
Abgesehen von der Garnierung, einem äußerst lieblos geklebten Band, das teilweise beschädigt war, kam mir der Hut selber gar nicht so schlecht vor. Vorausgesetzt, man mag diese Art Schlapphüte. Ich habe ihn also kurzerhand mit einem neuen Stoffband versehen und gleich einmal zu einem Fotoshooting aufgesetzt. Ehrlich gesagt, es sah blöd aus, die Kombination ich und der Hut. Naja, das ist ja weiter nicht tragisch. Also wanderte er zurück zu meiner Schachtel mit Hüten zum Experimentieren, wo er auch längere Zeit blieb.

Das Material des Hutes ist übrigens nicht Stroh sondern ein künstliches, bastartiges Material, verstärkt mit einem Nylonfaden. Es gibt viele solche geflochtene Hüte, vor allem im Sommer finden sie sich in Kaufhäusern als Accessoires zur Sommermode, und es gibt sie in allen Farben. In der Schweiz haben Sabine und ich sogar einen Hersteller derartiger Borten ausfindig gemacht. Aber leider, leider habe ich es noch nicht bis dorthin geschafft. Wann mir einfiel, dass ich doch versuchen könnte den Hut aufzutrennen, weiß ich nicht. Jedenfalls wollte ich irgendwie die schlappe Krempe loswerden, nötigenfalls auch mit der Schere. Eine Weile spielte ich mit dem Gedanken eine Kappe daraus zu machen. Aber dann sahen wir im Fernsehen bei einem Tennismatch eine äußerst coole Hutform und das gab den Ausschlag.


Ich habe noch nie versucht aus Bändern oder Borten oder Stoffstreifen einen Hut zu nähen. Auch da gibt es hübsche Beispiele und ich bin mir sicher die eine oder andere von Euch hat so etwas bereits versucht. Ich jedenfalls nicht. Das Auftrennen geht übrigens sehr leicht, weil auf professionellen Spezialmaschinen genähte Hüte keinen Unterfaden haben und sich daher leicht auftrennen lassen.







Jedenfalls habe ich mich erst einmal mit dem Buch Hut und Putz von Josephine Barbe, erschienen im Hauptverlag, schlau gemacht, wie das mit dem Strohbortennähen so geht. Es klang auch geschrieben leicht verwirrend, obwohl ich sagen muss: So theoretisch war mir das in etwa klar, aber praktisch? Das Problem war ja die gewünschte Form. Als ich bei der Maschine saß, wußte ich gar nicht so recht wie ich an mein Ziel kommen sollte. Es ist nämlich nicht leicht eine schmale Borte mal einzuhalten mal zu dehnen (obwohl die Borte das alles zulässt) und das sehr gleichmäßig…Jedenfalls brachte ich meine Idealform so halbwegs zusammen. Nur wurde der von mir zusätzlich erhöhte Kopfteil/die Krone nicht so regelmäßig, sie hatte eine leichte Tendenz nach innen, und bei der Krempe gibt es verschiedene Beule und Dellen. Wer die Foto ansieht, erkennt leicht die Unregelmäßigkeiten. Ich habe den normalen Steppstich verwendet, ca Größe 3, der Zickzackstich wäre wahrscheinlich klüger gewesen. Außerdem habe ich so oft daneben genäht, unglaublich!

Das Ganze würde ich mit einer tollen Garnierung wettmachen, dachte ich. Es gab da verschiedene Versuche, die mal mehr, mal weniger lange zur eigenen Begutachtung herumstanden. Ich habe sogar mit meinem reichen Fundus an Fasanenfedern experimentiert und gleich eine Menge dazugelernt. Das Problem war und blieb jedoch die schlechte Form. Es ist immer schwierig Mängel einer Form mit Dekor zu übertünchen. Also versuchte ich den witzigen Weg: Ein Reststück Ikatbaumwolle, ein nicht verwendetes, übersticktes Vogelmotiv aus einem anderen sehr schönen BW Print und gelbe Holzperlen schmücken einen nicht ganz ernstzunehmenden Sommerhut.




Fazit: Es ist lustig, spannend, aber gar nicht so leicht…
Material: cremefarbener Flechtbortenhut vom Flohmarkt, Stoffreste (Ikat von Karlotta Pink), gelbe Holzperlen, Nähseide
Was für eine geniale Idee, den Hut neu zu formen – sehr inspirierend. Hab vielen Dank fürs zeigen.
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Leider bin ich nicht schon früher auf diese Idee gekommen, aber ab jetzt kommt jeder ausrangierte Strohbortenhut dran! Liebe Grüße, Silvia
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Ja wenn Du jetzt evtl. ‚in Serie‘ gehst, solltest Du Dir vielleicht wenigstens eine Papp-Mache-Form machen?
Meines Wissens sind naemlich auch ‚NICHT-Stroh-Huete‘ (= Papier, Fell usw.) etwas ‚ENDformbar‘ wenn (warm) befeuchtet und vorsichtig(st!) in Form gezogen/geschOBEN (!).
Ist aber bei manchen Materialien wirklich eine ‚rohe-Eier-Sache‘ und das Dampfbuegeleisen als ‚dampfspuckenden Kleindrachen‘ zu verwenden ist auch eine – vorsichtige – Anwendungsmoeglichkeit.
Die Pappe-Ersatz-Kopf-Form zum Arbeiten dann aber irgendwie wasserfest machen. Du brauchst Dich aber nicht komplett verausgaben mit dem ‚Schichtweise Warten auf’s Trocknen‘ (D)eines ‚Ersatzkopfes‘ aus Pappe: eine kleinere umgestuerzte Salatschuessel als Starter tuts auch und wenn selbige herausgenommen ist kann man darauf weiter mit neuen, duennen Nass-Pappe Lagen aufbauen. (S)eine ‚Ruebengroesse’* muss man sowieso trotzdem immer im Auge behalten, denn das Pappmodel schrumpft schon ordentlich beim Trocknen, ist aber besser & billiger – schneller evtl. kaum – als eine sog. Holzblock-Form?
Fuer die – derzeit – gewuenschte/geliebte Krempenform empfiehlt sich wohl auch eine entsprechende Form? Evtl. zum Abnehmen bzw. daZUsetzen zum Kopf-Modell ?
Ich selbst habe hier ja ueberwiegend das Problem mit umzuformenden Leder(Fell)Hueten, welche dann ’nach dem Waschen‘ und in Form ziehen/druecken waehrend des Trocknens mitunter eine duenne Plastikschuessel, welche ich f. mich selbst als ansonsten perfekten Kopfersatz verwende – in Umkehr UMformen koennen ^^ = trau & schau (D)einem Arbeitspartner/-Material (= nicht voll!).
Jedoch zurrueck zum im Beitrag betroffenen Hut: musste hier wirklich lachen, denn ’schlabbernde Hut-Form‘ ist dafuer eher ‚Meine‘ (Hutform).
… manche dienten mir auch schon mal seeehr gut als sog. Schutz-Paravents, um nicht zu sehen, was ich sehen koennte: ‚Elefantos‘ (= Ohren) stark einklappen und Hut damit noch tiefer und vorne fast auf die Nase gesetzt, macht mich in Umkehr auf ‚fast unsichtbar‘ = beinahe besser als ein evtl. ansonsten zu warmes Harry P.-Cape ;-) :-D ?
Ja und eine mitunter sehr wichtige/richtige Hut-Dekoration ist hierzulande eine ‚Kleinflugkoerper-Abwehr-Vorrichtung‘ (ueberwiegend Fliegen, aber auch Staub und/oder Sand). Abnehmbare Elegant-Versionen lerne ich immer gerne dazu :-)
LG, G
PS:
muss mir mein ‚bewunderndes Huete Schwingen‘ hier bei Euch abgewoehnen; verliere sonst noch alle mit/durch Euch/Eure interessanten Blogbeitraege ;-) :-D :-D
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Dass ich den Hut Nachformen könnte daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich habe sogar Hutformen aus Holz, vielleicht nicht genau so eine , aber man kann ja auch im Geschirrschrank fündig wewrden. Liebe Grüße, Silvia
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Bingo: dann hast Du ja schon ein viel besseres Starter-Kit in Haenden als Andere.
Die vorsichtige Handhabung des Hutes – vor allem im Feucht-Zustand – ist mM ‚Die wirkliche Arbeit‘; ansonsten: Geduld und evtl. „Neuer Versuch und neues Glueck“ nach einem evtl. misslungenem Austrocknungs-Gang dazwischen. Bedenke aber die evtl. Schimmelgefahr bzw. ‚Kompostier-Ambition‘ des Hutes dazwischen: endlos ist ihre ‚(Mit)Spiel-Willigkeit‘ zu Umaenderungsabsichten von kreativen menschlichen Zweibeinern leider nicht (seufz)
… und es stimmt absolut: Geschirrschraenke sind eine wunderbare Fundgrube; inkl. Fundus fuer schnelle ‚Ersatz-Sicherheits-Helme‘. Dies vor allem wenn man bei Kopfschmerz-Anfaellen trotzdem auf den Fuessen sein muss obwohl manche Menschen dann furchtbar sturzgefaehrdet sind. Und jetzt wird’s Dich selbst ‚gefaehrden‘; naemlich vor Lachen fast vom Sessel stuerzen: zur schnellen Fang-/Halte-Vorrichtung hilft ein Zwiebelnetz ziemlich gut. Den Innenteil des provisorischen Sturzhelmes (aka Original-Salatschuessel) kann man notfalls mit einem Geschirrtuch etwas ‚auspolstern‘ und ein Anti-Rutsch-Tuecherl ist auch hilfreich. Das Zwiebelnetz als Fang-/Halte-Geraet f. die/eine Schuessel ist auf alle Faelle sehr hilfreich selbst wenn man notfalls die Seitenteile noch knotenreich verlaengern muss zur Bindefaehigkeit unterm Kinn.
Obige ‚Erfindung‘ basiert auf einem ordentlichen eigenen Erfahrungswert, da einmal ‚zwischen Wohnorten‘ lebend leider keines der ansonsten ohnehin existierenden Hilfsmittel (= tatsaechlicher Sturzhelm + Radlhelm) am Gebrauchsort gehabt. Ab dann wurde allerdings deren traute Zweisamkeit von Aufbewahrung beider in derselben Garage zerstoert: hier Einer und dort Einer; bis zum endgueltigen Umzug.
Bedenke: fast alle Koerperteile heilen leichter und mit evtl. weniger ‚Neben-Effekten‘ als ‚Die Ruebe/Der Kopf‘.
Viel Glueck, Spass und ertraeglichen Sommer:
LG
G
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