Weben mit kleinem Rahmen – Ein Buch von Fiona Daly

*** Kooperation mit dem Stiebner Verlag // Rezensionsexemplar ***

weben mit kleinen rahmen

Weben ist nicht so ganz leicht einzuordnen zwischen all den schönen Handarbeitstechniken. Viele von uns haben im Kindergarten und der Schule gewebt oder so etwas ähnliches versucht. Das waren dann die Puppenteppiche, wie Sabine sagte. Weben ist (Kinder)leicht und schwer zugleich. Historisch betrachtet steht es ganz zu Beginn: Weben, wahrscheinlich die älteste Technik. Warum die Handweberei aus der Mode gekommen ist? Sie ist langsam und sehr zeitaufwendig. Genau das könnte Weben aber heute interessant machen, entschleunigen, auch bei einem Hobby. Fiona Daly schreibt dazu in ihrem Buch „Weben mit kleinem Rahmen“:

„Weben erdet und hat erwiesenermaßen eine therapeutische Wirkung, denn es beschäftigt gleichzeitig den Geist und die Hände, berührt die Seele und bringt den Menschen wieder ins Gleichgewicht. Genau danach suchen viele Menschen gerade im digitalen Zeitalter.“

Zum Weben braucht man aber einen Webstuhl, was teuer und kompliziert ist, oder zumindestens einen Webrahmen oder einen stabilen (Bilder)rahmen oder ein Stück Karton. Und genau hier beginnt die Autorin. Ihr Buch gliedert sich in drei große Abschnitte:

  • Kapitel 1:Willkommen beim Weben
  • Kapitel 2: Techniken beim Handweben
  • Kapitel 3: Projekte

Im Kapitel 1 erfährt man einiges zur Geschichte des Webens, sie erklärt Aufgabe und Funktionsweise des Webrahmens, verschiedene Varianten (die man auch selber bauen könnte) und zeigt das nötige Zubehör. Das ist die technische Ausrüstung.

Auf den folgenden Seiten gibt es eine sehr schöne Einführung zu den verschiedenen Fasern, ihrer Herkunft, Eigenschaften und, was ich besonders schön finde, gewebten Musterstücken, an denen man die unterschiedliche Wirkung sieht. Dann, noch bevor die Vorbereitung des Webrahmens explizit erklärt wird, folgt ein Kapitel mit dem Titel Projektplan. An einem konkreten Beispiel zeigt sie Inspirationsquellen, erste Skizzen, Garnkarten und (sie arbeitet wirklich sorgfältig) wie man ein Übersichtsblatt, auf dem die wichtigsten Daten notiert werden, erstellt.

Sehr gut gefällt mir wie genau das Einrichten (Aufziehen der Kettfäden) des Webrahmens gezeigt wird, das ist nämlich wirklich schon die Hälfte der Arbeit

Im nächsten Kapitel geht es um erste Schritte, Bildweberei, Teppichweberei, Bindungen, Kantenabschlüsse und Veredelung. In der Bildweberei geht es vor allem darum verschiedene Farbflächen zu verbinden, Quadrate in eine Fläche zu weben, Kreise oder Dreiecke in anderen Farben einzufügen. Die einzelnen Möglichkeiten, ihre Vor- und Nachteile werden ausgezeichnet auf Fotoserien gezeigt. Zudem gibt es genaue Begleittexte. Die Teppichweberei umfasst die Ryantechnik (Fadenbüschel werden eingeknüpft), die Sumaktechnik (es entsteht eine gestrickt wirkende Fläche) und die Schlingentechnik. Die Sumaktechnik ist von den Bildern alleine etwas schwer abzulesen. Zusammen mit dem Text versteht man die Arbeitsschritte allerdings recht gut.

Interessant wurde es für mich bei den Bindungen. Leinwandbindung ist das, was wir alle im Kindergarten oder Schule versuchten, oder, wenn die Wolle recht fest zusammengeschlagen wird, sodass die Kettfäden verschwinden, haben wir (ohne es zu ahnen) ein Ripsgewebe hergestellt. Hier gibt es aber noch Köperbindung, Fischgratbindung, Panamabindung und Rautenbildung. Auf wunderschön gestalteten Doppelseiten werden die einzelnen Musterbindungen vorgestellt. Die Begriffe kennt fast jeder, zumindest Köper- und Fischgrat, aber wie geht das auf einem Rahmen? Damit habe ich mich, das Buch zur Seite, ein paar Abende herumgeschlagen…

Abschließend werden im Kapitel 2 noch Kantenabschlüsse (Quasten, Knoten, Hohlsaum…), und Veredelungen, also letzte Feinarbeiten, wie waschen, spannen etc. vorgestellt.

Ja, und dann Kapitel 3.

Hier sieht man fünf höchst ambitionierte Projekte: Wandbehang, Kosmetiktäschen, Platzdeckchen, Kissenbezug und eine Tasche mit Schlingen. In den Projekten sind immer gleich ein paar der vorgestellten Techniken angewandt, eine Herausforderung. Fiona Daly zeigt was in einem einfachen Webrahmen steckt und was alles möglich ist! Dabei gibt es sehr genaue Materialangaben und Schritt für Schritt Anleitungen mit zahlreichen Fotos zu allen kniffligen Situationen.

Es ist ein wirklich gutes Grundlagenbuch, das auch schon ehrgeizigere Arbeiten möglich macht. Das alles mit den einfachsten technischen Hilfsmitteln. Man sieht, dass es ihr ein großes Anliegen ist die vielen Möglichkeiten der kleinen Webrahmen aufzuzeigen. Die Autorin arbeitet am liebsten mit Wolle und gerne mit Naturtönen, diese sanfte Farbigkeit zieht sich durch das ganze Buch. Es bildet ein ruhiges, harmonisches Ganzes.


Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für Anfänger und Wiedereinsteiger, die mehr wissen wollen und gute handwerkliche Kenntnisse erwerben möchten. Der Webrahmen mit dem gearbeitet wird, ist zwar simpel, aber es sind auch einige herrausfordernde Projekte enthalten – zu meinen eigenen Versuchen nach dem Buch bald mehr!

Buch: Weben mit kleinem Rahmen von Fiona Daly, erschienen 2019 im Stiebner Verlag, 143 Seiten, mit zahlreichen Fotos und Illustrationen, Format 27 cm x 21 cm, Softcover     ISBN 978-3-8307-2064-5

webmuster

 

 


2 Gedanken zu “Weben mit kleinem Rahmen – Ein Buch von Fiona Daly

  1. Wow, liebe Silvia, das sieht wirklich sehr ambitioniert aus, aber nachdem ich dein erstes Nadelbriefchen mit dem gewebten Stoff gesehen habe, halte ich bei dir alles für möglich! Ich bin gespannt, was du weiter davon berichten wirst! Lieben Gruß. Susanne

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