
Stopfen. So etwas altmodisches oder? Ich habe viel dazu gelernt. Eine viel größere Wertschätzung gegenüber unseren Textilien vor allem. Früher bedeutete ein geflicktes Kleidungsstück, dass man arm war oder geizig. Deshalb war das perfekte unsichtbare Stopfen die einzig akzeptierte Möglichkeit ein Kleidungsstück zu flicken. Heute gibt es einen anderen Zugang dazu: Unter den Flickern gibt es eine viel größere Krativität. Ich war schlichtweg begeistert und „von den Socken“ bei den tollen Ideen und Ausführungen, die ich sah. Textilien altern, so wie wir. Also Abschied nehmen und wegwerfen? Durch eine Reparatur schenken wir dem Textil Aufmerksamkeit und sorgen dafür, dass wir es noch länger tragen können. Ja, es kann sogar ein neues Gesicht bekommen und noch schöner werden. Reparieren von Kleidung ist nachhaltig und umweltschonend. Sichtbare Reparaturen können ein Statement gegen Fast Fashion und die Konsummentalität sein. Mit endlich erledigten Reparaturen und einigen Unvollendeten, lustigen Gesprächen über’s Herrichten und Stopfen, und vor allem sehr viel Neugierde auf eure Berichte sind wir heute Gastgeberinnen bei den Stoffspielereien. Das Thema wählte Sabine und ich will jetzt gar nicht behaupten, dass es mich so richtig „angetörnt“ hat. Aber ich stelle mich gerne kreativen Herausforderungen und mit dem Arbeiten und Versuchen kam der Spass an der Sache. Anhand einiger Beispiele will ich euch nun über meine Erfahrungen erzählen.
- Tyche von Tyche’s Touch zeigt, was sie mit den gestrickten Socken nach dem dritten Stopfen macht oder was man alternativ aus dem Material machen könnte.
- Gabi von made with Blümchen probiert einen kleinen Webrahmen fürs Stopfen aus.
- Gabi von langer Faden repariert einen Rock, der in der Fahrradekette landete, meisterhaft unsichtbar.
- Bei Stoffnotizen sieht man wunderbar wenn einem das Material oder die Geduld fürs klassische Stopfen fehlt, es geht auch anders.
- Ute von 123-Nadelei zeigt wie sie zerschlissene Taschen an einer Jeans repariert.
- Heike von 3he fecit nutzt das heutige Thema ganz praktisch und dezimiert den Flickstapel.
- Auch Mo von merlecolibri nützt den Anlass um ein paar Löcher zu flicken.
Peters Pullover
Dieser Pullover kam irgendwann vor langer Zeit als Second-Hand Ware zu uns. Wieso weiß ich nicht mehr. Jedenfalls wollte ich ihn gerade zu irgendeinem verrückten Damenmodell umarbeiten und zerschneiden, als ihn mein Mann entdeckte und für sich beanspruchte. Also wurde es Peters Pullover. Das Problem war nur: Er hatte am Rücken einen ziemlich hässlichen Farbfleck, der äußerst unappetlich wirkte, so braun gelb…Die Farbe ließ sich nicht entfernen. Daher entschied ich etwas darüber zu sticken. Ein Drache sollte es werden. Mein Mann dachte vermutlich an einen eleganten chinesischen Drachen oder irgend so ein tolles Fabelwesen- ich übrigens auch. Geworden ist es allerdings dieser Spielzeugdrache mit Rädern aus Knöpfen. Ich habe ihn übrigens sehr gut ausgeführt, denn trotz zahlreicher Wäschen hat sich die Stickerei kein bißchen verändert. Eines muss ich noch erwähnen: nach der ersten Irritation hat mein Mann seinen ganz persönlichen Spielzeugdrachen jedermann gezeigt…
Da die weißen Streifen vorne schon deutliche unentfernbare Russflecken (oder ähnliches) aufwiesen, habe ich die letzten Tage mit schwarzer Wolle darüber gestickt. Inspiriert wurde ich dazu von dem Buch Sticken auf Strick von Britt-Marie Christoffersson erschienen im Haupt Verlag.



Omas Cardigan
Bei dieser Jacke wollte ich irgendetwas Dekoratives versuchen. Grundsätzlich ist es ja so, dass man, wenn man mit dem Reparieren beginnt, seinen Patienten erst einmal wirklich gründlich untersuchen sollte, bei Sonnenschein, starkem Licht und am besten auch noch im Gegenlicht. Es zeigen sich dann meist viel mehr Löcher und Löchlein, als man vermutet. Diesen Cardigan habe ich Oma gewissermaßen direkt ausgezogen, daher hatte er erst einmal eine Wäsche nötig. Dann entfernte ich die Fussel und das Pilling. Danach nahm ich ihn genau in Augenschein. Es gab sehr viele Löcher und undefinierbare kleine Flecken (Am Bild markiert mit Washitape).
Kurz habe ich mit der Idee gespielt viele kleine Hunde zu applizieren, das wäre aber zu kompliziert geworden. Für die vielen Löcher applizierte ich wappenförmig zugeschnittene Stücke in grau, Reste von einem Strickstoff mit leicht felliger Struktur, mit der Nähmaschine appliziert. Die Miniflecken wollte ich mit Knötchenstich bedecken in den Farben Rot, Grautönen, Creme und sanftem Kaffeebraun, verwendet habe ich dazu dickeres Stickgarn. Erfreulicherweise fand sich sogar ein Reseveknopf im Inneren des Cardigan. Mir gefällt das Endergebnis sehr gut, aber ich habe noch nicht gesehen, dass Oma die Jacke trägt. Vielleicht hat sie jetzt zuviel Schnickschnack drauf…





Friedas schwarze Dreiviertelhose
Das ist eine schwarze Baumwollhose, schon etwas dünn und abgetragen, mit einem großen Loch und mehreren kleineren schadhaften Stellen. Vermutlich aber ist es eine angenehme Arbeitshose für den Sommer. Meine erste Idee war einen Aborigine Print unterzulegen und ganz „cool“ mit der Hand darüber zu sticken, also das Loch extra zu betonen.


Daraus wurde nichts. Mein Garn (Knopflochgarn) war viel zu dick, die Stiche wirkten bestenfalls unbeholfen und ich habe der Hose damit eher geschadet als genützt. Außerdem gab es sehr viele dünne Stellen an schwierigen Stellen. Da die Besitzerin gerade ihren 80.Geburtstag feierte habe ich letztlich zurückhaltendere Stoffe gewählt: Einen Rest eines japanischen Double Face (hier vernäht) und ein Streublümchenmuster aus Baumwolle Beige auf Schwarz, ein Dirndlstoff. Die Flicken sind mit beidseitig klebender Vlieseline aufgebügelt und mit der Maschine mit dem Zickzack-Stich festgesteppt. Unsere Katzendame Frida hat sich bei den Fotos jedenfalls auf Friedas Hose sehr gut gefühlt…




Mein Wolltuch mit Rosenprint
Dieses Wolltuch im richtig kitschigen Rosenprint habe ich letztes Jahr am Flohmarkt erstanden. Ich wusste, dass es Löcher hat- bloß nicht, dass es so viele waren- aber ich wollte es unbedingt. Bei einem Tuch ist es vielleicht nicht immer ganz leicht die beste Möglichkeit der Reparatur zu finden, da man häufig beide Seiten sieht und die gestopfte Stelle nicht zu steif werden darf. Erst dachte ich an eine Applikation mit schwarzer Spitze. Dann habe ich es schlichtweg in einem Stickkorb vergessen. Jetzt habe ich es beim Aufräumen wieder entdeckt und mich sehr spontan für eine witzige Lösung entschieden. Gestickte Bienen sollten die Blüten umsurren. Das Motiv stammt aus dem Buch Einfach Sticken mit Applikationen hier bereits vorgestellt und schon oft zur Hand genommen. Die Bienen habe ich aus gelbem Bastelfilz ausgeschnitten und mit Wollgarn festgestickt, genauso die Flügel (im Kettstich) und die Fühler. Einige kleinere Löcher habe ich mit schwarzer Wolle im Spannstich überstickt. Ein paar aufgeklebte Glitzersteine lenken von den nicht sehr gleichmäßigen Stopfstellen ab- für mich sind es Tautropfen…Da man ein Tuch üblicherweise eher selten und dann mit der Hand wäscht, hoffe ich, dass meine Stickerei durchhält…




Burgis Tasche
Wenn ich mir im regionalen Buchhandel neue Bücher abhole, werde ich meist gefragt: „Um was geht es denn diesmal?“ So kamen wir ins Gespräch über das Stopfen und zu meinem Angebot ob es nicht vielleicht etwas zum Herrichten gäbe. Bei meinem nächsten Besuch fragte die Buchhändlerin vorsichtig: „Du ich hätte da tatsächlich etwas…“ So erfuhr ich die Geschichte von der Lieblingstasche, bei der ein Griff abgerissen ist: zuviel eingepackt, wer kennt dass nicht…Ich bin keine versierte Taschennäherin und habe die Tasche erst einmal hin und hergedreht und untersucht. Eine der Halterungen war völlig ausgerissen, die anderen drei eingerissen. Irgendwie und zu irgendeinem bestimmten Zeitpunkt im Arbeitsprozess wurden die Griffe befestigt und genauso konnte man sie reparieren.



An der Innenseite gab es im oberen Bereich eine Naht und diese habe ich geöffnet. Die reparaturbedürftigen Stellen mit einem Streifen Baumwolle mit beidseitig klebender Vlieseline verstärkt. Dann zur Sicherheit mit der Nähmaschine ein paar Steppnähte gesetzt. Bei der ersten Seite habe ich jetzt die Bügel eingehängt und dann die Naht geschlossen. Das war an der Stelle wo die Bügel sitzen etwas schwierig. Daher habe ich bei der zweiten Seite zuerst jeweils ein Stück zugenäht, dann die Bügel befestigt und danach die restliche Naht geschlossen. Ich hätte natürlich auch mit einem Reißverschlussfuß arbeiten können. Die Reparatur war erstaunlich leicht zu machen, die Freude und Überraschung bei der Besitzerin groß…




Alpaka Pulli
Super warm, aber nicht sehr strapazfähig…Der Pullover hat schon vor längerer Zeit Armflicken erhalten. Die Löcher sind neu und ich wollte mich endlich am Visible Mending- also dem bewusst sichtbaren Stopfen versuchen. Ich habe mir das größere Loch zuerst vorgenommen. Das war vielleicht ein Fehler. Bei dem kleineren hatte ich den Dreh schon heraus…






Fazit: Man könnte darauf süchtig werden, tatsächlich, das hätte ich nie geglaubt…
Material: Was man braucht: möglichst dünne Wolle oder Stickgarn in vielen Farben, wenn man gekaufte Pullis repariert, natürlich Stoffreste, mein Favourite ist beidseitig klebende Vlieseline

ZU DEN STOFFSPIELEREIEN
Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.
Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.
- 25.06.2023: „Modedesigner und Epochen“ bei Tyche
- 24.09.2023: „Handgenäht“ bei Siebensachen zum Selbermachen
- 29.10.2023: „Mosaik/Bruchstücke“ bei zwisch-en-durch
- 26.11.2023: „Schneeflocken“ bei Stoffnotizen
Wow, soviele verschiedene Stopfprojekte! Meine Flickereien sind meist viel einfacher, Hauptsache das Kleidungstück kann wieder im Alltag benutzt werden:
https://langer-faden.de/index.php/16-stoffspielereien/158-stoffspielereien-mai-2023-stopfen
Mir gefällt der Spielzeugdrache sehr und und die graue Strickjacke wird durch die Stickerei erst richtig schön. LG Gabi
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freut mich! Liebe Grüße, Silvia
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Ein reichhaltiges Lexikon mit vielen Beispielen hast du zusammengestellt!! Ich stopfe und flicke auch noch gerne alle Arten von Kleidung und Taschen etc. Für heute könnte ich nur alte Werke zeigen, die ich auch schon bei Visible mending angefangen habe, was dann nicht Neues wäre. Also beschränke ich mich auf‘s Zuschauen und Genießen. Liebe Grüße von Elvira ( zwisch-en-durch)
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Naja ich hab‘ Verschiedenes probiert. Aber Zuschauen ist auch mal schön oder? Liebe Grüße, Silvia
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Liebe Silvia, ich finde deine Stopfereien allesamt großartig! Das Tuch mit den Bienen – wie witzig! Der Alpaka-Pulli mit den ganz leicht leuchtenden Stellen. So viele Dinge so hübsch gerettet. Karen meinte, wir sollten „Stopfen“ öfter als Stoffspielerei-Thema nehmen, allein schon wegen der Nachhaltigkeit. Mal sehen, aber schön sind deine Sachen allemal, und danke fürs Gastgeberin-Sein! Liebe Grüße, Gabi
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Danke für deinen Kommentar und nochmals Entschuldigung für den holperigen Start heute..-Wenn man ein bißchen eintaucht in das Thema, ergeben sich überwältigend viele neue Herausforderungen und vor allem Möglichkeiten, macht Spass, liebe Grüße, Silvia
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Liebe Silvia, da zeigst Du uns aber viele gelungene Beispiele für gestopfte und reparierte Sachen, ich bin sehr beeindruckt – besonders der Drachenpullover, den Dein Mann nun stolz trägt.
Wenn die Farbwahl für zu Stopfendes schwierig wird weiche ich gerne auf Sticktwist aus. Bei kleinen Reparaturen auf Wollsachen macht es nichts aus, wenn das Garn aus Baumwolle ist, Hauptsache die Farbe stimmt.
Danke für die vielen Anregungen und die Moderation als Gastgeberin, liebe Grüße von Tyche
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Ich greife auch zu allen möglichen Garnen. Herkömmliche Strickwolle ist ohnedies meist zu dick. Sabine hat mir ihre Sammlung feines Stickgarn aus Wolle vermacht, das ist natürlich super…Liebe Grüße, Silvia
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Liebe Silvia, da zeigst Du uns aber viele gelungene Beispiele für gestopfte und reparierte Sachen, ich bin sehr beeindruckt – besonders der Drachenpullover, den Dein Mann nun stolz trägt.
Wenn die Farbwahl für zu Stopfendes schwierig wird weiche ich gerne auf Sticktwist aus. Bei kleinen Reparaturen auf Wollsachen macht es nichts aus, wenn das Garn aus Baumwolle ist, Hauptsache die Farbe stimmt.
Danke für die vielen Anregungen und die Moderation als Gastgeberin, liebe Grüße von Tyche
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Oh, so eine Vielfalt! Das ist ja schon ein Referenzbeitrag zu den verschiedenen Formen des Stopfens und Reparierens! Ich habe meinen Beitrag jetzt fertig gestellt:
Ich schaue dann heute Abend bei allen Beiträgen vorbei! Schöne Pfingsten und Liebe Grüße!
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Stopfen und Reparieren ist ja, wenn man es sich so überlegt , wirklich ein weites Feld kreativ zu werden, liebe Grüße, Silvia und danke für deinen Beitrag
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Beeindruckend kreative inspirierende Beispiele zeigst Du. Auch mir geht es so, dass es mir inzwischen für den Eigenbedarf Spaß macht, bei Dritten bin ich unsicher ob der Aufwand gewürdigt wird und es „mutig“ getragen werden wird.
Auch finde ich, dass wir beim reparieren vieles über Kleidung, Herstellung und beanspruchte Stellen lernen können und das dann beim selbst nähen berücksichtigen können.
Danke für das zeitgemäß wichtige Thema, gerne bin ich dabei mit der Reparatur von Jeans-Innentaschen.
LG Ute
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Ja, ich weiß, wenn man für andere stopft, ist das so eine Sache. Habe ich auch weiter nicht vor, genau aus den von dir genannten Gründen, liebe Grüße, Silvia und danke für das Mitmachen bei diesem wichtigen Thema
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Ich bin beeindruckt ob der Kreativität, mit der du diese Reparaturen zu einem ganz besonderen Kleidungsstück verwandelt hast. Meine Stopfereien sind da eher zurückhaltend und straight, ich zeige sie dennoch, und zwar hier:
https://3hefecit.eu/stopfen-und-flicken-und-andere-stoffspielereien/
Danke für das Thema, das meinen Flickstapel auch endlich mal ein bisschen dezimiert hat ;-)
Ein schönes Pfingstfest und liebe Grüße, heike
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Wie gesagt, allzu dekorativ ist leider nicht jedermanns Sache, es braucht beides. Ich habe auch drei oder waren es sogar vier Stricksachen (fast) unsichtbar gestopft- so gut ich es eben konnte…Liebe Grüße, Silvia und danke für’s Mitmachen
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liebe deine vielseitigkeit mit deine grosse auswahl aus garn * in viele farben * und genau im thema von der heutige zeit * reparieren und wieder benützen mit fantasiefäden oder stoffteile !
vielen dank für deine beispiele !
liebe grüsse
mo
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Danke, das freut mich, liebe Grüße, Silvia
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https://merlecolibri.blogspot.com/2023/05/racommodage-en-couleur.html
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Ich habe doch tatsächlich die Stoffspielereien vergessen! Da scheinen sich in diesem Monat andere Dinge in den Vordergrund gedrängt zu haben. – Na gut, im Juni habe ich eine neue Chance.
Von deinen zahlreichen Stopf- und Flickarbeiten gefällt mir der Pullover vom Eingangsbild am besten.
LG, Siebensachen
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Ja, bei uns geht es ebenfalls etwas drunter und drüber, aber es kommt ja schon wieder ein tolles Thema! Liebe Grüße Silvia
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