Einen Strohhut reparieren

Vor einiger Zeit kam mein Mann mit einem alten Strohhut vom Nachbarn zu mir: Ob der noch zu retten wäre? Oben, am eingekniffenen Kopf, wo man ihn meist anfasste beim Auf- und Abnehmen war ein Loch und die Krempe begann sich vom Kopfteil zu lösen. Brrr, dachte ich, keine Ahnung. Er wäre mir sehr verbunden, der Nachbar, denn der Hut hat schon den Weltkrieg gesehen…Zuerst sammelte ich mal feine trockene Gräser, genaugenommen die obersten Enden davon, denn nur diese werden für Flechtarbeiten verwendet. Ich habe sie eingeweicht, glattgebügelt, wieder angefeuchtet und versucht sie einzuflechten, das war bei diesem engen Flechtwerk nicht möglich-zumindest für mich. Also erinnerte ich mich an die getrockneten Maiskolben, die samt ihrer Hüllblätter (allerdings von Mäusen sorgfältig leer gefressen) am Heuboden hingen und versuchte es damit. Maisblätter sind sehr widerstandsfähig, verrotten sehr langsam, werden im feuchten Zustand wunderbar weich und lassen sich dann richtig gut verarbeiten. Ich habe schmale Streifen abgezogen und damit mit einer Stopfnadel geflickt. Dabei habe ich auch den Hut, um ihn nicht unnötig zu strapazieren, mit Wasser besprüht. Mein Flickwerk ist etwas wild, man sieht es, aber es hat funktioniert. Die abgeschnittenen Enden des Flickmaterials stehen an der Innenseite etwas hervor und sind zu sehen, stören aber nicht beim Tragen am Kopf.

Für die Krempe hatte ich eine andere Idee: Ein Stoffband, genaugenommen ein breites Schrägband, das Kopf und Krempenrand verbinden sollte. Das Band habe ich halbrund geformt und dann war ich sehr mutig: Ich nähte es mit der Nähmaschine mit dem Zickzack-Stich fest, zuerst innen, danach außen. (Zickzack-Stich deshalb, weil man das Band an zwei Linien breiter fixieren kann, auch erhöht es die „Treffsicherheit“.) Das Nähen mit der Maschine geht sehr gut, das Geflecht gibt genügend nach. Ich bin ein wenig schief gekommen, deshalb erhielt der Hut ein zusätzliches, farblich passendes Band außen. Ich sehe den Nachbarn schon wieder mit seinem Hut herumlaufen, er freut sich- und ich auch…

Meinen kaputten Lieblingsstrohhut habe ich schon ziemlich lange im Vorhaus hängen. An ihm will ich diese Bandreparatur nochmals genauer zeigen. Ich hatte in diesen Hut selber von Hand ein Bindeband angenäht, wegen des Windes, und genau an diesen Stellen ist er gebrochen.

  1. Das Schrägband (es kann natürlich auch ein anderes Band sein) leicht rund bügeln, dressieren nennen die Fachleute das.
  2. An der Innenseite festnähen mit zwei Nähten (oben am Kopfteil fixieren und den anderen Rand an der Krempe). Dieser Hut hat wieder Bindebänder bekommen damit er nicht bei jedem Windstoß fortfliegt, diese auch jetzt annähen, diesmal wird das Stoffband das Geflecht schützen.
  3. Das äußere Band festnähen, ebenfalls zweimal.

Die Hutteile sind mit den beiden Bändern jetzt wieder gut miteinander verbunden. Aufpassen, dass sich das Band nicht allzusehr verzieht und zu viele Falten wirft (Man erkennt diese Tendenz am mittleren Foto oben.)

Mein Hut hatte schon einen stark beschädigten Rand, daher habe ich den ausgefransten Rand etwas beschnitten und danach ebenfalls mit dem Schrägband eingefasst. Das geht sehr einfach: das Schrägband um die Kante falten und beide Kanten zugleich im Zickzackstich festnähen. Durch die relativ steife Hutkante kann man das Band gut führen, viel besser als an einer Stoffkante.

Ich verwende gerne vorhandenes Material: Von diesem Sternenschrägband besitze ich sehr viel, daher kam es zum Einsatz. Es war also eher Zufall als gestalterische Absicht. Es sieht aber recht hübsch aus.

Da die Enden des äußeren Hutbandes nicht ganz perfekt aufeinandertrafen bzw. eine unschöne Verbindungsnaht entstanden war, erhielt der Hut zur Ablenkung noch eine kleine Garnierung. Außerdem macht es einfach Spaß einen Hut zu schmücken. Normalerweise wird das Hutband um den Hut gelegt, gesteckt und zum Zusammennähen heruntergenommen, eventuell mit einer Schleife versehen und danach erst wieder über den Hut geschoben und mit unsichtbaren Stichen fixiert.


Fazit: Ich freue mich auf den nächsten kaputten Hut…

Material: Bänder und Nähseide, eventuell Dekor, Blätter vom Maiskolben


8 Gedanken zu “Einen Strohhut reparieren

  1. Liebe Silvia, das ist eine ganz wunderbare Reparatur! Und wie passend: Ich habe gerade einen alten Strohhut, der ebenfalls dort, wo man ihn zum Auf- und Absetzen angreift, zu brechen beginnt. In der Steiermark wird so viel Mais angebaut, da sollte doch ein bisschen Maisstroh zu bekommen sein. Eine tolle Idee, und so schön gerettet, beide Hüte! Chapeau! ;-) Liebe Grüße, Gabi

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  2. Toll, dann koenntest Du ja jetzt sogar weitermachen mit ‚Straw-Dollies‘ machen f. Weihnachten ?
    Ich hab‘ zwar ein paar Such-Versuche auf Deutsch versucht, aber auf DAS was ich eigentlich meine, bin ich nur auf Englisch gekommen; darum in den Computer einhaemmern versuchen „how to make a corn dolly with art straw“, bitte. Hoffentlich funktioniert das f. Dich; wir haben hier bei gleichen Such-Anfragen auf unterschiedlichen Computern naemlich mitunter ziiiiiemlich unterschiedliche, aehem, ‚Lieferungen‘ ^^.
    Uebrigends: Stroh ‚altern’/faerben geht relativ einfach mit entweder warmer Kaffee-, Tee- oder Kamillentee-Bruehe: Halme einfach darin einweichen statt ’nur Wasser‘.

    Wenn wir hier schon vom Hut-Reparieren sprechen, bitte ‚denken‘ helfen, denn mein Lieblingshut verliert – auch an den ueblichen ‚Grabsch-Stellen‘ seinen, aeh, Pelz/Flausch und wird dadurch ’nackig‘.
    Es ist dies einer meiner Akubra, jedoch werde ich mir wohl eher ein ‚rabbit‘ hier jagen muessen um ein evtl. Patchwork zu machen. Eigentlich sollte ich aber eher auf No. 2 umsteigen, welcher mit seinem weiteren Kopf-Umfang und hoeherem Rundhelm mir immer gut fast auf die Nase faellt – so ich die Ohren mal kurz anklappe. Die mangelnde Sicht dann aber eben ;-) :-D.
    Vorsichtshalber spare ich aber schon mal (m)ein ‚Taschengeld‘ f. einen Neuen zusammen. Jedoch stimme ich Deinem Nachbarn zu, welcher wohl auch meine Denke hat von „… huuuch, wie man sich doch an die Dinger gewoehnt, wenn sie erst mal gemuetlich sind “

    Liebe Gruesse,
    G

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    1. Gegen abgegrfiffenen Pelz /Haarverlust hilft vermutlich nur eine kreative Individuallösung:) Patchwork, Applikation…Danke für den Tip mit dem Strohfärben, Gräser sind einfach ein tolles Material, da gibt’s noch viel zu entdecken für mich. Liebe Grüße, Silvia

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  3. PS:
    Solltest Du Dein Backblech (oder sonst. taugl. Hilfsmittel Deiner Kueche) nicht zum Einweichen der Stroh-Stengel mit waermsten Wasser oefter in Beschlag haben wollen, dann guck‘ Dir evtl. mal Blumenkaesten/-Kisten stattdessen an ? Wasser nur ausgiessen ist schliesslich schneller und leichter als das noetige zusaetzliche Putzen der Kuechen-Gegenstaende.

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