
Ein Feuerwerk an Farbe zeigt uns der französische Maler Paul Sérusier in seinem Bild Bauernhaus in Le Pouldu. Paul Sérusier wurde am 9. November 1864 in Paris geboren. Er studierte Philosphie und trat nach dem Studium in die Académie Julian ein. In dieser privaten Kunstakademie erhielt er seine Ausbildung zum Maler.1888 besuchte er Paul Gaugin in Pont Aven. Das bretonische Fischerdorf war ein beliebter Künstlertreffpunkt. Von dort brachte er ein kleines Gemälde Le Talisman oder Bois d’amour bei Pont Aven, mit, das einen programmatischen Charakter für die Künstlergruppe Schule von Pont-Aven ,deren Mittelpunkt Gaugin war, haben sollte. Paul Sérusier gründete 1888/1889 mit anderen jungen Kunststudenten der Académie Julian in Paris die symbolistische Künstlergruppe Nabis. Die Künstlergruppe Nabis bestand bis 1905. Der Name Nabi leitet sich vom hebräischen wort für Prophet ab. Die Mitglieder der Gruppe wurden durch ihre neuartigen Bildkompositionen und die Vielfalt ihrer verwendeten Medien bekannt. Viele von ihnen waren auch als Illustratoren bekannt oder widmeten sich dem Design. Ihre künstlerischen Ziele publizierte die Künstlergruppe vor allem in der Zeitschrift La Revue blanche.
Paul Sérusier gründete im Jahre 1908 gemeinsam mit Paul Ransom und dessen Frau die Académie Ranson. Wo er auch unterrichtete. Die Schule war renommiert und hatte außerordentlich gute Lehrer.
Paul Sérusier starb am 7.10 1927.

Die doch ungewöhnliche Kombination an Farben ist uns bei diesem Gemälde gleich ins Auge gestochen. So viel Gelb sieht man selten in einem Bild und trotzdem harmonieren die Farben. Das wollte ich auch erreichen.
Mit dem Farbauszug, netterweise von Mama schon vorbereitet, ausgestattet, ging es ins Wollgeschäft und ziemlich zügig hatte ich meine Farben zusammengestellt. Per Zufall, weil die Farbpalette gerade passte, wählte ich Baby Soft von Ferner Wolle und bin sehr begeistert von dem Garn. Es ist eine Kombination aus Baumwolle und Soja und lässt sich toll häkeln, ist seidig, weich und das Gehäkel ist auch herrlich weich und geschmeidig. Je nachdem sind Baumwollgarne oft etwas trocken und fest. Da es aber trotzdem nicht alle Farbtöne gab, wurde die Farbpalette mit einem grünen Knäuel Lace Merino von Lang ergänzt.
Mit Blau, Grün, Ocker, Beige und Gelb sind es fünf Farben. Eine Farbe mehr als ich gerne kombiniere, je mehr Farben umso schwieriger wird es, diese schön zu kombinieren und besonders wenn kein neutrales Weiss oder Schwarz dazu kommt. Farbe pur. Eine Herausforderung.
Was fest stand ist, dass ich mit einem Häkelmuster von Maria Gullberg arbeiten wollte. Welches? Dieses? Nö. Das hier? Nur drei Farben. Das hier jetzt aber. Auch nicht. Vielleicht doch die erste Wahl. Granny Square Alina, 10 Farben im Original, dass sollte hoffentlich gut funktionieren.
Mein Ziel war wie im Gemälde am Ende ein harmonisches und ausbalanciertes Ergebnis. Gerade das Gelb, Blau und Grün haben sehr viel Kontrast, fügen sich aber im Bild wunderbar zusammen, keine Farbe wirkt überwältigend.

Beim ersten Granny Square hab ich einfach mal gehäkelt um ein Gespür für das Muster zu bekommen. Und so ist Ergebnis okay, aber nicht das, was ich wollte. Es sind alle Farben des Bildes vereint und trotzdem ist Wirkung des Quadrats ganz anders. Für mich drängen sich die falschen Farben in den Vordergrund und andere gehen unter. Einfach zu viel Beige, Blau und Grün und viel zu wenig des ockerfarbenen Farbtons.
Der zweite Versuch war mit der Verteilung der Farben schon deutlich gezielter und trotzdem irgendwie noch nicht dort, wo ich hinwollte.

Das Blau in Ecken knallt zuviel raus, das Gelb und Ocker nebeneinander sind sich zu nah vom Farbton und das Beige ist zu wenig. Die Wirkung des Granny Squares ist komplett anders. Ich hatte ehrlicherweise gedacht, dass es einfacher ist, ein Granny Square zu häkeln, das der Stimmung des Bildes entspricht.

Nach einer kleinen Pause und ein paar ganz anderen Farbwelten, kehrte ich zurück zu Paul Sérusier, um jetzt doch noch ein Granny Square zu häkeln, bei dem ich mir denke, es passt.
Nach den ersten zwei Quadraten, konnte ich schon viel gezielter schauen, was gut funktioniert. Man kriegt ein Gefühl dafür, wo eine Farbe gar nicht hin soll und wo was schon passt bzw. wo noch etwas fehlt.
Und während ich am dritten Quadrat arbeitete und nach und nach die Farben verteilte, näherte sich das Granny Square immer der Farbwelt des Bildes, der Stimmung. Ist es eine perfekte Umsetzung? Sicher nicht. Mit fünf Farben und so vielen Möglichkeiten damit zu spielen, könnten sehr sehr viele Varianten kreiert werden. Vermutlich mehr als genug um eine ganze Decke damit zu gestalten. Das war aber nicht mein Ziel. Ich wollte mit einem einzelnen Granny Square die Stimmung, das Gefühl des Gemäldes einfangen und ich denke, ich habe die Herausforderung gemeistert. Sicherlich nicht perfekt, aber es ist eine Annäherung an Farmhouse at Le Pouldu.

Da die Muster von Maria Gullberg erst in der Fläche ihre ganze Wirkung entfalten, habe ich in Photoshop, die einzelnen Granny Squares vervielfältigt. Die Granny Square sind direkt ohne vorheriges Blocken fotografiert, so sind sie nicht ganz so akurat und gerade. Aber man sieht sehr gut, wie unterschiedlich die Wirkung in der Fläche ist. Es war auch für mich überraschend, welche Formen durch die Farbverteilung dominieren und auch wo eine Farbe fast verschwindet oder hervorsticht. Ein großartiges Spiel bei dem man eine Menge lernen kann…


