Farbpaletten in der Malerei: Anonym-Cats and Kittens

Cat and Kittens, American 19th Century, National Gallery of Art

Dieses Bild fand Platz in unseren Farbpaletten weil Katzen drauf sind. Wir geben das jetzt so einfach unumwunden zu. Es ist ein anonymes Bild. Der Maler/die Malerin sind unbekannt. Einordnen kann man solche Bilder manchmal in ein bestimmtes Zeit- und/oder Ortsumfeld. Das Bild ist 30 cm x 35 cm groß. Es ist mit Ölfarben auf Holz gemalt und ist in Amerika im 19. Jahrhundert entstanden.

Für mich steht das liebenswert und sehr schön gemalte Bild für die vielen namenlosen Künstler, die einfach ihrer Begabung, ihrem inneren Antrieb folgten und mit ihren Arbeiten sich selbst und ihre Mitmenschen erfreuten. Oder- und das ist genauso bedeutend- für die die Malerei einfach eine (oder die einzige) Möglichkeit war ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Cats and Kittens ist sehr nahe dem, was man gemeinhin als naive Malerei bezeichnet.

Das Adjektiv „naiv“ hat neben seiner sehr abwertenden Übersetzung einfältig, töricht die neutrale bis positive Bedeutung natürlich, kindlich, unbefangen, arglos, treuherzig und ist als Entlehnung im 17. Jahrhundert von gleichbedeutend französisch „naïf“ (gebürtig, ursprünglich, natürlich, echt) entstanden, welches auf lateinisch „nātīvus“ (durch Geburt entstanden, angeboren, natürlich) beruht. So zu lesen in Wikipedia (danke).

Naive Kunst ist einerseits eine Sammelbezeichnung für künstlerische Arbeiten von nicht künstlerisch ausgebildeten Personen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und unterschiedlichem Bildungshintergrund, vorwiegend in der Malerei. Dann gibt es eine moderne Kunstrichtung der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart, die sich ebenfalls als Naive Kunst bezeichnet. Gearbeitet wird hier in bewusst kindlicher Darstellungsweise, oft sehr detailverliebt, meist findet eine Idealisierung oder Idyllisierung der Kindheit, Natur oder Vergangenheit statt.

Da die Naive Kunst erst mit dem Aufkommen moderner Strömungen des 20. Jahrhunderts Beachtung fand, lassen sich ihre historischen Ursprünge schwer rekonstruieren. Eine ältere Tradition hat die naive Malerei in den USA und Kanada, wo sie aus der Malerei von Wanderkünstlern entstand, die sich der Porträtmalerei widmeten.

In der modernen Diskussion über Kunst findet sich eine zunehmend kritische Sicht auf die durchaus diskriminierenden Begriffe „Naive Kunst“, „Outsider Art“, „Laien- und Sonntagsmaler“ sowie die Trennung von nicht-akademischer und akademischer Kunst. Es ist nicht für jeden möglich Kunst zu studieren und, ich stelle das so frei fest, es ist noch lange nicht jeder ein „Künstler“, der eine akademische Ausbildung genossen hat. Oft sind Herkunft, Geschlecht, Klassenzugehörigkeit oder finanzieller Hintergrund entscheidend dafür, ob jemand Kunst studieren kann und daher auch gesellschaftlich als Künstler anerkannt wird. Dann geht es nicht nur um Begabung oder Befähigung sondern ob jemand dem Professor/ der Professorin „reinpasst“. Soviel zu den Studienmöglichkeiten. Die Kunsthistorikerin Susanne Pfeiffer sagt zur Trennung zwischen akademischer und nichtakademischer Kunst: Kunst, die nicht im anerkannten System stattfindet, werde meist von diesem abgelehnt. Aufgrund der Definitionshoheit, die beim System und nicht bei den Künstlern liege, würde eine Terminologie verwendet, die ausschließend sei und nicht auf Inklusion abziele. Das ist ein bemerkenswerter Ansatz, finde ich.

Interessant ist auch die Frage der Nähe zur Volkskunst. Der Tradition nach mit dem ländlich-bäuerlichen Lebensraum verhaftete Motive werden gewöhnlich der Volkskunst zugeordnet. Wobei immer schwerer zu sagen ist, was Volkskunst ist. Die naive Kunst steht wie die Volkskunst außerhalb der kunsthistorischen Stilrichtungen und Epochen, sie ist im Unterschied zu den kollektiven Formen der Volkskunst aber völlig durch die Individualität des Künstlers geprägt.

Egal ob mit oder ohne Akademie das Entscheidende ist für mich, ob die Wirkung einer bildnerischen Arbeit zu einem „Gespräch“ zwischen Bild und Betrachter führt. Was zu einer höheren Erlebnisfähigkeit der Weltbetrachtung führen kann. Es ist möglich, dass ein Bild eine von mir vernachlässigte Weltsicht offenbart, die mein Innerstes erschüttert und deshalb bin ich vom Bild ergriffen, berührt es mich, fasziniert es mich. Ähnliche Erfahrungen können uns beim Hören von Musik, bei einer Begegnung mit einem Menschen, aber auch bei kleinsten alltäglichen Dingen/Beobachtungen/Erlebnissen passieren. Der entscheidendende Punkt ist: Das Bild… und der, in der Begegnung damit erlebte, erfahrene Eindruck ist mir geschenkt. Das kann nicht erworben, gekauft, verdient werden. Man kann es nicht erzwingen. Es ist unserem Willen unverfügbar.

Für mich stand gleich fest, für Cat and Kittens möchte ich Patchwork machen aus höchst unterschiedlichen Materialien. Vielleicht waren es die exquisit dargestellte Spitze im Bild, oder die sehr reizvoll gemalte Tapete und das Fell der Katzen die mich auf diesen Gedanken brachten. Ich wollte bei dieser Arbeit Glattes und Rauhes spüren, Glänzendes Mattem gegenüberstellen. Es finden sich Wollstoff, Strickstoff, Baumwolle, Cupra, Shanderiseide, Rohseide, glatte Seide, grober Schnürlsamt/Cord, Spitze, ein Vorhangstoff aus Kunstfaser und ein goldener Glitzerstoff in fröhlichem nebeneinander, aber in einer sehr harmonischen Farbpalette. Es gibt viele einfarbige Stoffe, aber auch Prints. Die durchsichtigen Stoffe sind mit Vlies verstärkt. Zugeschnitten habe ich Quadrate in der Größe von 14 cm. Das Nähen ging trotz der sehr verschiedenen Stärken erstaunlich gut. Alte und neuere Perlmutt- und Kunststoffknöpfe halten die kleine Decke zusammen. Der Rand aus Baumwollsatin ist 6 cm breit. Die Decke ist 88 cm x 94 cm groß. Ihre Unterseite besteht aus weichem dunkelbraunen Wollstoff. Trotz des ungewöhnlichen Materialmix fühlt sich die Decke gut an.


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