
Der Titel hat mich sofort angesprochen und das Buch ist das Beste, was ich in letzter Zeit zu nachhaltigen Themen gelesen habe. An den Beginn des Buches stellt der Autor James Bernard MacKinnon auf jeweils einer Seite ein groß und fett gedrucktes Zitat von Seneca, aus dem Lukas Evangelium der Bibel, von Mahatma Gandhi, Hannah Arendt, James Baldwin, Ivan Illich und Geog W. Bush. Das gibt sofort sehr viel Stoff zum Nachdenken. Ich glaube, ich habe das Buch erst einmal weggelegt um über diese Zitate nachzudenken. Aber die gewählten Passagen machen sehr neugierig auf das, was jetzt kommt. MacKinnon erzählt sehr ruhig über eine Begegnung in der Kalahari- Wüste Namibias mit einem Buschmann, der sich bewusst gegen das moderne Leben, das auch er einige Jahre geführt hatte, entschied. Und jetzt stellt der Autor die entscheidende Frage: Wäre es möglich, dass sich der Rest von uns auch gegen die Konsumkultur entscheidet?
„…Das 21. Jahrhundert rückt ein entscheidendes Dilemma in den Vordergrund: Wir müssen aufhören, Zeug zu kaufen, aber wir können nicht aufhören, Zeug zu kaufen. Denn, wenn es um den Klimawandel, das Aussterben der Spezies, die Erschöpfung der Wasserreserven, die Verseuchung mit Giftmüll, die Entwaldung und andere Krisen geht, hat die Frage, wie viel jeder von uns konsumiert, mittlerweile größere Bedeutung als die Frage, wie viele es von uns gibt…“
Dann stürzen eine Menge Fakten auf den Leser ein. Zum Beispiel: Zwei Kinder in einem reichen Land großzuziehen, wiegt ökologisch genauso schwer wie das Aufziehen von 26 (!!!) Kindern in einem armen Land. Das Buch ist nicht Science Fiction. Der Autor verfolgt ein Gedankenexperiment und macht sich rund um den Globus auf die Suche nach neuen Möglichkeiten, Wegen und Antworten um sich ein anderes Leben in einer Welt ohne Konsum vorstellen zu können und er spielt das Szenario Schritt für Schritt in vier großen Buchabschnitten durch: Die ersten Tage, Zusammenbruch, Anpassung, Transformation.
Zuerst geht es darum, was wir aufgeben und woran wir festhalten, und um unsere Shoppinggewohnheiten. Dann stellt sich natürlich sofort die Frage, wie wirkt sich das Ende des Wirtschaftswachstums und unserer Shoppingkultur auf uns, unser Leben und unser Denken aus.
Besonders interessant finde ich das Kapitel über Fast Fashion (und genau darum möchte ich das Buch hier vorstellen) und die beiden Kapitel über „Unauffälligen Konsum“. Da erfahren wir einiges über den Einzug der Klimaanlage in unser Leben und die Auswirkungen von Raumtemperaturen auf die Gesundheit. Auch mit Geld beschäftigt sich der Autor J .B. MacKinnon in einer, zumindest für mich, neuen Weise. Äußerst unterhaltsam ist die zitierte Studie von M. I. Kropfeld zum Verhalten von vier Personengruppen, die sich den herkömmlichen Konsumgewohnheiten widersetzten und wie gut es ihnen gelang ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Die Gruppen waren: umweltbewusste Konsumenten, sparsame Personen, Geizhälse und freiwillige Vereinfacher. Nein, ich werde nicht sagen, wer am besten abschneidet: das Buch lesen!
Beeindruckt bin ich von dem umfassenden Blickwinkel und der Menschlichkeit mit der der Autor über das Thema schreibt. Bücher zu Umwelt, Nachhaltigkeit, Klima oder Konsumgesellschaft sind oft pessimistisch, manchmal sehr belehrend, lassen einen häufig mit ziemlich viel düsteren Gedanken und Selbstvorwürfen oder auch einer gewissen Hilflosigkeit zurück. Anders dieses Buch. Bei jedem Kapitel verblüffte mich der Autor McKinnan aufs Neue. „…auf dieses Sicht muss man erst einmal kommen“, dachte ich oft. Und ein sehr persönliches Nachwort zeigt uns, wie die Arbeit am Buch sein eigenes Verhalten beeinflusst hat.
Fazit: Absolut empfehlenswert, gut zu lesen, informativ, macht neugierig, ohne moralischen und belehrenden Unterton, herrlich…
Buch: Der Tag, an dem wir aufhören zu shoppen-Wie ein Ende der Konsumkultur uns selbst und die Welt rettet von J. B. MacKinnon erschienen 2021 bei Penguin Random House Verlagsgruppe, Hardcover, 477 Seiten, ISBN 978 3 328 60090 9
Danke für die Buchvorstellung …. mein Mann lebt das nichts-unnötig-kaufen bereits sein ganzes Leben und ich bewundere ihn dafür, schwanke aber gleichzeitig, ob man mit dem eigenen Kaufverhalten nicht auch gezielt alternative Kaufangebote unterstützen sollte, wenn es einem finanziell möglich ist ….
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So wie du sagst, genau um dieses Spannungsfeld geht es auch in dem Buch, aber weniger ist defintiv besser, dafür eben Qualität…Liebe Grüße, Silvia
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Das klingt wirklich interessant und ich bin neugierig, wie ich als sparsame Person abschneide 😎
Darum kaufe ich das Buch auch nicht, sondern habe es in der Libby App meiner Bibliothek vorgemerkt.
LG Silke
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Ich habe das Buch ebenfalls aus der Leihbibliothek! Liebe Grüße, Silvia
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Ich glaube (= hoffe?) zwar – schon ‚irgendwie‘ – an Wunder, aber leider nicht an Dieses.
Auch wenn ich mir so die Widersprueche des modernen Lebens so ansehe:
Z.B.: Kein Job, kein Geld, aber kuenstliche Fingernaegel, falsche Wimpern und aufgepolsterte Lippen?
Aber mit dem Satz „Too high cost of living pressure“ der Regierung die Ohren vollplaerren?
Ausserdem: selbst sich das Recht f. alle Bequemlichkeit im Haushalt zugestehen von z.B.: Backpapier; Wegwerf-Geschirr; abgepackt & vorgeschnippseltes Obst & Gemuese (Vor-Kauen ist die naechste Service-Stufe?); Pfannkuchen-Zutaten samt ‚Schuettelflasche‘; Ruehr-Ei im ‚Reissverschluss-Beutel‘ anmischen und gleich pochieren = clever/praktisch? Usw. usw.
Aber: Plaerren nach Umweltschutz (= vorzugsweise durch Andere?) ?
Hunderte von Dollars jedes Wochenende ‚verfeiern‘, aber kein Startkapital f. ein Haus zusammenbringen uuuund natuerlich entsprechend jammern uuuund ‚Den Alten‘ die Schuld dafuer zuschanzen?
Gehaeuftere Jugend-Kriminalitaet erschrocken bejammern, aber: sogar Geschichts-Unterricht MUSS anschaulich filmtechnisch in Detail-Agressivitaet gebracht werden. Wie z.B. ‚Ottokar erschlaegt Koenig-So-Wie-so und seine Frau MUSS vergewaltigt werden‘ ?
Dafuer darf ICH mich NICHT bei einem sich ‚forciert einladendem Gast‘ aeh, ‚bedanken‘ ?
Ja und die Strafen f. Mord & Todschlag sind dann in aller Regel mM ’sehr billig‘; es sei denn, ich selbst ermurkse einen o.g. ‚forciert sich einladenden (ungebetenen!) Gast‘ .
Schau’n ma moi, wie lange ‚Das gemeinsame Boot‘ in welchem wir denn doch alle sitzen noch haelt? Umwelttechnisch wie auch moralisch.
So lange uebrigends in Kriegen auf dieser Welt auf Teufel komm‘ raus was alles f. Schaeden angerichtet werden inkl. Giftstoffe dabei in die Umwelt gejagt werden, braucht uebrigends KEIN Regierungsoberhaupt der Welt versuchen mich auch nur iiiirgendwie zu iiirgendwas zu ‚motivieren. Jedoch duerfen sich fast alle gluecklich schaetzen ihre Namen auf meiner Liste des speziellen ‚Ungluecks-Betens‘ zu finden.
Leider sehe ich auch hier bis dato nur: aaaalles muss man selber machen. D.h.: auch der zustaendige ‚himmlische Markt/Industrie‘ arbeitet gehoerig am Bedarf vorbei ?
LG,
stark brummelnde G
Eines ist garantiert: Schierlings-Becher braucht man zumindest mM wirklich nicht mehr:
a) da muesste naemlich erst mal die Mehrheit ueberhaupt sehen/merken was abgeht = ich zweifle daran
b) es wird wohl ohnehin die boese chines. Weisheit zutreffen von „Nix tun, Mistel, wild schwalz und faellt von selbel ab“ ( = unnoetige Operationen/Aktionen sich ersparen), denn man koennte wirklich glatt einmal einfach einen Herzinfarkt angesichts sehr vieler weltlichen Schizophrenien bekommen = selbes End-Ergebnis wie Schierlings-Becher?
Btw.: „l“ als „r“ zu lesen bei der chines. Weisheit.
Ich muss jetzt kochen gehen; goenne mir aber heute ’selbstgekochtes schnelles Take-away‘ auf endlos einsatzfaehigem spuelbarem Geschirr ;-) :-D
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Es ist oft recht deprimierend, diese endlose Party und das Selbstverständnis mit dem wir viele Dinge beanspruchen. „Das gehört dazu. Das gönnt man sich“…Trotzdem ein lesenswertes Buch, der Autor bringt viele Facetten und das wirkt sehr inspirierend. Liebe Grüße , Silvia
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Zumindest EIN Lichtblick in dieser ‚Endlos-Party‘: Deine Geduld …. und dann auch noch mit mir!
Danke fuer’s Schulter-Leihen!
Liebe Gruesse,
G
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Vielen Dank für diesen Buchtipp! Das klingt definitiv nach einem Buch, das unbedingt auf meine Leseliste muss. Liebe Grüße, Gabi
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Wirklich lesenswert und überraschend, ich wäre dann neugierig, was du dazu sagst, liebe Grüße, Silvia
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