
Heute sind wir zu Gast bei zwisch-en-durch mit dem Thema Tierisch. Das ist ein schönes Thema für mich, als großen Tierliebhaber, und alle möglichen Ideen gingen mir durch den Kopf. Zuerst wollte ich über den Leoprint schreiben. Immer wieder taucht dieses Muster in der Mode auf. Manche lieben es heiß, andere verabscheuen es. Aber wie es so geht, wanderten meine Gedanken weiter zum Kleid der Tiere im allgemeinen: Manche tragen Fell, andere Federn und viele von ihnen Schuppen oder Panzer. Zuerst dachte ich also, ich werde unterschiedliche Tiermuster wie Zebra, Tiger, Leo, Federn usw sticken. Schließlich blieb ich bei den Schuppen von Schlange, Krokodil und Echse hängen. Ganz besonders inspiriert hat mich allerdings die wunderschöne blaue Bluse von Duaba Serwa. Ja, ich glaube, der zufällige Blick darauf gab den Ausschlag, es wirkte auf mich wie Echsenhaut. Dann fiel mir noch dieser spezielle Hut von Adele List ein. Da es sehr heiß ist, ruht die Nähmaschine und ich verlegte mich auf verschiedene Experiment mit Stoff und Schere.

Meine ersten Schuppenvartianten sind wohl eher vom Bilderbuch Der Regenbogenfisch und seinen Glitzerschuppen inspiriert. Ich begann eigentlich so wie Kinder Schuppen zeichnen. Ich hatte (noch) keine Ahnung. Im Buch Nähen in der dritten Dimension von Alison J. Reid gibt es einige Projekte, die spontan an Schuppen denken lassen. Allerdings bestehen viele aus perfekt zugeschnittenen Kreisformen, manche auch aus Rechtecken. Die Möglichkeiten, die sie aufzeigt, waren für mich schon wichtige Starthilfen, gleichzeitig haben sie mir den Blick etwas verstellt. Mit einem Wort ich bin an die Sache recht oberflächlich herangegangen und wollte offensichtlich ein schnelles Ergebnis, nahm daher ein paar Abkürzungen…Was man den ersten Ergebnissen auch ansah. Dabei konnte ich mich zuerst gar nicht so recht für eine Form entscheiden, also wurde so eine Art Oval draus. Egal, es genügte für eine Reihe von Testmöglichkeiten.




Nach dieser Spielrunde mit rotem Wollfilz bemerkte ich, dass ich etwas sorgfältiger bei der Recherche sein müsste. Nicht, was die Ausführung betraf, aber ich hatte eigentlich keine Ahnung wie so eine Schuppenhaut funktioniert, wie sie aufgebaut ist und wie unterschiedlich sie bei den einzelnen Tieren gestaltet ist.Tatsächlich sind die Schuppen vieler Schlangen oder Echsen gar nicht rund oder oval. Mein Blick auf die echten Schuppenträger war immer etwas getrübt durch andere vorgegebene Ideen bzw. Erinnerungen, die in meinen Kopf spukten. Hätte ich in praktikabler Entfernung einen Zoo gehabt, hätte ich ihn gerne besucht. So dienten verschiedene Fotos als Hintergrundinformation und je genauer ich sie betrachtete umso mehr kristallisierte sich ein wesentlicher Punkt für Schlangenschuppen (und nicht nur diese) heraus: sie sind am Rücken diagonal angeordnet! Unten zeige ich ein paar Fotos einer jungen, toten Ringelnatter. Hier sieht man sehr schön die unterschiedliche Anordnung der Schuppen am Bauch, am Rücken und am Kopf .



Ich versuchte erst gar nicht perfekte, identische Schuppen zu schneiden, sondern tröstete mich mit dem Gedanken, dass in der Natur selten etwas völlig stereotyp ist. Ich habe gefaltet, in unterschiedlichen Techniken gestickt, mit dem doppelten Waffelstich und Sashiko mit durchgezogenen Fäden, und mich in freier Stickerei mit Applikation versucht, um mich so der Anmutung einer Schlangenhaut bestmöglich anzunähern.






Natürlich wollte ich unbedingt gefaltete Versuche machen, so wie auf der schönen Bluse oben. Ich habe einzelne Quadrate zweimal gefaltet und schuppenartig übereinander angeordnet. Man könnte sie beidseitig aufnähen. Bügeln wäre von Vorteil gewesen, es entfiel aber wegen der Hitze. Hierbei orientierte ich mich am Buch Stoffmanipulationen von Ruth Singer. Das was ich da versucht habe ist sehr groß und daher eher grob, aber es war leichter und schneller ausgeführt als erwartet, da muss ich nochmal etwas probieren. Oben ist mein zweiter Faltversuch aus 2cm breitem Köperband zu sehen.




Manche Tiere besitzen eher eckige Schuppen. Die gerade angeordnet sind. Häufig habe ich allerdings meine ürsprüngliche Idee ziemlich aus den Augen verloren und meine Ergebnisse waren von tierischen Schuppen recht weit entfernt. Man kann halt nicht irgendwelche Schuppen produzieren, man muss schon wissen was man konkret will und wovon man ausgeht, bevor das wie mache ich es kommt. Das wurde mir mit der Zeit immer besser bewusst. Das kantige der Krokodilschuppen ließ sich jedenfalls schön mit Shibori nachempfinden. Bei den Mustervarianten des Amerikanischen Smokens finden sich ebenfalls recht interessante echsenartige Varianten. Ich habe Kästchen versucht, sie schienen mir für das krokodil am passendsten. Sie sind über einen 1cm Raster gearbeitet.
Ein Blick auf die oft interessant gefältelte, fast zerknittert wirkende, Haut mancher Tiere hatte mich auf den Gedanken freies Plissee oder freies Shibori zu versuchen gebracht. Wobei mancher Futterstoffrest schon recht interessant zerknittert aus dem Schrank kam. Ich habe also verschieden geknüllt, gefaltet und gebunden und meine Überraschungspakete in der Sonne trocknen lassen. Überzeugt haben sie mich noch nicht ganz- abgesehen vom Krokodil oben. Aber es wäre ein gangbarer Weg. In letzter Konsequenz hat sich herausgestellt, dass eine gute Umsetzung nur bei genauem Studium und Hinsehen der Inspirationsquelle, hier die Haut der Schlangen, Echsen und Krokodile, entstehen kann.
Zu den Fotos: Sie entstanden vor ein paar Jahren in einem schweizer Zoo, leider kann ich die Tiere nicht korrekt benennen, daher meine recht allgemeinen Bezeichnungen.




Fazit: Spielen, spielen, spielen, und staunen wie Einfallsreich die Varianten der Natur sind. Und vor allem : zuerst genau hinsehen und dann arbeiten und eventuelle technische Unterstützung in Büchern suchen…
Material: Stoffreste
Bücher: Schneiden und Falten- Oberflächen und Strukturen aus Papier von Paul Jackson, erschienen im Verlag Haupt, ISBN978 3 258 60160 1
Stoffmanipulationen von Ruth Singer erschienen im Verlag Stiebner, ISBN 978 3 8307 0911 4
Nähen in der dritten Dimension von Alison J. Reid erschienen im Verlag Haupt, ISBN 978 3 258 60020 8
Die Hüte der Adele List von Gerda Buxbaum erschienen im Verlag Prestel, ISBN 379131442 4
Atemberaubende Mode aus Afrika von Emmanuelle Courreges erschienen im Verlag Gerstenberg, ISBN 978 3 83692191 6
Afrika in Mode von Ken Kweku Nimu erschienen im Verlag Midas Collection, ISBN 978 3 03876 244 7
ZU DEN STOFFSPIELEREIEN
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
Heute zu Gast mit Tierisch bei zwisch-en-durch
Juli und August: Sommerpause
27.09.2026: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche’s Touch
25.10.2026: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen
29.11.2026: „Teppiche“ bei made with BlümchenTyche
Dezember: Winterpause
Da hast du dir aber ein spannendes Thema rausgesucht, Schuppen von Echsen. Auch ich habe noch nie so genau geschaut und staune über deine Beschreibung der Vielfalt bei Schuppen und auf wieviele Arten du versuchst sie textil darzustellen. Eine echte Spielerei!
Mir geht es auch oft so, da habe ich etwas im Kopf und erst bei der Ausführung geht mir auf, so einfach ist das alles nicht. Sortiere lieber erstmal Ideen und Anregungen.
Liebe Grüße Gabi
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Ja, Abkürzungen sind nicht immer der beste Weg. Es hat gedauert, bis mir das hier klar wurde, aber dann wird es erst richtig spannend! Liebe grüße, silvia
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Unbedingt sehenswert, deine Ausarbeitungen und Umsetzungen! Deine Schuppeninspirationen sind auch für meine nächsten Fische hilfreich (da habe ich auch im Tierlexikon nach Variationen recherchiert).
Ganz anregend sind auch die lebenden Tier( vor)bilder. Ich habe schon eine Ahnung, wie sich die Sommerpause füllen wird. Danke für diese Spielerei und all die Hintergründe. Elvira
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An Fische habe ich zwar immer wieder mal gedacht, habe sie erstmal gar nicht berücksichtigt (die echten, meine ich), da gibt es ja auch soviele unterschiedliche Varianten und so schöne! Liebe Grüße, Silvia und viel Freude mit deinen Fischen.
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Die vielen Muster und Versuche sind sehr anregend – und die Erkenntnis, daß man mit einer „Abkürzung“ manchmal eine Bauchlandung macht, auch. Ich bin beeindruckt und angetan von den vielen Beispielen, am besten gefällt mir das amerikanische Krokodilmuster. Als Schuhfetischistin sind mir die verschiedenen Schuppenmuster von Schlangen, Eidechsen und Kroko bekannt…Die Idee, tierische Hautstrukturen mittels zerknittertem Futterstoff nachzubilden ist sehr gut – ich bekam einmal die abgeworfene Haut zweier (giftiger) Zwergschlangen geschenkt und staunte sehr über die Zartheit, Transparenz und Festigkeit dieser Häute.Danke für die vielen schönen Ideen und Beispiele, herzliche Grüße von Tyche
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Ich kenne abgworfene Haut nur von Fotos, aber schon da sieht sie so zart aus, sowas würde ich gerne mal in echt sehen. Mein amerikanisches Kroko war mein letzter Versuch und mir gefällt er auch recht gut…Liebe Grüße, Silvia
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Spannend, eine tolle Herangehensweise zum Thema und zeigt wiedereinmal wieviel wir immer von der Natur lernen können. Eine körperliche Umsetzung ist dann noch mal einen herausforderung,Krokodilhüte…schöner Beitrag.
schuppenfreie Grüße, Karen
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Anwendungen wären jetzt die nächste Spielerei…liebe Grüße, Silvia
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Deine Umsetzung des Themas ist sehr spannend und soooo vielfältig. Ich staune über deine Ideen.
Echsen sind nun nicht gerade meine Lieblingstiere, aber wir alles in der Natur sehr faszinierend.
Liebe Grüsse von Regula
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Ich weiß, Echsen und Schlangen sind für viele eine Gänsehautsache…In der Natur zeigen sie sich ja alle recht selten, oder sehr überraschend und man kann mit einem Blick gar nicht alles so recht erfassen. Ein bißchen geheimnisvoll sind sie auch. Darum sind tote Tiere-wie meine kleine Ringelnatter- eine seltene Gelegenheit genau hinzusehen und ihre Schönheit zu bewundern. Liebe Grüße, Silvia
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schön deine muster mit unterschiedlichen techniken ! haben leider eine spontane angst mit schlangen auch mit winzige * aber die eidechsen hier im garten liebe ich * habe sie oft fotografiert und sie sind richtige wunder der verbleibende alte naturgeschichte wie noch einige andere *
feine stoffarbeite !
liebe grüsse
mo
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Mega! Find ich richtig gut. Ich könnte mir vorstellen, eine ganze Reihe von Strukturen auszuprobieren und dann die Musterstückchen zusammenzufügen zu einem Quilt, das wäre spannend.
Was ist das für ein Buch, das mit dem Hut? Liebe Grüße, Anne Sophie
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Ja, so was in der Art hat mir auch vorgeschwebt, vielleicht etsteht noch etwas. Es ist ein Buch über die Hutmodelle der Modistin Adele List. Sehr spezielle Arbeiten, aber inspirierend und ein schönes Buch obendrein. Liebe Grüße, Silvia
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PS: Ich gehöre zu den Leo-Liebhaberinnen, aber nur, wenn es nicht allzu ernst getragen wird, der Druck nicht ZU naturalistisch, und der Stoff eine gute Qualität hat (sonst sieht es doch schon arg schnell billig aus). Ach, und Leo/Animal von kompf bis Fuß inklusive Leo-Scrunchie geht natürlich gar nicht :-)
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Ich habe auch schon sehr viele attraktive Modedesigns mit Leo gesehen, das Muster hat einfach was…liebe Grüße, Silvia
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Für mich als Biologin ein höchst spannendes Thema und ich finde deine Gedanken dazu wunderschön formuliert und in stoffliche Spielereien übersetzt.
Liebe Grüße Ingrid
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Da weißt du natürlich all das, was mir erstaunlich und rätselhaft erscheint und worüber ich erst einmal nachlesen musste, schön! Liebe Grüße, Silvia
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Eine sehr schöne Interpratation des Themas! Meine Lieblingstiere sind es zwar nicht, aber ich teile die Faszination für die verschiedensten Nachbildungsmöglichkeiten der Schuppen. Dass eine Ringelnatter auf Bauch und Rücken ganz unterschiedlich geschuppt ist, hätte ich nicht vermutet! Danke für die detaillierte Recherche und die vielen textilen Experimente, die Du zeigst! Liebe Grüße!
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Richtig bewusst ist mir das mit den Schuppen von Bauch und Rücken erst im Zug der Arbeit geworden, da sieht man, wie grenzüberschreitend textiles Gestalten sein kann und dass man sogar was über Biologie dabei lernt :) Liebe Grüße, Silvia
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Das Thema hat dich zu einer interessanten Studie inspiriert. Die schuppige Haut von Tieren in Stoff umzusetzen ist eine Stoffmanipulation par excellence. Eine schöne Idee.
LG
Beate
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Und macht Lust auf weitere derartige Experimente, liebe Grüße, Silvia
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Ein origineller Inspirationseinblick zurück zu den Wurzeln der Stoffspielerei ist Ausgang Deiner Experimente. Deine Filzflächen gefallen mir sehr gut unabhängig davon wie naturgetreu das Vorbild umgesetzt ist.
Übrigens schaue ich gerne Märchenfilme weil man dort oft Stoffmanipulationsflächen findet.
LG Ute
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Du hast natürlich recht: Naturgetreuheit alleine ist nicht das Ziel, aber es war gut für mich nicht gleich mit den ersten Versuchen zufrieden zu sein. Das mit den Märchenfilmen ist wahr, da darf man einfach aus dem Vollen schöpfen. Darum hatte ich auch immer so viel Spass am Kostümenähen- und ein bißchen was davon steckt noch im Dirndlnähen…liebe Grüße, Silvia
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