Das ist gehäkelt? – Ivy Hat

Wäre es nicht einfacher, das zu stricken? Brioche oder so… Theoretisch vielleicht ja, aber ganz ehrlich ich stricke nicht gerne. Stricken stresst mich eher, als dass es mich entspannt. Vielleicht erscheint es manchen mühsamer mit Kettmaschen etwas zu kreieren, das auch gestrickt werden könnte. Aber ich bevorzuge häkeln, da kenne ich mich aus, da fühle ich mich wohl, es entspannt mich.

Allerdings war der Einstieg in dieses Projekt doch eine Herausforderung. Kettmaschen sind jetzt nichts neues für mich, aber so exsessiv verwendet war neu für mich. Ich hatte zum Mitnehmen am Knitfest ein kleines nettes Projekt gesucht und da erinnerte ich mich an die tollen Mützen von Liudmyla Hefny. Die Mütze Ivy war schon ganz lange in meiner Favouritenliste und es erschien mir, dass es das perfekte kleine Projekt zum Mitnehmen wird.

Dadurch, dass nach der Maschenprobe berechnet wird, welche Panelhöhe sein muss und wie viele Panels man braucht, gibt es einen breiteren Spielraum verwendbarer Wollstärken. Ideal also um die vor Jahren gefärbten Einzelstränge zu verwendet. Weiche reine Schurwolle, in vier verschiedenen Farben, meliert, je ein 100 gr Strang.

Am Vorabend des Knitfests schnappte ich mir also meine Wolle und Anleitung, häkelte Luftmachen, Kettmaschen, Kettmaschen mit Umschlag, und dann ging es los: yo2slst was ist das denn? Und hier p2l-slst und Inc-yo2slst. Hilfe. Die Doku studierte ich ganz genau, dann musste pausiert werden und die Übersicht der Maschen studiert werden und auch, um sicher zu gehen, dass ich da nicht pfusche, sah ich mir sämtliche die Videos dazu. Der Nachteil von Häkeln ist, jede Schlaufe könnte die Richtige sein.

Ich bin tief in diese für mich neue Welt der Kettmaschen eingetaucht. So langsam wusste ich, was ich zu tun hatte, wenn yo2slst in der Anleitung steht und wann dieser Stich auftaucht. Verwendet wird er bei einer, ich nenne es Stufe, man häkelt über das Ende der verkürzten Reihe auf die untere Reihe weiter, aber so, dass das Muster schön fliesst und keine Löcher entstehen. Es gibt Techniken, da denke ich mir, das kann ich mir auch selber zusammenbauen und dann gibt es Muster, wie diese, wo ich mir denke, ich verstehe das Prinzip, aber dass jemand auf die Idee kommt es überhaupt mal so zu machen… Es gibt vier verschiedene Versionen im Muster, um eine Stufe runterzugehen. Wie lange tüftelt die Designerin da wohl, um genau sagen zu können, da so und dort so. Bewundernswert.

Am Knitfest, habe ich dank schummriger pinker Beleuchtung meine unvollendete Maschenprobe im Rucksack gelassen. Es ist zwar ein kleines Mitnehmprojekt, das aber doch ein bisschen mehr Fokus braucht. Die Maschenproben machte ich zuhaus entspannt bei guter Beleuchtung fertig, vermass sie, berechnete die Panelhöhe und die benötigte Anzahl und schob das Projekt auf die Seite. Die Mini Sweater standen im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit.

Kurz darauf, traf ich mich mit einer Freundin zum gemeinsamen Häkelwochende und von ihr kam der Vorschlag, wieder ein gemeinsames Projekt zu finden. Die Sunburst Granny Square Decke war unser letztes gemeinsames Projekt. Mein Vorschlag für die Ivy Mütze gefiel ihr und der hellgrau melierte Strang auch. Die identische Wolle bedeutete, wir würden einfach nur nach den Berechnungen meiner Maschenprobe arbeiten und einfach annehmen, dass wir nicht komplett unterschiedlich häkeln.

Da ich schon minimal mehr Erfahrung mit dem Muster hatte, konnte ich meine Freundin durch die Anleitung leiten (wir hatten beide unser eigenes Exemplar erworben) und wir häkelten unser erstes Panel. Tatsächlich war die Grösse identisch. Nachdem wir drei Panels gemeinsam gehäkelt hatten, arbeiteten wir dann im individuellen Tempo und, was soll ich sagen, als ich vom gemeinsamen Wochenende heim kam, habe ich gleich die mir noch fehlenden Panels gehäkelt. Außerdem habe ich eine neue Mütze angefangen, dieses mal mit Krempe. Da ich nicht wusste ob die Wolle reichen würde, hatte ich das erste Panel einfach mit Krempe gehäkelt und gewogen. Es reichte knapp nicht. Am nächsten Morgen, hatte ich dank Feiertag frei und wog nochmals zur Sicherheit den ganzen Strang inklusive ersten Panel. Vielleicht hatte er ein bisschen mehr Gewicht, aus Erfahrung waren die Stränge zum Färben immer 100 gr, aber doch öfters drei vier Gramm mehr. 104 gr zeigte mir die Waage an und laut meiner Berechnung würde ich 103 gr brauchen. Ich konnte also die Mütze in rot meliert mit Krempe häkeln. Das ultimative Ziel war am Ende, aus dem gelb melierten Strang eine Mütze für mich mit Krempe zu häkeln. Ich mag gelbe Mützen. Nur schöne gelbe Wolle ist selten.

Ich häkelte den ganzen Tag. Gegen Ende beim letzten Panel wurde ich schon nervös, denn die Wolle wurde immer weniger, aber die Reihen waren noch so zahlreich. Würde es reichen?

Auch wenn Kettmaschen jetzt nicht so viel Wolle fressen, überlegte ich schon, was ich tun könnte, sollte die Wolle nicht reichen. Mit einer Kontrastfarbe weitermachen? So tun als sei es geplant, dass ein paar Reihen fehlen… Aber die Wolle reichte. Knapp, 1,7 Gramm blieben über.

Somit stand meiner gelben Mütze mit Krempe nichts im Weg. Ich wusste auch, wenn es knapp werden würde, die Wolle reicht. Und so entstand die dritte Mütze. Die lila Mütze ging als Weihnachtsgeschenk an Mama und die rote an Papa, er liebt diesen Rotton und schon als ich diesen Strang gefärbt hatte, hätte er gerne irgendwas damit gehabt, schliesslich steht im die Farbe ja ausgezeichnet.

Die Mützen begeisterten nicht nur mich, sondern auch eine Freundin und so entsteht gerade eine vierte Ivy Mütze, allerdings mit einem feineren Garn, sodass eine andere Panelhöhe und Anzahl nötig ist. So ist es zwar das gleiche Muster, hat aber eine andere Wirkung.

Durch diese Mützen habe ich wieder einmal mit reiner Schurwolle ohne Behandlung und Zusätze gearbeitet und es sehr zu schätzen gelernt. Ich finde für eine Mütze ist die dicke Struktur ideal. Ich trage meine Mütze gerne und bin absolut zufrieden. Alle anderen Mützen, werden diesen Winter nicht mehr ausgepackt bzw die, die ohnehin schon etwas mitgenommen waren oder aus Acryl bestanden, sind im Mülleimer gelandet.

Ich habe meistens eine einzige Lieblingsmütze, die ich immerzu trage, bis sie kaputt wird. Aber von der Designerin gibt es noch zwei weitere Muster die mir sehr gefallen, Majestic hat und Hazel hat und ich hab da noch einen schönen grünen Einzelstrang Wolle…


Fazit: Das Muster ist toll, es wird alles erklärt, es lässt keine Fragen offen und es ist perfekt um diesen einzelnen Strang Wolle zu verwenden, denn man irgendwann mal gekauft hat und nicht wirklich weiss was damit tun.

Anleitung: Ivy Hat von Liudmyla Hefny

Material: Lanolingarn Nm 4.5/2-fach von Spycher Handwerk, selbst gefärbt


3 Gedanken zu “Das ist gehäkelt? – Ivy Hat

  1. Ich häkele schon seit ein paar Jahren für die Düsseldorfer Wollengel e.V Mützen für Obdachlose, die nicht nur an Obdachlose in Düsseldorf verteilt werden. Die Düsseldorfer Wollengel haben eine Homepage und sind bei Facebook sowie Instagram. Liebe Grüße aus Essen, Martina 👋

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Martina Mallon Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..