Meine Kappe – Deine Kappe

Wenn es kalt wird, brauche ich unbedingt immer etwas auf den Kopf- am besten windundurchlässig und über die Ohren. Darum interessiere ich mich auch so besonders für Kopfbedeckungen. In Luzern bin ich zum Beispiel, nicht ganz freiwillig eskortiert von Sabine und meinem Vater, in einen richtig tollen Hutsalon gestapft und habe nach einem Hut verlangt. Der Inhaber, selber stilgerecht in Kilt und Baskenmütze gekleidet, fand auch tatsächlich einen senationell schönen Modellhut-darunter versteht man Einzelstücke- für mich. Was ihn auch als richtigen Fachmann auswies, denn nur ein guter Modist oder Hutsalonverkäufer/besitzer erkennt rasch welche Fasson einem steht. Der Haken an der Sache war nur das edle Stück hätte 900 Franken gekostet (soviel Geld hatte ich gar nicht mit) und, nun, ja, ich hätte dazu natürlich auch die entsprechende Garderobe, ein Kostüm, einen eleganten Mantel oder ähnliches gebraucht. Außerdem bewege ich mich nicht in Kreisen, in denen so schöne Hüte zum Standard gehören…

Deshalb nähe ich eher Mützen und Kappen, nachdem ich ein eigenes gutes Grundmodell gefunden habe. Diese Kappe ist ein bisschen inspiriert von einer französischen Arsene Lupin Verfilmung (Regie: Jean-Paul Salome, Kostüme: Pierre-Jean Larroque), in der der Hauptdarsteller (Romain Duris) in einer Szene ein überaus chickes Modell – die so schön über die Ohren geht – trägt. Die Kostüme im Film sind sehr gelungen, es gibt jede Menge aufregender Kreationen und ich mag besonders den Vorspann in dem Diamanten, Brillianten und sonstige Klunker herrlich gefilmt werden, echte übrigens- das Filmteam war umringt von Securities…Aber ich schweife ab.

Inspiration für Kappen

Mein erstes Modell entstand in einem Kurs, in dem aber jeder so allein vor sich hinwerkelte. Ich habe damals so ein wenig herumprobiert und experimentiert, speziell mit den Seitenteilen. Letztlich habe ich durch viele Versuche meinen eigenen Schnitt entwickelt. Dieser Schnitt ist die Vorlage für alle Kappen. Das Kopfteil ist so groß, dass auch ein Rossschwanz oder Knoten drunterpasst und die Kappe lässt sich trotzdem weit über beide Ohren hinunterziehen.

Das dunkelblaue Modell hat, glaube ich, schon jeder in der Familie aufgehabt. Mein Mann, wenn er seine eigenen gerade mal verlegt hat, die Kinder eher aus Notwendigkeit: Diese hübschen Foto von Sabine entstanden bei einem Fotoshooting von einem Sommerkleid im Winter. Es war eben ziemlich kalt beim heimgehen. Die Kappe ist aus einem Lodenrest genäht und mit braunkariertem Baumwollflanell (von einem alten Hemd) gefüttert.

Nachdem wir in permanenter Konkurrenz um das Tragerecht an der blauen Kappe waren, hat mein Mann endlich eine eigene bekommen. Der Stoff seiner Wahl: ein Rest des Strickwalks meines Drop Shoulder Mantels. Das Futter habe ich ausgesucht: Jersey mit Dalmatinern, Jersey weil auch der Strickwalk dehnbar ist. Bei etwas nachgiebigem Material ist der genaue Kopfumfang nicht so wichtig, natürlich soll einem die Kappe nicht über die Nase rutschen. Anfangs hat ihn der weite Kopfteil irritiert, der ist schließlich für viele aufgesteckte oder gebundene Haare gedacht, aber mittlerweile hat er seine ideale Art die Kappe zu tragen gefunden. 

Bei einer Kopfbedeckung ist immer auch entscheidend wie man sie trägt: gerade aufgesetzt oder eher wie eine Kinderkappe. Davon hängt die Weite ab, will man variieren hilft ein Stückchen Gummi. Meine Kappen sind alle gefüttert. Das macht besonders Spass, denn beim Hutfutter kann man richtig verrückte Stoffe verwenden.

Mit den Schildern ist das übrigens so eine Sache. Beim ersten Modell fiel es etwas klein aus, darum vergrößerte ich den Schild. Wichtig ist auch die Krümmung des Innenradius: fällt dieser zu flach aus, geht der Schild gerade runter und erschwert entschieden den freien Blick. Die Kappe bliebe aber tragbar, wenn man sie in den Nacken zurückgeschoben tragen würde…

Ist der Schild stärker gerundet, steht er eher gerade weg vom Kopf. Je nachdem wie man Lust hat, kann man so sehr unterschiedliche Varianten nähen. Hutnäherei ist durchaus zeitaufwendig, aber eine herrliche schöpferische Arbeit. Man kann prima Hüte und Kappen aus alten Kleidungsstücken nähen, interssante Steppnähte und Stickereien oder Nieten in die Gestaltung  miteinbeziehen oder Reste verarbeiten. Außerdem gibt es grenzenlose Möglichkeiten des Dekors. Um mich inspirieren zu lassen sammle ich eifrig Hut- und Mützenfotos, passende Bücher und Schnitte- hier sind speziell alte Nähzeitschriften interessant.


Fazit: ein allgemeines Lieblingsstück.

Material: Loden, Strickwalk, Baumwolle und Jersey als Futter, Material zum Verstärken der Schilder ( Steifleinen, Vlieseline, Pappe usw)

Verlinkt zum MMM.


23 Gedanken zu “Meine Kappe – Deine Kappe

  1. Wie toll! Die Kappen hast Du wunderbar hinbekommen und sie sind richtige Familenstücke, das finde ich großartig. Die Idee mit den Hüten alle STücke gut zu verwerten finde ich klasse, da kommt gleich noch mehr Erinnerung in so ein gutes Stück. LG Kuestensocke

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  2. So eine Kappe aus Webware ist einfach viel stylisher und edler als eine gestrickte Mütze! Ich würde auch gerne öfter Hut tragen, bin aber immer so unentschlossen, was mir steht oder nicht steht. Wahrscheinlich brauche ich einfach mal einen Besuch in einem richtig guten Hutladen, ausgestattet mit Budget. In der Zwischenzeit freue ich mich, wenn Du das Schnittmuster findest und uns zur Verfügung stellst! Liebe Grüße, Gabi

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        1. Es ist gut zu wissen, dass Ihr ordentlich-technische Ausfürhrungen könnt! Da hapert’s bei mir noch immer: Meine Anleitungen und Schnittmuster sehen immer noch handgezeichnet aus, was sie auch sind… There’s room for improvement.

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          1. Wenn sie gut handgezeichnet sind spricht ja nix dagegen (und die Scans der Vorlagen für sind), ich habe einige Bücher in denen die Vorlagen alle Handzeichnungen sind. Ich zeichne halt die Zeichnung in einem Vektorprogramm nach, klatsche noch unser Wasserzeichen drauf und Zack schaut es sehr professionell aus.
            LG Sabine

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  3. Also ich möchte doch sagen, daß Ihnen diese Kappe grossartig gelungen ist. Ich habe mich sehr darüber gefreut, daß Sie das Schnittmuster frei zu Ihrem Blog angeschlossen haben. Das werde ich gleich in den nächsten Tagen ausprobieren, glaube aber, daß ich momentan nicht ganz den richtigen Stoff dafür habe, und die Stoffgeschäfte sind leider momentan geschlossen wegen der Pandemie. Mach ich eben erst eine Toile, zum Ausprobieren und zur Anpassung. In der Zwischenzeit schau ich durch meine Stoffe….
    Noch eine Frage, ich habe vor der Pandemie eine Nähgruppe geleitet, dürfte ich den Schnitt and die Damen weiterleiten, mit Ihrem Namen, etc natürlich? Die Herstellung müsste ich selber erklären, da alle kein Deutsch sprechen, wir alle sind in Leeds, West Yorkshire.
    Liebe Grüße aus England
    Renata

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    1. Ja, natürlich können Sie, gerne. Mit dem geraden Streifen kann man die Kappe an den individuellen Kopfumfang anpassen. Aber ich freue mich, wenn Sie den Schnitt als Ausgangspunkt verwenden, wirklich. Ich hoffe auf viele erfolgreiche Modelle, viel Spass. Liebe Grüße, Silvia

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  4. Allg. (sehr?) gute Idee! Ich meine: Kopfbedeckung gegen ‚Klima-Attacken‘.
    Angeblich verliert man im Winter bis zu 25 % seiner Koerperwaerme nur ueber unbedeckte Hande und ebensolchen Kopf = ergo?
    … und dann war da noch ein (mittlerweile leider verstorbener NICHT-Netz-) Freund, welcher zum ‚Einmuemmeln‘ mancher spazierengehender Senioren im SOMMER (!) dies sinnierend ’studien-/physikal.-logisch‘ erklaerte mit ca. dem Satz von „Hmmm, Isolierung ist/bleibt Isolierung; d.h., was gegen die Kaelte hilft, hilft eigentlich auch gegen die Hitze“.
    Gibt ein wenig zu denken, oder? Speziell, wenn man kein Xtrem heisses Wetter hat und keine der Nationen ist, welche mit scharfen Gewuerzen und Halbnacktheit mit dem Verdunstungskaelte-/-Kuehl-Effekt arbeiten (= muessen/duerfen/koennen?) da auch selten hilfreiche technische Kaelte-Geraete in Privat-Haeusern zur Verfuegung stehen*?
    Man darf – auch als ‚Mitglied einer Riiiiesen-Union‘ – nicht vergessen, dass die ganze Welt NICHT ‚gleich‘ ist und ‚Gleich-Pestering‘ (und vor allem der Arbeits- wie Finanz-Einsatz!) hierzu vielfach nur ‚Bonsai-Style‘ (= hier im Sinne von langsam-/klein-wachsend?) funktioniert und nicht mit „Bäh und Uebernacht-Geschrei“ ?

    * wuerde auch ‚eeetwas (staerker?) gegen den Umweltschutz‘ gehen, wenn sehr instant und ‚finger-schnippend‘ machbar/gemacht; oder?

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    1. Davon habe ich auch schon gehört, dass man relativ viel Wärme am Kopf bzw Händen verliert. Tatsächlich ist es ja so, dass dicker Filz- z. B. ungarische Hirtenkleidung, oder viel Stoff, wie beim Turban guten Schutz gegen die Sonne bietet. Eine gewisse Lockerheit zur Luftzirkulation vorausgesetzt. Also ich trage , wenn es richtig heiß wird lieber Strohhüte, weiß aber aus praktischer Erfahrung (viele Male war ich mit der Trachtenkapelle unterwegs..), dass auch der Filzhut sehr gute Dienste leistet …liebe Grüße, Silvia

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  5. Die Kappe sieht sehr stylisch aus. Hast du auch einen Tipp für eine Nähanleitung für mich? An Kopfbedeckungen habe ich mich bis jetzt noch nicht ran gewagt, aber nach deinem Bericht hab ich wirklich Bock! ;-)

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    1. Unseren Schnitt kannst du herunterladen. Aber egal welchen Schnitt du nimmst, entscheidend ist der Kopfumfang beim Nähen und wie du die Kappe trägst, gerade, schräg, über die Ohren. Besser auf jeden Fall einen Tick zu groß, da kann man sich mit einem Stück Gummi helfen (hinten). Ich würde meine erste Kappe auf jeden Fall aus einem etwas nachgiebigen Material nähen. Ich habe selber -leider- auch schon viele zu enge Kappen genäht…Trotzdem macht es richtig Spass, und man kann prima mit Resten arbeiten oder alte Kleider (Cordhosen oder Jeans sind prima) upcyclen. Liebe Grüße, Silvia

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      1. Danke für die schnelle Antwort. Den Download hatte ich gesehen, aber keine Anleitung mit den einzelnen Nähschritten. Wahrscheinlich habe ich Tomaten auf den Augen. 🙈

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