
Vor ziemlich genau einem Jahr im Januar habe ich Wolle (Malou light von Lang Yarns, 72% Alpaca, Nylon und Merino) gekauft, ein Strickpulli sollte es werden. Ich stricke nicht sonderlich gerne, ganz und gar nicht. Aber vielleicht würde es besser werden, wenn ich öfters stricke. So nehme ich mir immer wieder neue Projekte vor, kaufe Strickmuster und Wolle. Zu einem fertigen Strickpullover habe ich es erst einmal geschafft.
Ambitionen hatte ich also und genaue Pläne auch. Wie es halt so läuft, anderes (häkeln) ist aufregender und so wurde die Wolle ordentlich verstaut und nach hinten im Regal geschoben. Nachdem ich aber im Frühling und Herbst erfolgreich Pullis gehäkelt hatte. Dachte ich mir, warum mich mit Stricken quälen, ich kann doch auch einen Pulli daraus häkeln. Wolle (900 gr) sollte genug vorhanden sein. Ich hatte dann ein bisschen herum gesucht, nach dem passenden Muster, schlicht und locker sitzend. Die Farben würden schon für den aufregenden Part sorgen. Nachdem ich zum Stricken ein kostenloses Dropsdesign gewählt hatte, wählte ich dieses mal eines zum häkeln.
Nach einer ersten Maschenprobe war ich von dem Muster mit dem Doppelstäbchen nicht überzeugt. Zu viele Löcher, eventuell hätte ich die Doppelstäbchen verschränken können. Ich überlegte, dass Muster einfach mit halben Stäbchen zu machen. Zwei halbe Stäbchen sollten nahezu identisch die Doppelstäbchen und feste Maschen ersetzen.
Nachdem ich ein paar Runden gehäkelt hatte, entschied ich mich dagegen. Optisch sah es ein bisschen komisch aus und die Zunahmen des Musters waren auf andere Maschen abgestimmt. Ergo: Ich konstruiere mir jetzt selber einen Raglan Häkelpullover. Habe ich schon einmal einen gehäkelt? Nein. Aber einmal gestrickt! Und kürzlich hatte ich einen Rundpassenpullover gehäkelt. Das sollte also machbar sein.
Ich sah mir also einige kostenlose Raglan Häkelmuster an. Las mich ein bisschen ein in die Materie. Es erschien mir jetzt nicht so kompliziert.






Ich vermass meine Maschenprobe, plante die verschiedenen Dimensionen des Pullovers und vor allem wollte ich viel Mehrweite an Körper und Ärmeln. Dann gab es viel zu bedenken: Wann ich die Trennung von Körper und Ärmel vollziehen würde, wie viele Reihen passen da rein. Wie viele Maschen muss ich zunehmen. Auf der Rückseite meines ursprünglich auserkorenen Musters, kritzelte ich also herum und schmiedete neue Pläne.
Um auf die richtigen Verteilung der Maschen zu kommen, notierte ich meine 30 Reihen in einer Spalte, daneben bei der ersten Reihe die Maschenanzahl des Vorderteils und arbeitete mich langsam die Spalte entlang jeweils zwei Maschen addierend. Da es ein so oversize sitzender Pullover werden sollte, hatte ich am Körper fast bis zur letzten Reihe Zunahmen.
Bei den Ärmeln arbeitete ich mit den gleichen Prinzip, nur sollte hier nicht soviel zugenommen werden, so gab es alle 3-4 Reihen keine Zunahme. Ich wusste nun also, wie ich Anfange, wo ich meine Raglanzunahmen mache. Die Maschen in der Achsel hatte ich einfach mit 6 vom ersten Häkelmuster übernommen. Wobei ich bei der Mehrweite von 35 cm auch vermutlich mit weniger ausgekommen wäre.

Blieb eigentlich nur mehr die Verteilung der Farben. Ich wollte oben, egal was ich machen würde mit weiss starten. Also konnte ich einfach mal starten und mir während dem Häkeln überlegen, was ich genau machen würde. Es gab die Option einfach einen Block pro Farbe oder unterschiedliche breite Streifen in willkürlicher Reihenfolge. Ich entschied mich für Farbblöcke. Aber nachdem ich mit dem rosa Block angefangen hatte, war es mir doch deutlich zu Baby. Nach zwei Nächten drüber schlafen, war ich bereit zu ribbeln und entschied mich für Streifenmix und Pink als nächste Farbe. Ein paar Reihen Weiss mussten auch daran glauben. Ach ja und ich habe in hin und Rückreihen gehäkelt. War bei meinem Rundpassenpullover und anderen Häkelmuster eigentlich immer so. Also entschied ich mich auch dafür, wird schon Sinn machen. Hoffentlich. Oder halt für mehr Textur sorgen.
Bei diesem Projekt kamen wieder viele Maschenmarkierer zum Einsatz. Letztes Jahr hatte ich einen einzigen und diesen nie verwendet. Dieses Jahr (2025) habe ich einige geschenkt bekommen und auch tatsächlich mehrere Projekte gemacht, wo sie sehr nützlich waren. Und sie klimpern auch so schön. Ich liebe ja auch das klackern von Stricknadeln.
Nachdem alle Fragen geklärt waren, konnte ich einfach häkeln. Klar musste ich entscheiden wie breit und welche Farbe der nächste Streifen haben wird, aber ansonsten… Überraschend schnell war ich dann am Ende des Körpers angekommen. Die Ärmeln hatte ich bis zu einem gewissen Grad synchron gearbeitet. Nach einem Unterbruch, musste ich dann nur mehr die viele Mehrweite der Ärmel zusammenfassen und ein Bündchen dranarbeiten. Die Maschen habe ich über ein paar Runden mit Abnahmen in einer schönen Rundung abgenommen. Ich musste mehrmals ribbeln, keine Sorge, es lief nicht gleich perfekt. Tja und dann blieben nur mehr die Bündchen und das Ziel vor Weihnachten damit fertig zu sein.
Die Bündchen sind mit Kettmaschen durchs hintere Maschenglied, dauert ein bisschen, ist aber sehr hübsch und dehnbar. Bündchen annähen und Fäden vernähen, anziehen. Ich muss gestehen die Fäden in den Ärmeln waren erst nach einer Woche vernäht. Beim Halsloch gibt es keine Shortrows, aber ich habe das Bündchen vorne über eine Reihen nach unten angenäht. Damit hat der Ausschnitt eine schöne Kurve und ist vorne ein bisschen tiefer.

Twinnis Mantel
Nachdem Pulli hatte ich reichlich Reste und dann kam, nachdem ich wusste Weihnachten bin ich wieder bei meinen Eltern und Twinni, die Idee ich könnte ihr doch ein Mäntelchen im Partnerlook häkeln. Auch hier habe ich ohne Muster gearbeitet und mir nur grob überlegt, wie ich den Mantel häkle. Die Form eines Hundes zu umhäkeln ist doch ein bisschen schwieriger als einen Menschen zu umhäkeln oder vielleicht bin ich in dem einen erfahrenener. Twinni war netterweise extrem geduldig und lies jede Anprobe entspannt über sich ergehen.
Ich fing mit den Bündchen an, teilte dann auf fünf Segmente auf Rücken rechts/ links (Verschluss im Rücken) zwei Seitenteile, Brust. Jede zweite Reihe machte ich Zunahmen und konnte schnell, mit den Streifen zwischen den Beinen und den seitlichen Elementen starten und diese auch schnell wieder vereinen. Dann ging es zwei drei Reihen weiter, ordentlich viele verkürzte Reihen um am Bauch ungefähr auf die gleiche Höhe zu kommen wie am Rücken und dann konnte ich noch ein paar Reihen mit Farbwechsel und Abnahmen machen und zack war ich schon am Ende des Mäntelchen. Ich wollte den Bereich mit Ab- und Zunahmen und etwas fummeligen Stellen in einer Farbe machen damit eventueller Pfusch, nicht mit Farbwechseln extra betont würde. Darum ist ungeplanter Weise rosa, die dominierende Farbe geworden. Wäre es nach mir gegangen hätte es doch mehr vom Pink gegeben, vom Orange und Weiss habe ich bis zum letzten Drittel alles verbraucht.






Weil ich unbedingt ein Mäntelchen mit Ärmel machen wollte, habe ich die etwas grossen Beinlöcher verkleinert. Und dann ging es an letzte gehäkelte Element. Damit die Ärmel am Ende ungefähr auf einer Höhe Enden, habe ich am Innenbein feste Maschen gemacht und aussen halbe Stäbchen und nach ein paar Runden einige Abnahmen. Sonst würde es riesige Ärmel geben mit ganz schlanken Hundbeinen. Auch jetzt sind die Ärmel locker umspielend, aber nicht so krass.
Twinni war wirklich ein extrem gutes Anprobemodell und ich kam sehr gut voran, so war nach zwei Nachmittagen häkeln das Mäntelchen fertig. Schön in Form dämpfen und die Montage der Verschlüsse übernahm Mama. Da die Kletterfront gerade etwas schwach bestückt war, gab es dieses mal Kam Snaps. Dauert etwas länger beim Verschliessen als Klett, also nix für ratzfatz raus in der Früh, aber für den entspannten Spaziergang oder in die Hundeschule…
Braucht Twinni Hundemäntel? Vielleicht, sie hat kurzes Haar und nicht so viel Masse, allerdings ist sie bei Spaziergängen auch sehr aktiv, nur wenn es ganz kalt ist, bekommt sie Raureif an Fellspitzen am Schwanz, Öhrchen und Mund, greift man allerdings unters Mäntelchen, ist sie ganz warm.
Die Ärmelchen machen das schon extrem routinierte Mantel ziehen einen Tick komplizierter, in die Ärmel muss schon gezielter eingefädelt werden. Aber wenn es nicht sofort rausgeht ist Twinni geduldig, sie weiss, was das übliche Programm vorm Spaziergang ist.
Fazit: Zwei Pullover, einmal extra gemütlich und oversized für mich. Vielleicht nicht, wenn ich ehrlich bin, mit Farben, die meine erste Wahl sind. Aber ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, und dass es ein unkomplizierter „einfach anziehen“ Pulli ist. Und auch mit Twinnis Mantel bin ich zufrieden, er ist nicht perfekt, aber ich habe schon neu gelernte Dinge anwenden können und ganz gut ihre Form umhäkelt.
Material: Malou Light von Lang Yarns in Weiss, Rosa, Pink und Orange
Anleitung: selbst ausgedacht. Bei Interesse, kann ich die genauen Masse und Maschen für meinen. Pullover nachliefern.
Verlinkt zum MMM
Sehr interessant, wie du Raglan von oben vom Stricken in Häkeln umgearbeitet hast. Bei mir wäre es ja genau andersrum. Allerliebst finde ich neben eurem Partnerlook ja das Hundemäntelchen.
Liebe Grüße, heike
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