mir das manchmal das Gefühl, dass nur ich solche blöden Fehler mache. Da tut es gut zu lesen, dass andere mit ähnlichen oder sogar gleichen Problemen zu kämpfen haben. Ist doch schön, wenn sie gemeinsam lösbar sind und für jeden Lernprozesse stattfinden können. Aber zurück zu deinem Projekt: Der Stoff ist unglaublich, umso besser, dass du ihn noch weiterverwenden konntest. Ich drücke dir die Daumen, dass du noch ein passendes Schnittmuster für ein Bürooutfit findest.
    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Die Nähwelt scheint manchmal nur aus neuen Lieblingsschnitten- und stoffen zu bestehen. Nicht wahr? Ich hab den Stoff für ein schnittmuster weiterverwendt, das ich schon öfters genäht habe. Da konnte wenig schieflaufen.
      Viele Grüße, Anna

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