Aus der Putzlappenkiste – Herrenhemd mit Stickerei

Karohemd8

Ja, eigentlich brauchte ich schnell einen Putzlappen und bediente mich bei der Sammlung meines Mannes (zum Drucken von Holzschnitten braucht man ziemlich viele Putzlappen). Dabei stellte ich fest: „Ach, das ist ja noch ein ganzes Hemd! Vielleicht hebe ich es doch noch auf zum Upcycling …“ Gesagt getan. Als ich dann ganz dringend Lust auf Sticken, genauer Besticken hatte, kam das Hemd gerade richtig.

Der erste Schritt beim Upcycling ist das Kleidungsstück einmal richtig gründlich zu untersuchen. Es ist wie bei einem Patienten vor der Operation: Schwachstellen auskundschaften. Löcher und Flecken z.B.:  Wo sind sie? Fallen sie weg, durch verändernde Nähte? Kann man sie in die Gestaltung miteinbeziehen. Die Diagnose fiel bei diesem Hemd nicht gerade günstig aus, aber ich hatte grad kein anderes! Das Hemd ist schon recht mitgenommen. Der Kragen komplett kaputt, was aber weiter kein Problem darstellte, Krägen schneide ich immer ab. Natürlich waren auch die Manschetten unbrauchbar, die kommen aber auch fast immer weg. Aber: die Knopfleistenkante war zerschlissen und an einem Ärmel entdeckte ich zwei ganz kleine Einrisse. Bei einem Armloch gab es schon eine kleine Zickzackstich-Sicherheitsnaht, also entschied ich, dieser Stich wird zu dem Gestaltungsmittel-abgesehen von der Stickerei. Jetzt wo meine Maschine frisch aus dem Service so herrlich zufrieden schnurrt, sind viele Zickzacknähte ja ein rechtes Vergnügen. Die Knopfleiste erhielt sofort einmal „Ziernähte“ aus Zickzackstich.

Unter der Achsel war das Hemd auch schon verflixt dünn und etwas löcherig, dieses Problem versuchte ich mit einer Verkleinerungsnaht zu meistern, es ging sich grad so aus (schließlich sollte es mir passen). Ich hätte gerne lange Ärmel gehabt, aber wegen der vielen Löcher wurde es ein schmucker 3/4-Ärmel mit Gummizug und Fake-Bändchen zum Maschenbinden. Am Ärmel entdeckte ich zuletzt beim Finish auf dem Bügeltisch  ein drittes Löchlein, Platz für einen dritten Schmetterling, ein anderes hinten unten und wieder kam ein Falter drauf. Den Halsabschluss bildet eine Spitze. Um den Rücken etwas zu gliedern und weiblicher zu gestalten, setzte ich ein breites Kräuselband ein – nachdem ich mich mit Raffungen und Bündchen in letzter Zeit so intensiv auseinandergesetzt hatte, musste ich mein Wissen gleich anwenden. Die Bänder (sie bestehen aus den knappkantig zurückgeschnittenen Kappnähten der Seiten und Ärmel) sind nur aufgenäht.

Erstaunlicherweise besitzt das Hemd noch sämtliche Originalknöpfe samt Reserven und ich entschied mich sie zu belassen. Die Stickerei platzierte ich über den Sattel, eine einzelne Blume gibt der Vorderseite einen farblichen Akzent.

Ursprünglich hatte ich an eine Stickerei nur in Rotschattierungen gedacht, geworden ist es die Version aus dem Buch: Verschiedene Rottöne für die Blütenköpfe ein gleicher Grünton für alle Blätter und Stengel.

Karohemd Stickerei und Vorlage2

Das Motiv stammt aus dem Buch „Einfach Sticken mit Applikationen“ von Yumiko Higuchi erschienen im Stiebner Verlag. Mir war sofort klar: Das ist genau das richtige Buch für mich. Ich bin nämlich nicht sehr gut bei flächenfüllenden Spannstichen und hier ersetzt Filz oder Stoff die Füllung. Durch verschiedenes Akzentuieren mit Stickstichen entstehen sehr reizvolle Wirkungen. Das Buch werde ich demnächst mit einem weiteren Stickprojekt ausführlich vorstellen.


Fazit: Herrlich, wenn’s schon fast unmöglich ist mag ich diese Arbeit am liebsten!

Material: ein altes Herrenhemd, Stoffreste, Stickgarn

Bücher: Einfach Sticken mit Applikationen von Yumiko Higuchi sowie  Cut Up Couture von Koko Yamase (eine Fundgrube wenn es ans Herrenhemd geht), beide erschienen im Stiebner Verlag


14 Gedanken zu “Aus der Putzlappenkiste – Herrenhemd mit Stickerei

    1. Ein sehr hübsches Beispiel hast du dir da auserkoren, die Knopfleiste nach hinten verlegt ist wirklich clever und hübsch dazu. Die Knopfleiste ist für meine Hemdenprojkte immer ein wesentlicher Bestandteil, den ich gerne erhalte. Was an Hemden, zumindest den hochpreisigeren, noch besonders gut ist, ist der Stoff. Nur sind die Farb- und Mustervarianten meist sehr zurückhaltend. Trotzdem immer wieder spannend. Liebe Grüße Silvia

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  1. Eine ganz wunderbare Verwandlung hat das Hemd durchlaufen. Erstaunlich wie weiblich sich das klass. männliche Kleidungsstück durch die Stickerei, das Spitzenband und die weiteren feinen Details verwandeln lässt. Bin sehr begeistert! LG Kuestensocke

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  2. Es ist schön, was daraus geworden ist. Wenn ich manchmal Sachen aussortiere, kann ich nicht daran erkennen, ob daraus noch was wird. Meistens sind es wirklich nur Kleinigkeiten, die dann möglich sind. Ach jeh, vielleicht sind meine Sachen einfach kaputt getragen🤣 schöne Grüße

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    1. Ist doch gut wenn sie kaputtgetragen werden. ieses Hemd ist vermutlich von meinem Vater. Bei meinen eigenen Sachen ist das gar nicht so leicht etwas Neues zu gestalten, auch hat man wegen der Größe keinen Spielraum. Aber Männerklamotten sind prima. Liebe Grüße Silvia

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  3. Oh wie schön doch diese Bluse geworden ist.
    Ach ich bewundere alle Menschen die so begabt sind.
    Liebe Grüße, Edith

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    1. Es geht auch zur rechten Zeit was daneben, ich habe zum Beispiel noch ein Hemd liegen, dem habe ich schon sehr viel abgeschnitten und es ist noch nichts Rechtes drausgeworden. aber alles in allem mache ich sowas gerne. Liebe Grüße silvia

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  4. Bei dem Grad der Zerstörung, das du von dem Hemd schilderst, wäre es schon längst bei mir als Lappen geendet. toll, was für ein Ergebnis dabei herausgekommen ist!

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    1. Der Zerstörungsgrad hat sich tatsächlich erst so nach und nach herausgestellt- und da war ich schon so richtig mitten im planen und arbeiten, ich dachte halt : „Versuch’s mal!“ (Außerdem habe ich das andere Hemd nicht gefunden) liebe Grüße Silvia

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