Wieso ich teure Indie-Schnittmuster kaufe.

kommentar indie pattern

Wer unseren Blog schon etwas länger verfolgt, wird bemerkt haben, dass wir drei komplett unterschiedliche Sachen nähen. Wir unterscheiden uns im Kleidungsstil, aber auch was die Herkunft der Schnittmuster betrifft.

Silvia, hat eine große Sammlung an Nähzeitschriften und -büchern (die sie momentan übrigens wieder aufbaut, nachdem sie eine Phase ohne Nähen und entsprechendem Ausmisten hatte). Zusätzlich hat sie durch ihren großen Erfahrungsschatz Routine und daher die Möglichkeit passende Schnitte einfach für sich abzuändern.

Sabine erweitert (immer noch) ihre Nähzeitschriftensammlung vor allem im Vintagebereich. Durch den regelmäßigen Besuch ihres Nähkurses, mit kompetenter Anleitung einer ausgebildeten Schneidermeisterin, kommt sie so auch mit wenig (moderne Burda) oder keiner (Vintageschnitte) Anleitung relativ rasch und „korrekt“ ans Ziel.

Ich hingegen habe weder eine große Erfahrung, noch einen passenden Nähkurs gefunden. Von vornherein war für mich klar, dass ich meine Garderobe um moderne, schlicht genähte Kleidungsstücke ergänzen will. Und die Erfahrung hat gezeigt, ja, auch wenn ich mehr ausgebe, aber ich schätze (gut gemachte) Indie-Schnittmuster sehr.

Wenn man noch wenig Erfahrung mit unterschiedlichen Schnitterstellern hat, greift man natürlich ab und an daneben, aber mit der Zeit weiß man, welche Schnitte gut gradiert sind und ob die Anleitungen sinnvoll sind. Manchmal war ich natürlich auch negativ überrascht. Webware mit der Overlock nähen?! Wirklich? Und dann ist das Schnittmuster für Anfänger, die diese Information als solche einfach annehmen. Wenn keine technische Zeichnung zur Verfügung gestellt wird, muss man häufig raten, wie der Schnitt tatsächlich konstruiert ist. Fotos können ja viel verschleiern, bzw manches lässt sich einfach nur mit einer Zeichnung gut darstellen. Und dann hat man ein Schnittmuster, das man aus geraden Linien selbst zeichnen könnte. Tja, ja das hatte ich auch. Aus diesem Grund habe ich mir auf jeden Fall angewöhnt, ein bisschen über den Hintergrund der Schnittersteller nachzuforschen. Am liebsten lese ich sowas wie „gelernte Schnittdirektrice“ oder ähnliches…

Wieso kaufe ich sie nun tatsächlich? Dazu gibt es einige Gründe:

  • Es gibt normalerweise schnell einige genähte Beispiele im Netz, sodass man einen ersten Eindruck des Schnittmusters auf verschiedenen Figuren, in verschiedenen Stoffen und Farben bekommt. Und bei Schwierigkeiten in der Passform, Maßtabelle oder ähnlichem spricht sich dies schnell herum.
  • Die Anleitungen sind genau. Bestenfalls so genau, dass man manche Nähtechnik beigebracht bekommt – zum Beispiel die französische Naht für die Versäuberung einer Bluse. Denn während man früher im Handarbeitsunterricht viele Techniken lernen mußte (Fleckeinsetzen oder Knopflöcher von Hand nähen…) und einen gewissen textiltechnischen Grundstock erhielt, fehlt das in modernen Lehrplänen oft. Wer Interesse hat, bringt sich heute (üblicherweise, aber natürlich nicht auf jeden zutreffend) vieles selbst bei. Und dies oftmals nicht mit Nähtechnikbüchern, sondern anhand von YouTube. Die Anleitung ist also für mich der Nähkurs-Ersatz.
    Wirklich lehrreiche und umfangreiche Anleitungen mit technischen Zeichnungen hat zum Beispiel Chalk&Notch: Die Joy-Jacket (hier bereits verbloggt) hat für jedes einzelne notwendige Stück Stoff (oder Vlieseline) ein Schnittmusterteil und die bereits erwähnte ausführliche Anleitung.
  • Wirklich gute Indie-Schnittmuster bieten mehrere „Hacks“ dazu an – besonders bei einfacheren Schnitten. Die besten Beispiel dafür sind für mich die Schnittmustermarken „Helen’s Closet“ (am Beispiel ihrer Winslow Culottes oder dem Suki Kimono) und „true bias“ (gesammelt hier zu finden). Sie stellen in vielen Fällen ein Beispiel mit Anleitung auf ihren Blogs zur Verfügung und machen dadurch ein Schnittmuster sehr viel variabler. (Manch andere Anbieter verlangen auch für jedes kleine Extra, es gibt verschiedene Varianten.)
  • Die „Instant-Cratification“-Sache ist natürlich auch ein Faktor. So ehrlich muss ich schon sein. Ich bin ein Kind des Internets, und für mich beginnt die Recherche auf Google. Und Nähbeispiele findet man schneller von Indie-Pattern, von daher ist das  Schnittmuster dann (fast) vorgegeben. Mein Ziel über lang oder kurz ist natürlich ganz selbstverständlich gut passende Schnitte abzuändern, aber momentan bin ich meistens mit der richtigen Stoffwahl genug gefordert. Apropos „instant“: Ich schicke wenn möglich die A0 Copyshop Variante zu einem Shop meines Vertrauens (mehr zum Plotten hier) und bekomme daher das Schnittmuster erst mit etwas Verzögerung (zw. 1 und 3 Tagen).
  • Und wieso nun digital? Die von mir favorisierten Schnittmusterersteller sind auf der ganzen Welt verteilt. Aus Sprachgründen ist für mich natürlich hauptsächlich der englischsprachigen Raum interessant bzw. auf Englisch verfügbare Schnittmuster sinnvoll. Und so gerne ich von jedem Schnittmuster ein Original im Schrank stehen hätte, die Portokosten würden sich ehrlicherweise viel zu viel addieren. Zusätzlich stellt sich die Frage, muss es wirklich unbedingt ein Versand von Amerika, Kanada oder Australien sein?!

So, das sind meine Gründe (oder Ausreden?)! Wie stehst Du zu dem Thema!? Ich bzw. wir freuen uns über eine angeregte Diskussion!


12 Gedanken zu “Wieso ich teure Indie-Schnittmuster kaufe.

  1. Hallo,
    es ist ja nichts schlimmes daran, im Internet zu suchen und Schnitte digital zu erhalten. Tatsächlich halte ich das für die beste Variante, Ideen und Inspiration zu erhalten und Anschaubeispiele. Persönlich verwendete ich bisher keine Schnittmuster (und nähte auch keine schöne Kleidung), aber ob das erste ein Indie sein wird oder nicht – kann ich nicht sagen. Tatsächlich wusste ich gar nicht, dass man diese Unterteilung bei Schnittmustern anwenden kann.
    Liebe Grüße, Kai

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    1. Indie-Pattern sind die vielen kleinen Schnittmusterersteller, die in den letzten Jahren den Markt erobert haben. Der große Unterschied ist, dass sie keine große Firma im Rücken haben und daher ihre Schnittmuster zum Teil zu viel teureren Preisen anbieten. 6€ für eine Burda mit 40 Schnitten oder 12€ bis teilweise 18€ für einen einzelnen Schnitt ist doch eine Preisfrage, die man auch hin und wieder sich selbst gegenüber argumentieren muss.
      Viele Grüße, Anna

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      1. Ach für diese Zeitschriften? Ja gut, das ist natürlich ein immenser Unterschied. Ich kannte von Burda nur die Schnitte im Verkauf, die aber auch selten über 10€ liegen…
        Grüße!

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  2. Ich kaufe ja am liebsten Zeitschriften! Ich muss aber sagen, dass ich von meinen Ebooks einen viel höheren Anteil verwendet habe als von meinen Zeitschriften. Die vielen Beispiele, die man online findet, und die oft sehr ausführlichen Anleitungen sind da offenbar schon sehr verlockend für mich.
    Zeitschriften haben aber auch ihre Vorteile – sie brauchen viel weniger Platz (ein gedrucktes Ebook ist halt auf normalem Papier statt auf Seidenpapier und nimmt dann viel Platz ein im Regal) und sehr oft habe ich nach 10 Jahren dann doch mal einen Schnitt verwendet, den ich beim Kauf noch gar nicht interessant fand.

    Bei Indie-Schnittmustern kauft man aber halt immer ein bisschen eine Wundertüte – manchmal ist es kein professioneller Schnittersteller (ist ja nicht immer so leicht rauszukriegen), manchmal ist die Anleitung nicht ausführlich und voller Fotos, sondern enthält nur 5 Sätze (und gerade habe ich einen Schnitt ganz ohne Anleitung, da helfen mir meine Zeitschriften mit vage ähnlich aufgebauten Modellen sehr weiter).

    Ich bevorzuge einfach eine bunte Mischung aus Zeitschriften, Einzelschnittmustern großer Hersteller und Ebooks. Nur Indies wäre mir auch zu teuer, weil mein Hobby nicht nur „Nähen“, sondern halt auch „Schnittmuster ausprobieren“ ist und ich lieber mal etwas Neues teste, als 15 Versionen eines bewährten Schnitts zu nähen :)

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  3. Es ist wunderbar, dass jede Hobbyschneiderin das Schnittsystem nutzen kann, mit dem sie am besten zurechtkommt. Mich nerven Zeitschriften mit den unübersichtlichen Bögen, Indieschnitte sind mir manchmal zu basic oder zu experimentell in der Linienfühung und man weiß nie, ob es die im nächsten Jahr noch gibt, letztlich hat jeder Anbieter seine Vorstellungen von Bequemlichkeitszugaben udn man erzielt bessere Erfolge, wenn man von einem Label mehrere Schnitte näht. Ich schwöre auf die 4 großen Ameriker Vogue, Butterick, McCalls, Simplicity und inzwischen auch ab und an Einzelschnitte von Burda. Gerade die Vogue Schnitte kosten schon mal 20 EUR, hat sich bisher bei mir immer ausgezahlt. Während ich aus 2 Jahren Burda-Abo genau zwei Schnitte genäht habe und einer davon war ein Fail…. LG Kuestensocke

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  4. Ich habe bisher nicht verstanden, warum man soviel Geld für ein E-Book, das dann selbst ggf. noch zusammen geklebt werden muss (oder noch mehr kostet) und wo ich (ohne Farbdrucker) manche Arbeitsschritte schlecht erkenne (habe allerdings nur Erfahrung mit Crafteln), ausgibt. Ich kann deine Beweggründe verstehen, finde jedoch auch, dass es mittlerweile viele sehr gute Bücher mit sehr guten Anleitungen und gut gradierten Schnitten gibt. Auch Burda nähert sich mit monatlich 2 bebilderten Schritt für Schritt Anleitungen für unterschiedliche Nähniveaus diesem an. Beides mit deutlich besserem Preis-Leistungsverhältnis. Oft in den Büchern auf Englisch, nach einer Weile dann übersetzt. Ich finde auch den Online-Pattern-Markt in Deutschland und Resteuropa, Amerika, Australien so unübersichtlich und habe den Eindruck, dass täglich irgendwas Neues erscheint. Ein Argument für kleine Labels wäre noch die Unterstützung der GründerInnen und Ablehnung von Verlagen / Konzernen.
    Ich hoffe auch auf eine rege Diskussion mit weiteren Argumenten, vielen Dank, dass du sie anstößt. LG Anja

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  5. Guten Morgen!
    Diese Diskussion finde ich auch sehr spannend. Ich bevorzuge, schon seit ich Kleidung nähe, digitale Schnitte – vor allem von Indie-Labels. Ich finde sie oft auch moderner und ich mag den Bezug, den ich über Instagram o.ä. zu den kleinen Labels herstellen kann, da ich weiß, wer dahinter steckt. Außerdem hasse ich einfach das Abpausen von Schnittmustern, ich schneide lieber. Deswegen kaufe ich eigentlich auch nie Papierschnitte. A0 werde ich in Zukunft allerdings auch öfter drucken lassen, da ich einfach immer schlampig zusammenklebe und dann nie irgendwas zusammen passt… ;)
    Liebe Grüße, Fredi

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  6. Ich nähe bunt gemischt. Tatsächlich finde ich es als Nähanfänger schwierig, mit Burda-Schnitten oder den Big4 zurecht zu kommen, wenn man keine Hilfe hat.
    Da habe ich Anfangs lieber mit Indy -Schnitten genäht, die teilweise sehr ausführliche Anleitungen oder sogar Videos haben.
    Inzwischen ist mir aber auch aufgefallen, dass man auf dem deutschen Markt eher Basic Schnitte findet. Wenn man lernen will, wie man einen Schlitz, eine Knopfleiste, einen Kragen…. naht, muss man schon suchen.
    Da findet man dann international eher was, muss sich aber erst mal das Vokabular aneignen.
    Wenn man dann ein paar Mal einen Kragen mit ausführlicher Anleitung genäht hat, kann man auch Burda :-)

    So langsam komme ich da hin…

    Lg
    Nadi

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  7. Nadi hat für mich da einen guten Pubkt gemacht. Mir sind die deutschen Indie-Schnittmuster auch meist zu basic, vorallem das hauptsächlich Dinge mit Jersey genäht werden stört mich sehr. Es sieht mir dann doch immer etwas zu selbstgemacht aus. Ich liebe hibgegen die Indie-Patterns vom englischen, französischen und australischen Markt! Sehr modern und von leicht bis anspruchsvoll ist da für jeden was dabei. Wenn es um Zeitschriften geht, ist mein Favorit La Maison Victor!

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  8. Hallo Anna, gutes Thema! Ich finde der einzige Vorteil von Indie Patterns ist, dass man sich viele Nähbeispiele im Netz anschauen kann. Bislang habe ich noch nicht allzu viele Labels ausprobiert, aber bei meinen Versuchen waren auch echt schlechte Schnittmuster dabei, mit Mängeln in der Anleitung (Burda würde das nie so stehen lassen 😉). Und von Designern, die überall gepriesen werden, weil sie gerade so angesagt sind . Ich nähe viel aus der Burda, aber auch da kann man natürlich, zumindest passformtechnisch, auf die Nase fallen. Daher schaue ich immer vorher in der Burda Community, ob schonmal jemand diesen Schnitt genäht hat. Der Anspruch an die Verarbeitung dagegen ist bei Burda meist gut (high quality) und bei Fragen konsultiere ich immer mein Burda-Nähbuch.
    LG Anna von http://www.ohchiffon.de

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  9. Mich überzeugen bei den Indie-Schnitten auch oft die umfangreichen Anleitungen. War für mich bei der Cheyenne Tunic und der Ginger Jeans ein absoluter Kaufgrund, hätte ich mich ohne die ganzen bebilderten einzelnene Schritte gar nicht erst herangetraut.

    Liebe Grüße
    Jenny

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  10. Ich muss gestehen, mein Enthusiasmus für Indie-Patterns hat ein wenig nachgelassen, wahrscheinlich weil ich diese detaillierten Anleitungen nicht mehr in demselben Umfang wie noch vor einigen Jahren brauche … Allerdings kann ich mir den Nähboom nur schwerlich ohne die Indies vorstellen, ich glaube, er verdankt sich nicht unwesentlich den kleinen Labels, natürlich in Verbindung mit dem Internet. Mit ihrer Vermischung von Privatem und Kommerziellen bieten sie ein höheres Identifikationspotential als ein großes Verlagshaus. Danke für den Beitrag. LG Manuela

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