Stoffspielereien- Naturfasern verarbeiten, mit Naturfarben färben: Die Taglilie

Diesmal laden wir als Gastgeberinnen zu den Stoffspielereien mit dem Thema Naturfasern verarbeiten, mit Naturfarben färben ein. In letzter Zeit habe ich einiges rund ums Schaf oder die Schafwolle geschrieben und tatsächlich war meine ursprüngliche Idee mit meinen vielen überdrehten Schafwollknäueln zu arbeiten (aus den ersten Versuchen mit dem Spinnrad). Aber vielleicht mangelte es an der Idee oder wäre es mehr ein Pflichtprogramm und keine genüßliche Spielerei gewesen, jedenfalls wurde nichts daraus. Filzen wäre eigentlich mein Sommerprogramm gewesen, da ist auch noch nichts passiert. Daher möchte ich heute eine andere wilde Faserpflanze vorstellen: Die Taglilie. Aber zuerst zu unseren TeilnehmerInnen:

  • Tyche von Tyche’s Touch hat mit Naturfarben verschiedene Stoffqualitäten gefärbt, allen Widrigkeiten zum Trotz.
  • Amberlight-Label berichtet über die Herstellung von Tinte aus Pflanzen und dem Projekt 1qm Lein.
  • Stoffnotizen hat mit Schwarzen Skabiose gefärbt mit unerwarteten Ergebnissen.
  • Gabi von Made with Blümchen erzählt von ihrem ersten Jahr mit Spinnrad und Handspindel.
  • Elvira von Zwischendurch hat wieder gefilzt und Wollreste und Rohwolle kombiniert.
  • Siebensachen zum Selbermachen zeigt uns wie sie mit Färberwaid gefärbt hat.
  • Karen von Feuerwerk by Kaze lässt uns an ihrem Solarfärbe Experiment teilhaben.
  • Ela verrät wie ganz simple mit Pflanzen und einem Hammer kleine Kunstwerke erschaffen werden können.
  • Merle-Kolibri hat mit Erdpigmenten gearbeitet.
  • Ute von 123-Nadelei hat das Färben Lebensmitteln ausprobiert.

Vor mehr als einem Jahr habe ich das Buch Wilde Fasern von Alice Fox aus dem Hauptverlag vorgestellt. Bezaubert und inspiriert hatte es mich sofort, nur braucht es seine Zeit, will man seine eigenen Fasern ernten und trocknen. Eine Wilde-Faser-Pflanze, die es in meinem Garten gibt, ist die Taglilie. Die steht schon seit Großmutters Zeiten hier. Ich habe verschiedene Teile davon umgesiedelt und erfreue mich immer wieder an ihrer Anspruchslosigkeit und Verlässlichkeit. Meine Taglilie blüht einfärbig orange, die unten gezeigte wächst bei meinem Nachbarn. Es gibt unterschiedlichste Varianten in wunderschönen Farbtönen und auch mit verschiedenen Blütezeiten.

Taglilie

Botanisch gesehen gehört die Pflanze zur Unterfamilie der Taglilien (Hemerocallidae). Sowohl der wissenschaftliche wie der deutsche Name dieser Gattung leitet sich davon ab, dass die Einzelblüten der Pflanze nur einen Tag schön sind, bevor sie gleich wieder verwelken. Die Hemerocallis- Familie stammt ursprünglich aus dem eurasischen Raum, ihr Genzentrum liegt allerdings in China, wo sich die meisten Ursprungsarten befinden. Taglilien sind ausdauernde Pflanze, die gerne in Horsten wachsen, also große Kolonien bilden. Sie ist von Mitteleuropa bis Ostasien verbreitet. Als Garten- und Schnittpflanze findet man sie in Europa und Amerika. In Ostasien wird die Taglilie ganz anders genutzt. In Korea hilft die Wurzel bei Verstopfung und Lungenleiden. In China werden alle Teile der Pflanze als Lebensmittel verwendet und finden auch in der traditionellen chinesischen Medizin Anwendung. „Ein Gemüse so edel wie Spargel“, so werden die jungen Sprossen der Taglilie beschrieben. Triebe, Blätter, Knospen, Blüten und ihre Knollen bieten ein vollwertiges Spektrum an Nähr- und Vitalstoffen. In China werden außerdem in manchen Provinzen die Blätter zum Dachdecken von traditionellen Häusern benutzt.

Als Faser interessant sind ihre langen riemenförmigen Blätter. Laut Alice Fox kann man die bereits frisch, also grün, ernten oder später im Jahr, wenn sie braun werden. Jetzt gerade habe ich erst einmal braune, welkende Blätter gesammelt. Ich finde es so praktisch, wenn ich „Pflanzenabfall“ gleich einlagern und für einen neuen Zweck verwenden kann. Aber ich möchte auch noch Grüne ernten, um später vergleichen zu können. Die Blätter, die ich für meine Flechtversuche verwendete, stammen vom Vorjahr. Ich weiß leider nicht mehr genau ob sie bei der Ernte grün oder braun waren. Aber ich bin sicher, ich erntete erst, nachdem die Pflanze zum Blühen aufhörte und sich zurückzuziehen begann.

Taglilie diagonal geflochten

Jedenfalls hatte ich jetzt-endlich- da es zum Nähen zu heiß war, Lust etwas damit zu versuchen. Trocken sind die Blätter eher spröde. Also habe ich einige einmal probeweise in Wasser gelegt. Wie lang? Das ist gleich die erste spannende Frage. Zeit kann ich keine nennen, es war mehr ein Fühlen: Biegen sie sich schon? Oder brechen sie noch? Jedenfalls werden die Blätter nach einiger Zeit wunderbar seidig weich. Sie färben übrigens etwas ab, das sollte man nicht vergessen. Ich bin draußen auf den Stufen gesessen und habe dort geflochten und herumgetropft. Als Anleitung diente mir Monika Küntis wundervolles Buch Aus Streifen geflochten (erschienen 2019 im Verlag Haupt).

Ich hatte daraus schon Verschiedenes mit Papierstreifen probiert. Aber ich habe noch nie ernsthaft versucht mit Naturmaterial zu flechten. Also entschied ich mich für eine flache Borte diagonal geflochten. Diese Variante ist weltweit verbreitet und man kann die Borten später zusammennähen um Hüte oder Taschen herzustellen. Das schien mir machbar.

Für die Anwendung hatte ich eine konkrete Idee, nämlich ein Sonnenschild mit angenähtem Stoffbindeband. Aber zuerst hieß es einmal Borten flechten.

Nur ganz so leicht war die Flechterei nicht: Die nassen Stängel kleben manchmal höchst unpassend aneinander, wenn sie eben zu nass waren. Auch muss man die Stängel manchmal auseinanderstreifen, weil sie eine Tendenz haben sich in der Mitte zu falten. Die Blätter sind nicht immer gleich breit (genaugenommen laufen sie zur Spitze scharf zu) und manchmal rollen sich die Enden auch etwas ein oder lassen sich nicht gut entfalten, speziell am Ansatz.

Aber ich erhielt immerhin Flechtborten…Man könnte natürlich ganze Flächen oder Taschen flechten, die Frage ist nur, kann ich es auch (jetzt schon)?

Das größte Problem war aber das Verlängern. Das gelang nur bei einem Stück ganz gut. Dazu fehlt mir vor allem Übung. Als Strohbortenflechter würde mich momentan noch keiner engagieren. Über Nacht ließ ich sie trocknen und am nächsten Tag kam Teil 2 des Experiments: Das Zusammennähen mit der Nähmaschine. Ich liebe Strohhüte und Körbe. Daher untersuchte ich erst einmal meine eigenen, von professionellen FlechterInnen gearbeiteten, Hüte. Dann dachte ich mir „Wer wagt gewinnt“ und setzte mich an die Maschine. Das Nähen ging sehr gut. Es gab überhaupt keine Schwierigkeiten mit dem Transporter, trotz meiner unregelmäßigen Flechtarbeit. Das verflochtene Material bleibt auch im trockenen Zustand genug elastisch, dass man es nach Bedarf biegen oder drücken kann. Besonders schön finde ich die Farben der Borten. Es gibt Farbschattierungen von Braun bis Oliv, das wirkt sehr apart, auch haben sie einen seidigen Glanz. Ich habe alle meine Musterstreifen der Länge nach sortiert und zusammengenäht. Danach schnitt ich den Schild etwas besser in Form. Das längste Stück habe ich als Abschluß um den Schild herumgenäht. Eigentlich wollte ich den Schild mit einem Stoffband einfassen, aber es gefiel mir nicht. Ich finde die natürliche Kante am schönsten.


Fazit: Also ich habe schon öfter Material gesammelt und es ist nur am Heuboden verstaubt. Daher bin ich sehr stolz auf meine Arbeit. Flechten ist eine wundervolle Arbeit. Ich muss noch einige Erfahrungen sammeln, nicht nur was meine Geschicklichkeit betrifft sondern auch über benötigte Mengen. Aber ich beginne gerade mit der nächsten Ernte, da meine Taglilien bereits verblüht sind. Und gegessen habe ich Taglilien auch noch nicht, besitze aber ein Kochbuch mit tollen Rezepten dafür…

Material: Getrocknete Blätter der Taglilie, afrikanischer Baumwollstoff (aus dem geschenkten Stoffstapel), Nähseide

Bücher: Wilde Fasern von AliceFox und Aus Streifen geflochten von Monika Künti, beide Haupt Verlag


25 Gedanken zu “Stoffspielereien- Naturfasern verarbeiten, mit Naturfarben färben: Die Taglilie

  1. Einen Kommentar zum Flechtwerk soll es von mir natürlich auch noch geben – wie genial ist der denn geworden. Das sieht so professionell aus! Und das es dir tatsächlich gelungen ist, daraus eine tragbare Kappe zu machen, beeindruckt mich sehr … ob die Nachbarin auch Taglilien hat? Ich muss direkt mal schauen gehen …

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    1. Ich bin selber immer noch erstaunt, dass die Blätter doch so stabil sind, es fühlt sich ein bißchen wie Bast an. Mittlerweile habe ich schon ein etwas längeres zusammenhängendes Flechtband, also, wenn ich noch ein wenig übe…Liebe Grüße, Silvia

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    1. Ja der Kommentarfilter war leider wieder etwas übereifrig. Normalerweise passt es wenn einmal freigegeben für immer, aber hin und wieder da gibt es Problemchen.
      Liebe Grüsse Sabine

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  2. Hallo liebe Petersilien! Wir sind heute zu einem Brunch geladen; ich werde heute später alles lesen und kommentieren. Hier zunächst mein Beitrag, der gerade fertig geworden ist: https://madewithbluemchen.at/spinnen-lernen/ . Pflanzenfärben wollte ich auch. Gut, dass ich es nicht getan habe, dann kann ich mich bei euch inspirieren lassen. :-) Liebe Grüße, Gabi

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    1. So, da bin ich noch einmal, jetzt in Ruhe zum Lesen und Kommentieren.
      Ein spannendes Pflanzenportrait, und ein wunderhübsches Ergebnis! Ich habe mich dabei ertappt, wie ich automatisch annahm, diese Pflanze sei giftig. Dabei wird sie in anderen Ländern in allen Teilen gegessen. Faszinierend. (Du hast Rezepte? Das würde ich gerne einmal kosten.)
      So schön, dass du (a) die Fasern verarbeitet (b) etwas Neues ausprobiert (c) ZWEI Bücher benutzt und (d) auch noch ein hübsches Ergebnis geschaffen hast! Wie schön und rundum gelungen. Danke fürs Gastgeberin-Sein heute! Liebe Grüße, Gabi

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  3. Ein wirklich schickes Schild! Mit Pflanzen zu flechten ist nicht einfach, das beschreibst du ganz gut. Ich hatte auch mal angefangen, Rinden zu sammeln, hab dann aber lieber mit Jeansstreifen geübt. Ein ergänzender Buchtip dazu ist: Flechten mit Naturmaterialien von Jette Mellgren aus dem Topp Verlag. Ich habe mich wieder mal ans Filzen gewagt und du findest meinen Beitrag hier: https://zwisch-en-durch.blogspot.com/2024/09/stoffspielereien-naturfasern.html Danke für die Anregung und das Sammeln. Liene Grüße, Elvira

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    1. Das Buch werde ich mir vormerken, danke. Denn mit der Taglilie würde ich gerne noch weiter arbeiten, es ist so überaus praktisch mit der Ernte im garten… Liebe Grüße, Silvia

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  4. Eine sehr schöne Spielerei, die mich daran erinnert hat, dass man mit den Blättern der Taglilie weben kann. Das habe ich nur mangels Taglilienblättern noch nicht ausprobiert. Dein Flechtwerk sieht doch fast wie gewebt aus und die Idee, daraus ein Sonnenschild zu machen finde ich toll. Wenn du noch mehr Blätter hast, würde ich mich freuen, bald noch mehr zu sehen.

    LG
    Siebensachen

    Mein Beitrag:

    https://siebensachen-zum-selbermachen.blogspot.com/2024/09/stoffspielereien-im-september-2024.html

    Und Danke für das Thema!

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    1. Ich würde sehr gerne eine kleine geflochtene Tasche, eine Clutch machen. So irgendwas sommerliches, leichtes, dass gut zu Leinen und dergleichen passt. Material hätte ich nun genug! Liebe Grüße, Silvia

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  5. Ich finde die Farbe der getrockneten Taglilie ganz wunderbar und zum Vernähen, scheint es ja auch wunderbar zu klappen. Die Länge der Blätter animiert zum Flechten und mit Überlappungen könnte ich mir auch ein endloses Teil vorstellen. Da läßt sich sich bestimmt noch mehr zaubern und toll, wenn man das Material dafür gleich im Garten hat. Das Sonnenschild ist dir jedenfalls gut gelungen!

    Viele Grüße von Karen, die auch dabei ist (feuerwerkbykaze)

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  6. Liebe Sivia, von dieser Flechtarbeit bin ich sehr beeindruckt und begeistert. Die Taglilie hatten wir zu meinen Kinderzeiten auch im Schrebergarten, mit gefielen immer die leuchtenden Blüten, die habe ich gerne gemalt.

    Deine Beschreibung zur Vorbereitung der Flechterei ist ausführlich genug, um es mal sellbst auszuprobieren. Du hast die Idee, aus so einem Geflecht eine sommerliche Handtasche zu machen – ich hatte mal so etwas, aus einem handgeflochtenen Tischset gefertigt. Leider nicht allzu strapazierfähig, aber hübsch. Das Sonnenschild ist toll geworden, mir gefällt der geflochtene Rand auch besser als eine Stoffpaspel

    Vielen Dank für Deine Mühe als Gastgeberin und die schönen Beispiele, liebe Grüß von Tyche

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    1. Bei der Tasche könnte ich mir auch gemixt mit Leinen oder so oder zumindest nur die Klappe vorstellen, mal sehen, das wäre eine Tasche, die nicht alles mitmachen muss, aber vielleicht die Sommergargerobe hübsch ergänzt…liebe Grüße, Silvia

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  7. Total interessant, was du über die Taglilien berichtest. Ich wäre nie auf die Idee gekommen aus den Blättern etwas zu flechten. Der Sonnenschild sieht sehr schön aus und zumindest auf den Fotos auch schon ziemlich perfekt.

    Diesmal bin nicht dabei bei den Stoffspielereien, mir fehlte vor allem die Zeit und auch ein bißchen die Ideen. LG Gabi

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    1. Das Material ist dem Bast recht ähnlich und gut zu verarbeiten, durch die individuellen Farbnuancen sieht es auch recht lebendig aus, das erleichtert die Verarbeitung sehr. Liebe Grüße, Silvia

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