Stoffspielereien – Der letzte Schliff

Nicht immer habe ich am Ende eines Projektes die Motivation und Begeisterung für schöne Abschlussarbeiten. Eigentlich will ich nur fertig werden. Ich habe mich beim Nähen zwar immer um ein sehr schönes Finish und gute Verarbeitung bemüht, aber ganz ehrlich, sobald die Konstruktion fertig war und die Passform passte, war´s für mich nicht mehr spannend. Es war nur mehr zusammennähen und fertig stellen. Fünf Knöpfe annähen, sofort oder irgendwann in einem halben Jahr…

Beim Häkeln mache ich zwar alles ordentlich fertig, aber jetzt noch einmal Stunden für den schönen Kantenabschluss einer Decke investieren? Eher nicht. Auch bei Kissen neige ich zum simplen Finish. Zusammenhäkeln oder- nähen, ein simpler Verschluss mit Bändern (da könnte ich mich echt verbessern), das war es dann. Pompoms oder Quasten gibt es, wenn ich noch Restgarn habe, dass ich verarbeitet haben möchte. Einen Stäbchen Rand gibt es auch nur wenn die Wolle reicht.

Ein bisschen mehr Aufwand hatte ich bezüglich Randabschluss letztes Jahr bei der Weihnachtsdecke betrieben. Statt einfach nur einen einfarbiger Rand herzustellen, gab es Streifen in drei Farben und unterschiedlichen Breiten und für die letzten Reste wieder Quasten. Optisch bevorzuge ich Pompoms, doch in der Herstellung finde ich sie doch etwas mühsam.

Heute soll es um meine Möten Decke gehen. Ihr kennt sie vielleicht schon, aus diversen anderen Beiträgen. Im Februar 2024 startete ich das Projekt mit viel Motivation und grossen Plänen. Es sollte eine grosse Decke werden und dementsprechend viel Wolle erwarb ich. Mit der Zeit schwand die Motivation und hin und wieder erwähnte ich in einem meiner „Auf der Häkelnadel“ Beiträge, dass ich zwei, drei Quadrate gehäkelt hatte.

Aber zuerst bin ich gespannt auf eure finalen Schritte, die einem Projekt den letzten Schliff verleihen.

  • Sabine von Tyche’s Touch hat wunderbar zusammen gesammelt was für sie alles zum letzten Schliff zählen könnte und verleiht einem schon länger auf Vollendung wartetenden Nähprojekt, die finale Ausarbeitung.
  • Gabi von Langer Faden gibt ihren Quilts den Schliff, um endlich präsentiert werden zu können.
  • Anne Sophie von Hey Oskar verpasst einem Mantel dem letzten Schliff mit einem selbst angefertigten Label.
  • Siebensachen zum Selbermachen zeigt wunderbar, dass schon eine Kleinigkeit für einen grossen Unterschied führen kann.
  • Stoffnotizen präsentiert wie Säume schön gestaltet werden können.
  • 123-Nadelei hat mit Textilstiften Quiltarbeiten den letzten Schliff verpasst.
  • Merlecolibri hat mit Wolle gearbeitet.
  • Babajezas feine Sockerei hat ein Sashiko Projekt vollendet und den letzten Schliff verpasst.

Beim den Stoffspielereien XXS gab es übrigens auch schon einen Auftritt des Möten Granny Squares. Als ich das Muster von Maria Gullberg immer kleiner häkelte.

Fertige Granny Squares und Wolle für zukünftige Granny Squares waren ordentlich in zwei Kisten eingelagert und warteten darauf, dass meine Motivation zurückkommt. Kam sie nicht und vor gut einem Monat dachte ich mir, wenn ich ehrlich bin, ich bin nicht mehr inspiriert. Ich beende das Projekt. Ich gucke einfach mal wie viele Quadrate es sind und was ich damit machen kann. So habe ich die Quadrate aufgelegt, die fehlenden drei Granny Squares ergänzt um eine 10 x 8 Quadrate Decke zu häkeln. Das entschied die Sache: Nach Farbigkeit sortiert, Fäden vernäht und…

Und schon war es sozusagen Zeit für den letzten Schliff. Beim Verbinden von Granny Squares lege ich grossen Wert darauf, dass es gut aussieht, auch wenn ich, wie bei der Häkeldecke für meine Schwester, dann etwas leiden muss, weil es einfach dauert. Aber hier war für mich schon von Anfang an klar, ich werde die Quadrate mit festen Maschen verbinden, mit der blauen Wolle, wie ich es schon vor zwei Jahren bei einem Polster mit dem gleichen Muster gemacht hatte. Das ging wunderbar schnell und ich mag es sehr, dass das Blau wieder als Akzent auftaucht.

Die Rückseite der Decke

Der Rand brauchte mehr Planung, ich hatte reichlich Wolle um einen aufwendigeren Rand zu gestalten, andererseits wollte ich die Decke auch fertig haben. Ein Abwägen von was sieht gut aus und was dauert nicht ewig… Zum Glück ist Decke ja nicht so gross ca 130 x 100 cm. Ich würde also nicht einen Abend für eine einzige Reihe rundherum brauchen. Schnell war klar, blau soll wieder ein Akzent werden und eine Trennlinie zwischen Rand und Quadraten bilden. Und ich besaß mehr Lila als Weiss, ich hatte ja grosse Pläne gehabt und dadurch sieben 100 gr Knäuel lila Sockenwolle über.

Als erstes entstand die Reihe in blau mit festen Maschen und Luftmaschen (2fm3lm), darauf folgte wieder eine Reihe Lila Stäbchen im klassischen Granny Stitch, danach eine Reihe Weiss und zwei Reihen Lila. Damit war ich sehr zufrieden. Da noch reichlich Wolle vorhanden war, entschied ich mich für Quasten als zusätzliche Dekoration. Damit kann man gut dem nach innen Rollen des Randes vorbeugen. Richtig viele Quasten sollten es werden, grosse in den Ecken, mittelgrosse im Übergang und viele kleine den Rand entlang. Wie ich so am Quasten machen war, habe ich nicht so genau gezählt und habe deswegen jetzt 25 kleine Quasten über. Nachdem ich die ersten Quasten schon montiert hatte, dachte ich mir, da könnte ich noch eine Reihe mit Blau machen. Einfach feste Maschen durch die hintere Schlaufe? Würde die Wolle reichen, bei Blau hatte ich keinen Vorrat angelegt, aber das Garn ist im Standardsortiment. Feste Maschen würden den Rand etwas kompakter machen und ein hübscher Abschluss wäre es auch. Ich häkelte einfach, leicht besorgt ob es reichen würde und es ging sich aus. Ungefähr  2 Gramm Blau habe ich noch.

Danach ging es ans restliche Quasten montieren und somit war die Decke fertig. Ich bin zufrieden, klar wurde sie nicht so gross wie mal geplant, aber so ist sie perfekt um sie sich über die Knie zu legen. Mehr braucht es ja oft nicht.

Werde ich mich jetzt regelmässig in Randabschlüsse vertiefen? Definitiv nicht, aber ich denke, je nach Projekt, lohnt es sich, sich die Zeit zu nehmen und hier Zeit zu investieren. Die übrige lila Sockenwolle und die Quasten werden fürs erste verstaut und warten auf die nächste zündende Idee.

ZU DEN STOFFSPIELEREIEN

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Termine

  • 26.10.2025: „Applikation“ bei 123-Nadelei
  • 30.11.2025: „Techniken im Dialog“ bei Tyche
  • Dezember: Winterpause

24 Gedanken zu “Stoffspielereien – Der letzte Schliff

  1. Handarbeiten, die man einmal beseite gelegt hat, wieder aufzunehmen und fertig zu machen, finde ich nicht einfach. Schön ist die Häkeldecke geworden und passend zu dem jetzt immer kälter werdenden Wetter sicherlich auch direkt im Einsatz zu wärmen.

    Auch ich habe den Termin genutzt, um ein paar Quilts mit Tunnel zu versehen, damit sie fotografiert und ausgestellt werden können:

    https://langer-faden.de/16-stoffspielereien/250-stoffspielereien-september-2025-der-letzte-schliff

    Liebe Grüße Gabi

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    1. Ich habe wieder versucht, weiter an den Granny Squares zu arbeiten, aber die anfängliche Begeisterung kam nie zurück. Umso zufriedener bin ich mit meiner Entscheidung, einfach eine kleine Decke zu machen und nicht noch weitere Jahre alles zu bunkerp.
      Liebe Grüsse Sabine

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  2. Sehr schön geworden, und die Quasten geben noch mal ein gewissen Extra, den letzten Schliff eben! Wenn am Ende die Puste ausgeht, fällt es mir auch oft schwer, solche Verzierungen anzubringen, ganz so wenig Arbeit sind so viele Quasten oÄ. ja nun auch nicht… Aber wenn ich dann etwas Abstand gewonnen habe, werden manchmal Stücke genau wegen diesen Extras zum Lieblingsteil, von daher versuche ich, das mittlerweile gleich mit einzuplanen, damit die Hürde am Ende nicht sooo groß ist. Ob das immer so klappt ist dann eine andere Frage :-)

    Ich bin auch dabei, meinen Artikel zum Thema findet Ihr hier: https://www.heyyoskar.com/2025/09/28/stoffspielereien-der-letzte-schliff/

    Euch einen schönen Herbsttag!

    LG Anne Sophie

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    1. Als ich dann wusste, an diesem Wochenende wird die „Schrank Leiche“ fertig, da war ich dann sehr motiviert und dank Materialüberfluss auch sehr angeregt mehr zu machen. Die Quasten, die dauerten ein Weilchen, aber es hatte gerade gepasst, sonst wäre es nie so ein Überfluss an Quasten geworden.
      Liebe Grüsse Sabine

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  3.  „….sofort oder irgendwann in einem halben Jahr…  „

    Tzzz, Du bist da ja noch wirklich gut mit Deiner (vermeintlichen*) wenigstens ‚Minimal-Beendigung‘. Bei mir verlaesst da schon mal oefter der ‚Letzte Schliff‘ ‚Das (Projekt)-Schiff‘ und das Projekt landet – hust hust – ‚etwas‘ laenger in ‚UFO-Landia‘ als bei Dir.

    Kuriositaet hierbei: glaubst Du, es wuerde sich auch nur EINES von selbst erledigen?Nein, ‚brav und artig‘ warten sie dann doch alle immer wieder auf mich und es laeuft auch keines weg ^^/ ;-)  – auch wenn ich mitunter sauer/grantig mit ihnen geworden bin und dies sicherlich f. sie spuer-/sichtbar ist. Hart im Nehmen die Dinger = auch Hut ab vor Denen (nicht nur vor Dir).

    Bin mal neugierig ob’s noch mehr ‚Club-Mitglieder‘ Deiner und meiner Art gibt; menschlich waer’s schlieslich schon, oder ?

    Liebe Gruesse (rundum; wer’s vertraegt)

    * Steigerungen/Besserungen (‚verflixt vermaledeite, arbeitsintensiv und nervenraubende ‚Enden‘ )gaeb’s logisch fast immer ?!)

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    1. Ich habe noch zwei andere Beutel mit Material für Decken und dem WIP, die kommen dran wenn ich wieder Lust habe, einem dieser ewigen Work in Progress Stücken das Ende zu bereiten.
      Liebe Grüsse Sabine

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  4. Der umhäkelte Rand ist ein ganz wunderbarer letzter Schliff für Deine Decke. Gerade die blaue Reihe am Schluss greift noch einmal super die blauen Akzente auf. Für mich war dieses Thema des letzten Schliffs eine gute Gelegenheit über das Ende eines Nähprojektes nachzudenken und konktet zu sehen, wieviele Säume ich inzwischen mit der Hand genäht habe… Mein Beitrag findet sich hier (wordpress hält leider mittlerweile wohl nichts von einem minimalistischen Link) :

    Liebe Grüße!

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  5. Die Decke ist total schön geworden. Der aufwendige Rand hat sich gelohnt. Ich wünsche dir viele wohligwarme Stunden mit der Häkeldecke. Die kühle Jahreszeit hat ja schon begonnen. Liebe Grüsse von Regula
    Ich habe auch einen letzten Schliff angebracht:

    https://babajeza.wordpress.com/2025/09/28/der-letzte-schliff-stoffspielerei-im-september-the-final-touch/

    https://babajeza.wordpress.com/2025/09/28/der-letzte-schliff-stoffspielerei-im-september-the-final-touch/

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  6. Die Decke ist sehr dekorativ, die Edelsteinfarben leuchten, der blaue Rand ist ein perfekter Abschluss. Aber – Troddeln herzustellen nimmt doch auch viel Zeit in Anspruch ! Hier gefallen sie mir als Abschluss sehr gut, sie geben der Decke eine orientalische Note, die auch zum Mosaikmuster passt.

    Schön, daß Du das Projekt fertig gestellt hast. Und die Fotos sind mal wieder bezaubernd..Liebe Grüße von Tyche

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    1. Decke und ich haben einfach Wochenende gemütlich zusammen auf dem Sofa verbracht und irgendwann gab’s statt nur ein paar Trodeln in den Ecken, ganz viele. Wären Pompoms geworden, wäre die Stückzahl deutlich niedriger geblieben.
      Und die orientalische Note war unerwartet, aber sehr harmonisch.
      Liebe Grüsse Sabine

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  7. Eine sehr schöne Decke sowohl das Flächenmuster als auch der einrahmende Rand. Da waren sicher reichlich Fäden zu verstechen. Auds der Ferne wirkt das Muster wie Patchwork.

    Gerne bin ich bei Deinem Thema dabei. Kurzfristig habe ich unserem Tischset mit Konturlinien einen letzten Schliff verpasst.

    LG Ute

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    1. Tatsächlich war es mit dem Fäden vermögen nicht so schlimm. Aber vermutlich hauptsächlich weil mein letztes grosses Projekt, die Decke für meine Schwester, über 400 Quadraten mit je drei Fäden zu vermögen, beinhaltet. Da erscheinen die Fäden von 80 Granny Squares wie eine Kleinigkeit.
      Liebe Grüsse Sabine

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  8. Freue mich sehr, hierher gefunden zu haben. Tolle Bilder und fertige Werke!

    Meine Abstinenz zu Wolle & Nadel[n] gab ich mit Beginn der kühleren Temperaturen auf…

    …es wird wieder gehäkelt!

    Frischherbstliche Grüße von Heidrun

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    1. Vielen Dank. Bei mir ist es ähnlich, kaum war das Wetter ein bisschen abgekühlt und verregnet konnte ich mich nicht mehr bremsen mit den Häkelprojekten.
      Liebe Grüsse Sabine

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  9. Ich bin heute erstmal nur Zuschauerin, da meine Technik einen ‚letzten Schliff‘ braucht und ich das Formatieren der Bilder auf einer anderen Plattform erledigen muss. Mein Beitrag kommt dann erst später in der Woche.

    Deine Decke ist so wunderbar geworden, man spürt die Liebe, die drinsteckt. Liebe Grüße, Elvira

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  10. So klein ist sie aber nicht, das tolle Stück. Ein sehr raffiniertes Muster wie ich finde, was eine tolle Fernwirkung hat. Die Randgestaltung einer Decke hat ja irgendwie eine Rahmenwirkung wie bei einem Gemälde und ist genauso wichtig.Die Geduld für die vielen Troddeln hätte ich wohl nicht gehabt. Hut ab!
    viele Grüße Karen

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    1. Der Plan war mal bei so grob 225 Granny Squares und in etwa dreimal grösser, geradezu riesig.
      Ich denke auch, dass bei dieser Decke, der breite Rand wichtig ist. Und alles wie du so schön schreibt, einrahmt und zusammenfässt. Die Troddeln wurden eine etwas ungeplante Grossproduktion.
      Liebe Grüsse Sabine

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