Ein echter Hürdenlauf-die Fertigstellung meiner Pompom-Bluse

Im Beitrag Das neue Jahr 2026 habe ich ihr ja schon ein paar Zeilen gegönnt dieser Bluse, die schon gefühlt eine Ewigkeit auf ihre Fertigstellung wartet. Nachdem ich mir aber vorgenommen hatte, möglichst alle angefangenen Sachen fertigzunähen, setzte ich mich jetzt doch endlich pflichtbewusst zu den Knopflöchern. Genaugenommen fehlte nicht nur der Halsabschluss (Da wusste ich sehr lange nicht, was ich machen möchte. Zudem war der Stoff schon recht knapp.) sondern auch das Versäubern der Armkugelnähte, die Manschetten (bereits zugeschnitten), die Knopflöcher und Knöpfe, der Saum. Also stellte ich die Manschetten fertig, versäuberte die Nähte, schloss den Halsausschnitt mit einem Band ab. Denn, dass war so meine Überdrüberidee, ich wollte einen Halsabschluss mit Pompom machen. In dem wunderbaren Buch Creating Couture Embellishment gibt es eine fantastische Bluse mit so einem Kragen. Pompom wickeln ist so eine nette Arbeit neben dem Fernsehen, dachte ich zumindest.

Daher begann ich die Knopflöcher zu nähen. Man sollte wohl nie so was machen, wenn man etwas nervös oder gestresst ist oder die Zeit fehlt oder die innere (und äußere) Ruhe… Jedenfalls hatte ich gleich Probleme mit dem Markieren, zuerst fand sich kein Stift, dann sah man die Markierung nicht gut, die Kreide war zu unpräzise (auf die Idee sie anzuspitzen, kam ich gar nicht). Trotz schlecht sichtbarer Markierung nähte ich fröhlich drauf los, nachdem ich eine wunderbar passende Nähseide gefunden hatte. Das Problem mit ihr: Sie riss ständig ab. Nach eineinhalb Knopflöchern gab ich auf und wechselte den Oberfaden. Dabei musste ich feststellen, dass ein Knopfloch deutlich größer als das andere war. Wie war das noch mit meinen Markierungen? Egal dachte ich, das ist halt so, ich schneide es einfach nicht ganz auf. Weiter gings. Bei einem Knopfloch griff die Nadel überhaupt den Faden nicht auf, sozusagen fadenloser Übungsdurchgang. Nochmal Nähseiden- und Einfädelkontrolle. Beim obersten Knopfloch war die Unebenheit der vielen sich treffenden Nahtzugaben ein Problem. Dort entschied ich mich, das Knopfloch aufzutrennen und eines quer zu nähen, dabei schnitt ich natürlich gleich in die innere Stofflage der Leiste. Währenddessen sah ich schon die ganze Zeit eine Couture Kragen aus Pompom vor meinem inneren Auge. Vermutlich wäre es besser gewesen, wenn ich mich auf die Knopflöcher konzentriert hätte. Tja und dann musste ich die Knöpfe annähen, damit ich den Saum nähen konnte. Dabei stellte sich heraus, dass schön mittendrin zwei Knopflöcher plötzlich um eineinhalb(!) Zentimeter weiter auseinander waren. So ganz genau passte es auf einer anderen Stelle auch nicht. Außerdem ich habe eine recht hohe Toleranzgrenze. Es ist ganz einfach so, dass man viele Mängel beim Tragen eines Kleidungsstücks nicht merkt, einfach durch die Bewegung oder weil der andere normalerweise in dein Gesicht sieht und nicht im Geiste Knopfabstände vermisst. Natürlich kenne ich verschiedene Schummelmöglichkeiten. Darin bin ich ziemlich gut. Zum Beispiel kann man mehr Knöpfe annnähen als Knopflöcher da sind oder – besonders dekorativ- unterschiedliche. Sehr hübsch sind paarweise angenähte Knöpfe, das wollte ich tun. Nur ich geb‘ es zu: Trotz intensivsten Knöpferückens und neu Platzierens, konnte ich nicht alles wegmogeln.

Also ließ ich es bei dieser Unregelmäßigkeit bewenden und widmete mich endlich dem Pompomwickeln. So einfach war das dann auch wieder nicht. Außerdem war mir nicht gleich ganz klar wie gesprenkelt die Pompoms werden sollten. Mehr Rot? Mehr Schwarz? Oder doch dieses bleiche Rose? Zudem wurde es knapp mit der schwarzen Wolle… Die Pompoms zeichnen sich ebenfalls durch liebenswürdige Unregelmäßigkeit aus. In dieser Hinsicht ist die Bluse durch und durch stimmig. Befestigt werden die Pompoms auf einem extra Band. Ein besondere Fixierung an der Bluse ist nicht unbedingt nötig, verschlossen wird der Kragen mit Druckknöpfen.


Fazit: Die Bluse besteht aus einem wunderbaren indischen Blockprint mit herrlicher Tragequalität. Ich bin mir sicher, ich werde sie lieben-gerade wegen ihrere Unzulänglichkeiten! Und: der Praxistest hat es bewiesen, dieser Pompom-Kragen ist etwas für alle, die immer-so wie ich- Schals oder Rollkragen brauchen!

Material: Indischer Blockprint von Karlotta Pink, Wollreste

Schnitt: Bluse aus dem Buch Selbstgenähte Garderobe nach Maß von Charlotte Auzou erschienen 2019 im Stiebner Verlag


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