Ein Parka aus dem Duschvorhang

Sabine hat entschieden, dass ihr Duschvorhang zu düster ist. Er wirkte ja wirklich recht dunkel und deprimierend in ihrem Bad. Und wer mag so etwas schon frühmorgens… Jedenfalls kam mir so die Idee, dass ich daraus etwas nähen könnte. Ich war einfach neugierig. Wie lässt sich der Stoff verarbeiten? Lässt er sich überhaupt gut nähen mit einer normalen Nähmaschine? Was könnte ich daraus machen? Also habe ich den Vorhang in den Koffer gepackt und mit nach Österreich genommen. Ich will ehrlich sein. Ganz kurz zweifelte ich an meiner Idee und ich fragte mich, ob es nicht doch besser wäre den, immerhin noch recht guten, Vorhang zu spenden. Aber wie man sieht: Er blieb bei mir und verwandelte sich in einen Parka. Es war eben so wie eine Upcycling-Aufgabe aus The British Sewing Bee. So in etwa fühlte ich mich. Nur, möglicherweise lag das an meiner Modellwahl, ich brauchte doch recht lange und wäre wohl ein Kandidat, der zur gegebenen Stunde ein unvollendetes Modell herzeigt…

Duschvorhang

Auf gut Glück hatte ich ein paar Modezeitungen aus dem Schrank genommen um nach einem Schnitt zu suchen, der so ungefähr meiner Vorstellung entsprach. Meine Wahl fiel auf das Modell 125 aus der Burda Februar 2024. In der Zeitschrift wurde der Parka aus einem Leoprint genäht und es gibt davon nur ein Foto mit offen getragenem Parka. Die technische Zeichnung gefiel mir, also ging es los. Schnitt herausgenommen und aufgelegt. Da kam gleich das erste Problem: Der Vorhang ist oben nur weiß mit etwas grauem Verlauf, unten dagegen ziemlich dunkel. Also trennte ich den Vorhangsaum auf, um wenigstens die Körperteile im „Dschungellook“ zu haben. Das mit den Ärmeln und der Kapuze würde sich schon irgendwie ergeben. Da gab es aber noch so ein Teil in der Mitte, das sollte vielleicht auch noch platz finden. Also musste ich auch noch einen Seitensaum auftrennen. Jeder Zentimeter zählt. Die Raglanärmel versuchte ich so aufzulegen, dass sie oben etwas dunkler sind. Vielleicht wäre es andersherum noch origineller gewesen. Am besten hätte ich in diesem Moment zum Skizzenblock gegriffen und ein bißchen gezeichnet… Habe ich nicht, ich habe zugeschnitten. Das ging erstaunlich gut. Das Nähen funktionierte ebenfalls einwandfrei.

Dann hatte ich natürlich bald die Idee, dass ein Futter angenehm beim Tragen wäre. Das Original ist ungefüttert. Ich verwendete ausnahmslos Material aus dem Schrank. Der eine weiße Futterstoff, ein sehr dünnes glitschiges Material, war zuwenig. Also bekam die Kapuze einen anderen Futtterstoff, der viel, viel besser zu nähen war, aber eben nur für etwas Kleines reichte. Apropos Kapuze: Sie ist total überdimensioniert. Möglich, dass das letzten Februar der letzte Schrei war. Groß ist durchaus gut, aber mit dieser Kapuze kann man der geheimnisvolle Mönch spielen, wenn man sie überzieht ist sogar der Hals verdeckt… Jedenfalls entschied ich mich dafür sie zu verkleinern, nur war da das große Ding samt Futter bereits an der Jacke festgenäht, also gab es ordentlich zu trennen…Sie ist jetzt um gut 10cm niedriger-und rutscht mir noch immer über die Augen.

Was die Kapuze zuviel an Größe hat, fehlt bei den Taschen: die sind recht winzig ausgefallen. Ich habe nur die Seitennahttaschen genäht. Einerseits weil ich mich bei diesem Material (oder war es doch der innere Schweinehund?) nicht auf nähtechnische Experimente mit den eingeschnittenen Brusttaschen einlassen wollte, andererseits weil mein Material etwas knapp war.

Statt einem aus dem gleichen Stoff, also dem Duschvorhang, genähtem Einzugband erwarb ich eine passende Kordel-das einzig zugekaufte Teil. Köperband verwendete ich beim Tunnelzug an der Innenseite, es war einfach kein Stoffstreifen übriggeblieben. Natürlich hätte ich auch Außen- und Futterstoff zusammennähen können, aber bei meinem glitschigen Futter und meiner, bekanntlich nicht sehr perfekten, Zuschnitt- und Nähmethode schien es mir sinnvoller den Tunnel mit dem Köperband herzustellen. Verschwindet sowieso alles unter dem Futter…Der Reißverschluss ist dottergelb und hat Silberzähnchen, der Olivgrüne war leider viel zu kurz. Das sieht jetzt nicht so toll aus, aber es funktioniert. Herausgekommen ist eine durchaus originelle Jacke. So eher für Wind und Nieselregen geeignet. Ich glaube nicht, dass sie dem momentanen Starkregen lange stand hält.


Fazit: Sowas ist einfach spannend und da mein Bedarf an Strapazkleidung für draußen recht groß ist, passt mir die Jacke recht gut. Wenn man von der praktischen Seite spricht: Da braucht es gar keinen Tunnel mit eingezogener Kordel, stört eher, das ist mehr für die schicke Stadtversion…Und sollte ich den Schnitt nochmals nähen, dann ohne Futter.

Schnitt: Parka 125 Burda 2/2024

Material: Duschvorhang, Futterstoff, Nähseide, 2 Druckknöpfe, Reißverschluss

Verlinkt zum Memademittwoch


10 Gedanken zu “Ein Parka aus dem Duschvorhang

  1. Megacooles Teil. So hat der ansich schon recht schöne Duschvorhang doch gleich noch ein zweites Leben bekommen und kommt noch dazu öfter mal raus. Und darf mit dir durch Pfützen springen und nicht nur ein zweites Leben sondern auch gleich noch eine zweite Kindheit erleben ;-)

    Liebe Grüße, heike

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    1. Der Parka wird auf jeden Fall gerade recht für unser aktuelles Nieselwetter. Ich mag solche Experimente, da muss man mehr herumtüfteln und überlegen…Liebe Grüße, Silvia

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  2. Wie genial ist das denn!? Parka aus Duschvorhang, darauf muss man erstmal kommen. Aber sag: Was spricht dagegen, ihn bei Starkregen einzusetzen? Duschvorhänge sind ja normalerweise auch sehr dicht? Oder ist das keine reine Plastikfolie, sondern eher so ein beschichtetes Gewebe? Dann könnte ich mir auch noch vorstellen, dass es bei Starkregen bei den Nähten durchsuppt, d.h. dass die Nähte noch mit Tape hinterlegt bzw. abgeklebt werden müssten. Aber so als Experiment: Wow! Sieht total cool aus, finde ich. Liebe Grüße, Gabi

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    1. Es ist ein Gewebe und es gibt aus ähnlichem Material ja auch Regenjacken zu Kaufen. Die Nähte müsste man vermutlich hinterlegen. So superdicht wie eine klassische Friesenhaut ist er nicht, aber bei dem feuchten Wetter, wo alle Sträucher nass sind und tropfen, hoffe ich, wird der Parka praktisch sein. Toll ist jedenfalls: Er ist ganz leicht. Liebe Grüße Silvia

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    1. Danke, ja sie ist sehr originell geworden, den Vorhang hatte ich mir vorher gar nicht so genau angesehen. Erst das Schnittauflegen war die Stunde der Wahrheit…liebe Grüße, Silvia

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  3. Sehr genial – und schick dazu auch noch. Meinst du nicht, dass gerade so ein Duschvorhangstoff auch Starkregen aushält? Dazu ist so was doch da, oder? Ich hätte eher die Befürchtung, dass man dabei furchtbar schwitzt ….

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  4. Was für eine coole Idee, aus einem Duschvorhang eine Regenjacke zu nähen! Mir gefällt sie optisch ausgesprochen gut und auch die große Kapuze wäre was für meine Mähne, die unter normale Kapuzen kaum drunter passt. :)

    Liebe Grüße,

    Katja

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