Vintage Va Voom von Burda

Wenn es meine Schwester nicht gäbe, hätte ich das Kleid vermutlich nie genäht. Denn ich habe das Heft, in dem es ist, nicht und auf der Burda-Website sind die tollen Vintage Kleider schwer zu finden. Im Gegensatz zu den anderen großen Schnittherstellern gibt es keine extra Kategorie. Hier möchte ich noch kurz anmerken, dass mir die Neuerung, die bei Burda so nach und nach  vor sich gehen, sehr gefallen.

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Warum nähe ich nun das Kleid? Nun von der amerikanischen Seite der Burda wurde ein Nähwettbewerb zu diesem Schnitt ausgerufen. Jeder kann sich diesen Schnitt kaufen, nähen, ohne wesentlichen Designelemente zu verändern, und auf die Seite hochladen. Tja und das beste Modell mit dem besten Foto wird dann durch ein Voting das neue Produktbild für den Schnitt. (Ein paar PDF Schnitte gibts noch zu zusätzlichen Belohnung)

Nachtrag: Das Voting ist vorrüber und es wurde nur der zweite Platz. Sehr überraschend wurde ich in den letzten Stunden von einem leicht schrägen Leokleid überholt. (Meine stete Verfolgerin im Samt sah eindeutig besser aus.) Hier zum Endergebnis.

Bisher gibt es für den Schnitt nur die originale Modeskizze und meine Suche im Internet nach genähten Modellen war auch erfolglos. Das wird sich jetzt vermutlich ziemlich schnell ändern.

Aber erst mal von Anfang an: Als mir meine Schwester den Link zum Wettbewerb gegeben hatte, dachte ich sofort: “Hammer, das Kleid muss ich nähen“. Ein Blick auf den Kalender … mmh wird knapp, ca. 10 Tage nähen, Fotoshooting mit den Fotografen, Fotos auf die Website, auf den sozialen Netzwerken teilen, Blogpost für den MeMadeMittwoch schreiben. Und dann Daumen drücken und aufs Beste hoffen. Da zu gewinnen wäre ja schon sehr lässig.

Unabhängig vom Wettbewerb finde den Schnitt toll, und bin sehr inspiriert noch mehr Etuikleider in diesem Stil zu nähen bzw. auch wieder mehr (auch moderne Mehrgrößen) Schnitte von Burda.

Burda Fifties-Kleid 09 2006 193 1

Vorbereitungen

Die ersten Schritte waren jedenfalls (weil ich, wie oben erwähnt, das Heft von 2006 nicht habe,) den Schnitt auszudrucken und zusammenkleben. War im Rahmen, aber ganz ehrlich es dauert und dann musste (bzw. wollte) ich den Schnitt auch noch abpausen. Denn ich finde Kopierpapier als Schnittmusterpapier sehr ungeeignet  und außerdem müsste man soviel Klebeband verwenden, dass sich der Schnitt nicht beim Ausschneiden  auflöst. Fazit: PDF-Schnitte sind nicht meins, wenn es jedoch nicht anders geht OK, aber ich pause eindeutig lieber ab. Das kann ich richtig gut und bin da auch sehr schnell.

Wesentlich bei diesem Modell war natürlich der Stoff. Mir war schnell klar, es muss Unifarben sein. Anfangs dachte ich noch an einen tollen schwarzen Stoff mit Schimmermuster (aus meinem Depot), das aber vermutlich die klare Linie des Schnittes  nicht richtig zur Geltung gebracht hätte. Ich finde das Grün des Originals fabelhaft, wollte aber nicht das Original 1 zu 1 nachnähen. Meine Wunschfarben waren also Rostrot (matter Baumwollsatin) oder ein schönes dunkelblau (weicher Jeansstoff mit Stretch). Im ersten Stoffgeschäft war ich nicht erfolgreich, kein Jeans im richtigen Farbton und matten Satin nur in schrecklichen Farben. Ich muss auch dazu sagen, das ich diesen Laden nicht so prickelnd finde. Stoffe haben sie tolle, nur das Personal ist – naja – eher wenig hilfreich. Jersey für ein Etuikleid öh … nein. Ich versuche es hauptsächlich deswegen immer wieder, weil ich regelmäßig 15 % Gutscheine für dieses Geschäft erhalte.
Drum ging es in Laden Nr. 2 und …tatata: Volltreffer, mehrfach! Der wirklich perfekte, dunkelblaue Jeansstoff. Genau so wie ich es mir vorgestellt habe. Sie hätten auch noch einen total schönen orangen und grünen Satin gehabt. Aber nachdem diese keine Saisonstoffe sind, sondern fast immer vorhanden sind, kann ich mir da jederzeit was holen. Ich war über-drüber-glücklich mit dem Stoff und bin es noch immer. Ich finde auch das Personal sehr nett. (Wenn jemand Stoffgeschäft Empfehlungen für die Schweiz braucht, gerne melden.)

Erste Schritte und Anprobe

Im Nähkurs ging es dann los mit dem Stecken, Zuschneiden und dem ersten Zusammennähen für die Anprobe. Ich war sehr gespannt wie gut es sitzen würde, denn nachdem ich von oben nach unten drei verschiedene Größen brauche, wusste ich nicht, wie erfolgreich mein Wechseln zwischen den Größen funktionieren würde. Ich habe einfach von der Oberweite in 38 auf die 40 bei der Taille auf die 42 in der Hüfte gezeichnet. Und es hat prima geklappt, nach 2,5 Stunden konnte ich das erste Mal in das Kleid schlüpfen und war einfach nur begeistert. Wer jetzt denkt: “Oh Gott- ein ganzes Kleid in 2,5 Stunden.“, da kann ich nur sagen: Keine Sorge, ich habe es nur mit einem ganz grossen Stich zusammengenäht, sodass ich leicht nach Bedarf wieder auftrennen und ändern kann. Der Reißverschluss fehlte noch und die Drapierungen waren nur gesteckt. Die Änderungen die gemacht werden mussten waren aber nicht so weltbewegend. Denn am Rock musste nichts, und zwar wirklich nichts, geändert werden, nur ordentlich gebügelt. Am Oberteil war eine kleine Anpassung  der Abnäher nötig und eine kleine Korrektur am oberen Ende der Seitennaht.

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Die Drapierungen

Die Drapierung am Oberteil war der kniffligste Teil des Kleides, aber eben auch das Highlight. Gemeinsam mit meiner Nähkursleiterin habe ich die Anleitung der Burda studiert. Es dauerte ein bisschen, bis wir es verstanden hatten. Aber kurz zusammengefasst: Nahtlinie genau aufzeichnen und dann mit dünner Vlieseline verstärken. Es geht da weniger um Festigkeit mehr darum, dass sich der Stoff nicht auflöst, da sehr knapp zur Naht geschnitten werden muss. Dünnen Stoff (bei mir dünne schwarze Baumwolle von Ikea) zuschneiden zum Verstürzen, ich habe den im schrägen Fadenlauf zugeschnitten (Bonus, geht auch im geraden Fadenlauf). Die Mitte der beiden Nahtlinien von Drapierung und Riegel markieren, Stoff aufstecken (ist so ähnlich wie bei einem Paspelknopfloch). Mit einem ganz kleinen Stich (1) entlang der Nahtlinie nähen und die Spitzen nicht spitz sondern mit einer kleinen Rundung nähen, sonst hat man später keine Chance beim Einschneiden. Als alle vier Nähte genäht waren, konnte ich einschneiden bzw. das letzte Ende hat die Kursleiterin übernommen. Ich hatte zu viel Angst durchzuschneiden und dann mit einem Loch dazustehen. Der Stoff wird dann nach innen geschlagen und in Form gebügelt, sodass er von außen nicht mehr sichtbar ist beim Riegel. (bei diesem Kleid ist Bügeln überlebensnotwendig, sonst aber auch wichtig). Der erste Teil der Drapierung war geschafft, dann ging es ans Einreihen. Dies hat aufgrund des festen Stoffes nicht so toll funktioniert, darum habe ich  dann Freihand in Falten gelegt. Jetzt musste ich nur mehr zusammennähen und die Drapierungen waren fertig.

Die Fertigstellung des Kleides

Davon kann ich gar nicht soviel erzählen, denn das war mehrheitlich Overlocken und mit einem kleinen Stich alle Nähte nachnähen.  Natürlich war noch der nahtverdeckte Reisverschluss einzusetzen, der gut gelungen ist und gleich beim ersten Mal schön war. (Damit der dehnbare Stoff nicht ausleiern mit Kantenband fixiert) Zuletzt musste ich die Säume nähen. Diese sind alle mit der Overlock versäubert umgeschlagen, gebügelt und mit der Hand unsichtbar festgenäht. Mag vielleicht etwas unkonventionell sein, stand aber in der Burda Anleitung auch nicht wirklich anders drinnen und ich wollte mich jetzt auch nicht mit einem Beleg oder Schrägband abmühen.

Burda Fifties-Kleid 09 2006 193 2

 

Die Jacke

Weil ein Kleid in einer Woche bzw. 10 Stunden zu nähen ja furchtbar langweilig ist, dachte ich mir das Kleid braucht noch was dazu. In diesen Fall als Gegenpol zum sehr figurbetonten Kleid sollte es ein etwas weiteres Cape oder ein weit geschnittenen Mantel sein. Aus einigen Favoriten habe ich einen Schnitt mit angeschnittenen Kimono-Ärmeln gewählt, in der laut Beschreibung damals so beliebten Olivenform (Volumen am Rücken).

Darum ging es jetzt nochmal ins Stoffgeschäft, um noch vier Meter des gleichen Stoffes zu kaufen. Ich weiß zwar nicht wie viele Meter auf dem Ballen waren, aber so rein optisch habe ich mit meinen gesamt 6,2 Metern leicht ein Drittel des ganzen Stoffes gekauft.

Beim Herausnehmen des Schnittes dachte ich mir noch nett, Kimonoärmel vorne aber keine Zwickel. Zuschnitt, Kleben und auch das erste Zusammennähen klappte problemlos. Aber die erste Anprobe – Oweh -, die Jacke ist viel zu weit und zwar nicht nur ein bisschen, sondern soviel, dass ich das Seitenteil total  weglassen könnte.

Tja aus der Jacke ist ( noch ) nichts geworden, ich musste leider aufgeben. Der Schnitt war  viel zu gross und obwohl ich es versucht hatte und wo irgend möglich extrem viel Stoff weggenommen hatte, erreichte ich vieles, aber nicht die gewünschte Passform, geschweige denn irgendeine Ähnlichkeit mit dem Foto der Jacke. Wer nun gerne ein Foto vom Passform-Desaster gesehen hätte, denn muss ich enttäuschen, das gibt es nicht. Die Jacke habe ich wieder aufgetrennt und aus den Teilen wird eine andere Jacke entstehen und zwar dieser. Das Einzige was noch vom ersten Versuch existiert sind die vier bezogenen Knöpfe und der Kragen, die aber wieder in den neuen Schnitt integriert werden. Ich vermute jetzt einfach, dass da ein Druckfehler passiert ist, denn anders ließe sich nicht erklären, warum die Jacke größentechnisch so stark abweicht. Ich hatte kurz überlegt am Samstag noch mit der anderen Jacke anzufangen, hab mich dann dagegen entschieden, denn ich war schon zu müde. So trage ich zum Kleid einen vor längerer Zeit gekauften Trenchcoat, der netterweise die perfekte Farbe hatte und das Kleid super ergänzt.

Handschuhe hätte ich so rein theoretisch auch noch  geplant, habe dann aber auch diese Idee fallen gelassen und mir einfach einen entspannten Abend gemacht.

Verlinkt zum MeMadeMittwoch.Und ich kann stolz verkünden mein allererste Blaues Projekt.

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Ich würde mich ja für meine Bilderflut entschuldigen, aber wenn man so viele tolle Fotos erhält, wie soll man sich denn da entscheiden. Die Fotos sind erneut von Dani von Fotospuren und Marco von Mr-Foto vom Fototeam Luzern. Es war zwar sehr frisch beim Shooting, aber die Fotos waren es wert. Und heute gibt es auch richtig viel Text, sodass ich mehr Bilder unterbringen konnte.


Fazit: Ich bin vom Schnitt begeistert. Leider brauche ich nicht mehrere Kleider dieser Art bzw. fände es doch fad immer wieder das gleiche zu Nähen.

Schnitt: Burda 9/2006 Modell 193, wer wie ich das Heft nicht hat, online auf Burda, Jackenversuch Beyer Mode 09/1960

Änderungen: Von oben nach unten 38 auf 40 auf 42 die Grössen gewechselt, Minimale Änderungen am Oberteil, Drapierungen sind nicht eingereiht, sondern der Optik nach gesteckt

Zeit: Zuschnitt, erstes zusammensetzen, Anprobe 2,5 h, Drapierung 2 h, Versäubern und Änderungen nähen 3h, Handsäume 2h

Material: Jeans mit Elasthan

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zum Abschluss noch einmal ein Kaffehaus Bild, sind einfach meine Lieblinge

38 Gedanken zu “Vintage Va Voom von Burda

  1. Sehr schön, dass du heute auch blau machst. Das kleid ist einfach nur der mega Hammer! Meine Hochachtung… und die Fotos sowieso! Dieser Ausschnitt einfach cool… !!! Lg Sarah

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  2. Ein wunderschönes Kleid! Passt wie angegossen. Du siehst großartig darin aus.
    Ich hoffe, dass Du damit den Wettbewerb gewinnst.
    Wenn nicht….Dir bleibt ein grandioses Kleid.
    LG Uta

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  3. Ein wunderschönes Kleid hast du dir da genäht. Es sitzt hervorragend. Und das Blau ist auch toll.
    Schade, dass es mit der Jacke nicht so geklappt hat. Auftrennen ist dann zwar ärgerlich, aber meist der beste Weg. Bin auf die neue Jacke gespannt.
    Liebe Grüße
    Christine

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  4. Das Kleid ist wirklich toll! Den Schnitt werde ich mir merken. Und auch die Fotos sind super geworden. Ich drücke dir die Daumen für den Wettbewerb!

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  5. Ooooh, der Hammer! Das Kleid ist ganz toll und die Fotos sind wunderschön geworden. Daumen sind fest gedrückt für das Voting. 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

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  6. Wunderschön ist Dein Kleid! Gerade die Drapierungen sind ein total schönes Detail. Den Schnitt muß ich mir auch mal raussuchen, der gefällt mir sehr gut. Für Dein Voting drücke ich Dir die Daumen! Ich werde mit gerne daran beteiligen, wenn ich den Link dann habe!
    LG Barbara

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    1. Herzlichen Dank.
      Und wenn man mal die übertrieben komplizierte Anleitung durchhat, sind diese sehr simpel zu nähen und sehr effektvolle.
      Und dir auch ein Dank vorraus das du für mich Voten möchtest.
      Lg Sabine

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  7. Die Fotos sind wahnsinnig schön und geben die ruhige Vintageatmosphäre wieder. Ich mag die Fotos am Tisch am Besten 🙂 Das Kleid ist sehr elegant und erwachsen geworden und hat auf jeden Fall Gewinnerpotenzial. In einer Woche gebe ich gerne meine Stimme für dich ab und wünsche dir viel Erfolg bei dem Wettbewerb!

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  8. So ein wunderschönes Kleid! Die Raffung in Falten gelegt passt sehr gut und die Farbe ist sehr schön! Danke für den ausführlichen Bericht. Die Fotos sind wie immer unheimlich schön. Viel Glück beim Wettbewerb!
    Liebe Grüße, SaSa

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    1. Herzlichen Dank.
      Durch die dicke des Stoffes ist mir gleich mein erster Einreihfaden gerissen und bin dann eben zu händischen Falten legen umgeschwenkt und sehr zufrieden damit.
      Und ich muss zugeben, dass ich schon immer gerne lange Texte geschrieben habe.
      Lg Sabine

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  9. Wow, ganz ganz großes Kino! Sowohl das Kleid als auch die sensationelle Fotostrecke. Wie auch einem Modemagagzin – wobei, da sind die Fotostrecken oft nicht so gut wie Deine hier. Ganz toll, großes Kompliment und Glückwunsch zu dem wundervollen Kleid. LG Kuestensocke

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  10. Ooh, ist das schön – einfach perfekt! Diese raffinierten Raffungen am Ausschnitt, der doppelte Gehschlitz hinten und die kniebedeckte, schmale Rockform und Deine Stoffwahl finde ich absolut gelungen.

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