Stricken oder Häkeln – Eine Wolle zwei Pullis

Ich betone ja immer gerne und mit Vehemenz, dass mein Herz dem Häkeln gehört und ich ein bisschen hibbelig werde beim Stricken. Vielleicht war es bisher auch nur das falsche Projekt. Und eigentlich sollte mein erster Pulli gehäkelt werden. Oder doch gestrickt? Inzwischen nach gut drei Jahren, des Versuchs Stricken zu mögen, kann ich für mich festhalten, ich kann zwar einen Pulli stricken, Spass macht es aber nicht. Ich habe 2,5 Pullis gestrickt und es ist okay, aber wenn es nicht sein muss, dann nicht. Hiermit akzeptierte ich, dass Stricken nicht meine Technik ist und ich einfach viel mehr Spass beim Häkeln habe.

Aber da ich aus ein und derselben Wolle einen Pulli gestrickt und einen gehäkelt habe, dachte ich mir ich packe die beiden in einen Beitrag und zeige sie euch. Kurz zur Wolle: Die Wolle habe ich ganz ohne Ettiket im Fabrikladen von Lang Yarn gekauft, aber im Wollladen ums Eck wurde das Garn gleich identifiziert als Yoko. Damit wusste ich dann auch die exakte Zusammensetzung (16% Polyamid, 21% Wolle, 27% Alpaka, 36% Polyacryl) und die empfohlene Nadelstärken von 6-7 mm. Inzwischen gibt’s diese Wolle nicht mehr, falls die jemanden gefallen würde.

Der gestrickte Pulli – Red Tape

Eine erste Maschenprobe mit 8er Nadeln hat mir gefallen und schon blieb nur die Frage welches Muster und was für eine Konstruktion ist am besten für den ersten Versuch. Dazu habe ich Ravelry durchforstet und mich für den Red Tape von Drops entschieden. Einerseits passte die Maschenprobe fast, das Modell erschien nicht allzu kompliziert, es war für zwei Farben konzipert und kostenlos (ich hatte im Herbst schon eine Anleitung gekauft, aber die erschien mir ein bisschen zu anspruchsvoll für den ersten Versuch).

Die Maschenprobe passte fast zur angegebenen im Muster, 12 statt 11 Maschen. Sollte ja nicht soooo dramatisch sein, Naivität ist schön. Ich fing einfach an das Halsbündchen in der kleinsten Grösse zu stricken und war sehr zufrieden. Aber dann kam auch schon die erste Krise, was wenn der Pulli zu klein wird? Und ich komplett ribbeln muss oder oder oder… Kurz nachgerechnet, ergab dann auch, mit meiner Maschenprobe würde der Pulli 10 cm kleiner und die Mehrweite des Pullis wäre weg.

Danach habe ich meinen kompletten Bekanntenkreis an Strickerinnen um Rat gefragt. Das Ergebnis war entweder ribbeln und grössere Nadeln verwenden oder aber eine grössere Grösse stricken. Schwerste Entscheidung seit langem (nur vielleicht noch gefolgt von „brauche ich das Stricknadelset, obwohl ich nicht wirklich stricke?“) Nach langem hin und her war für mich dann klar, ich lasse das Bündchen wie es ist und stricke danach in der nächsten Grösse und hoffe aufs beste.

Ach ja, verkürzte Reihen hätte der Pulli auch, da stand ich total auf dem Schlauch und hab sie dann auf Anraten einer Freundin ignoriert. Dafür hatte ich völlig umsonst den Faden abgeschnitten, das war aber nur ein ganz kleines bisschen ärgerlich. Für schöne und dezente Raglanzunahmen wurde ich erneut wunderbar von einer Stricktfreundin beraten, nur um dann eine Stunde später keinen Plan mehr zu haben, wie die funktionieren. Irgendwann habe ich, auf YouTube, dann doch noch die richtige Anleitung dazu gefunden.

Und liebe Grüsse an die Strickerin, die Häkeln nicht mag, weil man da so viel zählen muss. Ich habe noch nie so viel und oft Maschen gezählt wie bei diesem Pulli. Nur damit ich das mal gesagt habe.

Raglan Zunahmen fertig, korrekte Maschenanzahl (kleine Party). Dreimal zählen beim Ärmel aufteilen, Maschen stilllegen und Körper stricken. Und nach ein paar Runden, die erste Anprobe und der Pulli passt, soweit sich das ohne Ärmel beurteilen lässt. Aber es hat sehr motiviert und so habe ich exzessiv gestrickt und auch schnell die fertige Länge des Pullis erreicht.

Ersten Ärmel ansetzen, ohne Löcher und das erste mal Magic Loop. Ich sags mal so, wenn man einmal anguckt wie Magic Loop richtig funktioniert, verbiegt man dass Seil nicht wie blöde und kann auch ein paar Reihen am zweiten Ärmel machen, leider nicht ganz so ohne Löcher. Dann konnte ich nicht mehr wiederstehen: Ich musste den Pulli anprobieren. Und er passt, also Ärmel und Körper beides zu kurz, aber er passt, er ist weder knatscheng noch ein Sack. An den Ärmel habe ich 5 cm verlängert und den Körper auch um ungefähr 7 cm.

Zum Verlängerm musste ich das Bündchen am Körper ribbeln und noch einen weiteren Streifen und mehr glatt rechts stricken und dann wieder ein neues Bündchen.

Italienisch abketten, ich sag dazu nur: „hä?“. Dann zig Videos geguckt und logisch war mal gar nix, irgendwann funktionierte es aber dann.

Voller Begeisterung habe ich den Pulli also getragen, von den Temperaturen ging es gerade noch so. Nur musste ich feststellen, die Ärmelbündchen machen extrem Trompetentrichter und als Folge dessen (weil sie in die Breite gehen), passt die Länge nicht mehr.

Schweren Herzens musste ich also einsehen, die Ärmelbündchen, da muss ich nochmals ran. Fröhlich schnibbeln und ribbeln. Dieses mal länger glatt und keine Zunahmen fürs Bündchen und damit ist der Pulli für mich endgültig fertig. Selbst wenn das Bündchen noch ein bisschen leiert. Ich dachte ja immer Strickbündchen habe hohen Stretch und Sprungkraft im Vergleich zu gehäkelten Bündchen.

Was soll ich nun sagen, ich bin stolz und sehr glücklich. Mein erster gestrickter Pulli und er ist kein Frustprojekt oder Verhau. Ich mag das Endergebnis sehr und möchte nach dem gleichen Muster eine zweite Version machen. Ich habe nämlich noch die gleiche Wolle in ausreichender Menge in grün und petrol. Bei der zweiten Variante, dachte ich mir, würde ich gerne ein Zopfmuster am Ärmel einbauen und den Körper schlicht lassen. Und vielleicht würde ich zwei, drei Maschen mehr für die Ärmel verwenden, sie sind sehr figurbetont. Das stört mich jetzt nicht, aber so ein bisschen mehr Weite würde den Ärmel gut tun.

Ehrlich gesagt ich bin froh grosse Nadeln und dicke Wolle verwendet zu haben, auch wenn das meist mit „die Chunky Anfänger Pullis, die so extrem warm sind,“ abgetan wird. Aber ich weiss in der Arbeit im Winter, sind  die Werkstättenhallen eher kühl und da darf es absolut ein warmer und kuscheliger Pulli sein. Ich bin auch einfach eine Frostbeule.


Der gehäkelte Pulli – Nordic Hugs Jumper

Gut 1,5 Jahre nachdem gestrickten Pullover entstand dieser gehäkelte Pulli. Es gab mehrere Gründe, ich hatte noch eine Pullimenge in Grün und Ambitionen ein bisschen meinen Stash zu verkleinern und hatte auch Lust auf einen Pulli. Was einfaches sollte es werden, einer Anleitung folgen und häkeln. Der Nordic Hugs Jumper von Kerry Jayne Designs passte da perfekt, er gefiel mir schon länger und ich hatte die gerade passende Menge Wolle im Stash. Da ich eigentlich nicht wirklich mit so dicker Wolle arbeite, musste ich mir erst mal Häkelnadeln kaufen bzw bestellen. Ich bin da etwas pingelig, wenn schon neue Häkelnadeln, dann von Tulip oder Clover. Mein Online Shop der Wahl ist da Made by Zazie, in Luzern gibt’s leider beide Marken nicht lokal.

Erste Maschenprobe gemacht, passt, Grösse gewählt und angefangen. Es war so gemütlich und kurzweilig zu häkeln. Im Nu entstanden Runde um Runde, Zunahmen, Bobbel, feste Maschen, halbe Stäbchen und schon war ich beim aufteilen der Ärmel. Dann habe ich nochmals gemessen, ob auch am Pulli die gleiche Anzahl Maschen habe. Ja was soll ich sagen, am Pulli habe ich etwas lockerer gehäkelt. (Beim stricken ist es komplett umgekehrt, Maschenprobe, ganz locker, am Pulli wird dann fest gestrickt, als würds einen Preis dafür geben) Mini Krise und entschieden Neustart mit einer kleineren Häkelnadel. Innert kürzester Zeit war ich wieder auf dem gleichen Stand. Rückblickend betrachtet würde ich sagen, wenn der Pulli etwas lockerer wird, wäre okay gewesen. Ich wollte halt sicher sein, dass alles passt. Es war halt mein erster Rundpassen Pulli bzw erster Topdown Pulli. Da war ich nicht bereit ein Risiko einzugehen.

Dann trennte ich also zum zweiten mal die Ärmel ab und häkelte die Runden am Körper, es war so schön zu beobachten wie der Wollberg schrumpfte und der Pulli wuchs. Eine kleine Ernüchterung gab es bei den Ärmeln. Zu eng, scheint irgendwie ein Thema zu sein bei mir. Egal aufgetrennt, ohne Abnahmen bis zum Ellbogen gehäkelt und dann habe ich mal drei Wochen darüber nachgedacht, was ich für Ärmel machen soll, weiter und dann mit einem engen Bündchen und Deko Bobbel? Schlicht? Eng? Dreiviertel?

Da der Pulli und seine gehäkelten Bobbel doch Körper und Textur hat, entschied ich mich gegen Volumen und Schnickschnack und für schlicht und gerade. Ärmel gehäkelt und nur noch kurz die perfekte Länge der Ärmel und Körperbündchen finden. Fertig.

Und mein erster Gedanke. Nochmal, in einer kräftigen Farbe und vielleicht Moss Stitch am Körper statt halbe Stäbchen…

Auch wenn ich bei diesem Pulli ribbeln und neu häkeln musste, war es für mich voll okay. Ich habe Routine, weiss was ich wie anders mache, dass ich schnell wieder aufholen kann, bin einfach während dem Prozess entspannt und hab Spass.


Fazit: Ich hätte nie gedacht, mal tatsächlich einen Pulli zu stricken, naja 2,5. Und bin auch stolz es geschafft zu haben. Anfangs habe ich den Strickpulli viel getragen. Seitdem ich einige Häkelpullis habe, die ich von der Passform und Farbe mehr mag, kommt der Pulli kaum zum Einsatz. Mein erster gehäkelter Pulli in Rundpasse, denn trage ich gerne wenn ich unterwegs bin und erleide auch keinen Hitzeschlag. Für zuhause aufs Sofa passt die Fason nicht, da greife ich am liebsten zum oversize Streifenpulli.

Material: Yoko von Langyarns, inzwischen nicht mehr produziert

Anleitung: Red Tape von Drops kostenlos auf Ravelry oder bei Drops und Nordic Hugs Jumper von Kerry Jayne Designs auf Ravelry.

Verlinkt zum MMM

Fotos: Dani von Fotospuren und Marco von Mr-Foto vom Fototeam Luzern. Vielen Dank fürs Fotoshooting.


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