Farbpaletten in der Malerei- Fidelia Bridges

Es liegt schon eine Weile zurück, da hatten wir von PeterSilie&Co die Idee uns einmal mit Farbpaletten unterschiedlicher Künstler/innen auseinanderzusetzen. Jeder Maler und jede Malerin hat eine mehr oder weniger stark ausgeprägte individuelle Farbpalette. Oft sind es bestimmte bevorzugte Farbpigmente, ein bestimmtes Blau oder Grün etwa, spezielle Mischungen und die Art wie unterschiedliche Farben zusammengestellt werden. Aus den tausenden Farnuancen der Natur stellt der Maler oder die Malerin schon eine gewisse Auswahl zusammen, die dem Vorhaben am Besten entspricht. Es ist fast wie eine persönliche Handschrift. Wobei wir uns jetzt nicht anmaßen das gesamte Lebenswerk zu beurteilen, sondern uns auf ein Werk beschränken werden. Verwendet haben wir frei zur Verfügung stehende Arbeiten der MalerInnen. Zahlreiche Museen stellen hochauflösende Scans ihrer gesammelten Werke kostenfrei in ihrem Online Katalog zur Verfügung. Wir wählten eine Reihe von Bildern aus und mussten dabei- wenig überraschend- feststellen, wie schwierig es ist, Werke von Malerinnen zu finden. Es war uns als Frauen aber ein Anliegen ein ausgewogenes Verhältnis an weiblichen und männlichen Vertretern der Malerei zu zeigen. Das ist uns allerdings nur bis zu einem gewissen Grad gelungen. Zudem wollten wir auch sehr unterschiedliche Arbeiten haben, sowohl was ihre Farbpalette als auch die künstlerische Auffassung, Technik, Pinselführung, Darstellungsart usw. betrifft. Außerdem sollten die Bilder so sein, dass wir davon, besonders von ihrer Farbigkeit inspiriert waren. Das war gar nicht so einfach. Aber schließlich einigten wir uns auf eine Auswahl.

Wir starteten auch mit großem Elan. Wie es halt so ist, kam das Projekt zum Stillstand. Aber beim Auf-, Aus- und Umräumen meines Arbeitszimmers, kam die Mappe mit den Fotografien der Bilder, den fertiggestellten Farbauszügen und den ersten Versuchen zum Vorschein. Da fand ich es eigentlich schade, dass nicht mehr daraus wurde. Ich habe gerade kein besonderes Interesse am Nähen im speziellen, sehr wohl aber Lust auf textiles Gestalten, Experimentieren und Recherchieren. Dafür ist doch dieses Thema perfekt geeignet! Also habe ich mit Sabine beschlossen einen Neustart zu wagen.

Pink Roses, Fidelia Bridges,1875, National Gallery of Art

Pink Roses von der amerikanischen Malerin Fidelia Bridges sollte unser erstes Gemälde werden. Zugegeben: Ich hatte von dieser Malerin noch nie gehört. Wie überhaupt mein Kunstgeschichteunterricht hauptsächlich von männlichen Vertetern geprägt war, Frauen kamen da nicht vor. Und das Schlimme ist: Man ist so daran gewöhnt, dass die Erzählung von Geschichte, Kultur und Kunst von Männern geprägt ist, dass ich mir gar nichts dabei dachte. Sogar in Sabines Kunstgeschichteunterricht- und sie ist immerhin eine Generation jünger- gab es keine weiblichen Vertreterinnen der Kunst. Jetzt ist es also höchste Zeit, dass wir uns mit Malerinnen beschäftigen.

Fidelia Bridges lebte von 1834-1923. Sie war die Tochter eines Kapitäns und hatte drei weitere Geschwister. Nach dem Tod der Eltern versuchten die älteren beiden Geschwister mit einer Schule den Lebensunterhalt zu verdienen. Dann arbeitete Fidelia als Gouvernante. In New York kam sie mit John Ruskin und den Präraffaelliten in Berührung. Sie studierte an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia. Einen Teil ihrerer Studienkosten übernahm ihr Arbeitgeber. Viele ihrer Gemälde zeigen detailreiche Naturstudien von Pflanzen und Vögeln in ihrer natürlichen Umgebung. Später kamen auch Landschaftsbilder dazu. Fidelia Bridges nahm an Ausstellungen teil und arbeitete regelmäßig als Illustratorin für Verlage. 1883 war sie als Gouvernante für Mark Twain angestellt, der sie schon vorher unterstützt hatte. Ab 1890 lebte sie in ihrem Haus in Canaan, Connectituit. Von dort aus besuchte sie regelmäßig New York und gelegentlich ihren Bruder in England. Der Artenschutz war Fidelia Bridges ein großes Anliegen, da viele Vögel bereits vom Aussterben bedroht waren, weil ihre Federn für die Bekleidungsindustrie gebraucht wurden. Nach ihrem Tod 1923 richtetete die Stadt Canaan ein Vogelschutzgebiet zu ihrem Gedenken ein. Ein schönes Andenken finde ich, das sehr gut zu ihrer Persönlichkeit passt. Wer Freude an wirklich schönen und stimmungsvollen Naturstudien hat, sollte sich mit dem Werk von Fidelia Bridges unbedingt beschäftigen.

Das Gemälde Pink Roses besitzt flüchtig betrachtet eine sehr schmale, eher zurückhaltende Farbpalette. Die dominierenden Farben sind der beige Hintergrund, das Rosa der Rosen und das Grün der Blätter und Stängel. Genauer betrachtet zeigen sich zarte Zwischentöne, dunklere und hellere Nuancen eines Farbtons um das Spiel von Licht und Schatten wiederzugeben. Gerade diese Bescheidenheit der Farben machte es als „Einstiegsbild“ für uns geeignet.

Ich hatte Schwierigkeiten zuhause passendes textiles Material für die doch sehr dominierende Hintergrundfarbe zu finden. Bereits beim in Wolle gewickelten Farbauszug merkt man, dass das Beige etwas zu dunkel ist, die grünen Fäden dagegen eine Nuance zu lebhaft sind. Das Nächste, was ich versuchte, war eine Stickerei. Wie man merkt ist auch hier der Hintergrundstoff etwas zu dunkel, obwohl die Garnfarben sehr treffend sind und durchaus die Farbpalette widerspiegeln. Bei meinem ersten Versuch mit Stoffen ging es dann gleich mal drunter und drüber. Trotzdem wirkt die Gesamtheit stimmig und ich mag das Ergebnis.

Der Miniquilt mit Log Cabin Blöcken war von Block zu Block ein Abenteuer. Ich habe sowas noch nie gemacht. Also bereitete ich erst die Streifen in möglichen Farben vor (mit 3cm Breite). Verwendet habe ich jede Art Stoff aus dem Schrank, der von der Farbe passend schien. Das Zusammenfügen war jedesmal neu und spannend. Meine Vorgangsweise ist da eher gefühlsbetont und spielerisch. Immer dachte ich: Das wird es jetzt! Und dann sah es wieder anders aus… Natürlich hatte ich im Kopf so die Vorstellung von ebenmäßigen Blöcken. Also erst ein perfektes Musterstück, dann neun gleiche…Aber, ich gebe es zu: Ich halte sowas nicht durch. Ich brächte es schlichtweg nicht fertig ganz perfekt durchzuplanen. Beim ersten Block dachte ich: Wenn ich da neun zusammenbringe, kriege ich einen Orden. Wie man sieht, sind alle nicht ganz symmetrisch und etwas ungleichmäßig genäht. Mein Miniquilt ist vielleicht etwas lebhaft geworden. Der goldgelbe Stoff ist zu viel und fremd. Dafür fügen sich die etwas verwaschen wirkenden Musterstoffe erstaunlich gut ein.

Es blieben noch etliche Reststreifen, die ich zu einem weiteren Versuch zusammenfügte, mit der vagen Idee mehr ruhige Grundfarbe und einige kräftige Akzente zu setzen. Die Wirkung ist gut, aber der Hintergrund wirkt zu grau. (Auch hier verwendete ich viel von dem Leinen, auf das der Schmetterling gestickt ist.

Wir versuchen nicht das Bild textil nachzuahmen, es geht nur um Farbzusammenstellungen. Das Minimum an Umsetzug sollte eine textile Musterfläche oder auch ein Objekt sein. Um den Spass nicht zu verlieren bleiben wir da recht offen, mal sehen wohin uns die Bilder führen. In der Fantasie würde man gerne dies und das machen, die Zeit ist eine andere Frage. Den Gedanken bei jedem Gemälde dieselben textilen Techniken durchzuspielen haben wir inzwischen verworfen. Bei manchen Arbeiten denkt man an Wolle und Garn, manchmal sofort Stoff oder Spitze. Mixed Media ist sicher ebenfalls eine gute Option in Verbindung mit Weberei oder Sticken und Applizieren. Upcycling fände ich genauso spannend. Andererseits möchten wir uns die Möglichkeiten des unmittelbaren Vergleichs genauso offen halten, es kann also schon vorkommen, dass zwei technisch gleiche Arbeiten entstehen. Da jede von uns sehr unterschiedlich denkt und arbeitet, ist es wenig überraschend, dass mal ich, mal Sabine auf das eine oder andere Gemälde eher reflektiert und den einen oder anderen Beitrag dominiert.

Zudem laden wir euch ein, es vielleicht auch einmal mit dieser Farbpalette zu versuchen. Denn genau das war der Anfangsgedanke. Jeder von uns hat seine persönlichen Lieblingsfarben mit denen er gerne arbeitet und die ihm gut gefallen. Ich bin zum Beispiel immer wieder überrascht auf welch (für mich) ungewöhnlichen Farbzusammenstellungen Sabine arbeitet. Ich käme nie darauf. Meine Mutter dagegen hatte eine Vorliebe für klare Farben und starke Kontraste (besonders beim Patchwork). Wenn einmal meine Schwester eine Farbzusammenstellung vorschlug, war ihr das immer zu fad. Bei meiner Schwester gab es nämlich Farben wie Olivgrün, Orange oder Beige, insgesamt blassere Töne… Um also ganz bewusst die Komfortzone zu verlassen, gewissermaßen über den Tellerrand zu blicken, laden wir ein, die Farbpaletten von unterschiedlichen Malerpersönlichkeiten zu studieren. Es ist aufregend einmal mit „fremden“ Farben zu arbeiten.


9 Gedanken zu “Farbpaletten in der Malerei- Fidelia Bridges

  1. Eine super Idee, die mich direkt angesprochen hat das auch mal textil auszuprobieren. Irgendwo in einer Mappe schlummern noch Zeichnungen aus dem Studium, als wir so ziemlich den gleichen Ansatz im Fach Darstellen mit Buntstiften und Pastellkreiden ausprobiert haben. Also die Farben eines Gemäldes aufnehmen und dann auflösen, bis nur noch prozentuale Verteilung der Farbflächen übrigbleibt, und vielleicht nicht mal mehr das. Auch mit ganz unterschiedlichen Techniken gearbeitet.

    Und auch wenn der goldfarbene Stoff nicht im Gemälde vorkommt, der farbigen Stimmigkeit im Patchwork tut er gut.

    Liebe Grüße heike

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    1. Sowas ist wahrscheinlich eine typische Übung für alle, die irgendwie mit Gestaltung arbeiten oder dazu ausgebildet werden…Ich finde es jedenfalls immer wieder schön und spannend! Liebe Grüße, Silvia

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  2. Das ist eine ganz wunderbare Idee! Manchmal klappt ein Vorhaben erst im zweiten Anlauf, nachdem sie etwas „inkubiert“ hat und vor sich hin reifen durfte, das ist immer wieder spannend. Ich freue mich auf weitere Versionen, mir gefällt die Variante mit den Streifen, die dann zur Tasche wurden, ganz besonders gut.

    Liebe Grüße, Anne Sophie

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  3. Ah, verstehe – da habe ich zuerst den neueren Beitrag mit Sabines Häkelei kommentiert. Jetzt verstehe ich, dass es wirklich eine neue (oder alte, wieder aufgegriffene) Serie hier am Blog ist. Ich finde euren Ansatz superspannend und freue mich auf die weiteren Experimente. Liebe Grüße, Gabi

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