Vintagehutschnitte neu genäht: eine Kappe

Mein erster Vintageschnitt für einen Hut stammt aus einer alten Burda, genaugenommen Burda Januar 1953. Als meine Mutter von meinen Hutnähversuchen hörte, sagte sie sofort: „Da musst du in den alten Burda nachschauen, früher waren viele Hutschnitte drin…“ Na klar, in den 50igern trug man immer Hut und irgendwie fast alles Mögliche und Unmögliche auf dem Kopf. Da gibt es schon sehr exzentrische Modelle, aber trotzdem wirken diese Hüte zusammen mit den Kleidern cool. Natürlich waren die Frisuren und die Art sich zu schminken ebenfalls ein entscheidender Faktor für den Gesamteindruck. Auffällig an den Kappen und Mützen unten auf dem mittleren Foto ist jedenfalls, dass alle am Hinterkopf sitzen und die Stirn bzw. den Haaransatz freilassen.

Dieser Vintageschnitt, den ich versuche, ist eine rote Kappe aus Wirkware mit Soutachebändern die zwei Falten und den Saum halten. Als Untertitel zu dem Foto steht: Kann man sich eine hübschere Umrahmung für ein junges Gesichtchen denken als diese Kappe aus Wirkstoff? Das Ganze ist eigentlich ein Stoffstreifen und ein relativ kleiner ovaler Mützenboden. Der Stoffstreifen ist auf einer Breitseite leicht gebogen.

Im Original sind die Falten gelegt und mit den Soutachebändern in sehr großen Stichen fixiert, genauso die untere Kannte. Mir ist immer noch nicht so ganz klar, welche Art Stoff das sein müsste, durch den diese Bänder leicht durchgezogen werden können. Aber die Materialien verändern sich natürlich. Ich dachte also, ich nehme ein modernes Material und das erste, das mir einfiel war Denim. Zumindest hatte ich sowas zuhause… Bei meinem Jeansversuch habe ich die Falten gleich mal in die falsche Richtung gelegt. Statt mit Vorstichen wollte ich mit Sashikomustern arbeiten. Soviel zur Theorie. Das Einnähen des kleinen Ovals war bei all meinen Versuch recht mühsam. Die Sashikostiche finde ich gut, nur erinnert das ganze Ding auf Grund der blassblauen Farbe ziemlich an OP Häubchen…Aber- das muss ich gleich mal sagen- es fühlt sich gut an und ich glaube, es passt prima für windige Frühjahrs- und Sommertage.

Da Wirkware ja eigentlich auf etwas Dehnbares schließen lässt, verwendete ich für meinen nächsten Versuch Strickstoff. Da hatte ich ziemliche Schwierigkeiten mit der richtigen Faltentiefe, die erste geriet mir etwas tief, für die zweite Falte war schlicht kein Stoff mehr da. Oder war der Strick zu dick? Die Kappe wurde etwas klein, gerade mal so für den Hinterkopf. Tja, eben ganz im Stil der 50iger Jahre. Meinen Murks wollte ich ausgleichen mit zusätzlichem Schnick-Schnack: Ich stickte auf manche dieser Leoflecken dunkle Perlen und befestigte damit gleichzeitig punktuell die Falten. Nur: Man sieht das alles nicht wirklich.

Dann ruhte das Projekt erst einige Zeit. Aber wer nimmt schon gerne eine Niederlage hin? Es ließ mich nicht los. Zwischendurch hatte ich zwei vermurkste Versuche mit einem anderen Vintagschnitt gemacht, da wurde es wieder Zeit für die Kappe. Nächster Versuch: Waxprint, Dirndlstoff und Karo. Ich habe ein tolles Buch über Afrikanische Mode Atemberaubende Mode aus Afrika von Emanuelle Courreges und darin fanden sich herrliche Kleider aus der Kollektion Dear George von Ituen Basi. Es sind gepatchte Kleider aus Karostoffen, dabei sind die Stoffstreifen wellenförmig aneinandergefügt. Also kam ich auf eine neue Idee: Bei jeder Falte ein anderer Stoff. Das Thema wäre ausbaufähig, sowie ich Zeit habe. Leider habe ich zu knapp zugeschnitten und konnte die Kappe nicht selber probieren. die Optik jedenfalls mag ich. Es ist eine entschieden exotisch wirkende Version geworden. Obwohl nur ein Stoff afrikanisch ist. Diesmal sind die Falten mit kleinen Vorstichen und Knopflochgarn fixiert.

Noch immer auf der Suche nach zeitgemäßen Materialien kam ich auf den Stoff Nummer Zwei, der unsere Kleidung dominiert: Jersey. Tatsächlich fand sich noch ein Stück meines fröhlichen Leoprints. Ich beschloss die Falten als Biesen zu interpretieren und fixierte sie mit Zickzackstich. Das kleine Oval oben war wieder meine größte Herausforderung. Natürlich liegt der Gedanke nahe, den rechteckigen Stoffstreifen zu erhöhen und oben ganz einfach zusammenzuziehen und es entstünde das, was aktuell als Beanie bezeichnet wird. Oder ist vielleicht genau dieses eingesetzte Oval das Besondere? Ich bin mir immer noch nicht ganz klar, ob ich das Oval mag oder nicht, aber allmählich gewöhne ich mich dran. Jedenfalls sieht diese Kappe/Mütze prima aus.


Fazit: Irgendwie ist bei meinen Versuchen die doch auch sehr reizvolle grafische Wirkung der Bänder abhanden gekommen. Damit würde ich mich noch gerne weiter beschäftigen.

Material: Reste

Schnitt: Burda Januar 1953


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